sly 
         

Status: Offline Registriert seit: 28.11.2006 Beiträge: 1245 Nachricht senden | Erstellt am 09.11.2009 - 01:10 | |
PF-Tek Methode
Die PF-Methode wurde das erste mal Anfang der 90er in den USA vorgestellt.
Sie machte es auch Anfängern möglich bei der Pilzzucht mit einfachen Mitteln zum Erfolg zu kommen.
Die Zuchtmethode, die hier beschrieben wird, weicht in einigen Punkten von der originalen PF-Methode ab und wurde nach mehrjähriger Erfahrung und Umgang mit der originalen PF-Methode verfaßt.
Man verwendet 240 ml Trink- oder Marmeladegläser und ein Substrat aus Vermikulit, Wasser und Reismehl. Das Substrat wird gemischt, sterilisiert, um alle unerwünschten Organismen abzutöten, und dann mit Pilzsporen beimpft.
Die Fruchtung erfolgt in einer Plastikkiste oder -kübel.
Ich empfehle jedenfalls die originale PF-Tek zu lesen, um einen anderen Zugang zu manchen Schritten zu sehen.
Zur Sauberkeit
Wenn man Pilze zu Hause auf künstlich hergestelltem Substrat züchtet, stellt man Bedingungen her, die nicht nur dem erwünschten Pilz sondern auch einer Unzahl anderer, teilweise gesundheitsgefährdender, Organismen einen idealen Lebensraum bieten.
Um sicherzustellen, daß man nur den Pilz kultiviert, muß man bei jeder Tätigkeit, die mit der Pilzzucht zu tun hat, auf peinlichste Sauberkeit achten.
Die Hände immer gut mit antibakterieller Flüssigseife und warmem Wasser waschen, nach dem Abtrocknen mit Lysol oder Isopropyl-Alkohol einreiben.
Die Räume, in denen man die Beimpfung und Fruchtung durchführt, staubfrei und sauber halten und nicht mit schmutziger, staubiger Kleidung betreten. Auf persönliche Hygiene achten, ungewaschenes Haar etwa ist eine Brutstätte für allerlei kleinster Lebewesen, die wir auf keinen Fall in der Nähe unserer Pilze haben wollen.
Benötigte Materialien
Vermikulit
Vermikulit ist ein mineralisches Produkt.
Es wird hergestellt, indem ein wasserhältiges Glimmergestein durch Hitzeeinwirkung auf ein mehrfaches seines ursprünglichen Volumens aufgebläht wird. Das bedingt eine gute Wasseraufnahmekapazität und verleiht dem Substrat gleichzeitig eine lockere Struktur.
Vermikulit ist in mehreren Körnungen erhältlich, zur Kultivierung geeignet sind die mittlere und die mittelfeine.
Generell führen Vermikulit Läden, die Artikel zur hydroponischen Pflanzenzucht haben, sowie viele Läden mit Kleintierzubehör.

Reismehl
Gibt es im Naturkostladen entweder schon als Mehl, öfters allerdings als Naturreis, der erst vermahlen werden muss.
Dazu lässt man den Reis im Laden mahlen oder mahlt ihn selbst in einer elektrischen Kaffeemühle.
Gemahlener Reis sollte trocken und kalt aufbewahrt werden, da er wegen dem Fettgehalt der äußeren Kornschicht leicht ranzig wird.

Wasser
Das Wasser sollte Trinkwasserqualität haben. Ist man sich über die Qualität von Leitungswasser unsicher, lieber Quell- oder Mineralwasser verwenden. Leicht chloriertes Leitungswasser schadet nicht, da die Chlorkomponenten beim Kochen ausgetrieben werden.
Sporenspritze
Eine mit einer wässrigen Sporensuspension gefüllte Spritze.
Die Farbe der Suspension variiert von komplett durchsichtig bis leich lila abhängig von der Anzahl der Sporen in Suspension.
Sporen sind mikroskopisch, d.H. solange zumindest ein paar Sporenklumpen im ansonsten klaren Wasser zu sehen sind sollten genug Sporen enthalten sein.

Gläser
Die Gläser sollten etwa ein Fassungsvermögen von 240 ml haben.
Man kann sowohl Trink- als auch Einmachgläser verwenden.
Bei den verwendeten Gläsern ist zu beachten, dass diese nach oben weiter werden müssen , damit der Substratkuchen nach dem Durchwachsen in einem Stück aus dem Glas gestürzt werden kann.
Online z.B. hier erhältlich Klicken

Substratzubereitung
Für ein Glas (240ml):
=> 140 ml Vermikulit
=> 40 ml Naturreismehl
=> Wasser
=> etwas Vermikulit zum Auffüllen der Gläser (etwa 20 ml)

Vermikulit für alle Gläser, die man auf einmal zubereiten möchte, (z.B. für 6 Stück: 6 x 140 ml = 840 ml ) abmessen und in eine Schüssel geben.

Wasser langsam über das Vermikulit gießen und mit einem Esslöffel vermischen.
WICHTIG:
Nur so viel Wasser verwenden,
wie das Vermikulit gerade noch
aufnehmen kann !!

Wenn man die Schüssel neigt, sollte das Vermikulit gerade anfangen etwas Wasser abzugeben. Damit ist der richtige Wassergehalt erreicht, mehr Wasser wäre zu viel !

Reismehl (z.B. 6 x 40 ml = 240 ml) auf einmal dazugeben und locker aber zügig vermischen. Das Ziel ist es, dass das nasse Vermikulit gleichmäßig vom Reismehl umhüllt ist.
Das Substrat sollte feucht sein, aber keine zu grossen Klumpen bilden.


In die sauberen Gläser locker und gleichmäßig bis 1 cm unter den Rand verteilen, auf keinen Fall andrücken oder packen, das Substrat soll sehr locker bleiben, nur so kann das Mycelium später gut und schnell wachsen !
Sollte man beim Einfüllen unsauber gearbeitet haben und nun am obersten Glasrand Substratreste kleben, soll man sie mit einem feuchten Tuch rundherum gut abwischen. Es ist wichtig, dass sich im oberen Bereich des Glases nur trockenes Vermikulit befindet, weil sonst dort Kontaminanten Fuß fassen können und in Folge das ganze Glas kontaminieren.
 

Trockenes Vermikulit bis zum Rand des Glases auffüllen.
Diese Schicht verhindert, dass kontaminierte Partikel aus der Luft, die möglicherweise durch die Impflöcher kommen, das Substrat kontaminieren.
 
Einen ca. 12 cm breiten Streifen Alu-Folie abreißen, einmal zusammenlegen, über die Glasöffnung geben und herunterbiegen.
Wenn du Einmachgläser mit Deckel verwendest, machst du mit einem kleinen Nagel und Hammer kleine Löcher an 4 stellen am Rande des Deckels. Achte darauf, daß die Löcher groß genug sind um die Nadel aufzunehmen.
 
 
Die weit nach unten hängenden Ecken nach oben zusammendrücken, damit sich ein schöner Deckel mit einem nicht sehr weit nach unten reichenden Rand ergibt.

Dann wieder einen Streifen Folie nehmen, diesmal in zwei Hälften teilen und die Folie so über das Glas legen, dass die vier Ecken weit nach unten reichen, die Folie muss ja beim Beimpfen wieder kurzzeitig abgenommen werden!
Somit hat man 3 Schichten Folie über der Glasöffnung, nur die oberste Schicht wird beim Beimpfen kurzzeitig abgenommen.
 

Sterilisation
Die Gläser in den Schnellkochtopf geben, ca. 2-2,5 cm Wasser eingießen (nicht mehr, sonst gelangt das Wasser beim Kochen in die Gläser!), Deckel schließen und den Topf zuerst bei mittlerer Flamme über ca. 15 min zum Kochen bringen (bei zu schnellem Erhitzen können die Gläser springen). Wenn der Dampf schon aus dem Ventil entweicht, die Hitze so weit zurückdrehen, dass ein sehr kleiner, stetiger Dampfstrom besteht und so 80 min kochen.
 
 
Jeder Schnellkochtopf funktioniert etwas anders, deshalb bitte vor Gebrauch die Bedienungsanleitung studieren oder jemand fragen, der sich mit sowas auskennt.
Hier ein sehr guter Druckkochtopf mit Ventil

Nachdem die 80 min vergangen sind, Topf von der Flamme nehmen und mind. 5 Stunden, am besten über Nacht abkühlen lassen.
Beimpfung
Wenn der Topf abgekühlt ist, die Gläser herausnehmen, Alkohollampe oder Feuerzeug und die Sporenspritze bereitlegen. Hände waschen, die Gläser auf eine saubere Fläche stellen, die Spritze ordentlich schütteln, damit die Sporenklumpen auseinander brechen.
 
Damit das Schütteln funktioniert, muss sich in der Spritze eine kleine Luftblase befinden (etwa 1 ml). Ist das nicht der Fall, kann man ewas Luft hineinsaugen, indem man die Spitze der Nadel mitten in die Flamme hält und langsam etwas sterile Luft einzieht.

Bei allen Gläsern die Ecken der obersten Folie so weit vom Glas lösen, dass sich die Folie später schnell abnehmen lässt

Die Schutzkappe der Spritze abnehmen und die Nadel über der Alkohol- oder Feuerzeugflamme zur Rotglut erhitzen.

Die oberste Folie vom Glas abnehmen, verkehrt auf eine saubere Fläche ablegen

Mit der Nadel in die Innenfolie am Rand des Glases an vier gegenüberliegenden Stellen ca. 2,5 cm tief einstechen und Sporenwasser an die Innenfläche des Glases injizieren. Der Tropfen soll an der Glasinnenseite bis zum Boden herabrinnen.. Pro Glas werden 1-1,5 ml injiziert.
 
Die Folie wieder aufsetzen. Nach jeweils drei Gläsern die Nadel wieder sterilisieren. Wenn alle Gläser beimpft sind, die Folie schön zusammenknüllen und die Gläser mit Datum und sonstigen Informationen versehen. Sollte die Nadel mit irgendetwas anderem in Berührung kommen, außer mit der Innenfolie, sofort wieder über der Flamme erhitzen.
 
Inkubation
Die Gläser bei 22-27°C im Dunklen lagern. Wenn diese Temperaturen nicht eingehalten werden können, empfiehlt sich der Bau eines Inkubators.
Inkubator
Die beimpften Gläser entwickeln sich am besten, wenn sie bei einer Temperatur von 27°C und Dunkelheit gelagert werden.
Dazu kann man einen effektiven Inkubator aus 2 gleichen Plastikkisten und einem Aquariumheizstab bauen.
Man befestigt den Heizstab am Boden der ersten Kiste, gießt so viel 28°C warmes Wasser hinein, daß der Heizstab einige Zentimeter hoch bedeckt ist. Der Thermostat des Heizstabes wird durchs Drehen so eingestellt, daß der Heizstab bei dieser Wassertemperatur(28°C) gerade noch ausgeschaltet bleibt.
Auf den Boden gibt man Abstandhalter, die die zweite Kiste über dem Heizstab halten sollen (auf dem Bild werden dazu 4 leere Gläser verwendet).


Nun gibt man die zweite Kiste hinein. Dabei sollte so viel Wasser vorhanden sein, damit die zweite Kiste mit dem Boden und einem Teil der Wand im warmem Wasser ist.
Nach einigen Stunden mißt man erneut die Wassertemperatur und verstellt den Heizstab so, daß eine konstante Temperatur von 27°C gehalten wird.

Wenn die Kiste Leer ist, wird sie am schwimmen.
Wenn die Obere Kiste beladen ist sollte die Höhe des Wassers etwa 2/3 der unteren Kiste betragen.

Die Gläser werden mit einem dicken Tuch oder Decke zugedeckt, damit nicht zu viel Wärme entweicht und damit die Gläser im Dunklen sind.
Achtung: der Wasserpegel sinkt in einigen Wochen durch Verdampfung ab. Deshalb von Zeit zur Zeit etwas Wasser nachgießen damit der Heizstab immer in Wasser bleibt.
Der Wasserpegel in der unteren Kiste sollte bei eingesetzter und beladener zweiten Kiste etwa bis 2/3 der Höhe der unteren reichen.
 
[Dieser Beitrag wurde am 10.11.2009 - 01:27 von sly aktualisiert]
Signatur Für weiter fragen stehe ich auch im icq (244082723)oder skype (smokynl)zu verfügung ..
Bitte erst ab 21 |
sly 
         

Status: Offline Registriert seit: 28.11.2006 Beiträge: 1245 Nachricht senden | Erstellt am 10.11.2009 - 01:26 | |
Nach 3-5 Tagen sollten die ersten weißen Stellen sichtbar werden. Das ist das Pilzmyzel. Sollte irgendetwas andersfarbiges als reines weiß zu wachsen beginnen, dann ist das Kontamination, der Inhalt des Glases ist verloren und muss weggeworfen werden. Das Glas gut mit heißen Wasser und Spülmittel spülen und wiederverwenden.
 
 
Abhängig von der Temperatur dauert es 14-25 Tage bis das Myzel das ganze Substrat bewachsen hat. Wenn das geschehen ist, das Glas bei 20°C lagern und Natur-Licht aussetzen. Kein direktes Sonnenlicht!

Innerhalb von 5-10 Tagen ( bei bestimmten Pilzstämmen kann es allerdings auch bis 30 Tage dauern) sollten sich im Glas stecknadelkopfgroße Ansammlungen von Myzel bilden, das ist der Beginn des Pilzwachstums. In den darauffolgenden Tagen werden auch kleine Pilze mit braunen Köpfen sichtbar. Damit ist der Zeitpunkt erreicht, wo der Myzelkuchen aus dem Glas gestürzt und zur Fruchtung gebracht werden muss.
Bei manchen stämmen findet kein beginnendes Pilzwachstum in den Gläsern statt, in diesem Fall kann man den bewachenen Kuchen auch so zur Fruchtung gebracht werden.


Fruchtung
Das Fruchten geschieht am einfachsten in einer Plastikkiste oder einem Eimer. Dazu wird auf den Boden des Behälters etwas feuchtes Seramis , Perlit oder ein feuchtes Papiertaschentuch ausgelegt, und die Kuchen daraufgestürzt.
Der Abstand zwischen den Kuchen sollte mindestens 5 cm betragen. Über die Öffnung des Behälters kommt durchsichtige Plastikfolie. Diese wird einmal am Tag abgenommen und die Luft im Behälter durch kurzes Fächern ausgetauscht. Sollte die Bodenschicht anfangen auszutrocknen, die Schicht mit etwas Wasser besprühen.
Die Mycelkuchen nur mit frisch gewaschenen Händen oder sauberen Gummihandschuhen anfassen!


Die anfangs kleinen Pilze wachsen innerhalb weniger Tage heran und können, sobald sich der Hut geöffnet hat, geerntet werden.
 
 
 
 
Schon vorzeitig kann allerdings manche Kuchen (zumeist grüner) Schimmel befallen, dann müssen sie sofort von den anderen getrennt und entsorgt werden, sonst breitet sich der Schimmel auf benachbarte Kuchen aus.
Ich will niemanden zu gesetzeswiedrigen Handlungen anstiften. Es dient lediglich nur zur Information, wie die Anbau Methode möglich wäre.
Quelle: fungifun
lg sly   
Signatur Für weiter fragen stehe ich auch im icq (244082723)oder skype (smokynl)zu verfügung ..
Bitte erst ab 21 |