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...   Erstellt am 19.02.2007 - 19:47Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Geschmackssache

„Alles reine Geschmackssache“ dachte sich der Affe, als er herzhaft in die Seife biss.

Geschmäcker sind verschieden und seit es mehr als zwei Menschen auf der Welt gibt, streiten sie sich darüber.

Was zum Teufel bewog meine gestrenge Frau Mama vor ca. 35 Jahren dazu, sich aus einem grasgrünen Vorhangstoff ein hautenges Kostüm zu nähen und ihre fetten Hüftringe darin hinein zu pressen? Jedes Mal, wenn sie es anzog, schlang sie sich einen knallgelben Seidenschal um ihren Hals und setzte sich einen Hut im gleichen Dottergelb auf den Kopf. Von Weitem wirkte sie wie eine überdimensionale Butterblume. Eine recht fette Butterblume!

Ihr handwerklicher „Kunstverstand“ endeten leider nicht bei ihr, sondern meine Schwester und ich mussten auch daran glauben. Voller Stolz präsentierte sie uns zwei knallrote selbst genähte Hosenanzüge. Da ich als junges Mädchen recht mager war und noch über keinerlei Rundungen verfügte, glich ich in diesem Hosenanzug einer feuerroten Signalstange.

„Die tragen wir aber nicht in der Schule, sind doch viel zu schade dafür“ suchte ich verzweifelt einen Ausweg vor der Blamage.
„Nein, die sind extra für die Schule“ beschwichtigte meine gestrenge Frau Mama.

Das war mein Todesurteil. Meiner Schwester machte es nicht sehr viel aus, denn sie war wesentlich raffinierter als ich, was ihre Ausreden anbetraf, dieses scheußliche Ding nicht anziehen zu müssen, aber ich war damals noch ein unbeschriebenes Blatt.

Um dem Verbrechen in Rot die Krönung aufzusetzen, wurde der Fotograf ins Haus bestellt und Beweise für die Ewigkeit aufgenommen. Den Spott meiner Mitschüler können Sie sich vorstellen. Wir wurden in den nächsten 5 Jahren nur noch die „Feuerwehrzwillinge“ genannt.

Wussten Sie übrigens, dass Gott (laut Bibel) der erste Schneider war? In der heiligen Schrift wird ganz genau beschrieben, was er damals für Adam und Eva nach dem Sündenfall zusammen geschustert hatte und welche Materialien er dafür nahm.

Wenn man sich die heutigen Kreationen der Modedesigner anschaut, hat sich daran im Laufe der Jahrtausende nicht viel seit Gottes Schneiderkünsten geändert.

Spindeldürre Mädels wanken ausgehungert auf riesig hohen Schuhabsätzen über den Laufsteg. Ein winziges Dreieck eines Fischernetzes ist um ihre Hüften geschlungen, gerade groß genug, das Nötigste ihrer Intimstellen zu verdecken. Ein riesiges Fragezeichen aus einem undefinierbaren Metall baumelt an einer Kette von ihrem Hals herunter, gerade schmal genug, dass ihre zwei „Erbsen auf dem Bügelbrett“ nicht verdeckt werden.
Während der Modeverbrecher tosenden Applaus einheimst und mit Rosen überschüttet wird, wankt das arme Mannequin zum nächsten Kühlschrank, um sich mit einem Magermilch Joghurt vor dem Hungertod zu retten.
Seien wir doch ehrlich. Wenn ich es wagen würde, in diesem Outfit die Straße zu betreten, würde ich wahrscheinlich innerhalb kürzester Zeit in der Klapse landen.

Was zum Teufel bewegt junge Mädchen dazu, in der Kirche einen Pullover anzuziehen, mit dessen viel zu weiten Ausschnitt sie eine Schulter frei legen, so dass ihr viel zu kleiner BH zu sehen ist, aus dem ihre Brust fast schon heraus quillt?
Finden sie es chic oder wollen sie einfach nur den Pfarrer in Verlegenheit bringen?

Und welcher Teufel hatte meine Friseurin vor zwei Jahren geritten, als sie mir über 20 Zentimeter meiner Haare abschnitt und meinen Kopf mit einer Oma-Frisur verunstaltete, nachdem ich verlangt hatte, dass sie nur die Spitzen abschneiden sollte? Kurz nach diesem Ereignis hatte ich einen Termin bei meiner Rechtsanwältin, die mich mit „Wir werden Ihren Friseur verklagen“ begrüßte.

Apropos schlechter Geschmack: eine Studie beweist, dass es mittlerweile mehr Bewerber für die Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ gibt, als Zuschauer, die sich diese hirnverbrannte Sendung in der Glotze ansehen.

Normalerweise lautet mein Motto, dass es keine hässliche Menschen gibt, sondern nur welche mit extrem viel Charakter im Gesicht, dennoch würde ich es nie wagen, ungeschminkt das Haus zu verlassen. Mit meinem ungeschminktem Gesicht könnte ich sehr leicht kleine Kinder und Pitbull Terrier verjagen.

Sich seinen Mitmenschen in einem gepflegtem Outfit zu präsentieren, stellt auch eine Art von Höflichkeit dar und gilt nicht nur als Angeberei oder Eitelkeit.

Also liebe Mitmenschen, seid höflich und nett zueinander und zieht euch bitte etwas Gescheites an.





Signatur
Praesis ut prosis, non ut imperes (Stehe an der Spitze um zu dienen, nicht um zu herrschen)


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