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...   Erstellt am 13.01.2008 - 19:52Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Eigentlich mag ich ja keine Gedichte, von nur ganz wenigen Ausnahmen abgesehen.
Eine dieser Ausnahmen ist der bekannte Dichter und Satiriker Wilhelm Busch, dessen kurze und knackigen Verse immer zielgenau den Punkt treffen. Ich finde, noch mehr als er es gemacht hat, lassen sich Aussagen nicht mehr verdichten.

Hier einige der bekanntesten Sprüche, Gedichte und Schüttelreime von ihm in alphabetischer Reihenfolge:



# Ach, reines Glück genießt doch nie,
wer zahlen soll und weiß nicht wie.


# Also lautet ein Beschluß:
Daß der Mensch was lernen muß. -
Nicht allein das Abc
bringt den Menschen in die Höh';
Nicht allein in Schreiben, Lesen
übt sich ein vernünftig Wesen;
Nicht allein in Rechnungssachen
soll der Mensch sich Mühe machen,
sondern auch der Weisheit Lehren
muß man mit Vergnügen hören.


# Ach, spricht er, die größte Freud'
ist doch die Zufriedenheit.


# Auch das kleinste Ding hat seine Wurzel in der Unendlichkeit, ist also nicht völlig zu ergründen.


# Das Gute - dieser Satz steht fest -
ist stets das Böse, was man läßt.


# Der guten Menschen Hauptbestreben
ist, andern auch was abzugeben.


# Die gute Unterhaltung besteht nicht darin, dass man selbst etwas Gescheites sagt,
sondern dass man etwas Dummes anhören kann.


# Die Summe unseres Lebens sind die Stunden, in denen wir liebten.


# Die Wahrheit ist zu schlau, um gefangen zu werden.


# Dummheit ist auch eine natürliche Begabung.


# Eins-zwei-drei! im Sauseschritt
läuft die Zeit, wir laufen mit.


# Ein Prall - ein Schall - dicht am Gesicht -
Verloren ist das Gleichgewicht.

So töricht ist der Mensch. - Er stutzt,
Schaut dämisch drein und ist verdutzt,
Anstatt sich erst mal solche Sachen
In aller Ruhe klarzumachen. -

Hier strotzt die Backe voller Saft;
Da hängt die Hand, gefüllt mit Kraft.
Die Kraft, infolge der Erregung,
Verwandelt sich in Schwungbewegung.
Bewegung, die in schnellem Blitze
Zur Backe eilt, wird hier zu Hitze.
Die Hitze aber, durch Entzündung
Der Nerven, brennt als Schmerzempfindung
Bis in den tiefsten Seelenkern,
Und dies Gefühl hat keiner gern.

Ohrfeige heißt man diese Handlung,
Der Forscher nennt es Kraftverwandlung.


# Enthaltsamkeit ist das Vergnügen an Sachen, welche wir nicht kriegen.


# Entrüstung ist ein erregter Zustand der Seele,
der meist dann eintritt, wenn man erwischt wird.


# Es ist ein Brauch von alters her:
Wer Sorgen hat, hat auch Likör!


# Es sitzt ein Vogel auf dem Leim,
er flattert sehr und kann nicht heim.
Ein schwarzer Kater schleicht herzu,
die Krallen scharf, die Augen gluh.
Am Baum hinauf und immer höher
kommt er dem armen Vogel näher.

Der Vogel denkt: Weil das so ist
und weil mich doch der Kater frißt,
so will ich keine Zeit verlieren,
will noch ein wenig quinquilieren
und lustig pfeifen wie zuvor.
Der Vogel, scheint mir, hat Humor.


# Früher, da ich unerfahren
und bescheid´ner war als heute,
hatten meine höchste Achtung
andre Leute.

Später traf ich auf der Weide
außer mir noch mehr´re Kälber,
Und nun schätz ich, sozusagen,
zu allererst mich selber.


# Gar sehr verzwickt ist diese Welt -
mich wundert's daß sie wem gefällt.


# Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat.


# Gewisse Dinge greift man so vergeblich mit Worten an, wie Geister mit Waffen.


# Gewißheit gibt allein die Mathematik.
Aber leider streift sie nur den Oberrock der Dinge.
Wer je ein gründliches Erstaunen über die Welt empfunden, will mehr.
Er philosophiert.


# »Heißa!!« - rufet Sauerbrot -
»Heißa! meine Frau ist tot!!«


# Kaum hat man ein bissel was,
gleich gibt es welche, die ärgert das.


# Klatschen heißt,
anderer Leute Sünden beichten.


# Mancher Mensch muss erst mit dem Kopf gegen einen Baum rennen,
bevor er merkt, dass er auf dem Holzweg ist.


# Mein Prinzip ist überhaupt:
Was beliebt ist auch erlaubt.


# Mein lieber Sohn, du tust mir leid.
Dir mangelt die Enthaltsamkeit.
Enthaltsamkeit ist das Vergnügen
an Sachen, welche wir nicht kriegen.
Drum lebe mäßig, denke klug.
Wer nichts gebraucht, der hat genug!


# Musik wird oft nicht schön gefunden,
weil sie stets mit Geräusch verbunden.


# O wie lieblich, o wie schicklich,
Sozusagen herzerquicklich,
Ist es doch für eine Gegend,
Wenn zwei Leute, die vermögend,
Außerdem mit sich zufrieden,
Aber von Geschlecht verschieden,
Wenn nun diese, sag ich, ihre
Dazu nötigen Papiere
So wie auch die Haushaltsachen
Endlich mal in Ordnung machen
Und in Ehren und beizeiten
Hin zum Standesamte schreiten,
Wie es denen, welche lieben,
Vom Gesetze vorgeschrieben,
Dann ruft jeder freudiglich:
»Gott sei Dank, sie haben sich!«


# Philosophen und Hausbesitzer haben immer Reparaturen.


# Rotwein ist für alte Knaben
eine von den besten Gaben.


# Stets findet Überraschung statt,
da, wo man's nicht erwartet hat.


# Toleranz ist gut. Aber nicht gegenüber Intoleranten.


# Vater werden ist nicht schwer,
Vater sein dagegen sehr.


# »Warum soll ich nicht beim Gehen« -
Sprach er - »in die Ferne sehen?
Schön ist es auch anderswo,
Und hier bin ich ja sowieso.«


# Wenn einer, der mit Mühe kaum
gekrochen ist auf einen Baum,
Schon meint, daß er ein Vogel wär,
So irrt sich der.


# Willkommen! Gehet ein in Frieden!
Hier wird kein Freund vom Freund geschieden.
Es kommt so manches Schaf herein,
Warum nicht auch ein braves Schwein.


# Wirklich, er war unentbehrlich!
Überall, wo was geschah
Zu dem Wohle der Gemeinde,
Er war tätig, er war da.

Schützenfest, Kasinobälle,
Pferderennen, Preisgericht,
Liedertafel, Spritzenprobe,
Ohne ihn, da ging es nicht.

Ohne ihn war nichts zu machen,
Keine Stunde hatt' er frei.
Gestern, als sie ihn begruben,
War er richtig auch dabei.


# Wer in Glaubenssachen den Verstand befragt,
kriegt unchristliche Antworten.


# Wonach du sehnlich ausgeschaut,
Es wurde Dir beschieden.
Du triumphierst und jubelst laut:
Jetzt hab ich endlich Frieden!
Ach, Freundchen, rede nicht so wild,
Bezähme deine Zunge!
Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt,
Kriegt augenblicklich Junge.



Am besten aber hat mir der hier gefallen:

# Gedanken sind nicht stets parat,
man schreibt auch, wenn man keine hat.


Nur zu oft mußte ich bei meinen Besuchen auf diversen "Autoren"-Plattformen bereits an diese überaus sinnigen Worte denken. Ganz besonders in den jeweiligen Gedichtesparten.

Gedankenlose Grüße vom Mino.





Signatur

Worte, Worte, nichts als Worte! Dazwischen manchmal ein Gedanke.
(Marcel Reich-Ranicki)


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