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...   Erstellt am 19.02.2007 - 19:56Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hände weg von meinem Mann!

Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft. Dieses Sprichwort mag auf alle anderen Frauen oder Männer zutreffen, nicht aber auf uns.
Mein Süßer und ich wissen, dass wir uns 100 %ig vertrauen können. Wieso sollten wir auch den Versuch des Fremdgehens unternehmen? Erstens haben wir es nicht nötig, denn wir lieben uns innig und zweitens, wer sollte uns schon nehmen?

Vor einigen Monaten rief eine ziemlich blond klingende Dame bei uns Zuhause an und verlangte aufgeregt, meinen Süßen zu sprechen.
„Worum geht es?“ Diese Frage entsprang nicht meiner Neugierde, sondern der Anweisung meines Süßen, nicht jeden Anruf an ihn weiter zu leiten. Es kommt schon mal ab und zu vor, dass er nicht, wie andere Bosse üblicherweise in seiner Firma ist, sondern auf dem Weg von Hamburg (Sitz seiner Firma) nach München, Mailand, Rom oder sonstwo hin einen Zwischenstop nach Hannover macht, um Zuhause von seinem Zweitbüro aus etwas zu erledigen.

Sie sagte, sie sei eine Angestellte meines Süßen und ihr Anliegen wäre privater Natur ...

Was soll’s, ich leitete das Gespräch weiter. Beim Abendbrot konnte ich meine Neugierde dann doch nicht mehr zurück halten und mein Süßer erklärte lapidar auf meine Fragen, dass seine neue Chefsekretärin ihren Job sehr genau nähme, dass sie niemals Betriebsgeheimnisse Preis gäbe und mir aus diesem Grunde nicht den Anlass ihres Anrufes mitgeteilt hätte.

Zwischen meinem Süßen und mir besteht die Abmachung, dass wir uns niemals gegenseitig in unsere geschäftlichen Angelegenheiten einmischen und ich gab mich mit seiner Antwort zufrieden.

Ihr nächster Anruf an einem Vormittag, an dem ich frei hatte, machte mich dann doch etwas stutzig. Warum fragt sie mich, wo mein Süßer ist, wenn sie es doch als seine Chefsekretärin wissen sollte?

„Er hält eine Vorlesung in der Industrie- und Handelskammer Hamburg, wie jeden 2. Donnerstag im Monat. Kann ich weiterhelfen?“
Nein, ich könnte nicht.

Was zum Teufel ging da vor? Sie hörte sich wie eine eifersüchtige Geliebte an, die nicht einmal davor zurück schreckte, die Frau des Opfers ihrer Begierde anzurufen.

Langsam kam ich ins Grübeln. Ich weiß selbst, dass mir die Zeit ein paar Falten in mein von leicht ergrautem Haar umrahmten Gesicht verpasst hatte. Na und? Fieberhaft überlegte ich, wann wir das letzte Mal wilden, hemmungslosen (Sie wissen schon, was ich meine) ... hatten. Ungeschützt sowieso, da die Mutter Natur mich rein altersmäßig schützt.
... Na ja, es war schon eine sehr kleine Weile her.

Ein Blick in meinen Kleiderschrank brachte die Erkenntnis, dass die Vogelscheuche in meines lieben Nachbars Garten modischer gekleidet war als ich. Ein Besuch bei meiner Kosmetikerin könnte auch nicht schaden.
Gitta musste her! Gitta ist meine beste Freundin und Vertraute, außerdem immens reich. Wenn sich eine nicht berufstätige, kinderlose Millionärin mit dem Ausgaben für Schönheitskosmetik auskannte, dann mit Sicherheit sie!

Gitta schleppte mich zu Gèrard, ihrem schwulen Friseur, zu Brigitte, ihrer lesbischen Kosmetikerin und zu ihrer Lieblingsboutique, in der anscheinend nur heterosexuelle Verkäufer arbeiteten.

8 Stunden, 43 Minuten und 12 Sekunden nach meinem Anruf bei Gitta erkannte ich mich selbst nicht mehr wieder. So lange dauerte die Verwandlung von einer senilen, altersschwachen Landpomeranze mit angegrautem Haaransatz und langen Unterhosen in eine sexy Lady, deren neuen, lang behaarten Wimpern nicht verrieten, dass ihre „Alterssichtigkeit“ durch Kontaktlinsen ausgeglichen wurde und dass ihr kleiner, süßer, knackiger Po von einem knallroten Push-up-String zusammen gehalten wurde. In diesen 8 Stunden und knapp 44 Minuten bekam ich immer wieder von fremden Menschen zu hören, dass ich eine süße, zarte Figur hätte, auf die so manche 16Jährige neidisch sein könnte. Alles Schleimer und geldgierige Weicheier!

Mein Süßer war nicht wenig erstaunt, als ihm beim Abendessen eine dauergewellte, sonnenbankgebräunte, nicht bebrillte und trotzdem perfekt mit Schnecken- und Hummerzange hantierende Ehefrau in einem hautengen Abendkleid gegenüber saß. Gitta war der Ansicht, dass dieses Essen auf Männer wie ein Aphrodisiakum wirkt.

„Haben wir im Lotto gewonnen?“ - „Ich war mit Gitta unterwegs.“ Das erklärte natürlich alles. „Ich muss nachher noch mal weg, warte nicht auf mich.“ - Wie bitte? Wohin wollte er?
„Na gut, dann gehe ich mit Gitta aus.“

20 Minuten später verließ er das Haus in einem frisch gebügeltem Hemd und schwarzen Smoking. Sehr seltsam.

Gitta holte mich zum Trost ab und wir landeten in unserer „Stammkneipe“, der teuersten Cocktailbar Hannovers. „Er betrügt dich!“ war Gittas trockene und sachliche Diagnose „Du hast dich zu lange gehen lassen und jetzt ist es zu spät.“

„Ich habe was? Nach all der Zeit, die wir glücklich zusammen waren ... ich habe mich immer um ihn gekümmert ... wir haben eine Tochter ... und einen Hund ... und eine Putzfrau.“
Eine Träne rollte über meine Wangen und tropfte von der Kinnspitze direkt in meinen eisgekühlten Tio Pepe.
„Er liebt mich.“ setzte ich trotzig hinzu.

„Und du einfältige Gans hast ihm heute auch noch Schnecken und Hummer vorgesetzt!“ Gitta konnte so grausam sein. Eiskalt, wie sie nun mal ist, rechnete sie mir auf einer Papierserviette aus, was ich bei einer Scheidung an Unterhalt verlangen könnte. Ich wollte aber keinen Unterhalt, ich wollte meinen Süßen behalten.

In den nächsten Wochen beobachtete ich jede Aktion meines Süßen mit Adleraugen, hielt seine Post vor die Glühbirne meiner Schreibtischlampe und versuchte, etwas zu erkennen. Allerdings kam ich mir sehr schäbig bei dieser schon fast kriminellen Handlung vor. Gitta und ich gingen sehr oft abends zusammen weg oder steckten unsere Köpfe in unserem Partykeller zusammen und berieten uns.

Dann kam meine Tochter in den Semesterferien für zwei Wochen nach Hause. Meinem Sonnenscheinchen erzählte ich natürlich kein Sterbenswörtchen von meinem Verdacht. Ist doch auch kein Problem mehr. Mittlerweile hatte ich sowieso beschlossen, diese blonde Büroschlampe kaltblütig um die Ecke zu bringen oder ihr zumindest gehörig meine Meinung zu geigen.
In einer Woche wird mein Süßer unseren 20. Hochzeitstag alleine feiern, denn ich werde als Mörderin im Knast sitzen.

Mein Süßer hatte sich an unserem Hochzeitstag frei genommen und schaute mich erwartungsvoll beim Frühstück an. Dann stand er vom Tisch auf, stellte er sich vor mich hin und nahm meine Hand in die seine.
Aha! Jetzt platzt die Bombe, jetzt wird er sein Geständnis ablegen. Ich werde ihm geduldig zuhören und dann kalt lächelnd anlügen, dass ich schon seit 3 Jahren einen Liebhaber hätte.

Ich hätte ihn allerdings besser kennen sollen. Er machte mir die süßeste Liebeserklärung, die ich jemals in meinem Leben gehört habe. Anschließend erzählte er mir, mit welchen Mühen er die neue Chefsekretärin in ihre Arbeit eingeführt hatte, damit sie ihn während der nächsten 4 Wochen würdig in seiner Firma vertreten könnte. Meine Augen wurden immer größer, als er mir offenbarte, dass wir in den nächsten 4 Wochen eine Weltreise unternehmen werden. Tränen der Erleichterung, Rührung und Dankbarkeit rollten über meine Wangen.

Ja, so ist mein Süßer, stets knapp, sachlich und präzise, aber dennoch unendlich liebevoll, fürsorglich und zärtlich. Genauso wie ich (es fast bin.)
Aber Gitta werde ich umbringen.





Signatur
Praesis ut prosis, non ut imperes (Stehe an der Spitze um zu dienen, nicht um zu herrschen)


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