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Romano  Senator, Richter

Status: Offline Registriert seit: 08.06.2006 Beiträge: 538 Nachricht senden | Erstellt am 16.10.2007 - 20:51 |  |
Die Einrichtung war schlicht gehalten und wies doch alles Nötige vor. Nebst einem Einzelbett und einem zweistöckigen Bett befanden sich auch einige Schemel und wenige kleine Schränkchen dort. Sogar einen kleinen Spiegel gab es, der jedoch an der rechten oberen Ecke geschwärzt war.
cf Hafen / Hospital
Er fand einen Botenjungen, dem er auftrug vorauszueilen und die Ankunft einer weiteren Bettlägerigen in seiner Villa anzukündigen. Zwar sagte er Außenstehenden ganz selten wo er wohnte, aber dies war ein Notfall. Seine Bediensteten würden sicherlich die Villa in Aufruhr versetzen und Maximus hoffentlich nicht um seine Ruhe bringen. Romano seufzte, jetzt fiel ihm wieder ein, was er auf seiner Liste noch hatte erledigen wollen, doch jetzt war es zu spät. Er selbst wollte auch so rasch wie möglich nach Hause und nach seinem erblindeten und verwundeten Sohn sehen.
Bei der Villa angekommen, liess er den sein Pferd durch den Stalljungen versorgen. Den Botenjungen schickte er in die Küche. Dort würde ihn ein Beutel Kirschen aus einem Garten entlohnen. Schweigend ging er hinter den Bediensteten hinterher, die nun anstelle der Sänftenträger die unbekannte Frau Heilerin auf einer Trage ins Gästezimmer trugen. Romano inspizierte die Einrichtung und erlaubte mit einem stummen Nicken die Frau auf dem Einzelbett abzulegen. "Bringt Zitronenwasser sowie eine Wachstafel und Kreide aus der Küche. Benachrichtigt Daphne und Maximus, dass ich wieder daheim bin. Ich werde zu Ihnen kommen sobald es mir möglich ist." Denn noch wollte er Venya nicht in diesme für sie unbekannten Zimmer alleine lassen. Schade nur, dass sich keine Hinweise auf ihre Identität fanden. Romano nahm auf einem Schemel Platz, begutachtete den Stab näher. Ein 17-jähriger pummeliger Bediensteter mit roten Haaren und Sommersprossen stand bei der Tür, sein Name lautete Rutger Severus.
Signatur ~Ich bin ich, bin ich.~
Romano Caius
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Valvenya unregistriert
| Erstellt am 17.10.2007 - 13:24 |  |
tbc von: Öffentliche Gebäude » Hafen » Hafen
Obwohl doch eigentlich bewusstlos und damit ihres freien Willens beraubt, hatte sich Venya als nicht gerade einfache Patientin entpuppt. Zum Beispiel hatte sie immer wieder versucht, sich aus der Rückenlage auf die Seite zu drehen und jene zusammengekauerte Stellung einzunehmen, zu der sie sich im Hafen zusammengerollt hatte. Dass sie dabei unweigerlich von der Trage fallen würde, wenn man sie nicht immer wieder korrigierte und schließlich sicherheitshalber ein wenig festband, war ihr derweil natürlich nicht bewusst.
Auch schien sie keineswegs in der undurchdringlichen, aber leeren Schwärze zu bleiben, in welche sie zuvor noch so tröstlich hinabgesunken war. Ihr Schlaf war unruhig und schien von Bildern und Visionen durchzogen, die keinen sonderlich guten oder tröstlichen Charakter zu besitzen schienen. Ihre Lippen bewegten sich stumm und auch ihre Augenlider zuckten hin und wieder, jedoch ohne sich zu öffnen.
Insofern ließ sie zumindest die Untersuchungen stillschweigend und widerspruchslos über sich ergehen, was ansonsten vermutlich nicht möglich gewesen wäre. Von der Durchsuchung ihrer Heilertasche einmal abgesehen, bei der die direkte Schlussfolgerung auf ihren Beruf als Heilerin wahrscheinlich auf eine äußerst positive Grundstimmung des werten Rocco hindeutete. Es fanden sich dort drin nämlich abweichend vielleicht von Verbänden und Tüchern, kaum Instrumente oder eindeutige Dinge der Grundausstattung eines typischen griechischen oder römischen Medicus’. Abgesehen von diversen Knochen, Runen, Räucherwerkzeugen und einer Vielzahl von Tiegeln und tönernen Töpfchen, deren Inhalt ab und an zwar anhand des Geruchs und der Konsistenz bestimmt werden konnte, oftmals jedoch mehr Rätsel aufgab, als enthüllte, konnte man dort wenig Vertrautes finden. Ebenso gut hätte sie eine verrückte Geisterschamanin oder einfach nur die seltsame Priesterin einer fremden Gottheit sein können. Von dem normalen Klischee einer Kräuterhexe einmal abgesehen. Ihrem zerzausten Aussehen nach zu urteilen hätte es sich auch um eine Ausbrecherin aus dem Turm der Verrückten handeln können.
In der Villa des Richters und endlich ruhig und ohne untersuchende Hände und fremde Stimmen um sie herum schien sich Anna anfangs ein wenig zu beruhigen. Vielleicht war sie aber auch nur einfach zu erschöpft, um sich auch noch im schlafenden Zustand zu ängstigen und ihr Körper forderte nun seine Ruhe ein, indem er bleischwer in den Kissen ruhte. Ihr Atem ging flach, aber langsam und gleichmäßig. Falls es die tiefe Traumphase gewesen war, welche sie so verstört hatte, so schien sie sich nun von dieser gelöst zu haben.
Tatsächlich dämmerte sie schließlich nur noch, allerdings noch fern von wirklichen Gedanken und mit noch zu müden Augenlidern, um auch nur zu wissen, dass man sie hätte öffnen können. Dennoch begann sie mehr und mehr, die Welt außerhalb ihrer eigenen wahrzunehmen, obgleich sich ein Teil von ihr heftigst dagegen zur Wehr setzte. Trotzdem wurde sie das ungute Gefühl nicht los, dass etwas nicht stimmte, anders war. Die letzten schläfrigen Augenblicke der Ruhe, bei denen man zwar ahnte, dass in der Vergangenheit etwas Schreckliches geschehen war, sich jedoch noch nicht genau daran erinnern konnte. Und dies auch nicht wirklich wollte. Andererseits hatte sie in der letzten Zeit derart oft den Aufenthaltsort gewechselt, dass sie sich wie zuvor schon auf dem Schiff in den wenigen Momenten des Schlafes erst einmal würde orientieren müssen. Ihre Fingerspitzen glitten leicht und tastend über ihren Untergrund. Nein, kein Gras oder Moos, nicht einmal Stein oder Sand. Es war weich, Kissen, Leinen.
Venya seufzte leise und irgendwie bedrückt. Das Gefühl, dass etwas nicht stimmte, wurde größer, aber es fiel ihr immer noch schwer, sich aus sich selbst herauszuwagen und dem Leben dort draußen gegenüber zu treten. Sie fühlte augenblicklich noch keinen wirklichen Schmerz und nur aus weiter Ferne drangen etwas wie Stimmen an ihr Ohr, die sie geschickt ignorieren konnte.
Jemand war bei ihr. Sie war es so gewohnt, alleine zu sein, dass sie dieses Gefühl einer unbekannten Präsenz in ihrer Nähe deutlich überkam. Sie war noch auf dem Schiff? Schon auf Nicos Schiff oder auf dem anderen? Hatte sie die Insel überhaupt schon erreicht? Aber der Raum schien nicht durch schwache, aber spürbare Wellenbewegungen zu schwanken, er fühlte sich starr und sicher an. Er umschloss sie regelrecht. Und er wirkte eng, enger noch als die ansonsten recht luftigen Zelte der Daker. Fast schon beengend.
Wie zur Reaktion atmete die Dakerin ein wenig tiefer ein. Sie würde sich dem stellen müssen. Der Realität und dem großen Dunkel, das in ihren Erinnerungen lag und an das sie sich noch nicht recht herantraute. Sie empfand es selbst aus der Ferne noch als derart beängstigend und bedrohlich, dass sie es wenigstens für diesen schwebenden Moment noch sicherer fand, dieses Etwas erst einmal nicht anzurühren. Ihr Körper fühlte sich immer noch vollkommen erschöpft und unendlich schwer an und auch ihr Geist wirkte, als hätte er all seine Konzentration und Stärke fast restlos aufgebraucht. Am Liebsten hätte sie einfach weitergeschlafen, aber sie würde es nun nicht mehr können, sie spürte, dass es vernünftiger wäre, aufzuwachen und sich dem zu stellen, was sie dort erwartete. Selbst wenn dies hieß, sich auf diese Düsternis einlassen zu müssen.
Zögernd hob sich die Hand, die Romano am nächsten war, von der sanften Struktur des Lakens und streckte sie ihm zögerlich, aber deutlich suchend entgegen. Es war nicht Nico, das spürte sie sehr wohl, aber sie brauchte einen Halt, einen Schutz, und sei es nur, um aufzuwachen und sich dieser Welt ein weiteres erschöpfendes Mal zu stellen. Noch konnte sie zurück, wenn sie wirklich wollte. Sie könnte sich auf eine Meditation einlassen und sich vollends aus der Wirklichkeit zurückziehen, solange sie sich noch nicht kräftig genug fühlte, um sich auf das, was dort lauerte, einzulassen. Vielleicht wäre dies auch so oder so das Beste.
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Romano  Senator, Richter

Status: Offline Registriert seit: 08.06.2006 Beiträge: 538 Nachricht senden | Erstellt am 17.10.2007 - 16:52 |  |
Ein weiteres äußeres Markenzeichen ist ein etwa 1 Meter 80 großer Eichenstab, den sie praktisch immer mit sich herumträgt. Er entstammt eigener, mühsamer Herstellung und verdankt sein Aussehen wie so vieles Valvenyas bloßer Intuition. In sein verdicktes, oberes Ende sind verschieden große und farbige Edelsteine eingelassen und mittels Lederbändern wurden zwei Paare freihängende, dünne Metallreifen daran befestigt, von denen jeder einen genauen Durchmesser von fünfzehn Zentimeter besitzt. Sie klimpern leise beim Gehen und laut, wenn ihre Besitzerin den Stab impulsiv auf den Boden pochen lässt. So vernimmt man oft schon von weitem ihr Kommen. Obwohl dieses Konstrukt nicht in erster Linie als Waffe gedacht ist, so kann Valvenya doch gut genug damit umgehen, um vorlauten Leuten in einer flinken Bewegung damit einen über den Schädel zu ziehen.
Der Stab war eigenartig aber auch Aufmerksamkeit fesselnd. Romano faszinierten die Edelsteine sowie die Konstruktion der Metallreifen. Vorsichtig berührte er die Reifen und lauschte ihrem leisen Klimpern und hielt sie wieder fest. Denn er wollte die Frau nicht unnötig aufwecken, wenn sie noch der Ruhe bedurfte. Ihn drängte es sie aufwecken, damit er endlich erfuhr wer sie war. Und ob sie freundlich oder eher feindlich gesinnt war! Er musste mit allem rechnen. Obwohl.. so vieleFfeinde hatte er nicht.
Mit einem leisen Räupsern lehnte er den Stab ans Kopfende und machte es sich auf seinem gepolsterten Schemel bequem. Die Tasche der Heilerin lag auf einem zweiten Schemel am Bett. Er rührte sie nicht mehr an, arg seltsam kamen ihn die Töpfchen und Tiegel vor. Romano blickte zur Frau, die mit Seufzen und tiefen Atemzügen auf sich aufmerksam machte. Zuerst noch etwas zögernd, dann entschlossen erfasste er die suchende Hand der Unbekannten und hielt sie behutsam fest. Diese Geste des Hand-festhaltens tat er auch bei Maximus, damit dieser wusste, an welcher Bettseite er saß. "Ihr liegt auf einem bequemen Gästebett und befindet Euch in der Villa des Senators Romano Caius." brummelte er leise. Dass er der oberste Richter und ein Senator der Stadt Mediterranea persönlich war, konnte er immer noch klarstellen. Zuerst einmal musste sie aufwachen. "Warum auch immer ihr auch am Hafen zum Schlafen legtet, so wacht auf. Ihr seid in Sicherheit." Er bewegte seinen Daumen behutsam über den Handrücken von Venya, sah sie forschend und aufmerksam an.
Signatur ~Ich bin ich, bin ich.~
Romano Caius
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Valvenya unregistriert
| Erstellt am 18.10.2007 - 10:47 |  |
Venyas erschöpfter Körper zuckte leicht zusammen, als die fremde Hand sich um die ihre schloss. Trotz ihrer eindeutigen Geste sah sie in dieser Bestätigung etwas Besonderes, schließlich hätte der Fremde - sie spürte nun deutlich, dass es sich um einen Mann handeln musste - auch einfach warten können, bis ihr ohnehin nur mühsam gehobener Arm wieder auf das Lager herabgesunken wäre. Was wahrscheinlich nicht allzu lange gedauert hätte. Aber nein, irgendjemand in dieser Fremde, die sie umgab, schien Mitleid mit ihr gehabt zu haben. Sie befand sich nicht inmitten von Nicolais Feinden, das hätte sie schon längst wahrgenommen - oder? Ihr Geist fühlte sich momentan nicht stärker oder wacher an als ihr Körper und vielleicht befanden sich ihre Instinkte, ihre Ahnungen noch alle tief in den Träumen versunken. Diese ganze Situation besaß ohnehin etwas Irreales, Unmögliches - sie alleine unterwegs auf einer völlig fremden Insel, in einer riesigen Stadt. Was tat sie hier eigentlich? Sie wollte doch nur...?
Bilder zuckten vor ihr auf, Fetzen von Worten und sie schrak heftig davor zurück. Nein, sie wollte sich nicht daran erinnern, noch nicht. Es würde sie unweigerlich tiefer mit sich ziehen und das bisschen Kraft zunichte machen, das ihre Ruhepause ihr bislang gebracht hatte. Dabei war es ihr nicht einmal möglich zu sagen, wie lange sie geschlafen hatte. Sie trug noch all ihre Gewänder und auch ihren mit Beuteln behängten Gürtel konnte sie um ihre Hüfte liegend spüren. Aber wo ihre Tasche und vor allem ihr Stab sich befanden... dafür würde sie wohl die Augen erst öffnen müssen.
Zaghaft schlossen sich ihre Finger ebenfalls um die größere, kraftvollere Männerhand, deren Haut sich warm unter ihren kühleren Fingerspitzen anfühlte. Eine leise, tiefe Stimme drang durch die sie umgebende, schützende Dämmerung zu ihrem Bewusstsein durch, das dieses Gefühl der zurückgezogenen Sicherheit immer noch brauchte. Er sprach nicht Dakisch, dies merkte sie rasch, aber ihre Konzentration reichte noch nicht völlig aus um aus ihrem Gedächtnis womöglich eine passende Bezeichnung dafür zu finden und zu überprüfen, ob sie sich irgendetwas von den lange zurückliegenden Sprachlektionen mit Nico gemerkt hatte und verstehen konnte, wenn sie sich denn nur bemühte. Vorerst lauschte sie nur der Stimme, nicht den Worten. Nein, vielmehr dem warmen Klang, der auch keinen lügnerischen oder gar hinterhältigen Unterton besaß. Es war ernst, wahrhaftig und freundlich. Eigentlich mehr, als sie im Hinblick auf diese Insel erwartet hatte, in welcher sie bislang immer nur eine Gefahr hatte sehen können. Natürlich konnten nicht alle Menschen, die hier lebten, böse Absichten mit ihrem Volk hegen. Andererseits wusste dieser Fremde wahrscheinlich auch noch gar nicht, welchem Volk sie angehörte.
Sie spürte, wie man ihr mit dem Daumen über den Handrücken streichelte und glaubte zu ahnen, dass man sie bat, zurück in die Wirklichkeit zu finden, nachdem man ihr den Weg mit behutsamen Worten und Gesten vorbereitet hatte. Und eigentlich war dies ja auch ihr vernünftiger Wunsch gewesen, trotz der Tatsache, dass das Bedürfnis, sich irgendwo zu verkriechen, immer noch in ihrem Herzen vorhanden war und sich dort zusammenrollte wie ein Kind. Aber war sie es diesem Mann nicht schuldig, der sie doch allem Anschein nach aufgenommen und sich um sie gekümmert hatte? Er wusste mit Sicherheit nichts über sie oder ihre Situation und länger als nur einen Augenblick lang beneidete sie ihn glühend um diese Unwissenheit.
Ihre Hand ruhte immer noch müde in der seinen, als ihre Augenlider zunächst zuckten und sich anschließend langsam, mühevoll öffneten und glasige, nussbraune Augen enthüllten, die an die Decke starrten und sich nur allmählich mit Leben zu füllen begannen. Annas Brustkorb hob und senkte sich unter einem tiefen, lautlosen Lufteinziehen. Ihre Umgebung tauchte aus nebligen Schleiern auf und nahm zähflüssig schärfere Konturen an. Sie unterdrückte ein leichtes Schwindelgefühl und versuchte, sich so unauffällig wie möglich in die Realität zurückzustehlen. Ihr war zum Weinen zumute und sie wusste nicht einmal mehr recht, weswegen. Aber sie schluckte kurzentschlossen auch diesen Drang hinab und merkte, wie trocken ihr Hals in der Zwischenzeit geworden war. Dieser Fremde hatte vermutlich nichts mit ihren Problemen zu tun und sie mochte ihn auch nicht damit belasten. Nachher trug er noch irgendeinen Schaden aus seiner Freundlichkeit davon.
Blinzelnd löste die Heilerin ihre Hand aus der des Fremden neben ihr, um ihn in keine unangenehme Situation zu bringen, legte die Handflächen neben sich auf das Lager und versuchte, sich auf die Ellbogen hochzustemmen, was ihr schließlich auch gelang und ihr enorme Kraft abverlangte.
*Ich danke Euch*, flüsterte sie heiser auf Dakisch und hoffte, dass der Mann neben ihr anhand ihres Tonfalls vielleicht erkennen würde, was sie hatte vermitteln wollen. Entgegen üblicher Erwartungen jedoch schien sie es zu vermeiden, dem ihr Unbekannten oder der Gestalt, die sie grob an der Tür ausgemacht hatte, direkt ins Gesicht zu blicken und daraus etwas über deren Identität herauszufinden. Sowieso war ihr ja auch schon bewusst, dass sie diesen Mann nicht kannte und was seine Absichten betraf, so schätzte Valvenya ihn als ehrenvoll, hilfsbereit und gnädig ein. Mehr musste sie für den Augenblick nicht wissen und irgendwie glaubte sie zu ahnen, dass es die Dinge komplizierter machen würde, wenn sie wusste, wie er aussah. Wahrscheinlich sah er gut aus, viel zu gut und dies waren Angelegenheiten, mit denen sie sich lieber nicht beschäftigen wollte.
Erneut räusperte sie sich und schluckte hart, machte jedoch keine Anstalten, um Wasser zu bitten. Stattdessen presste sie die Augen kurz zu, um den aufsteigenden Schwindel niederzukämpfen. Anscheinend hatte sie zu lange in der Hitze gelegen. Wie unvorsichtig. Ihr Gesicht fühlte sich immer noch heiß an, als sie mit ihrer Hand darüber strich und sie schließlich auf die Stirn drückte während sie überlegte, wie weit sie wohl käme, wenn sie nun ginge. Nicht sehr weit, lautete die erschütternde, aber wahre Antwort.
*Es tut mir Leid*, murmelte sie kaum hörbar in betont entschuldigendem Tonfall und hoffte wiederum, dass er die Bedeutung ihrer Worte spüren könnte. Aber in der Seitengasse hätte man sie vermutlich nicht so schnell gefunden. Obgleich 'schnell' relativ war, denn von hier aus sah man keine Sonne und so konnte sie nicht erkennen, wie lange sie eigentlich geschlafen hatte.
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Romano  Senator, Richter

Status: Offline Registriert seit: 08.06.2006 Beiträge: 538 Nachricht senden | Erstellt am 19.10.2007 - 16:50 |  |
Na also! Sie drückte zurück und erwachte! Wenn auch ganz langsam und vor allem sehr gemächlich. Romano konnte es ihr nicht übel nehmen, dass sie sich deutlich Zeit liess, aus der Bewusstlosigkeit wieder an die Oberfläche hinaufzusteigen. Heiler Rocco hatte im Hospital sehr deutlich gemacht, dass es 'nur' ein heftiger Kollaps gewesen war. Wie nur konnte man auch mehrere Lagen Kleidung übereinander tragen? Schweigend wartete er ab, bis sie die Augen öffnete und erkannte sehr bald, dass sie braune Augen hatte. Romano unterdrückte ein enttäuschtes Seufzen. Schade... irgendwie hatte er blaue, gar grüne Augen erwartet. Die Unbekannte entzog ihm ihre Hand. Romano liess sie von dannen ziehen und lehnte sich zurück. Sie sagte zweimal etwas, was er nicht verstand. Es kalng fremd. Nunja, man würde sehen, wie sich das entwickelte. Vielleicht war sie noch zu verwirrt.
"Ist gut... keine Ursache." erwiderte er freundlich auf ihre Worte. Noch einmal musterten seine Augen ihren schmalen Körper, bemerkte, dass sie seinen Blick mied. Woher die Unbekannte bloß die Kraft hatte diesen mächtigen Stab zu tragen? Er deutete Rutger mit einem befehlenden Blick zu tun was zu tun war. Dieser füllte einen hölzernen Becher mit einem belebenden Zitronen-Wasser-Mix, stellte diesen auf ein Tablett aus Kiefernholz und servierte es auf Venyas Liegestatt. Ohne ein Wort zu sagen, trat der Bedienstete wieder zurück an seinen Platz, machte sich sozusagen 'unsichtbar'. "Beruhigt euch. Labt Euch am Zitronenwasser und lasst Euch Zeit." redete Romano auf sie ein. Natürlich hatte er eine Menge Fragen und auch das Bedürfnis nach Maximus zu sehen. Im Moment konnte er sich nicht entscheiden, was wichtiger war. Romano hob seine Hand, deutete auf den Stab und die Tasche. "Alles übrige ist hier. Wir haben beides bei Euch gefunden. Natürlich würde ich gerne wissen, wer ihr seid."
Signatur ~Ich bin ich, bin ich.~
Romano Caius
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Valvenya unregistriert
| Erstellt am 20.10.2007 - 23:05 |  |
Valvenyas Blick wanderte langsam und von einigen kastanienbraunen Haarsträhnen ein wenig verdeckt durch den ihr sehr fremd erscheinenden Raum und über die wenigen Einrichtungsgegenstände. Sie wusste nicht zu sagen, ob dies alles der Norm entsprach, mit viel oder wenig Inventar aufwartete, aber der Anblick des Silberspiegels brachte sie rasch von ihrer Besichtigung ab und ließ ihre Augen wieder auf die Bettdecke vor sich sinken. Wasserspiegelungen ihres Gesichtes waren schon schlimm genug, warum diese Menschen auch noch auf die Idee kamen, einen künstlichen Spiegel zu schaffen, war ihr ein Rätsel. Überhaupt erschien ihr einiges, was diese zivilisierten Völker bauten und erschufen als ein wenig seltsam und eigentlich in ihren Augen unnötig. Gut, sie war es ja auch gewohnt, mit den einfachsten, natürlich Gegebenheiten auszukommen, die man sich vorstellen konnte.
Auch wenn es in diesem Raum für normale mediterrane Verhältnisse sehr unspektakulär und neutral wirkte, so ergriff doch ein Gefühl der Befremdung und unangebrachter Existenz von Anna Besitz. Natürlich spürte sie, dass man sie freundlich aufgenommen hatte und die Absichten dieser Fremden gut und edel waren, aber sie gehörte und passte doch nicht wirklich hierher und diese unwohlen Empfindungen mochten nicht wirklich weichen. Einzig ihr allgemein desolater körperlicher Zustand verhinderte wahrscheinlich bislang eine noch größere Nervosität.
Sie hörte seine freundlich klingenden Worte und glaubte zumindest zu ahnen, dass er ihre Dankesbezeugung als solche wahrgenommen und beantwortet hatte. Es mochte ihm unglaublich unhöflich von ihr erscheinen, dass sie ihm nicht in die Augen sah, aber selbst wenn sie und er die gleich Sprache reibungslos verstünden wären die Umstände schwer begreiflich zu machen. Vielleicht schob er es von sich aus auf ihre Schüchternheit und Unsicherheit. Was im Grunde ja auch der Wahrheit entsprach. Zudem fühlte ihr Kopf sich immer noch schwer und vernebelt an und auch ihre Sicht war ähnlich diffus. Vielleicht könnte sie sogar einen kurzen Blick riskieren, ohne allzu viel der Gesichtszüge wahrzunehmen.
Trotzdem war es wohl erst einmal sicherer, es ganz zu unterlassen und auf das blinde Verständnis dieses Mannes zu hoffen. Vermutlich musterte er sie gerade und fragte sich, was für ein heruntergekommenes Geschöpf er sich da angetan hatte.
Die Dakerin zuckte leicht zusammen als sie merkte, dass die zweite Gestalt sich von der Tür aus näherte. Recht schnell erkannte sie jedoch, dass man ihr offenbar nur etwas zu Trinken anbot. Mit einem leicht müden, aber dankbaren Nicken nahm sie an und führte den hölzernen Becher an ihre Lippen, zuckte jedoch nach dem ersten kleinen Schluck schon wieder irritiert zurück und starrte mit großen Augen auf das Wasser, das einen eigentümlich sauren Geschmack aufwies und ein wenig an zu früh geerntete Beeren erinnerte oder auch an ein Melissenkraut, das sie kannte. Trotz den sicherlich zum Trinken ermunternden Worten des Mannes neben ihr schnupperte sie zunächst einmal vorsichtig, ehe sie erneut einen kleinen Schluck nahm. Anna gab sich Mühe, nicht das Gesicht zu verziehen, da dies garantiert keinen löblichen Eindruck hinterlassen hätte, aber dennoch fragte sie sich, weswegen man hier kein normales Wasser ohne diese saure Note trank. Waren diese südländischen Gaumen an derart heftige Gewürze gewohnt, dass ihnen der normale Wassergeschmack als zu fad erschien?
Da sie aber nun einmal schon unmenschlichen Durst verspürte und jede Faser ihres Körpers sich geradezu nach Wasser verzehrte, leerte sie den Becher und versuchte einfach sich vorzustellen, normales Quellwasser zu trinken, an dem man nicht herumgemischt hatte. Vermutlich war ihre Haltung augenblicklich auch undankbar zu nennen und sie sollte offener auf all dies zugehen. Offen auf Veränderungen zuzugehen gehörte auch leider nicht zu ihren Stärken. Vielleicht gab sich das jedoch auch einfach, wenn sie sich besser fühlte.
Mehr und mehr dämmerte es ihrem mitgenommenen Verstand zudem, dass dieser Fremde die lateinische Sprache gewählt hatte, eine Erkenntnis, die ihren Körper fast gegen ihren Willen anspannte und zwar auf eine schmerzhafte Weise. Die Römer waren eigentlich das einzige Volk, gegen das sie wirkliche Vorurteile hegte, ohne ihnen leibhaftig begegnet zu sein. Und diese Vorurteile waren auch alles andere als positiver Natur. Immerhin war Nicolai fast in Rom gestorben, von ihren Übergriffen auf Dakien einmal ganz abgesehen. Kurz kamen Valvenya tatsächlich wiederum Zweifel an den Absichten ihres 'Gastgebers': Sie war nicht sonderlich weit von Nicolais Schiff fortgekommen, man hätte also durchaus beobachten können, dass sie augenscheinlich gute Kontakte mit dem dakischen König pflegte. Womöglich war dies doch ein Hinterhalt. Ein gut geplanter Hinterhalt...
Die Seherin warf einen kritischen Blick in den inzwischen geleerten Becher hinein und fühlte sich doch eigentlich immer noch zu schwach für so negative Anschuldigungen. Sie spürte zudem keine bösen Absichten von einem der Männer. Andererseits hatte sie nicht das Gefühl, mental stärker und sicherer zu sein als körperlich.
Stumm folgte sie dem Fingerzeig des Fremden zu ihren Besitztümern und atmete sichtlich erleichtert auf, auch damit er erkannte, wie dankbar sie ihm war - und dem Schicksal, das verhindert hatte, dass man sie bestahl. Obgleich sie ohnehin kein Geld und kaum Essbares mit sich herumgetragen hatte. Sowie vermutlich auch nichts anderes, dem man in dieser Stadt irgendeinen Wert beimaß.
Fast gegen ihren Willen begann sie, nun, da sie erkannt hatte, dass man Latein mit ihr sprach, das ein oder andere Wort aus dem Munde des Mannes neben ihr zu verstehen. Keine ganzen Sätze und wirklich auch in dieser Sprache zu antworten traute sie sich schlicht nicht zu. Doch das 'wer' verstand sie beispielsweise, besonders da diese Frage nicht überraschte. Und so tippte sie sich kurz mit den Fingerspitzen gegen ihr Brustbein und erwiderte leise, aber deutlich:
"Valvenya."
Es war möglich, dass der Unbekannte seinen Namen schon einmal genannt hatte, sie ihn aber einfach in dem Wust unbekannter Worte schlicht überhört hatte. Deswegen deutete sie auch noch einmal vage in seine Richtung um zu verdeutlichen, dass er seinen Namen bitte wiederholen möge. Den sollte sie sich wirklich merken, wer wusste schon, wie sich dies entwickelte.
Ein wenig unschlüssig darüber, was sie nun denken und tun sollte drehte sie den leeren Holzbecher zwischen ihren Finger, ehe sie schließlich aus einem Gefühl heraus, erst auf den Mann neben sich deutete, dann auf die Tür, und schließlich Zeige- und Mittelfinger über ihre Decke 'gehen' ließ, bevor sie wiederum zur Tür zeigte. Gerne hätte sie nun den Fremden angesehen um ihm vielleicht mir Blicken klarer verdeutlichen zu können, was sie wollte. Aber nein, es war schon besser, es so zu versuchen. Sie hatte nur einfach irgendwie den Eindruck, dass Romano lieber woanders wäre und kaum etwas konnte sie besser verstehen als diese Neigung in ihrer Gegenwart. Vermutlich wäre er gerne überall, nur nicht wirklich bei ihr.
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Romano  Senator, Richter

Status: Offline Registriert seit: 08.06.2006 Beiträge: 538 Nachricht senden | Erstellt am 26.10.2007 - 20:27 |  |
Immer noch sah sie ihn nicht an. War es ihr zu hell? Sollte er die Öllampen abdimmen lassen? Die Fremde trank das angebotene Getränk. Jedenfalls schien sie ganz erleichtert zu sein, dass ihr Stab und die Tasche sich in ihrer direkten Nähe befanden. Je länger sie wach war, umso nachdenklicher schien sie zu werden. So war Romanos Eindruck. Mittendrin flüsterte sie ihren Namen. Der Name klang.. fremd.. so wie alles an ihr fremd war.
"Salve Valwenya." begrüßte er sie, hob die Augenbrauen als sie auf ihn deutete. "Ich? Ich bin Nocai." Sein Spitzname flutschte ihm ziemlich leicht über die Lippen. Im Moment danach ärgerte er sich über die ungeplante Offenbarung, runzelte die Stirn. Romano fing sich wieder und beobachtete ihre Bewegungen. "Ich soll gehen? Ja, das wäre wohl das allerbeste. Ruht Euch aus, Valvenya. Rutger wird vor der Tür Wache stehen. Ruft ihn, wenn Ihr etwas benötigt. Scheut Euch nicht, ihn zu rufen. Ihr seid in Sicherheit."
Nach dieser kleinen Rede erhob er sich, nickte Rutger zu, der hinter ihm das Zimmer verliess und die Türe leise schloss. "Lass unseren Gast, die Kleine nicht aus den Augen." ermahnte er seinen Bediensteten. "Und schlafe dabei nicht ein, sonst wirst du anstatt im Haus wieder im Stall arbeiten." Rutger nickte stumm und lehnte sich neben der Tür an. Senator Romano sah ihn prüfend an, raffte seine Tunika zusammen und eilte auf die Tür zum nächsten Zimmer zu.
tbc Maximus Zimmer
Signatur ~Ich bin ich, bin ich.~
Romano Caius
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Valvenya unregistriert
| Erstellt am 02.11.2007 - 11:08 |  |
Erst im Nachhinein wurde Valvenya bewusst, dass man ihre Empfehlung, ihr Angebot sie zu verlassen, durchaus auch anders hätte deuten können, nämlich als deutlichen Wunsch, den ihr Unbekannten aus dem Zimmer zu jagen, damit sie ihre Ruhe hätte. Etwas, das ganz und gar nicht ihre Absicht darstellte. Trotz ihres Fehlers war sie froh, dass ihr dies erst auffiel, nachdem ihr 'Gastgeber' das Zimmer tatsächlich schon verlassen hatte. Die gesamte Situation war ohnehin schon kompliziert und seltsam genug. Zudem war die Tatsache, dass sie den Mann neben sich weiterhin nicht angesehen hatte, vermutlich bereits ein ungeheuerlicher Verstoss gegen alle Gesetze der Höflichkeit. Schon jetzt musste er in ihr zwangsläufig das sehen, was die meisten Menschen in ihr sahen: eine verschrobene, seltsame, kaum einschätzbare Irre. Andererseits hatte er sie von der Straße aufgesammelt und schon allein deswegen sollte er eigentlich keine allzu großen Ansprüche an sie stellen.
Obwohl ihr Verstand augenblicklich noch unangenehm neblig und verzerrt arbeitete, so hatte Anna doch verstanden, dass der Fremde sich ihr als 'Nocai' vorstellte, womit sie sich jedoch ebenfalls erst nach seinem Abschied wirklich beschäftigte. Erstaunlicherweise hatte sie irgendwie mit einer deutlich länger ausfallenden Vorstellung gerechnet. Besaßen Römer nicht für gewöhnlich zwei oder drei Namen, mit denen sie sich auch vorzustellen pflegten? Wenigstens glaubte sie sich zu erinnern, dass Nicolai ihr so etwas einmal erzählt hatte. Und dass römische Eltern ihre Kinder manches Mal sogar durchnummerierten und aus der Nummer einen Namen machten. Eine sehr irritierende Tradition, wie Venya auch dieses Mal wieder unwillkürlich denken musste. Andererseits musste nicht jedermann, dessen Zunge dieses seltsame Latein sprach, zwingend dem römischen Volk entstammen. Ebenso wenig musste sein Name dann auf einem '-us' enden, wie die Dakerin sich ebenfalls nach etwas längerem Nachsinnen zu erinnern glaubte.
Doch auch wenn Nocai nicht unbedingt römischer Abstammung sein musste, änderte dies doch nichts daran, dass Valvenya sich trotz aller Erschöpfung und Ungestörtheit nicht wirklich entspannen oder gar wieder einschlafen konnte. Ihr Herzschlag hart gegen ihre Rippen war ein deutliches Zeichen dafür, dass sie so bald nicht die nötige Ruhe auch nur für ein kurzes Dahindämmern finden würde. Nicht einmal die Augen vermochte sie über einen längeren Zeitraum zu schließen, sondern ließ ihren Blick stattdessen immer wieder über die harten Konturen des Raumes gleiten, die sie nur noch unruhiger machten. Die glatten, undurchdringlichen Wände, die niedrige Decke und besonders die geschlossene Tür gaben ihr das Gefühl, hier alles andere als ein Gast zu sein. Sehr wahrscheinlich tat sie Nocai nun ein weiteres Mal fürchterlich unrecht, aber sie konnte einfach nicht anders, war sie es doch nicht einmal von Nicolais Stamm gewohnt, auf diese Art 'eingeschlossen' zu sein. Von ihren eigenen Streifzügen ganz zu schweigen.
Unter einem tiefen, stummen Seufzer ließ Anna sich erneut zurück auf das Bett fallen, fuhr sich nervös mit der Zungenspitze über die Lippen und zwang sich regelrecht dazu, die Augen zu schließen. Sie war so müde, dass sie kaum noch denken konnte, und gleichzeitig viel zu wach und aufgekratzt. Da war das instinktive Drängen, diesen Ort zu verlassen, andererseits das Wissen, dass sie es auf zitternden Beinen vermutlich nicht einmal bis zum Ausgang schaffen würde. Ohne eine disziplinierte Meditationsübung würde sie vermutlich keine Ruhe finden. Aber immerhin befand sie sich nicht auf einem Schiff und auch nicht in der Nähe eines Pferdes. Alles besaß seine positiven Seiten.
Venya musste sich zwar selbst wohlmeinend dazu anstupsen, rang sich aber dennoch schließlich ein kurzes Lächeln ab, was ihr bereits einen Hauch Entspannung verschaffte. Mit etwas Mühe reckte sie sich in Richtung ihres Stabs, ergriff ihn schließlich und zog ihn zu sich, die tröstlich bekannte Holzstruktur unter ihren Händen spürend. Leise ließ sie die metallenen Reifen klingen und versuchte, sich ganz auf diesen sanften Ton zu konzentrieren, alle übrigen Wirrnisse aus ihrem Kopf vertreibend. Nocais Stimme hatte zum Abschied mild und freundlich geklungen und was den einengenden Raum betraf, so besaß sie ausreichend Übung darin, sich in sich selbst zurückzuziehen, bis die Außenwelt vollkommen an Bedeutung verlor.
Nach kurzer Zeit spürte Anna bereits, dass der ungebändigte Herzschlag in ihrer Brust sich deutlich beruhigte, während sie sich zunehmend aus der Realität entfernte, was ihren Geist gleichzeitig klärte.
Der Klang seiner Schritte, als er ging... er zieht ein Bein nach.
Venyas Augen öffneten sich einen dunklen Spalt, ehe sie sie, nach einem kurzen Stirnrunzeln, wieder schloss. Sobald sie sich etwas besser fühlte, sollte sie die Runen bezüglich dieses Mannes befragen. Etwas an ihm erweckte in ihr das Bedürfnis und die Notwendigkeit, auf diesem Wege mehr über ihn in Erfahrung zu bringen. Auch wenn es nicht mehr als ein vages Gefühl in der Dämmerung zwischen Wachen und Schweben war, doch etwas in seiner Art, seiner Stimme, in Kombination mit einer offensichtlichen Verletzung - einer alten Verletzung - ergab ein seltsames Ganzes.
Anna zwang sich sanft dazu, auch dieses Thema erst einmal loszulassen. Sie würde ihre Kräfte brauchen und auch wenn sie keinen echten Schlaf fand, so würde sie sich wenigstens geistig ein wenig regenerieren können. Was ihren Körper betraf, so hegte sie wie üblich keine hohen Ansprüche.
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Valvenya unregistriert
| Erstellt am 12.11.2007 - 16:50 |  |
Nach einer kleinen Weile merkte Venya, dass ihre Ahnung bezüglich des Schlafes sich bestätigte. Über ein leichtes Dösen kam sie nicht hinaus, glücklicherweise genügte dies wenigstens ihrer Seele, um neue Kraft zu schöpfen und freier zu atmen. Es erschien ihr wie ein Schweben über der fremden, beängstigenden und eingeschlossenen Realität, das Erlangen eines neuen, höheren Blickwinkels und damit einer Position, aus der vieles anders, deutlicher zu erkennen war. Sie fühlte sich weniger eingesperrt, auch wenn ihre Entspannung nicht ausreichte, um ihre Seele weit vom Aufenthaltsort ihres Körpers fortzutragen. Womöglich trug auch eine unbewusste, innere Blockade zu diesem Zustand bei, vielleicht war sie zu ängstlich, um sich weiter hinaus zu wagen. Es wäre nicht das erste Mal. Diese Art der Wanderung, ohne dass ihr Körper sich bewegte, bedurfte in der Regel einer besonderen, vertrauten, sicheren Umgebung, in der sie sich gut aufgehoben fühlte und ganz und gar fallen lassen konnte. Zumeist in der Natur, unter einem Blätterdach, auf der Erde, umgeben von Pflanzen und Tieren. Nicht in diesem künstlich geschaffenen, kleinen Raum, in dem sich nicht einmal eine einzige Blume befand. Eigenartig, dass sie diese Art der Meditation offenbar nicht für Fluchten aus schwierigen Situationen und Lagen nutzen konnte. Eigenartig oder verständlich.
Immer wieder wollte ihr Bewusstsein nach Nicolai suchen, obwohl sie gleichzeitig etwas ermahnte, dem nicht nachzugeben. Aber seine Gegenwart war einfach immer bei ihr, sie waren stets und immer miteinander verbunden wie mit einem sehr feinen, aber auch gleichzeitig sehr starken, schier unzerstörbaren Silberfaden. Und sie hoffte, dass er dies nun auch spüren konnte. Er fühlte sich in ihr anders an als zuvor, eine Veränderung war während ihres Aufenthaltes bei ihm geschehen, auch wenn Anna sich immer noch leicht gegen die vollkommene Wirkung abschirmte. Allerdings konnte sie nicht anders, als die verstärkte Intensität seiner Ausstrahlung wahrzunehmen, die so allumfassend war, dass sie glaubte, nur die Hand ausstrecken zu müssen, um ihn berühren zu können. Er war nun viel näher als damals während seines Aufenthaltes in Rom… er war näher, doch irgendwie befand sie selbst sich weiter von ihm entfernt, was sich seltsam anfühlte. Sie selbst hatte Abstand nehmen wollen, nehmen müssen… natürlich, sonst wäre sie wohl kaum freiwillig von seiner Seite gewichen…
Mit einem stummen Seufzer öffneten sich Venyas braune Augen, über denen ein leichter dunkelgrüner Schimmer lag. Langsam ließ sie die Konturen und festen geraden Mauern des Zimmers wieder um sich herum hervortreten, wenngleich es sie danach wirklich nicht verlangte. Viel lieber wäre sie in ihrer schwebenden, ruhigen, von Nico erhellten Phantasiewelt geblieben, aber letzten Endes ließ sich die Realität nur ungern ausklammern, gerade weil sie so unnatürlich und fremd war.
Zudem erinnerte sich die junge Dakerin, dass sie bezüglich Nocai noch ihre Runen befragen wollte, und je rascher sie dies hinter sich brächte, umso besser. Noch ein klein wenig mühsam setzte sie sich auf und zog ihre Umhängetasche zu sich heran. Ob man sie durchsucht hatte? Ein kontrollierender Blick auf ihre in der Tasche stets herrschende und nun leicht gestörte Ordnung bestätigte ihre Vermutung. Hoffentlich hatte man ihr nichts entwendet; einige Dinge darin mochten auf den ersten Blick wie wertloser Plunder erscheinen, doch für sie bargen sie einen anderen, einen besonderen Wert. Mit langsamen Bewegungen setzte sie sich im Schneidersitz auf ihr Lager, glättete die Decke vor sich und wog den ledernen Beutel in der rechten Hand, während sie ihre Gedanken auf den Mann zu konzentrieren begann, das Gefühl seiner Hand in der ihren, seine Stimme, die Geräusche seiner Schritte auf dem Boden. Da sie ihn nicht angeschaut hatte, fielen alle weiteren Aspekte bedauerlicherweise fort, doch Valvenya war sich recht sicher, dass sie auch so schon besonders durch die Berührung ausreichend Bewusstsein für ‚Nocai’ entwickelt hatte.
Mit langsamen, sicheren Bewegungen zog sie die Schnüre des Beutels auf und förderte vier kleine Stoffbeutelchen zutage, jedes mit anderen Stickereien verziert, einige schwerer, andere leichter. Sorgsam platzierte sie jeden Beutel vor sich auf seinen vorbestimmten Platz, als kennzeichnete sie damit die Himmelsrichtungen. Schließlich lag ‚im Norden’ ein ungefüllter Beutel, der die Luft verkörperte, im ‚Osten’ jener mit kleinen Muscheln und Krebspanzern (über den sie noch die letzten paar Tropfen ihres Wassers goss), im ‚Süden’ ein Beutel mit duftender dakischer Erde, Baumrinde, getrockneten Blättern und Blüten und im Westen schließlich fand ein geringer Vorrat Asche sein Zuhause, gemeinsam mit einer kleinen Kerze, deren Flamme sich nur sehr widerspenstig entzünden ließ, und bei der Venya acht geben musste, nicht noch die Bettdecke mit Funkenflug anzusengen. Zwischen diesen vier Punkten befand sich etwa zwei Handbreit Platz.
Sorgsam kontrollierte die Seherin noch einmal alle vier Elemente, sicherte die Stellung der Kerzenflamme und griff schließlich in den Runenbeutel, mit den Gedanken wiederum ganz und gar bei jenem Mann, der sie gefunden und aufgenommen hatte. Kurz glaubte sie zu ahnen, dass jener sich augenblicklich im Haus befand, aber irgendwie doch nicht, ein Zeichen dafür, dass er sehr wahrscheinlich schlief, ehe sich ihre Finger nach und nach um drei kleine Knochenstäbchen schlossen und sie hinauszogen.
Es existierten unendlich viele Möglichkeiten, diese Knochen zu werfen und Venya hatte schon einige von ihnen verwendet. Sie machte es nach Gefühl, wie so vieles und entschied spontan und ohne groß darüber nachzudenken, wie sie dem jeweiligen Rätsel auf den Grund, ihrer aktuellen Frage nachkommen wollte. In diesem Fall hielt sie jene Elementenmethode für die richtige. Es war ganz einfach so. Es fühlte sich angemessen und richtig an.
Einen Augenblick noch erspürten ihre Fingerspitzen die Struktur der drei Knochen auf ihrer Haut, dann hob sie sie ein kleines Stück an, um sie anschließend in den vor sich erschaffenen Kreis fallen zu lassen.
Erst danach wandte sie den Blick nach unten und betrachtete das Ergebnis ruhig, Reihenfolge und Lage der Knochen betrachtend, bevor sie sich dem zuwandte, was die Runen eigentlich bedeuteten. Mit Daumen und Zeigefinger hob sie die erste Rune nach einer kleinen Weile auf und betrachtete sie, fühlte sie. Sie stand für ‚Tier’, das Unbekannte, Unerwartete, Fremde und Wilde und hatte sehr genau auf der Grenze zwischen Luft und Wasser gelegen. Offenbar hatte sich im Leben dieses Mannes vor Kurzem eine Veränderung aufgetan, ein unerwarteter Besuch, Neuigkeiten aus der Fremde und sich damit eröffnende, neue Möglichkeiten. Und eine Gelegenheit, die er sich nicht entgehen lassen sollte. Sie selbst war damit nicht gemeint… zumindest nicht nur. Aber da sie diejenige war, die das Orakel durchführte, konnte sie unbewusst nicht nur nach Nocai gefragt haben, sondern auch nach dem, das sie und ihn verband. Der Grund, weswegen sie hier war. Dennoch empfand sie sehr stark das Gefühl, dass es hier in erster Linie um einen anderen Menschen ging, den sie jedoch wahrscheinlich auch noch kennenlernen würde.
Valvenya behielt dies im Hinterkopf und wandte sich der nächsten Rune zu. Es war ‚Ähre’ oder ‚Ernte’ und befand sich deutlich im Bereich der Erde. Die Augen der Seherin verengten sich leicht. Er schien sich in seiner Vergangenheit sehr für etwas eingesetzt, sich sehr angestrengt zu haben. Es musste etwas Außergewöhnliches gewesen sein, dennoch war das Ergebnis negativ, enttäuschend und unerwünscht gewesen. Trotz all seiner Kraft verlor er am Ende, behielt nichts, sondern musste alles zurückgeben. Allerdings war dies alles nicht hier geschehen, sondern woanders, früher. Nichtsdestotrotz hatte Anna die Eingebung, dass er deswegen letztendlich hier auf dieser Insel war. Und der kleine, aber vorhandene Einfluss der Luft machte deutlich, dass nach großen Schwierigkeiten und einem tiefen Fall eine späte Belohnung eingesetzt hatte. Dennoch war jener Fluch aus der Vergangenheit noch allgegenwärtig, nicht vergessen. Vielleicht hing dies mit seiner Beinverletzung zusammen, eine Erinnerung an die Enttäuschung und den Verlust vergangener Tage.
Ein wenig wie in Trance senkte sich Venyas Blick auf die letzte Rune hinab und nahm auch sie vorsichtig auf, nachdem sie sich ihre Position eingeprägt hatte. Es war ‚Stein’ und machte deutlich, weswegen Nocai diese Belohnung zu einem späteren Zeitpunkt noch bekommen hatte. Er besaß Willensstärke, wusste genau, was er wollte und folgte seinem Weg entschlossen und unnachgiebig. Überdeutlich hatte diese Rune im Feuerbereich gelegen und zeugte von großem Pflichtbewusstsein, Arbeitswillen und wahrscheinlich auch einer gewisse Sturheit. Anna, ohnehin wenig mutig, beschloss im Stillen, diesen Mann wenn möglich nicht auf die eine oder andere Art wütend zu machen. Offenbar hielt er ein höheres Amt auf dieser Insel inne, denn diese letzte Rune machte nur zu deutlich, dass Nocais treibender Ehrgeiz ihn nicht auf einem niedrigen, unbedeutenden Posten verweilen ließ. Für seine Gegenspieler war er gewiss ein gefährlicher, weil unnachgiebiger Gegner.
Immer noch nachdenklich und in sich gekehrt hielt die Dakerin weiterhin eher sanft und locker die drei kleinen Knochen in ihrer rechten Hand und ließ ihren Blick in der einzelnen Kerzenflamme vor sich versinken. Nun wusste sie zumindest ein wenig mehr, allerdings gereichte es ihr nicht wirklich, um beruhigt aufzuatmen und sich wohler zu fühlen. Er war sehr freundlich und zuvorkommend zu ihr gewesen, allerdings wurde sie den Eindruck nicht los, dass sich dahinter aufgrund seines Charakters eine Absicht verbarg, denn dieser Mann schien wenig zu tun, das ihm nicht auf die ein oder andere Art einen Nutzen brachte. Ihre Augen glitten zu der geschlossenen Tür vor sich. Nun, sie konnte nicht viel machen, denn nach wie vor würde man sie hier gewiss nicht einfach so hinausspazieren lassen, selbst wenn sie dazu in der Lage gewesen wäre. Was sie nicht war. So blieb ihr also nichts als abzuwarten und aufzupassen. Vermutlich wäre es überaus förderlich, riefe sie sich derweil einiges von den wenigen Latein-Lektionen, die sie von Nico erhalten hatte, in ihr Gedächtnis zurück.
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Romano  Senator, Richter

Status: Offline Registriert seit: 08.06.2006 Beiträge: 538 Nachricht senden | Erstellt am 13.11.2007 - 14:42 |  |
cf Arbeitszimmer
Nun, er hätte sich noch umziehen sollen, wenigstens frischmachen. Eigentlich zog er sich öfters um, aber es geschah soviel. Mit einem Seufzen weckte er den Diener, der vor der Tür auf seinem Stuhl eingeschlafen war. "Du bist tatsächlich eingeschlafen... ich könnte dich dafür entlassen." Mit einem harschen Flüstern schickte er ihn kurz am Ohr ziehend in den Stall zu den Pferden. "Und dass es ja ordentlich aussieht, sonst kannst du was erleben. Und nun ab mit dir." Der junge Diener ging ihm gerne aus dem weg.. wenn Romano so sprach, dauerte es nicht lange zum nächsten Wutausbruch.
Kopfschüttelnd klopfte Romano an und öffnete die Tür. "Salve Valvenya." begrüßte er die junge Frau und entdeckte die brennende kerze auf der Bettdecke.
"Ja, sagt doch mal... geht es noch?"
brauste er auf und ergriff die Kerze. Er pustete sie aus und stellte sie beiseite.
"Ich dulde keine offenen Feuer!! Ihr hätte beinahe euer Bettstatt angezündet!!! Wenn Euch kalt ist, so lasst Euch Decken bringen!"
Romano schüttelte den Kopf, es tat seinen Kopfschmerzen nicht gerade gut, aber das war ihm momentan herzlich egal. Alles was er wollte, war seinen nur langsam verblassenden Traum vergessen. "Ihr hättet nur meinen Diener schicken brauchen, der stand nämlich untätig vor der Tür herum. Aber was sehe ich da? Schön, dass ihr wach seid.
Nur was macht ihr da eigentlich?"
Romano deutete auf die Beutelchen und nahm in gebührendem Abstand zur ihr auf dem Hocker Platz. Nicht nur, dass er vergessen hatte sich umzuziehen, er hatte auch sein Bein vergessen. Am besten ging er ins Bett und zog sich die Decke über den Kopf. Eine Handlung, die man nie von ihm erwarten würde... schliesslich war er der oberste Richter und Senator für Justiz. "Ich höre, Valvenya!"
Signatur ~Ich bin ich, bin ich.~
Romano Caius
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