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Ingeborg
unregistriert

...   Erstellt am 13.02.2009 - 09:03Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ein bissle Goethe schadet nie:

Faust, 2. Teil, 1. Akt
Kaiserliche Pfalz

Der Kaiser hört die Klagen:

der Kanzler:

...
Doch ach! Was hilft dem Menschengeist Verstand,
Dem Herzen Güte, Willigkeit der Hand,
Wenn's fieberhaft durchaus im Staate wütet
Und Übel sich in Übeln überbrütet?
Wer schaut hinab von diesem hohen Raum
Ins weite Reich, ihm scheint's ein schwerer Traum,
Wo Mißgestalt in Mißgestalten schaltet,
Das Ungesetz gesetzlich überwaltet
Und eine Welt des Irrtums sich entfaltet.

Der raubt sich Herden, der ein Weib,
Kelch, Kreuz und Leuchter vom Altare,
Berühmt sich dessen manche Jahre
Mit heiler Haut, mit unverletztem Leib.
Jetzt drängen Kläger sich zur Halle,
Der Richter prunkt auf hohem Pfühl,
Indessen wogt, in grimmigem Schwalle,
Des Aufruhrs wachsendes Gewühl.
Der darf auf Schand und Frevel pochen,
Der auf Mitschuldigste sich stützt,
Und: Schuldig! hörst du ausgesprochen,
Wo Unschuld nur sich selber schützt.
So will sich alle Welt zerstückeln,
Vernichtigen, was sich gebührt;
Wie soll sich da der Sinn entwickeln,
Der einzig uns zum Rechten führt?
Zuletzt ein wohlgesinnter Mann
Neigt sich dem Schmeichler, dem Bestecher,
Ein Richter, der nicht strafen kann
Gesellt sich endlich zum Verbrecher.
Ich malte schwarz, doch dichtern Flor
zög ich dem Bilde lieber vor.
...

Heermeister:
Wie tobt's in diesen wilden Tagen!
Ein jeder schlägt und wird erschlagen,
Und fürs Kommando bleibt man taub.
Der Bürger hinter seinen Mauern,
Der Ritter auf dem Felsennest
Verschwuren sich, uns auszudauern,
Und halten ihre Kräfte fest.
Der Mietsoldat wird ungeduldig,
Mit Ungestüm verlangt er seinen Lohn,
Und wären wir ihm nichts mehr schuldig,
Er liefe ganz und gar davon.
Verbiete wer, was alle wollten,
Der hat ins Wespennest gestört;
Das Reich, das sie beschützen sollten,
Es liegt geplündert und verheert.
Man lässt ihr Toben wütend hausen
Schon ist die halbe Welt vertan;
Es sind noch Könige da draußen,
Doch keiner denkt, es ging ihn irgend an.

Schatzmeister:
...
Auch, Herr, in deinen weiten Staaten
An wen ist der Besitz geraten?
Wohin man kommt, da hält ein Neuer Haus,
Und unabhängig will er leben,
Zusehen muss man, wie er's treibt;
Wir haben so viel Rechte hingegeben
Dass uns auf nichts ein Recht mehr übrigbleibt.
Auch auf Parteien, wie sie heißen
Ist heutzutage kein Verlass;
Sie mögen schelten oder preisen,
Gleichgültig wurden Lieb und Hass.
Die Ghibellinen wie die Guelfen
Verbergen sich, um auszuruhn;
Wer jetzt will seinem Nachbar helfen?
Ein jeder hat für sich zu tun.
Die Goldespforten sind verrammelt,
Ein jeder kratzt und scharrt und sammelt,
Und unsre Kassen bleiben leer.

Marschalk:
Welch Unheil muss auch ich erfahren!
Wir wollen alle Tage sparen
Und brauchen alle Tage mehr.
Und täglich wächst mir neue Pein.
...

Mephistopheles, der sich in den Hofnarr verwandelt hat:
Wo fehlt's nicht irgendwo auf dieser Welt?
Dem dies, dem das, hier aber fehlt das Geld.
Vom Estrich zwar ist es nicht aufzuraffen;
Doch Weisheit weiss das Tiefste herzuschaffen.
In Bergesadern, Mauergründen
Ist Gold gemünzt und ungemünzt zu finden,
Und fragt ihr mich, wer es zutage schafft:
Begabten Manns Natur- und Geisteskraft.

***

So, bis hierher, ich will euch nicht
langweilen. Mephisto macht auf die Schätze
in der Erde aufmerksam und empfiehlt, Papier-
geld herzustellen. Papier mit Zahlen drauf ist
noch kein Reichtum, doch es steht für den
Reichtum in der Erde, ansonsten ist
es wertlos. Doch jeder Bürger freut sich nun,
vom Kaiser beschenkt, seine Bedürfnisse be-
friedigen zu können, bis auch dieses Geld
null und nichtig wird.

Und alles kommt mir soooo bekannt vor.

Will nur noch auf "Homunculus" aufmerksam machen,
der Mensch, im Reagenzglas gezeugt von Wagner,
dem trockenen Wissenschaftler.
Heutzutage auch nichts Neues mehr!

Ingeborg


[Dieser Beitrag wurde am 13.02.2009 - 09:08 von Ingeborg aktualisiert]




<Ingeborg>
unregistriert

...   Erstellt am 19.11.2011 - 08:54Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


mein Gott, war ich mal fleissig!

Ingeborg





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