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Count_Villain ...
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...   Erstellt am 11.02.2006 - 15:19Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Vorab ein Hinweis: Es handelt sich hierbei mittlerweile um eine ergänzte Version. Alles Neue ist kursiv geschrieben.

Genie und Wahnsinn

Eine pseudo-psychoanalytische Betrachtung der Bondschurken


Wie wir alle wissen steht und fällt ein Bondfilm auch immer mit der Figur des Gegners, den unser Held bekämpfen muss. Doch was macht einen guten Gegner aus? Was macht einen Gegner beliebt? Anhand von vier Kriterien wollen wir einmal schauen, ob wir eine Antwort auf diese Frage finden können. Zum Ersten wenden wir uns dem Plan des Bösewichts zu und die Genialität, die dieser bei der Durchführung des selbigen an den Tag legt. Als zweiten Maßstab wollen wir den Wahnsinn nehmen, denn scheinbar sind wohl vor allem die größenwahnsinnigen Schurken der Reihe echte Klassiker. Der dritte Punkt wird schließlich Sex sein und zum Schluss soll schließlich die Persönlichkeit nicht zu kurz kommen.

Beginnen wir chronologisch mit DN. Dr. Julius No ist ohne Zweifel ein Wissenschaftler ersten Ranges, der zur Tarnung eine Bauxitmine (war es doch, oder?) betreibt und sich geschickt den Aberglauben der naiven Bevölkerung zunutze macht. Er ist die Inkarnation von Ruhe, Gelassenheit und Coolness, der seine schweren seelischen Probleme hinter einer Mauer von Unnahbarkeit verbirgt. Keiner wird mir Glauben machen können, dass seine Herkunft als Bastard eines Missionars und der Verlust seiner Hände keine Spuren hinterlassen hätten. Besonders letzteres dürfte bei der Partnersuche hinderlich sein. Nun wird man sich fragen: Partnersuche? Der gute Doktor ist doch asexuell angelegt. Ich sage dazu: Mitnichten! Dr. No ist auf der Suche nach einem gleichwertigen Partner (er würde Bond bei Spectre aufnehmen), der gerne auch gleichgeschlechtlich sein kann (er besucht den schlafenden Bond im Schlafzimmer -> heimliche Begierde! Denn sehen tut er ihn ja über kurz oder lang eh, warum sollte er ihn also schon einmal aufsuchen?) oder es sogar sein muss. Das wird leider ungeklärt bleiben, denn wir wissen ja nicht wie No auf Honey reagiert hätte, wenn sie seinem Niveau entsprochen hätte. Doch leider bekommt der arme Doc nicht, was er sich ersehnt. Bond stellt sich lieber gegen ihn, wonach No ihn prompt zu einem dummen Polizisten herabsetzt um seine eigene Enttäuschung nicht so groß werden zu lassen. Nach dem Motto: Der wäre ja doch nichts für dich gewesen, versucht er mehr oder weniger erfolgreich zu verdrängen und stürzt sich wieder in seine Arbeit. Doch eines verliert er auch in dieser Situation nicht: Seine unerschütterliche Contenance. Der halbherzige Versuch dem Doc den Stempel „Verkanntes Genie“ aufzudrücken ist allerdings für mich nur mehr der Beweis, dass auch damals schon akuter Arbeitsplatzmangel herrschte.
Genie: 7/10
Wahnsinn: 5/10
Sex: 2/10
Persönlichkeit: 6/10

Kommen wir zu Film Nummer 2, FRWL. Da wird es schwer, da der typische Gegner eigentlich fehlt und sich die Maßstäbe auf verschiedene Leute verteilen. Kronsteen ist ein Genie, Blofeld und Klebb sind zwei im Gedächtnis bleibende Persönlichkeiten, Klebb ist zudem eine Lesbe, die leider bei der Romanowa nicht landen konnte. Eine Figur stellvertretend herauszupicken wäre sicher interessant, würde jedoch dem Gesamtfilm nicht gerecht werden. Deswegen lasse ich diesen Film erst einmal aus.

Der nächste wäre GF. Auric Goldfinger ist für viele der beste Gegner der gesamten Serie und nicht umsonst die heilige Kuh dieses Forums. Sein Plan die Goldreserven in Fort Knox zu verstrahlen bleibt in dieser Form unerreicht. Von der Grundidee her überraschend schlicht muss doch einiges geleistet werden um das Unterfangen zum Erfolg zu führen. Wie kommt Goldfinger denn nun überhaupt auf so eine kühne Idee? Nun, er ist besessen vom Gold. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen, außer vielleicht, dass es im Roman noch viel besser rüberkommt. Dort werden nämlich die Golden Girls für den Sexualakt zu selbigen gemacht, damit Goldfinger sich metaphorisch mit dem Gold vereinigen kann. Nun, das wäre wohl wirklich etwas zu gewagt und zu pervers gewesen für den Film, weshalb unser Auric lieber seine Fühler nach Pussy Galore ausstreckt. Doch so wichtig scheint es ihm damit auch nicht zu sein, denn ihre Abfuhr nimmt er ziemlich locker hin. Über seine Persönlichkeit gibt es nicht mehr viel zu sagen. Er ist wohl - durch Fröbes Darstellung - einer der menschlichsten und sympathischten Schurken der Reihe.
Genie: 9/10
Wahnsinn: 9/10
Sex: 3/10
Persönlichkeit: 10/10

Der nächste Gegner ist in TB mal wieder Spectre, dieses Mal allerdings nur mit Largo an der Spitze, dem das Unternehmen obliegt. Wir wissen nicht genau wer den Plan ausgearbeitet hat, aber ich gehe eher von einem Geniestreich Blofelds aus, da es einfach besser zu ihm als zu Largo passen würde. Allerdings sagt Blofeld selbst bei Largos Erscheinen bei der Konkurrenz ‚Über IHR NATO-Projekt sprechen wir später’, was durchaus mehrdeutig verstanden werden kann. Trotzdem kommt Largo im Bereich Genialität nicht über seine Zweiter-Mann-Rolle hinaus. Und auch wahnsinnig scheint er nicht wirklich zu sein, vielmehr ist er ein typischer Gangster, was ihn leider nicht gerade besonders macht. Über Kindheits- oder andere Traumata erfahren wir leider nichts. Es wäre höchstens noch bemerkenswert, dass er anscheinend gerne und mit Genuss foltert. Sex hat er zweifelsohne ein paar Mal gehabt, doch leider wurde ihm seine Geliebte Domino schließlich von Bond ausgespannt.
Genie: 5/10
Wahnsinn: 3/10
Sex: 6/10
Persönlichkeit: 6/10

In YOLT schließlich stehen wir das erste Mal Blofeld gegenüber und das in einer recht exzentrischen Pleasance-Version. Bei der Behauptung, dass Blofeld ein kriminelles Genie ist wird wohl keiner so leicht widersprechen, weshalb ich nicht näher auf den Plan eingehen werde. Wenngleich nicht besonders auffällig in seinem Verhalten nimmt man dieser Verkörperung des Blofeld trotzdem niemals ab, dass dieser Kerl nicht auf irgendeiner Art und Weise wahnsinnig ist. Doch augenscheinlich ist er grausam weil das Leben zu ihm auch stets grausam war (irgendwoher muss schließlich diese Narbe kommen) und ihn zu diesem schrulligen Giftzwerg gemacht hat, der er jetzt ist. Als geradezu klassisches Gegenbeispiel zu Darwins „nur der Stärkere überlebt“ führt der kleine Tyrann (bestimmt hat er als er klein war nie seinen Teller ganz aufgegessen, sonst wäre er sicher groß und stark geworden) einen eigenen Leitsatz ein – nur wer funktioniert überlebt – und kann daher als Begründer der Leistungsgesellschaft in fast schon pervertierter Reinform gelten. Allerdings hat sein Prinzip den großen Vorteil nicht negativ auf die Arbeitslosenquote einzuwirken. Über ein Sexualleben erfährt man nichts, auch gibt es keine Szenen die ihn in irgendeiner Weise verraten könnten. Also gibt es einen Gnadenpunkt dafür, dass er augenscheinlich der erste asexuelle Schurke der Reihe ist.
Genie: 10/10
Wahnsinn: 5/10
Sex: 1/10
Persönlichkeit: 5/10

Den für viele besten Blofeld treffen wir in OHMSS und er scheint sich seit dem letzten Film tatsächlich in vielen Dingen geändert haben. Der latente Wahnsinn ist einem Adelsspleen gewichen, die Asexualität einem Interesse für Tracy, lediglich Blofelds Genie ist ungebrochen. Zudem stellt er sich charismatisch und voller Elan dar. Man hat augenscheinlich seit dem letzten Film gelernt.
Genie: 10/10
Wahnsinn: 3/10
Sex: 6/10
Persönlichkeit: 10/10

War der letzte Film noch ein Fortschritt, so kam mit DAF ein großer Rückschritt. Mag der Lasersatellit damals vielleicht noch etwas Besonderes gewesen sein, so haben er und der ewige Versuch der Erpressung der Welt aus heutiger Sicht einen faden Beigeschmack der Abnutzung. Blofeld war schon mal genialer. Und der Wahnsinn? Sagt mir eine Sache, die in diesem Film nicht wahnsinnig ist, sei es nun wahnsinnig komisch oder wahnsinnig übertrieben. Doch Blofeld war leider noch nie wirklich wahnsinnig, man muss ihm sogar leider zugestehen mehr Realist als Idealist zu sein. Auch sein Versuch als Drag-Queen groß herauszukommen hat wohl wenig mit Wahnsinn oder sexuellen Vorlieben zu tun, denn wenn er irgendwo herauskommen wollte, dann unerkannt aus dem Whyte House. Aber vielleicht findet er Tiffanys knappes Outfit auf der Bohrinsel ja auch gerade deshalb so verwirrend, weil er selbst einen ähnlichen Bikini im Kleiderschrank hängen hat…
Genie: 6/10
Wahnsinn: 2/10
Sex: 2/10
Persönlichkeit: 7/10

Nach dieser Nummer sind wir Blofeld nun zum Glück endgültig los und Dr. Kananga darf sich in LALD die Zähne an James Bond ausbeißen. Sein Plan ist Mittelmaß, aber doch hinreichend kreativ. Statt mit einem gefälschten Drachen hält er die Einwohner mit ‚echtem’ Voodoo-Zauber von seinem Allerheiligstem fern, auch nett. Allerdings bezweifle ich doch, dass aus dem Monopol etwas wird, denn wer hindert die anderen Drogendealer daran den Stoff billiger anzubieten sobald Kananga den Preis anzieht? Außerdem werden die sicherlich nachforschen, wer denn da soviel Stoff umsonst auf den Markt gebracht hat und ihnen das Geschäft verdirbt und werden sehr ungehalten reagieren, wenn sie es herausbekommen. Ob sein Doppelleben als Mr. Big allerdings Schizophrenie und Kananga eine gespaltene Persönlichkeit ist wage ich nicht zu entscheiden, bezweifle es aber. Es wird schlicht und ergreifend eine gut funktionierende Tarnung sein. Auf sexuellem Gebiet bevorzugt er augenscheinlich Jungfrauen, doch Bond kam ihm bei Solitaire zuvor. Armer Kerl. Jedenfalls hat auch er Charisma.
Genie: 5/10
Wahnsinn: 2/10
Sex: 4/10
Persönlichkeit: 8/10

Francisco Scaramanga ist TMWTGG, nicht mehr und nicht weniger. Er bleibt den ganzen Film über der Killer, der er nun einmal ist. Er mag ein Opportunist sein, aber kein Genie. Er bekommt eine geniale Erfindung in die Hände und benutzt sie. So einfach ist das. Auch sein gutes Benehmen und seine beeindruckende Ausstrahlung täuschen nicht darüber hinweg, dass er eigentlich nur eine Sache beherrscht: Menschen töten. Sein Wahnsinn ist dafür umso ausgeprägter, man denke nur an sein Training oder seine Lebensgeschichte, die er Bond erzählt nachdem er Andrea Anders erschossen hat. Als Liebhaber ist er Egoist. Es wird nur gevögelt bevor er tötet (wobei ich bezweifle, dass er Andrea noch einmal gepimpert hat bevor er sie selbst umlegte), auf die Wünsche der Frau wird dabei nicht eingegangen, auch scheint sein goldener Colt für ihn eine Art Phallussymbol zu sein. Wenn ich Andrea Anders wäre, ich hätte ihn auch verlassen wollen. Womöglich ist Scaramangas Verbundenheit zu seinem goldenen Colt gar so tief, dass er vorher zum Schuss kommen muss, bevor er zum Schuss kommen kann. Stellt sich nur die Frage, wie er dann Andrea und Hai Fat töten konnte. Allerdings waren das ja auch keine Auftragsmorde sondern Tötungen in eigener Sache und wenn er nur für sich selbst tötet, dann reicht es vielleicht auch, wenn er es sich vorher auch nur selbst macht.
Genie: 0/10
Wahnsinn: 10/10
Sex: 8/10
Persönlichkeit: 10/10

Mit dem nächsten Film TSWLM besann man sich nach einem Drogendealer und einem Killer auf alte Tugenden: Larger than life. Stromberg ist dabei der Macher im Hintergrund, ein Planer, kein Entwickler, doch das macht er gut. Dieser Mann ist besessen, hat eine Vision. Ein älterer, distinguierter Herr mit dem Ruf eines etwas exzentrischen Millionärs. Sexuell interessiert er sich für Anya, doch es heißt ja leider nicht umsonst Bondgirl und nicht Villaingirl. Und warum sollte Stromberg bekommen was schon Goldfinger und Blofeld nicht bekommen haben? Ein Fluch und Grund für zahlreiche Hänseleien dürften seine Schwimmhäute sein. Der Grundstein für seinen Werdegang als skrupelloser Visionär war (ihm in die Wiege) gelegt.
Genie: 8/10
Wahnsinn: 9/10
Sex: 3/10
Persönlichkeit: 10/10

Bei MR hieß es schließlich: Da geht doch noch mehr! Und tatsächlich ist Hugo Drax noch kränker, hat noch eine größere Vision. Und es kann nur ein wahres Genie sein, der unentdeckt so eine große Raumstation am Himmel platzieren kann! Leider ist Drax selbst in etwa so aufregend wie eine Schlaftablette. Er hat nichts von der Coolness oder Überheblichkeit eines Dr. No. Nach dem Pleasance-Blofeld haben wir hier nun den zweiten asexuellen Gegenspieler. Mag Blofeld noch asexuell aus Überzeugung oder Zeitmangel gewesen sein, so ist Drax wohl eher aus wirklichen physischen Gründen: Er ist impotent und unfruchtbar. Er ist selbst unfähig zur Reproduktion und hasst alle, die es können. Sie müssen sterben, damit er erschaffen, auf seine ganz eigene größenwahnsinnige Weise zum Stammvater werden kann. Der geballte Sex in Form der vielen Pärchen ist mir dann schon ein paar Pünktchen wert.
Genie: 10/10
Wahnsinn: 10/10
Sex: 2/10
Persönlichkeit: 0/10

Das war jetzt doch zuviel? Wirklich? Dann eben back to the roots. Weg mit Larger than Life. Für FYEO holen wir uns Onkel Ari. Ne, nicht den aus dem Forum, den richtigen Herrn Kristatos. Ein Reeder, ein Schmuggler, aber auch ein geschickter Doppelagent seit jeher. Blöd kann er schon mal nicht sein. Aber wahnsinnig ist er leider auch nicht. Kein Spleen, kein Trauma, keine Komplexe. Schade. Hat er wenigstens Sex? Mit Bibi nicht, der ist er ja zu alt. Mit Brink etwa? Nein, ich glaube schon, dass er eher auf junge Dinger steht. Aber wie so viele Schurken vor ihm bekommt er leider nicht was er will. Dafür stellt er sich aber als der ideale Gegner für einen agentenhaften, down to earth Bond heraus.
Genie: 8/10
Wahnsinn: 0/10
Sex: 2/10
Persönlichkeit: 10/10

Man hat festgestellt: Es geht auch ohne Wahnsinn, aber schöner ist es mit. Und so hat man in OP dem Prinzen, Schmuggler und alterndem Lebemann Kamal Khan (Octopussys Ex oder ein zurückgewiesener Verehrer?) einen verrückten russischen General zur Seite gestellt. Heißa, das macht Spaß! Aber eine anständige Bewertung leider auch wieder unmöglich.

Da es scheinbar nicht nur Bewertungen unmöglich, sondern auch Zuschauer verwirren kann setzt man in AVTAK dann auch lieber wieder auf nur einen einzigen Gegner. Das macht die Bewertung zwar wieder möglich, aber leider auch sehr langweilig, da der Film selbst enthüllt, dass Max Zorin ein Genie und ein Wahnsinniger ist. Sex holt er sich von Mayday (zumindest zum Kuss ist es gekommen, dann wurden die beiden gestört, worüber aber auch Mayday recht verärgert aussah). That’s it. Gähn.
Genie: 9/10
Wahnsinn: 10/10
Sex: 9/10
Persönlichkeit: 8/10

Nein, das war jetzt doch zu einfach und zu langweilig. Wir hatten uns doch vorgenommen den Super(tollen)-Gegnern abzuschwören. Suchen wir für TLD lieber wieder dramaturgische Herausforderung und präsentieren ein Zweiergespann. So oder so ähnlich hat man wohl bei Eon gedacht. Aber Moment: Ein illegaler Händler und ein russischer General? Das hatten wir doch schon mal! Anscheinend hatte man also doch Angst vor größerer Herausforderung und strickte einfach Octopussy um. Der General wurde zum Lebemann (mit schönen Frauen an seiner Seite) und der Waffenhändler bekam den Militärspleen verpasst (allerdings weitaus ungefährlicher für die Umwelt oder deutsche US-Basen). Ob die beiden Genies waren lässt sich nicht eindeutig sagen, dafür verstehen zu viele den Handlungsablauf nicht. Aber ist ja egal, Zweiergruppen werden eh nicht von meinem System erfasst. Was ein Glück!

Man hatte nach diesem Ergebnis also ein Einsehen und präsentierte mit LTK wieder das Altbewährte, was seit jeher funktioniert hat: Den charismatischen Einzelvillain. Und es gelang. Auch Sanchez steht bei vielen Fans hoch im Kurs. Er ist vielleicht kein Genie und lässt sich von Bond manipulieren, aber um sich ein (Drogen-) Imperium aufzubauen braucht man schon etwas Grips. Ein gesundes Maß an Wahnsinn ist dabei auch nie verkehrt. Einfach weg mit allem, was untreu ist (okay, da war es nur die Peitsche) oder was irgendwie in verdacht gerät nicht loyal zu sein. Ob Sanchez nun tatsächlich mit Lupe schläft, sich abwechselnd Lupe und Dario ins Bett holt oder er sich ausschließlich mit Dario vergnügt und er Lupe für ihre Untreue nur deshalb so hart bestraft, weil dies ja für die Augen anderer implizieren könnte, dass er ein schlechter Liebhaber ist und/oder ihr sexuell nicht das geben kann, was sie braucht, oder er den Schein wahren muss, dass sie zu ihm in sein Bett gehört, ist letztendlich egal. Für eine überdurchschnittlich hohe Sex-Wertung reicht es allemal.
Genie: 6/10
Wahnsinn: 7/10
Sex: 7/10
Persönlichkeit: 10/10

So… so langsam habe ich keine Lust mehr, aber da die Serie ja mit Brosnan als Bond mit GE wie Phönix aus der Asche kam muss ich wohl auch noch weitermachen. Aber im Grunde gibt es zu Trevelyan nicht viel zu sagen. Er folgt dem altbewährten Prinzip. Trevelyan ist als Chef eines Verbrechersyndikats nicht auf den Kopf gefallen und hat einen gehörigen Knacks weg. Zuerst seine Eltern, die Selbstmord verübten, dann noch die Entstellung durch Bonds ‚6 Minuten’. Da er aber früher ein Doppelnullagent war hat er gelernt, seine Gefühle nach außerhalb zu verbergen. Sexuell haben wir wieder einen Gegner, der gegenüber Bond den Kürzeren zieht. Ob er und Bond früher wirklich alles geteilt haben würde, wenn es stimmt, auch ein ziemlich merkwürdiges Licht auf Bond werfen. Aber um den geht es hier ja zum Glück nicht. Zudem halte ich das auch mehr für ein Wunschdenken von Alex, der sicher schon damals immer den Kürzeren zog und nie das Mädel abbekommen hat, wenn er mit Bond gemeinsam im Einsatz war.
Genie: 6/10
Wahnsinn: 6/10
Sex: 3/10
Persönlichkeit: 8/10

Warum sollte man etwas Neues wagen, wenn das Alte funktioniert? Das wird mit Casino Royal jetzt vielleicht anders, damals bei TND war es aber noch der Grundsatz. Carver ist ein charismatischer Medienmogul (wenn auch oft etwas anstrengend), der die Medienmacht mindestens genauso liebt wie Goldfinger sein Gold, kommt er doch (zumindest in der deutschen Synchronisation) zu einem geistigen Orgasmus als er nach dem Versenken der Devonshire über seine Machtinstrumente ins Schwärmen gerät. Ein Villain der alten Schule eben, leider ist Kriegstreiberei auch ein Plan der alten Schule und somit etwas abgegriffen. Ein wahres Genie hätte sich etwas Originelleres einfallen lassen. Und wo wir schon von Orgasmus sprachen, das war auch Carvers einziger, denn Wai Lin bekommt er nicht und seine Ehefrau verliert er, aber scheinbar kann er sich ja auch anders bestens vergnügen. Zur Not hat er ja das Koks und die Blitz-Illu im Safe.
Genie: 7/10
Wahnsinn: 9/10
Sex: 3/10
Persönlichkeit: 6/10

Juchhu, TWINE kann ich mir sparen, sind ja wieder zwei. Elektra hat jedenfalls einen größeren Schaden als Renard, der dafür allerdings ein nicht ganz so ausgefülltes Sexleben hat, auch wenn Elektra dabei ziemlich viel Feingefühl offenbart. Die einzigen Gegner, denen ich auf der Sex-Skala eine 10 geben würde. Dafür ist der Plan weniger originell. Ihr Doppelspiel hat dagegen gut funktioniert.

Der bisher letzte Auswurf der Reihe ist DAD, der trotz seiner Schwächen tatsächlich mal innovativ für die Serie ist, denn Colonel Moon (aka Gustav Graves) ist weder der charismatische Superschurke noch Teil eines konfusen Duos sondern ein militärischer Hardliner. Dementsprechend neuartig ist auch sein Plan, die Umsetzung geriet allerdings weniger atmosphärisch als die Satellitengeschichte in Diamantenfieber. Aber wen kümmert es schon bei so einem übertriebenen Actionspektakel? Okay, viele Fans, aber egal. Moon hat jedenfalls einen großen Vaterkomplex. Sein Vater, der große und weise General und Staatsmann und er nur der kleine Sohn, dem diese Fußstapfen zu groß sind und der obendrein noch im Westen verdorben wurde. Das gipfelt schließlich folgerichtig in einem Vatermord. Sexuell enthaltsam sehe ich ihn doch näher an Zao als an Miranda, aber vielleicht ist er ja auch bi. Wer weiß das schon? Vielleicht macht ja auch diese Genbehandlung impotent. Das würde erklären, warum Moon als Graves nicht mit irgendwelchen Frauen herummacht, wo er doch offiziell eingestanden hat ihn nach Bonds Vorbild erschaffen zu haben. Und da soll er ausgerechnet diesen doch sehr wichtigen Punkt in Bonds Charakter nicht kopieren? Hm, oder er ist doch schwul. Nein, der schlagende Beweis für die verheerenden Auswirkungen der Gentherapie auf die Männlichkeit zeigt sich besonders an dem Mann, der von Bond niedergeschlagen wird um nach Los Organos zu kommen. Dieser will die letzte Nacht noch ausgiebig ausnutzen und verlangt nach mehr Frauen. Auch die Drohung aus dem Kellner einen „Fidel Castrato“ zu machen spricht Bände. Hochachtung verdient Moon allerdings dafür, dass er trotz seiner Verwandlung in Gustav Graves doch tatsächlich nie in eine Identitätskrise kommt. Dieser Mann weiß einfach ganz genau, was er will!
Genie: 7/10
Wahnsinn: 8/10
Sex: 0/10
Persönlichkeit: 7/10


Hitliste:
Max Zorin 36
Auric Goldfinger 31
Franz Sanchez, Karl Stromberg 30
OHMSS-Blofeld 29
Francisco Scaramanga 28
Elliot Carver 25
Alec Trevelyan 23
Colonel Moon, Hugo Drax 22
YOLT-Blofeld 21
Ari Kristatos, Emilio Largo, Dr. No 20
Kananga 19
DAF-Blofeld 17

Ich denke mal, wenn man sich das Ranking ansieht, dann dürfte die Erfolgsformel klar sein. Und bevor es jetzt unzählige Proteste hagelt oder Diskussionen darüber entstehen, wer denn nun wirklich der beste Bösewicht ist, abschließend noch der Hinweis, dass man das Ganze durchaus mit einem Augenzwinkern lesen sollte.

[Dieser Beitrag wurde am 13.02.2006 - 16:04 von Count_Villain aktualisiert]





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Count_Villain ...
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...   Erstellt am 11.02.2006 - 15:20Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Ich weiß, es sieht sch***e aus ohne Zeilenumbruch und ist so mit Sicherheit irre schwer zu lesen. Wer es trotzdem versuchen will oder gar schafft, der hat meine vollste Hochachtung!





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Kristatos ...
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...   Erstellt am 11.02.2006 - 15:39Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Wow, lieber Count!

Chapeau!
Da hast Du Dir aber viel Mühe gegeben und das meiste davon würde ich absolut unterschreiben.





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venini ...
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...   Erstellt am 11.02.2006 - 15:48Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


count:

Gratulation. Du schreibst, "dass man das Ganze durchaus mit einem Augenzwinkern lesen sollte". So verstehe ich das auch, denn sonst müsste ich dir dann doch in etlichen Punkten deiner (ziemlich willkürlichen) Unterbewertungen widersprechen. Zum Beispiel halte ich den Blofeld aus YOLT als des Wahnsinns fette Beute schlechthin. Und Goldfinger - in Fröbes grandioser Interpretation - ist für mich gerade genau umgekehrt der unmenschlichste und unsympathischste Schurke aller Zeiten. Aber wie gesagt, äusserst amüsant geschrieben.

"Aber vielleicht findet er Tiffanys knappes Outfit auf der Bohrinsel ja auch gerade deshalb so verwirrend, weil er selbst einen ähnlichen Bikini im Kleiderschrank hängen hat…" - KÖSTLICH





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"wenn ich nur so begehrt wär', wie der cornetto-erdbeer"

Count_Villain ...
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...   Erstellt am 11.02.2006 - 15:49Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


@ Kristatos: Okay, Onkel Ari, wie versprochen: Meine vollste Hochachtung!

Und natürlich herzlichen Dank! Nachdem ich bei einzelnen Gegenspieler-Diskussionen der letzten Wochen schon nichts mehr gepostet hatte (wird sicher auch irgendwann noch nachgeholt), dachte ich, dass es mal wieder Zeit wäre für ein längeres Essay von mir. Ich kann ja Venini und Photographer ja nicht die ganze Arbeit hier allein machen lassen. Und gestern Abend hatte ich auch die passenden Geistesblitz für ein Thema.

Mal schauen, vielleicht ergibt sich ja neben Lob doch die ein oder andere Diskussion. Ich glaube schon, dass ich einige Aspekte aufgegriffen habe, die bisher so noch nie angesprochen wurden. Geht ja schon bei Doktor No los...

@ Venini: Auch meine Hochachtung und auch danke. Und klar, so etwas ist immer auch subjektiv. Zudem soll ja auch gerade diese Willkürlichkeit provozieren und mal zum Nachdenken oder eben zum Schmunzeln anregen. Es ist halt ein Spiel: wie könnte man es interpretieren. Außerdem habe ich aus dem Gedächtnis geschrieben. Für fundierte Bewertungen hätte ich mir jeden Film noch einmal anschauen müssen.

[Dieser Beitrag wurde am 11.02.2006 - 15:55 von Count_Villain aktualisiert]





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gargamel
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...   Erstellt am 11.02.2006 - 15:56Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Vorab: ich dachte das mit dem Zeilenumbruch liegt an meinem Explorer, scheint aber dann wohl ein Forenproblem zu sein.

Count alias Thorsten,

meine Hochachtung vor dieser Mammut-Analyse!

Eine wirklich ausführliche Betrachtungsweise der Schurken. Auch das Einteilen in die 4 Bereiche finde ich klasse!

Darüber hinaus ist das ganze mit einer feinen Ironie gewürzt, die besonders bei DAF sehr gefällt!

Wirklich klasse gemacht, mit interessanten Gedankengängen die sogar Logisch und konsequent erscheinen!

Wirklich klasse gemacht!!!! Hut ab!

Gruß

Jens

PS: In der Vorschau erscheint Dein Beitrag mit Absätzen etc. Schon seltsam das Ganze...

[Dieser Beitrag wurde am 11.02.2006 - 15:58 von gargamel aktualisiert]




Gremlin 
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...   Erstellt am 11.02.2006 - 16:04Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Herrlich, Thorsten. Ich hab oft lachen müssen und stimme dir absolut zu!





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Pille ...
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...   Erstellt am 11.02.2006 - 18:30Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Oh mein Gott, ich lach mich kringelig Das ist dir einfach nur super gelungen, Count. Vor allem beim DAF-Blofeld und bei Scaramanga mußte ich lachen





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Keine Mätzchen mehr, jetzt wird gespielt!


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Kristatos ...
BKD-Headquarters
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...   Erstellt am 12.02.2006 - 01:42Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Gerda bei Dr. No she eich ein paar Unterschiede in der Bewertung. Sein Besuch bei dem schlafenden Bond deute ich nicht als sexuelles Interesse, eher die Neugierde treibt ihn an wer es gewagt in "sein" Reich einzudringen.





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gargamel
unregistriert

...   Erstellt am 12.02.2006 - 10:44Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Also ich finde das sexuelle Interesse gar nicht so abwegig, denn das Gesicht von Bond ist ja, soweit ich die Szene noch vor Augen habe, zu erkennen. Somit hätte das ja genügt um zu sehen wer das ist.

Er hebt aber ja die Decke an...

Gruß

Jens




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