DerBösartige Grünschnabel


Status: Offline Registriert seit: 25.04.2004 Beiträge: 14 Nachricht senden | Erstellt am 22.05.2004 - 07:23 | |
Omnis mundi creatura
Omnis mundi creatura quasi liber et pictura nobis est, et speculum.
Nostrae vitae, nostrae mortis, nostri status, nostrae sortis fidele signaculum.
Nostrum statum pingit rosa, nostri status decens glosa, nostrae vitae lectio.
Quae dum primo mane floret, defloratus flos effloret vespertino senio.
Nostrae vitae, nostrae mortis, nostri status, nostrae sortis fidele signaculum.
Cujus vita cujus esse, poena, labor et necesse vitam morte claudere.
Sic mors vitam, risum luctus, umbra diem, portum fluctus, mane claudit vespere.
In nos primum dat insultum poena mortis gerens vultum, labor mortis histrio.
Nos proponit in laborem, nos assumit in dolorem; mortis est conclusio.
Nostrae vitae, nostrae mortis, nostri status, nostrae sortis fidele signaculum. 
Signatur DerBösartige |
ParanoiD Mitglied
 

Status: Offline Registriert seit: 01.07.2004 Beiträge: 64 Nachricht senden | Erstellt am 14.07.2004 - 07:47 | |
ich hab ma die übersetzung gesucht weil mein latein ist etwas eingerostet ^^
"Sequenz der Rose" Alanus ab Insulis (= Alain de Lille) ca. 1114/20 - 1202
Kommentar: Der Text des Liedes von Helium Vola stellt eine gekürzte Version des Gedichts "Sequenz der Rose" von Alain de Lille dar. Folgende Übersetzung basiert auf der kompletten Fassung.
Die Geschöpfe dieser Erde sind ein Buch und ein Gemälde und ein Spiegel unsres Seins. Unserm Leben, unserm Sterben, unsrer Lage, unserm Lose können sie ein Zeichen sein.
Unsern Zustand zeigt die Rose, klar beschreibt sie unsre Lage, unser Leben stellt sie dar. Die am frühen Morgen blühet, kaum erblüht verblüht die Blüte, wenn am Abend alles welkt.
Taufrisch siecht dahin die Blüte, wenn sie blaß in Fieberschauern im Erblühen schon vergeht. Alt und jung zur gleichen Stunde, Greis und Kind in gleichem Maße, welkt die Rose im Erblühn.
Auch des Menschen Lebensfrühling und der Jugend erster Morgen blüht für eine kurze Zeit. Doch im Lebensabend endet dieser Morgen, und bald naht sich jedes Lebens Dämmerung. Noch eh' aller Glanz entfaltet ist die Schönheit schon vorüber, und die Zeit fließt drüber hin.
Blume wird zu Heu, zu Kote wird die Perle, und als Asche zahlt der Mensch dem Tod Tribut. Unabwendbar ist sein Leben und sein Sein nur Qual und Mühe, und das Leben schließt im Tod.
Auf den Morgen folgt der Abend, auf das Lachen folgt die Trauer, auf das Leben folgt der Tod.
Unsres Daseins erste Qualen tragen schon des Todes Züge, und die Mühe kündet Tod. Uns den Mühen auszusetzen und den Schmerzen hinzugeben ist des Todes Forderung. Unter dies Gesetz gezwungen, Mensch erkenne deine Lage und bedenke, was du bist.
Was du warest neugeboren, was du bist, und was du sein wirst oh, beachte es genau.
Weine über Schuld und Strafe, halte still, nichts übereile, lege jeden Hochmut ab.
Lenker, Steuermann des Geistes, lenke unsern Sinn und sorge, daß sein Weg nicht irre geht.
Signatur woher soll ich wissen was ich denke, bevor ich höre was ich sage |