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Minotaurus ![]() Hausherr und Gastgeber ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Status: Offline Registriert seit: 13.06.2006 Beiträge: 1550 Nachricht senden |
Heute: Anna Wimschneider / Eine etwas andere Sicht der Dinge. ![]() Heute werden wir uns mit dem phänomenalen und kometenhaften Aufstieg der Bäuerin Anna Wimschneider als Romanautorin befassen. Entspannen Sie sich, lehnen Sie sich bequem zurück, schalten Sie alle ihre Synapsen auf "offline“ und lassen Sie diese Geschichte auf sich wirken. Wer kennt nicht den bekannten Film "Herbstmilch“ von Joseph Vilsmeier aus den 90ern. Dieser Film mit der feschen Dana Vávrová in der Hauptrolle erzählt die Lebensgeschichte von Anna Wimschneider aus Pfarrkirchen in Niederbayern und er wurde nach ihrem gleichnamigen Bestseller verfilmt. Was die wenigsten Leser wissen: Anna Wimschneider hat all diese Dinge gar nicht selbst erlebt, sondern sie aus dem Tagebuch ihrer Großmutter abgeschrieben. Das war viel einfacher, als alles selbst erfinden zu müssen. Irgendjemand musste ja schließlich auch noch die ganze Arbeit auf dem Hof verrichten und der Bauer war dies garantiert nicht. Ohnehin hatten Bauern immer schon eine große Abneigung gegen schwere, körperliche Arbeit, aus diesem Grunde hatten sie auch immer eine ganze Menge Gesinde auf ihrem Hof angestellt, das sie rücksichtslos schinden und ausnutzen konnten. Maschinen gab es ja zu dieser Zeit noch nicht. Aber ich greife vor, denn dies ist ja eigentlich die Geschichte von Anna Wimschneider, bzw. die ihrer Großmutter. Entschuldigen Sie bitte meine abschweifende Art. Hier erstmal ein offizieller Auszug aus ihrer Lebensgeschichte: Anna Wimschneider (*16. Juni 1919 in Pfarrkirchen, Niederbayern; † 1. Januar 1993 in Pfarrkirchen) war eine deutsche Bäuerin und Autorin. Geboren wurde sie als viertes von neun Kindern. Mit acht Jahren verlor sie ihre Mutter, die im Kindbett starb. Von nun an musste sie den Haushalt auf dem Bauernhof und mit der Großfamilie führen. 1939 heiratete sie Albert Wimschneider, der aber bald zum Militär eingezogen wurde und schwer verwundet aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkehrte. Anna Wimschneider führte inzwischen die Landwirtschaft weiter und versorgte zeitweise vier alte angeheiratete Verwandte. Berühmt wurde sie 1985 durch ihre Autobiographie Herbstmilch – Lebenserinnerungen einer Bäuerin. Diese wurde 1988 von Joseph Vilsmaier mit Dana Vávrová und Werner Stocker in den Hauptrollen verfilmt. Anna und Albert Wimschneider sind in Nebenrollen in diesem Film zu sehen. Als Filmmusik wurde der Kuckuckswalzer verwendet. Anna Wimschneider wurde 1990 der Bayerische Poetentaler der Münchner Turmschreiber verliehen. Herbstmilch ist der autobiographische Lebensbericht der Bäuerin Anna Wimschneider (1919-1993) von 1985. Dieser in einfacher Erzählsprache verfasste Bericht über die Lebensgeschichte einer bis dahin unbekannten Person wurde zu einem der größten Erfolge in der Geschichte des deutschen Buchhandels. Die Autobiographie war über drei Jahre in den Bestsellerlisten. Wimschneider erzählt von den harten Lebensbedingungen als bayerische Bauerntochter von der Kindheit an: Als 8-jährige übernimmt sie 1927 die Aufgaben der Bäuerin auf dem väterlichen Bauernhof. Während der Kriegszeit muss sie den Hof ihres Mannes bewirtschaften, der zum Kriegsdienst eingezogen wurde. Die Erzählung bietet ihren Lesern und vor allem Leserinnen reiche Identifikationsmöglichkeiten. Das Buch wurde 1988 von Joseph Vilsmaier mit seiner Ehefrau Dana Vavrova und Werner Stocker verfilmt, mit der Musik von Enjott Schneider. Der Titel "Herbstmilch" leitet sich von der niederbayerischen Bezeichnung "Hiagstmuich" für sauere, gestöckelte Milch ab, aus welcher traditionell gerne eine saure Suppe bereitet wurde, die man zum Frühstück aß. Quelle: Wikipedia Daß zu diesem Film als Hintergrundmusik ausgerechnet der Kuckuckswalzer gespielt wurde, regt natürlich zum Nachdenken an. Wollte der Vilsmeier damit vielleicht einen versteckten Hinweis auf… ? Aber lassen wir das, ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Jedenfalls haben der Vilsmeier und seine tschechische Schnalle genau den richtigen Riecher gehabt und mit dieser anheimelnden Erzählung in primitivstem Sprachgebrauch und minimalem Wortschatz den Nerv des einfachen Volkes getroffen. Kein komplizierter Satzbau, kein einziges Fremdwort, keine einzige, hochgestochene Floskel und keine überflüssigen Dialoge verunstalten diese einfache und bildhafte Erzählung und der ältere Leser, bzw. der Zuschauer kann sich somit bestens damit identifizieren. Der Identifikationsfaktor ist nämlich ein nicht zu unterschätzendes Element bei solchen Geschichten. Dieser Prozess spielt sowohl in der Psychologie Sigmund Freuds als auch im Theater und im Film eine große Rolle. Der Schauspieler sollte seine Rolle nicht spielen, sondern selbst die Figur dieser Rolle sein. Konstantin Sergejewitsch Stanislawski wusste das bereits und Stanislawski kennt heute jedes Kind. Der Leser, bzw. der Zuschauer mag nicht selber denken. Bertold Brecht dagegen hat mit seinem "Epischen Theater“ diesen einfachen Grundsatz nicht befolgt und ist deshalb kräftig auf die Schnauze gefallen. Ich kenne jedenfalls niemanden, der seine Werke gelesen hat oder kennen Sie vielleicht jemanden? Na also! Aber ich merke, dass ich schon wieder abschweife, entschuldigen Sie bitte. Zurück zu Anna Wimschneider: Es gibt ein Literaturcafé ganz in meiner Nähe, in dem lange Zeit Anna Wimschneiders "Hiagstmuich“ der Renner schlechthin war. Nein-nein-nein-nein-nein, nicht das Buch, sondern das Gericht auf der Tageskarte, also die sauere Suppe! Sogar der Vilsmeier, dieser alte Sack, war damals mit seiner jungen, tschechischen Schnalle mal kurz anwesend und ich muß sagen, die hätte ich auch mal gerne gepo…, ääh, ich meinte natürlich, mich mit ihr über Literatur unterhalten. (verd… Freud!) Wo waren wir gerade? Ach ja, bei der Wimschneider. Also, diese Frau war selbst völlig überrascht, wie der Vilsmeier "ihre“ Lebensgeschichte verfilmt hat, das Tagebuch ihrer seligen Großmutter war darin kaum mehr wiederzuerkennen. Aber egal, die Tantiemen aus den Veröffentlichungen und der Verfilmung wogen diesen kleinen Schmerz bei weitem auf. Schade nur, dass sie die ganze Kohle nicht mehr selbst verprassen konnte, aber ihre Erben freuen sich bestimmt darüber. Wie gut, dass die Großmuter seinerzeit alles aufgeschrieben hat. Daran sieht man wieder mal, wie wichtig es ist, alles, aber auch wirklich ALLES aufzuschreiben. Wenn Sie also nun ebenfalls die Absicht haben, über Nacht berühmt zu werden, so klauen Sie einfach das Tagebuch Ihrer seligen Großmutter und suchen Sie sich so einen alten Sa…, äh, ich meinte natürlich, einen Regisseur wie diesen Vilsmeier. Der hat bereits viel Erfahrung mit der Verfilmung von Tagebüchern, wie seine weiteren Erfolgsfilme “Rama dama“ und "Stalingrad“ sehr deutlich zeigen. Ich wünsche Ihnen dabei viel Erfolg! Falls es nicht geklappt hat, so steht Ihnen immer noch der Bayerische Poetentaler in Aussicht. Der wurde extra dazu geschaffen, damit hilfsbedürftige Poeten beim Turmwirt endlich ihre Zeche bezahlen können und somit nicht immer anschreiben lassen müssen. Auch der Wittelsbacher Prinz Franz Adalbert von Bayern, Dieter Hildebrand, Günter Siegel und die Spider Murphy- Gang haben diesen Taler bereits erhalten und dieser Umstand sollte uns ebenfalls zu denken geben. Auch hierzu einige Anmerkungen: Die Münchner Turmschreiber sind eine süddeutsche Literatenvereinigung. Die Gesellschaft hat sich nach dem linken Turm des Münchner Isartors benannt, in dem das Valentin-Museum untergebracht ist. Die Turmschreiber gründeten sich 1959 im Valentinstüberl, der Gaststätte des Museums. Der Poetentaler hingegen wird jährlich an Institutionen und Personen vergeben, die sich um die bayerische Kultur verdient gemacht haben. © 2006 by Minotaurus . [Dieser Beitrag wurde am 06.10.2009 - 22:45 von Minotaurus aktualisiert] Signatur ![]() Worte, Worte, nichts als Worte! Dazwischen manchmal ein Gedanke. (Marcel Reich-Ranicki) | |||
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