<Frank O.> unregistriert
| Erstellt am 16.01.2005 - 17:44 |  |
Hier und da drohen doch immer wieder in der Öffentlichkeit einige der wichtigen Darsteller des „CINEMA ITALIANO“ in Vergessenheit zu geraten. In loser Folge möchte ich mal an sie erinnern.
Einer der großen Helden des Kostümfilms wäre am 10. Januar 85 Jahre alt geworden: Georges Marchal. Schon lange vor dem Aufkommen des action-betonten Abenteuerfilms Ende der 50er Jahre war der Burgunder angesichts seines athletischen Körperbaus zum Darsteller junger Helden in französischen Kostümfilmen wie Vautrin (1944), Échec au roy (1945) und Paméla (1945) geworden. In diesen Rollen überzeugte er auch den 50er Jahren, sei es als D’Artagnan (Les Trois Mousquetaires, 1953), Raoul de Bragelonne (Le Vicomte de Bragelonne, 1954) oder Ludwig XIV. (Si Versailles m’était conté, 1954).
Zu diesem Zeitpunkt hatte ihn auch das italienische Kino längst für ähnliche Rollen entdeckt, so war er zehn Jare vor Steve Reeves der Glaucus in Moffas Verfilmung Gli ultimi giorni di Pompei (1950, Die letzten Tage von Pompeji) an der Seite von Micheline Presle. Neben einer ganz jungen Rossana Podestà spielte er den Schwarzen Prinzen in der Schneewittchen-Fassung I sette nani alla riscossa (1951), war der Liebhaber der Mexikanerin María Félix in einem der ganz frühen Römerdramen, Messalina (1951, Messalina) von Carmine Gallone, und lässt sich von Gianna Maria Canale betören in Teodora (1954, Theodora, Kaiserin von Byzanz).
Kurz bevor der Donner der Muskelmänner über den Historienfilm hereinbricht, ist Marchal „unter“ Ettore Manni in Nebenrollen zu finden: als Asclepio in La rivolta dei gladiatori (1958, Der Aufstand der Gladiatoren) und als Mark Anton in Le legioni di Cleopatra (1959, Die Legionen des Cäsaren), aber auch als Widersacher von Anita Ekberg in Nel segno di Roma (1959, Im Zeichen Roms), wo er immerhin Größen wie Gino Cervi und Folco Lulli neben sich hat. Der Star aus La dolce vita war erneut seine Partnerin, als er sich zwischendurch in Apocalisse sul fiume giallo (1960, Die Hölle am Gelben Fluß) im kommunistischen China von 1949 als zynischer amerikanischer Reporter von der Schwedin zur selbstlosen Tat bekehren lassen muss.
Die Zeiten des eleganten swashbucklers schienen Anfang der 60er Jahre vorbei zu sein, aber Marchals Glanzauftritt im Italo-Kino kommt in Sergio Leones Il colosso di Rodi (1960, Der Koloß von Rhodos), wo der mittlerweile 40-Jährige den kernigen Rebellen Peliokles gibt und die Liebhaber-Rolle ganz Rory Calhoun überlassen kann. Schon in der Anfangssequenz, wo die Verschwörer aus dem Wasser steigen und durch Höhlengänge vordringen, zieht Marchals Geschmeidigkeit alle Blicke auf sich. Und wiederum ist er „second lead“ in Caianos Ulisse contro Ercole (1962, Herkules, der Sohn der Götter), diesmal in der Rolle des Odysseus, dem Michael Lane in göttlichem Auftrag das Handwerk legen soll.
Als die Italiener den Mantel- und Degen-Film wiederentdecken, ist Marchal sogar in der Schurkenrolle zu finden, als George Nader und Mario Petri (als D’Artagnan und Porthos) in Il colpo segreto di D’Artagnan (1962, das Zeichen der Musketiere) seine Gegenspieler sind. Damit war Marchals Zeit in Italien zuende. Vergessen seien natürlich auch seine französischen Filme nicht, etwa einige Komödien u.a. an der Seite seiner damaligen Ehefrau Dany Robin, die 1995 bei einem Brand in ihrer Wohnung ums Leben kam. Für seinen Freund Luis Buñuel spielte Marchal schon den idealistischen Arzt Valerio in Cela s’appelle l’aurore/Gli amanti di domani (1956, Morgenröte), wo die wunderschöne Lucia Bosé seine Partnerin ist, und später noch in Belle de jour (1967, Belle de jour – Schöne des Tages). 1982 zog er sich vom Filmgeschäft zurück. Er starb nach langer Krankheit am 28. November 1997 in Maurens.
Frank
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piedone 

Status: Offline Registriert seit: 11.02.2004 Beiträge: 3332 Nachricht senden | Erstellt am 16.01.2005 - 18:12 |  |
Sehr gute Idee, an solche mehr oder weniger, kaum, beachteten Leute zu erinnern. Allerdings wärs nicht schlecht wenn du ein Bild dazu verlinken oder per Mail schicken könntest. Hast du Bilder vorliegen?
Signatur "Ich kann nichts unternehmen, du kannst nichts unternehmen, niemand kann was unternehmen, also bleibt alles hübsch beim Alten..."
Frank Wolff in "Das Grauen kam aus dem Nebel" |