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erni 

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...   Erstellt am 28.07.2007 - 11:12Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ich interessiere mich sehr für Zustände in der russischen Kriegsgefangenschaft, insbesonders für das Lager Borovici (Borowitschi). Sollte jemand Kenntnisse darüber besitzen, wäre ich dankbar, wenn er mir diese weitergeben würde.
Infolge dieses Interesses las ich in dem Buch:
"Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges" (Band II) folgenden Bericht über die Gefangennahme in Kurland, den ich hier zitieren möchte, damit vielleicht ein bisschen Leben in die Bude kommt.

Dass die Gefangennahme auch völlig anders, ohne die chaotischen Begleiterscheinungen erfolgen konnte, zeigt folgendes Zeugnis eines Angehörigen der Kurlandarmee:
"Ich war bei der Kapitulation 1945 Ia der N. Infanterie-Division in Kurland. Diese Division war zuletzt eingesetzt im Raume südlich Hasenpoth [Ajzpute] und kapitulierte aus der damaligen HKL heraus. Die Kapitulationsanweisungen waren am Tage zuvor durch den Chef des Stabes des 11. AK an die dort versammelten Ia's der 3 Divisionen dieses Korps gegeben worden. In diesen Anweisungen stand, dass ich die ersten Generalstabsoffiziere der Division an bestimmten Punkten der HKL mit Persönlichkeiten der Roten Armee am nächsten Morgen um eine bestimmte Uhrzeit, die mir entfallen ist, treffen würden. Ich hatte vorsorglich dorthin einen Pionierzug beordert, da sowohl auf unserer Seite wie auf der Seite der Russen dieses Gebiet vermint war.
Als ich dort ankam, hatte der Pionierzug bereits die Minen unsererseits weggeräumt, und ein Major - wenn ich recht erinnere, war es der Kommandeur der Nachrichtenabteilung der uns gegenüberliegenden Division mit einem Dolmetscher und einem russischen Pionierzugführer empfingen uns. Da unsere Pioniere skeptisch waren hinsichtlich des Minenräumens durch die Russen, gingen wir mit einem Minen-Suchstab weiter. Ich hatte ein rostiges Sensenblatt am Wegrande gefunden und stocherte meinerseits auf dem Feldwege und beiderseits des Weges, den wir zu passieren hatten, mit diesem Sensenblatt in der Erde herum und fand noch 3 Minen, die von den Russen nicht geräumt worden waren. Das wurde dann nachgeholt. Hinter uns fuhr mein Kübelwagen mit dem Fahrer, und als wir auf der anderen Seite die Minensperre solcher Art wohlbehalten passiert hatten, fuhren wir mit der eben erwähnten russischen Begleitung zum russischen Divisionsgefechtsstand ... Ich wurde dort auf diesem Divisionsgefechtsstand empfangen von meinem russischen Kollegen, dem Natschalnik Schtaba Divisii, einem untersetzten, vierschrötigen Oberst, der sich durch ein phänomenales Gedächtnis, wie sich hinterher herausstellte, auszeichnete. So hatte er, durch den russischen lc-Dienst offensichtlich zusammengetragen, genauere Kenntnisse über die Ausstattung unserer Division und war bemerkenswert informiert über Einzelheiten auch der Spezialausstattung. Es wurden dann in diesem Gespräch Ubergabepunkte im einzelnen an der HKL festgelegt, die sich unterteilten in Punkte, wo leichte Infanteriewaffen abzulegen waren (regimentsweise), wo beispielsweise die Sturmgeschütze zu sammeln waren, die Artilleriegeschütze, Pferde zusammengezogen wurden, dann wo das Versorgungsgut des Versorgungsregiments der Division zu sammeln war u. ä ...
Bei diesen Verhandlungen mit dem Natschalnik Schtaba Divisii ist es zu Kontroversen nicht gekommen. Er hatte mir bei meinem ersten Besuch, der nicht sehr lange dauerte, ich musste dann gleich wieder zur HKL, um Einzelheiten anzuordnen, aus meiner auf einem Hocker abgelegten Mütze meine Wildleder-Handschuhe entnommen. Jedenfalls waren diese Handschuhe fortan nicbt mehr auffindbar. Er hat mir gegenüber aber eine absolute Korrektheit bewahrt in allem Persönlichen und allem dienstlichen Umgang. Er hat mich sogar abends mit dem Divisions-la zusammen einmal zum Abendessen in dem angrenzenden vorhin erwähnten kleinen Zimmerchen eingeladen. Dort war auf einem unerhört kleinen Tischchen der Tisch gedeckt. Es war Porzellan zusammengetragen, dessen Herkunft absolut rätselhaft war; denn es war wild zusammengewürfelt und es war aufgefahren, was diesem Divisions-la aufzufahren möglich war. Verglichen mit unseren deutschen Gepflogenheiten etwas befremdend, aber dennoch, man sah den guten Willen und es fehlten so z. B. auch nicht zwei Vasen auf dem Tisch, in denen Pfauenfedern standen. Es wurden andererseits in Blumenvasen die Zigarren und Zigaretten gereicht. Ich erinnere mich, dass zum Abschluss, eingemachte Pflaumen angeboten wurden und diese - wir taten es unseren Gastgebern nach - wurden in kleine Schnapsgläser getan und aus diesen Schnapsgläsern dann zum Munde geführt, sozusagen getrunken. Das alles machten wir so, wie es uns die Gastgeber vormachten. Es wurden dann belanglose Gespräche geführt, ein Dolmetscher war zugegen ...
Die Kapitulationsverhandlungen bei der N.-Division fanden ihren Abschluss in einer Einladung, die von dem kommandierenden General des russischen Korps an die deutschen Divisions-Ia's und Divisionskommandeure ergangen war. Diese Einladung fand auf dem Korpsgefechtsstand statt. Der kommandierende General wurde seinerzeit gerade vertreten durch den Divisionskommandeur der 19. Division, bei der ich kapituliert habe. Ich erinnere mich an eine festlich gedeckte Tafel. Ich erinnere mich an Offiziere der Roten Armee, die sich mit ihren ,Affenschaukeln' geschmückt hatten, und ich erinnere mich an weiß gekleidete Ordonnanzen. Auch hier war geboten worden, was das feldmäßige Leben zu bieten vermag, Es standen insbesondere große Wodkaflaschen auf dem Tisch, die wir Deutschen zunächst für Wasserflaschen gehalten haben, weil der Wodka in normalen Wassergläsern ausgeschenkt wurde. Bei dieser Festtafel wurde dann durch den kommandierenden General auch eine Rede gehalten, von der ich eigentlich Negatives nicht in Erinnerung hatte, aber auch im einzelnen jetzt nicht mehr sagen kann, was gesprochen worden ist. Ich kann mich nur erinnern, dass alle Beteiligten an diesem Essen einen außerordentlich positiven Eindruck hatten, Ich selbst erinnere mich, dass mir der kommandierende General einen vergilbten Sonnenlichtabzug aus einer Zeit zeigte, die ihn als Fähnrich in der zaristischen Armee darstellte. Nach diesem Essen legten wir erst die Waffen ab."

"Eine solche formelle, man möchte fast sagen zeremonielle Kapitulation mit anschließender Übernahme in die Gefangenschaft erfolgte zwar für die etwa 189 000 Soldaten der Kurlandarmee in dieser oder ähnlichen Form, gegenüber der Mehrheit der Ostgefangenen bildet sie aber eine deutliche Ausnahme."

Gruss Erni





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