Ermione AurorIn
         

Status: Offline Registriert seit: 03.09.2005 Beiträge: 668 Nachricht senden | Erstellt am 20.01.2007 - 19:43 |  |
Hi!
Der Titel von diesem Statement klingt vielleicht ganz merkwürdig. Immerhin spielen die Bücher in den 1990-er Jahren des 20. Jahrhunderts, und wer redet zu dieser Zeit noch von Ständen.
Da Rowlings Vorbilder wie Jane Austen aber im 18./19. Jahrhundert zu finden sind, habe ich mir überlegt, ob nicht vielleicht ein wenig von der damaligen Gesellschaft da in ihre magische Gesellschaft eingeflossen ist.
Gewöhnlich werden die vier Schulhäuser über ihre herausragenden Eigenschaften definiert. Aber ist das die einzige Definitionsmöglichkeit.
Ich habe versucht, die vier Häuser den Ständen bzw. den Gesellschaftsklassen, die in den Romanen des 19. Jahrhunderts vorkommen, zu zuordnen, und bin dabei zu folgenden Ergebnis gekommen.
Es gibt vier Häuser: Gryffindor, Hufflepuff, Ravenclaw und Slytherin (Gliederung nach alphabetischer Reihenfolge)
Die Slytherins sind dann sozusagen; der Adel (freilich nicht mit Blick auf ihre Gesinnung.): Dekadenz (Vermeiden neuer Impulse), Inzucht (unter sich bleiben, während es zwischen den anderen Häusern Kontakte und auch "Liebes"-Beziehungen gibt), dazu noch der Rassendünkel (ein Pedant zum Standesdünkel). In der Schulerhierarche sind sie hoch angesehen, obwohl sie tatsächlich nicht viel leisten. (Eine Sicht, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert dem Adel noch zugestanden wird. Er hat sich eigentlich überlebt, besitzt aber noch immer die Aura des Besonderen.) Innerhalb des Hauses fällt die hierarchische Gliederung der Schüler/innen unter einander auf. Draco, sozusagen der Vorzeigeschüler kennt Gleichberechtigte (Theodore, Blaise), weibliche (den männlichen) unterlegene Bezugspersonen (Pansy) und "Untergebene" (Gregory, Vincent).
Die Hufflepuffs sind die, welche in der Schulhierarchie wenig Status haben, aber sich durch Fleiß und Arbeit weiterbringen. Unter sich herrscht durchaus ein demokratischer Umgangston. Sie bilden sozusagen den Handwerker-/Arbeiterstand, wo durch Leistung die Position verbessert werden kann.
Die Ravenclaws scheinen in der Schulhierarchie dagegen recht angesehen und sind vor allem am Erwerb von Wissen interessiert, weniger daran, dieses auch durch Handeln zu verwirklichen. Mit ihrem Umfeld arrangieren sie sich weitgehend, Regeln werden von ihnen akzeptiert, sie stellen sozusagen das (Bildungs-)Bürgertum da.
Und die Gryffindors - sie sind offensichtlich jenes Haus, in dem der Stand absolut keine Rolle spielt, denn hier finden wir jene Schüler/innen, die auch in andere Häuser gepasst hätten, aber die dortigen Grenzen überschreiten. Hermione ist eine Intellektuelle (Ravenclaws), aber sie stellt Dinge nicht nur in Frage, sondern will diese auch verändert. Sirius und auch Harry rebellieren gegen die "adelige" Wurzeln, Neville strengt sich nicht nur an, um etwas zu schaffen (Hufflepuff), er versucht seine Lage für sich zu regeln und wächst daneben auch über sich heraus, wenn es die Situation erfordert (Buch 1, er will Harry und Hermione warnen, Buch 5 beim Kampf im Ministerium) Die Weasley-Familie (obwohl sie keine Asozialen oder Außenseiter/innen sind) haben den unklaren gesellschaftlichen Status und müssen sich ihre Rolle in der Gesellschaft erkämpfen.
Gryffindor ist in HarryPotter auch jenes Haus, indem sich alle zusammenfinden, die in den anderen Häusern an ihre Grenzen gestoßen wären. Das Haus enthält die Möglichkeit, sich nicht in eine bestimmte Richtung, sondern auch anders weiterentwickeln zu können.
Diese Potential, die Traditionen in Frage zu stellen, neue Wege zu finden und zu verwirklichen, ist es aber auch, was das Überleben und die Weiterentwicklung einer Menschengruppe (Gesellschaft) sichert.
So gesehen ist es eigentlich nicht erstaunlich, dass Gryffindor das Haus ist, das bei Rowling die Hauptrolle spielt. Gryffindor ist letztlich jenes Haus, das eben nicht nur als einziges aufgrund seiner Schüler/innen flexibel genug ist, den Kampf mit der Bedrohung durch Lord Voldemort mit einiger Aussicht auf Erfolg zu führen, sondern auch die anderen Häuser (Ravenclaw, Hufflepuff, wie die DA gezeigt hat und vermutlich letztlich auch Slytherin) zur Zusammenarbeit zu gewinnen und die Magische Gesellschaft letztlich zu verändern (von innen heraus zu erneuern).
Was hält Ihr von so einer Sichtweise? Macht Sie auch für euch Sinn? Oder habt so etwas auch schon einmal überlegt?
Herzliche Grüße
Ermione
[Dieser Beitrag wurde am 20.01.2007 - 19:46 von Ermione aktualisiert]
Signatur "Im Übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht."
(Kurt Tucholsky)
http://de.geocities.com/ermione13/index.htm |
Cassandra  Zaubereiministerin
              

Status: Offline Registriert seit: 01.09.2005 Beiträge: 2898 Nachricht senden | Erstellt am 20.01.2007 - 20:27 |  |
Eine tolle Analyse, Ermione!
Ds mit Slytherin und dem Adel habe ich auch immer so empfunden, mir über die anderen wenig Gedanken gemacht. Sollte ich im Nachhinein froh sein, dass mich sämtliche Tests, die ich gemacht habe, niemals nach Slytherin sondern ausnahmslos nach Gryffindor sortiert haben? 
LG
Cassandra
Signatur 'Yes,' said Harry stiffly. 'Yes, sir.' 'There's no need to call me "sir", Professor.' |