Eliane 

Status: Offline Registriert seit: 12.07.2007 Beiträge: 321 Nachricht senden | Erstellt am 19.04.2009 - 09:06 |  |
Fußball ist im Rituale, bei dem die Erniedrigten und Beleidigten ihre kämpferische Energie und ihren Sinn für die Revolte verausgaben, um Zaubereien und Hexenkünste zu betreiben und durch Beschwörung der Götter aller möglichen Welten den Tod des gegnerischen Mittelverteidigers zu erreichen, uneingedenk der Herrschaft des Kapitals, das sie verzückt und schwärmerisch haben will, auf ewig dem Irrealen verfallen.
Umberto Eco
Während den Fußball Weltmeisterschaften befindet sich ganz Italien im Zustand der Euphorie.
Von den täglichen Sorgen, über Streiks und Wirtschaftsentwicklung sprechen nur noch die Politiker.
Das Gesprächsthema Nummer eins aller anderen Italiener ist »La partita«, das Spiel.
Ganz Italien sitzt dann vorm Fernseher. Selbst Neuvermählte verschieben die Flitterwochen, um auf dem Bildschirm, beim Hochzeitsessen, ein Fußballspiel anzusehen, das ganz Italien im Bann hält.
Die Soziologen und Psychologen mögen sich den Kopf zerbrechen über diese explosive Stimmung, die ein ganzes Volk eines Fußballspiels wegen erfaßt.
Und wenn Italien im alles entscheidenem Spiel um den Titel alles verliert, tragen sie es mit Stolz.
Es entspricht aber den jahrhundertealten historischen Traditionen des italienischen Volkes, nie zu verzweifeln und sich nicht im eigenen Unglück zu gefallen, sondern sich immer der neuen Situation anzupassen und darin das Positive zu sehen.
Die einen mögen diese Einstellung für Oberflächlichkeit halten, die anderen darin eine beneidenswerte Lebensweisheit erkennen.
Fußball ist keine Volksverdummung. Es ist Freude, Leid, Begeisterung, Treue, Solidarität, Taktik, Phantasie.
Fußball hat schon immer Kindern geholfen, in einer rasch verändernden Welt einen festen Ort zu finden.
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Romi 

Status: Offline Registriert seit: 31.07.2007 Beiträge: 2183 Nachricht senden | Erstellt am 19.04.2009 - 10:10 |  |
...und nicht zu unterschätzen: Fußball ist ein Wirtschaftsfaktor.
Überlegt mal, wenn an einem Sonntag ca.30.000 Fußballanhänger ins Stadion
pilgern, auf dem Weg dorthin Benzin tanken oder mit der Bahn fahren oder in
einer Gaststätte Würstel und Cola bestellen, dann sind das realistische Umsatz-
zahlen, die einer Wirtschaft durchaus dienlich sind.
Ganz zu schweigen, der Werbeeffekt, der nebenbei für den Austragungsort entsteht.
Die Stadt wird bekannter, sie muss sich aufrüsten für Austragunsspiele und lockt
damit auch wieder Touristen an.
Sport und Wirtschaft - in beiden Bereichen muss ein gut funktionierendes Management
agieren, wollen sie nicht den Bach runtergehen.
Fazit: Es kommt auch beim Sport auf das (sportliche) Miteinander an,
damit alle vom Erfolgskuchen ein Stück abkriegen. Und dies gilt nicht nur für
den Fußball.
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