Mediterranea, eine Insel im Mittelmeer.

Eine Insel, ein unabhängiger Kleinstaat - genau im Kreuz der vier größten Mächte dieser Zeit: Rom, Athen, Alexandrien und Karthago - ein Ort der Weisheit und des Wahnsinns, der Korruption und der Freundschaft, der Freiheit und des Kampfes, ein Schmelztiegel der Kulturen und Klassen, wo Senatoren einem illustren Leben frönen, Händler aus aller Welt die exotischsten Dinge darbieten und Sklaven um ihre Freiheit kämpfen. Erlebe das Schicksal: Tauche ein in eine Welt voller Intrigen, Kampf, Spannung, Spaß, Liebe und Hass - werde Teil von Mediterranea!

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Valvenya
unregistriert

...   Erstellt am 06.01.2008 - 17:05Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Es war so vieles, das auf Nocais Schultern lastete. Wie viele Jahre mochten seit diesen Geschehnisse um seine Wölfe bereits vergangen sein? Valvenya konnte zwar auf keine genauen Daten zurückgreifen, und sie erspürte wiederum mehr als sie es tatsächlich sicher wusste die Länge der vergangenen Zeitspanne, die Dauer seines Schmerzes und der niemals enden wollen, ja vielmehr noch zunehmende Druck seiner Schuldgefühle, die ihn umgaben wie ein schattenhafter Albdruck. Er hatte es überlebt, weitergelebt, sich arrangiert, wie es Menschen auch unter den schwersten Gegebenheiten immer irgendwie noch gelang. Verwundet, verdreht, doch sie existierten noch, behielten schreckliche Erinnerungen, diese niemals verblassenden Bilder, Gesichter, Stimmen und Erlebnisse in sich verborgen, versuchten sie so weit aus ihrem Bewusstsein zu schieben, wie nur möglich, in die schwärzesten, abgelegensten Winkel ihres Seins. Nocai hatte dies auch getan, doch er war noch einen Schritt weitergegangen, vielleicht aus dem Bedürfnis heraus, seiner Seele auf diese Art Erleichterung zu verschaffen, oder weil er wirklich der Auffassung war, eine Strafe verdient zu haben.
Anna sog die Luft ein wenig tiefer ein, blieb dabei aber still und senkte den Blick wiederum, während sie ihm jedoch aufmerksam zuhörte und ebenso auf den Klang seiner Worte lauschte, auf das, was Worte alleine nicht auszudrücken vermochten. Er litt unsäglich, seine Strafe, die Schmerzen im Bein, waren dagegen nicht einmal ein müder Abglanz der Qual, die in seinem Inneren nagte und fraß und nicht zur Ruhe kam. Doch wenigstens sprach er jetzt darüber, mehr noch schienen seine Empfindungen und Gedanken nun förmlich über seine Lippen zu quellen, als wollte er so vieles wie möglich so rasch wie möglich los werden, aus Furcht, es nur einen Herzschlag später nicht mehr fertigzubringen. Er hatte Zweifel, verständlicherweise. Auf irgendeine Weise suchte er gleichzeitig nach Rettung, verbaute sich diesen Weg jedoch auch sofort wieder, weil er sich nicht sicher war, ob er überhaupt gerettet werden konnte, ob er seiner selbstauferlegten Buße und Strafe überhaupt entkommen durfte. Dies alles würde kein leichtes Unterfangen werden.

Doch er verstand, und in Venyas Augen war dies immer das Allerwichtigste. Zudem ehrte es ihn, hauptsächlich den Seelenfrieden und die Heimkehr seiner gefallenen Kameraden im Sinn zu haben, obwohl es natürlich auch um sein Leben ging, denn eine solche Existenz, verbunden mit all diesen selbstzerstörerischen Gefühlen, besaß wenig lebenswertes. Zwar verstand die junge Dakerin nicht immer alles wortwörtlich, was er ihr erklärte und darreichte, doch zumindest der Sinn blieb ihr nicht verwehrt.
Der Anblick des weinenden, trauernden Mannes schließlich war belastend, aber womöglich hatte er noch gar keine Tränen ob dieser Angelegenheit vergossen, sich zusammengerissen, als Krieger, der er immer noch war. Wie dem auch war, es war auf alle Fälle ein deutliches Zeichen dafür, dass er sich dieser Sache noch längst nicht ausreichend gewidmet hatte, zu viele unerledigte, ungedachte, unberücksichtigte Dinge mit sich herumtrug. Er war ein starker Mann, aber eben nicht grausam, um über das Geschehene einfach hinwegsehen zu können. Er war schlicht und ergreifend ein Mensch und damit menschlich, daran war nichts Schlechtes oder Unangemessenes. Jenen so zivilisiert lebenden Völkern entgingen in ihrem Streben nach Macht, Ruhm und Reichtümern manches Mal die einfachsten, natürlichsten Zusammenhänge und Einsichten. Sie übersahen kleine Dinge, während sie von einer Großartigkeit zur nächsten hetzten, um keine 'Barbaren' mehr zu sein.

Anna schwieg eine kleine, aber nicht ungemütliche Weile und dachte über die von Nocai geäußerten Worte nach. Um ihn mit einer körperlichen Berührung zu trösten, kannten sie sich bei Weitem noch nicht gut genug und sie war auch nicht sicher, ob dem aufrechten Römer eine solche Behandlung wirklich angenehm wäre. Doch sie saß ihm zugewandt und blickte ihm nun wieder auf die gesenkten Lider. Ihre Stimme klang weich und warm und wirkte auf ihre Weise so, wie wohl auch eine Umarmung ausgefallen wäre.
"Es wird.... nicht leicht sein. Aber du hast..... einen Anfang. Es ist viel. Man muss langsam machen. Aber es ist Hoffnung, Nocai. Du bist gut und was du jetzt denkst... und fühlst ist gut. Und dann... einen Schritt vor anderen. Langsam. Du nimmst Rom.... ich nehme Geister.... dann arbeiten wir... zusammen."
Etwas zögernd lehnte sie sich vor und berührte hauchzart Nocais Handrücken mit den Fingerspitzen.
"Du bist sicher... nicht der einzige Römer... auf der Insel. Oder?"




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