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Purpur
unregistriert

...   Erstellt am 04.04.2006 - 22:58Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


"Du bist Deutschland",
-Kampagne des Steuerwahnsinns-:
fette Beute- das sagte sich auch der Herr Müller.

Der Herr Müller kommt aus Aretsried, das liegt in Bayern, also ganz im Süden.
Der Herr Müller ist ein Unternehmer, und das, was in den Fabriken von Herrn Müller hergestellt wird, habt ihr sicher alle schon mal gesehen,
wenn ihr im Supermarkt wart.

Der Herr Müller stellt nämlich lauter Sachen her,
die aus Milch gemacht werden. Naja, eigentlich stellen die Kühe die Milch her,
aber der Herr Müller verpackt sie schön und sorgt dafür, daß sie in den Supermarkt kommen, wo ihr sie dann kaufen könnt.

Die Sachen, die der Herr Müller herstellt sind so gut, daß sogar der Herr Bohlen dafür Werbung gemacht hat.

Weil der Herr Müller ein Unternehmer ist, hat er sich gedacht, er unternimmt mal was und baut eine neue Fabrik.
Und zwar baut er sie in Sachsen, das ist ganz im Osten.
Eigentlich braucht niemand eine neue Milchfabrik, weil es schon viel zu viele davon gibt, und diese viel zu viele Milchprodukte produzieren,
aber der Herr Müller hat sie trotzdem gebaut.

Und weil die Leute in Sachsen ganz arm sind und keine Arbeitsplätze haben, unterstützt der Staat den Bau neuer Fabriken mit Geld.

Arbeitsplätze hat man nämlich im Gegensatz zu Milchprodukten nie genug.

Also hat der Herr Müller einen Antrag ausgefüllt, ihn zur Post gebracht und abgeschickt.

Ein paar Tage später haben ihm dann das Land Sachsen und die Herren von der Europäischen Union in Brüssel einen Scheck über
70 Millionen Euro geschickt.

70 Millionen, das ist eine Zahl mit sieben Nullen, also ganz viel Geld.

Viel mehr, als in euer Sparschwein passt.

Der Herr Müller hat also seine neue Fabrik gebaut und 158 Leute eingestellt.

Hurra, Herr Müller.
Nachdem die neue Fabrik von Herrn Müller nun ganz viele Milchprodukte hergestellt hat, hat er gemerkt, daß er sie gar nicht verkaufen kann, denn
es gibt ja viel zu viele Fabriken und Milchprodukte.

Naja, eigentlich hat er das schon vorher gewußt, auch die Herren vom Land Sachsen und der Europäischen Union haben das gewußt,
es ist nämlich kein Geheimnis.
Das Geld haben sie ihm trotzdem gegeben.

Ist ja nicht ihr Geld, sondern eures. Klingt komisch, ist aber so.

Also was hat er gemacht, der Herr Müller?
In Niedersachsen, das ist ziemlich weit im Norden, hat der Herr Müller auch eine Fabrik.

Die steht da schon seit 85 Jahren und irgendwann hatte der Herr Müller sie gekauft.

Weil er jetzt die schöne neue Fabrik in Sachsen hatte, hat der Herr Müller die alte Fabrik in Niedersachsen nicht mehr gebraucht, er hat sie
geschlossen und 175 Menschen haben ihre Arbeit verloren.

Wenn ihr in der Schule gut aufgepasst habt, dann habt ihr sicher schon gemerkt, daß der Herr Müller 17 Arbeitsplätze weniger geschaffen hat,
als er abgebaut hat.
Dafür hat er 70 Millionen Euro bekommen.

Wenn ihr jetzt die 70 Millionen durch 17 teilt, dafür könnt ihr ruhig einen Taschenrechner nehmen, dann wißt ihr, daß der Herr Müller für jeden
vernichteten Arbeitsplatz über 4 Millionen Euro
bekommen hat.

Da lacht er, der Herr Müller.
Natürlich nur, wenn niemand hinsieht.
Ansonsten guckt er ganz traurig und erzählt jedem, wie schlecht es ihm geht.

Aber der Herr Müller sitzt nicht nur rum, sondern er sorgt auch dafür, daß es ihm besser geht.

Er ist nämlich sparsam, der Herr Müller.
Sicher kennt ihr die Becher, in denen früher die Milch von Herrn Müller verkauft wurden.

Die schmeckt gut und es passten 500 ml rein, das ist
ein halber Liter.
Seit einiger Zeit verkauft der Herr Müller seine Milch aber in lustigen Flaschen, nicht mehr in Bechern.

Die sind praktisch, weil man sie wieder verschließen kann und sehen hübsch aus.

Allerdings sind nur noch 400 ml drin, sie kosten aber dasselbe.

Da spart er was, der Herr Müller. Und sparen ist eine Tugend, das wissen wir alle.

Wenn ihr jetzt fragt, warum solche Leute wie der Herr Müller nicht einfach an den nächsten Baum gehängt werden, dann muß Ich euch sagen, daß man so etwas einfach nicht tut.

Wenn ihr aber das nächste mal im Supermarkt seid, dann laßt doch einfach die Sachen vom Herrn Müller im Regal stehen und kauft die Sachen,
die daneben stehen.

Die schmecken genauso gut, sind meistens billiger und werden vielleicht von einem Unternehmer hergestellt, für den der Begriff
"soziale Verantwortung" noch eine Bedeutung hat.


www.delico.de/forum/

[Dieser Beitrag wurde am 04.04.2006 - 23:06 von Purpur aktualisiert]




cato 

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...   Erstellt am 21.11.2009 - 11:15Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hey Purpur,
der Beispiele ließen sich noch viele anfügen. Nur eines möchte ich hier nennen. Der Herr Dr. Franz Schneider aus Kronach im schönen Oberfranken hat in Judenbach (Lkrs. Sonneberg) eine Fabrik gebaut, in der er einen Teil seiner Autoteile spritzen und verarbeiten ließ. Auch in Sömmerda hatte er eine Fabrik gebaut. In Judenbach erhielt er das Gelände erschlossen geschenkt. Da baute er dann voller Elan eine schöne Fabrik hin. Warum die in Sömmerda nicht so schön wurde, weiß ich nicht, auf alle Fälle wurde sie recht schnell geschlossen. In Judenbach hielt die Fabrik 10 Jahre durch (so lange hatte der Herr Dr. Bindefrist durch die EU). Als nun die Finanzkrise angallopiert kam, wurden rasch so an die 100 Mitarbeiter entlassen. Da aber nicht weniger produziert wurde, kamen Leiharbeiter zum Einsatz. Nächstes Jahr wird dann wohl der Rest der Belegschaft gehen und Judenbach ist abgeschlossen.
So sehr Arbeitsplätze geschaffen werden müssen, so wenig ist die Förderpolitik von Bund, Ländern und EU nachvollziehbar.
Obenauf schwimmt aber immer das Kapital. Und wenn es mal nicht mehr schwimmt, wird Geld vom Steuerzahler nachgepumpt, dass sich die Finanzkissen wieder aufplustern. Der kapitalistische Staat tut alles, um seiner Funktion als Herrschaftsinstrument der Bourgeoisie gerecht zu werden. Langsam müßten, zumindest den Arbeitern, die Augen aufgehen.





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Ceterum censeo, Carthaginem esse delendam.

RAJABEAT ...
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...   Erstellt am 21.11.2009 - 17:48Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Da kenn ich im kleinen Tirol jede Menge solcher Ärsche aus Wirtschaft und Politik.
Ein schönes Beispiel ist der Herr T. Das ist ein Grossindustrieller (gross ist relativ, 160cm hoch wird der sein) im Oberinntal, ein glühender Befürworter des EU-Beitrittes Österreichs damals, vom Wirtschaftsbund hochdekoriert, Ehrenzeichenträger der Republik usw.
Vor der Abstimmung Österreichs zum EU-Beitritt hat er ihm wichtig erscheinende Leute zu einem grossen Fest geladen, ging von Tisch zu Tisch um jedem die Wichtigkeit eines Teilhabens unseres Landes an diesem grossartigem Projekt ans Herz zu legen und zu bitten, dahingehend auf die Mitarbeiter der jeweiligen Firma einzuwirken. Und wie wichtig das überhaupt sei, für die Erhaltung der Arbeitsplätze im Land.
Als Zentraleinkäufer einer grossen Tiroler Firma war ich auch geladen - der Kerl war mir schon unsympathisch wie ich ihn gesehen hab. Ich hab ihm schlicht und einfach erklärt, dass ich ganz sicher keine politische Werbung für ihn in der Firma machen und auch jeden Versuch eines anderen dazu unterbinden werde.
Als er dann noch begonnen hat, Europa-Uhren bei den Gästen zu verteilen, ist es fast zum Eklat gekommen, weil ich wissen wollte, wer das zahlt, seine Sklaven oder alle Österreicher.
Wie die Abstimmung ausgegangen ist wissen wir ja, und was hat der Arbeitsplatzerhalter T. gemacht? 14 Tage später wurde ein neues Werk in Bayern nahe der Grenze eröffnet, 120 Arbeitsplätze in der ohnehin schwachen Region gingen verloren. Das Werk in Bayern ist inzwischen auch geschlossen, damit hat er so 200 Leute arbeitslos gemacht. Ein würdiger Europäer.
Das alles ist natürlich nur frei erfunden, weil sonst klagt mich das Arschloch, das dürfte ja jetzt seine Haupteinnahmequelle sein.
Die Uhr hab ich übrigens behalten, bin also auch ein Beitrittsgewinner.





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