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Das Boot - Albertcamus

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Helga ...



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...   Erstellt am 23.04.2008 - 10:24Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Frühstück


Langsam tauche ich aus meinem Traum. Vorsicht, denke ich, nicht bewegen, sonst
merkt er, dass ich wach bin und will sofort schmusen. Doch es ist schon zu spät.
Er scheint besondere Sensoren zu haben, denn jeden Morgen ist es das gleiche:
ich erwache - und schon fängt er an mich zu küssen. Am rechten Arm gehts los,
Kuss - langsam hoch bis zum Ellenbogen – Kuss – Am Ellenbogen wird herumgeknabbert.
Ich knurre, muss aber schon lachen, denn es kitzelt. Als ich mich recke, ein Bein unter der Bettdecke hervor schiebe, stürzt er sich darauf und fängt an, langsam vom Fuß – Kuss – immer höher – Kuss – bis zum Knie daran herumzuknutschen.

"Ok, ich stehe auf“, sage ich, "du hast gewonnen“, springe dabei aus dem Bett
und mache meinen üblichen Morgengang. Er hinter mir her, schaut genervt drein,
als ich im Bad versuche die Verfallserscheinungen zu kaschieren. Er liebt mich
eben so wie ich bin, ihm ist es egal, wie ich aussehe. Auch mag er kein Parfum
an mir, keine duftenden Cremes oder Wässerchen.

Endlich bin ich soweit und gehe in die Küche. Dort sitzt er schon wartend auf
seinem Stuhl. Das Ritual kann beginnen. Jeden morgen läuft es nach dem selben
Muster ab: Kaffee in die Tüte, Wasserkessel summt schon, Toast in den Toaster, Tisch decken. Er sitzt still und stumm da und schaut mir zu. Ich rede mit ihm.
Erzähle, was ich heute so vor habe und wie lieb ich ihn habe. Er quittiert es
mit Schlafzimmerblick.
"Nun gut, er ist wie er ist," denke ich und fahre mit dem Gequatsche fort.

Wenn ich ihm den Rücken zudrehe, sehe ich im Augenwinkel, wie er schnell von
seinem auf meinen Stuhl wechselt. Ich drehe mich um, schaue ihn an, doch er
schaut harmlos zurück, kein Grinsen, kein Lächeln, alles normal. So allmählich
dauert ihm das alles zu lange, er möchte endlich frühstücken, gibt einen
schmatzenden Laut von sich. "Das soll wohl ein Ausdruck von genervt sein," überlege ich, reagiere aber nicht darauf.

Während der Kaffee durch den Filter läuft, kraule ich ihm den Nacken. Er verdreht verzückt den Kopf, sagt aber nichts. Eigentlich möchte er nur endlich frühstücken.

Endlich bin ich fertig. Er sitzt natürlich mal wieder auf meinem Stuhl. Mit einer Handbewegung bedeute ich ihm, sich nun auf seinen Platz zu setzen. Er murrt leise, steht aber auf und huscht auf seinen Stuhl.

Der Toast ist noch heiß, also fange ich an, seine Wurst zurecht zu schneiden. Sein Hals wird lang und länger. "Nimm den Kopf vom Tisch! Was sind denn das für Manieren?" schimpfe ich. Sofort und ohne einen Mucks gehorcht er.

Endlich geht es los. Ich nehme ein kleines Stückchen Wurst und halte es in die Höhe. Seine Augen weiten sich und sein Hals ruckt ein kleines bisschen vor. Ich halte es ihm vor den Mund, und er öffnet ihn einen kleinen Spalt, gerade so weit, dass es hinein gleitet. Laut schmatzend vertilgt er es. Dann gönne ich mir selber einen Happen Toast und einen Schluck Kaffee. Er schaut schon wieder gierig. So bekommt er sein nächstes Stück Wurst und im Wechsel geht es so weiter, bis wir alles aufgegessen haben.

Ich kraule ihm nun sein Köpfchen und er fängt laut an zu schnurren. Das liebe
ich. So zeigt er mir, wie gern er mich hat und wie schön unser gemeinsames Frühstück ist.

"So, mein Willi," sage ich, "nun möchte ich aufräumen - und du brauchst sicher
dein Vormittagsschläfchen. Er springt vom Stuhl und tigert mit elastischem Schritt ins Schlafzimmer, dort kriecht er unter meine Bettdecke, möchte sicher noch meinen Geruch einatmen. Ich sehe, wie die Bettdecke sich heftig bewegt, sicher putzt er sich noch das Mäulchen. Kurz darauf höre ich ihn laut und vernehmlich schnarchen. "Dieser Kater ist fast wie ein Ehemann," denke ich, muss aber schmunzeln, denn ein Ehemann wäre vermutlich nicht ganz so artig.

© Helga Sievert-Rathjens





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Bilderelse ...

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...   Erstellt am 23.04.2008 - 12:48Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Liebe Helga,

die Katzenliebhaber werden schnurren. Deine Geschichte gefällt. Sehr gut und flüssig zu lesen, auch humorvoll das Menschliche im Tier sehend. Ja, so sind wir, wir sehen die menschlichen Eigenschaften im Tier, es ist uns so vertraut.

Natürlich kennen die liebenswerten Biester auch unser Verhalten und passen sich an...manchmal auch nicht.
Katzen sind eigensinnig und freiheitsliebend. Hunde sind da ganz anders. Ich hatte früher Hund und Katze. Oh, je! Ich denke, die Katze ist die Schlauere, außerdem bringt sie meist "ihren Menschen" dazu sich den Katzenwünschen anzupassen. Wenn sie schmusen will, dann kommt sie, wenn nicht, dann geht sie halt ihrer Wege. Jawohl!

Hab Deine Geschichte wieder sehr gerne gelesen. Dein Schreibstil gefällt mir sehr. Ich mag das Humorige, kann nicht genug davon bekommen. Kann auch krass sein. Deine Art ist aber nicht krass, sie ist locker und leicht, geradezu beschwingt. Man kann Deinen Gedankengängen sehr gut folgen. Klasse!


Lieben Gruß nach Hamburg
Helga





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Erkennen wollen
ist der erste Schritt des Verstehens.
Zunächst im Selbstversuch!

Helga ...



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...   Erstellt am 23.04.2008 - 13:43Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Oh Helga, du machst mich ganz verlegen, soviel Lob.
Klar, ich schreibe gerne humorige Sachen aber auch
so ganz besinnliche und manchmal auch traurige. Je
nach Mitteilungsbedürfnis und natürlich Stimmung.
Du schreibst auch sehr unterschiedlich habe ich
festgestellt. So wirds nicht langweilig. Ich bin
eine große Leserin von Kurzgeschichten und habe
festgestellt, dass so manch großer Schriftsteller
immer im gleichen Stil schreibt. Mir wirds dann
nach kurzer Zeit langweilig, habe mir vorgenommen,
meine Geschichten sollen in allen Fassetten leuchten....
wenn das überhaupt bei einer Geschichte möglich ist, grien

aus Hamburg, Helga





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Chrissi ...

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...   Erstellt am 24.04.2008 - 11:40Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Bilder-Helga schrieb
    die Katzenliebhaber werden schnurren.


das stimmt genau!

An Dich liebe Helga geht nun mein Dank für diese niedliche Geschichte. Habe unsere Beiden sofort darin wiedergefunden! Meiner Meinung nach sind Katzen die besten Mitbewohner.

Nein Stefan, Du kommst noch an erster Stelle.

schrieb
    Wenn sie schmusen will, dann kommt sie, wenn nicht, dann geht sie halt ihrer Wege.


Da hab ich mal irgendwo ´nen süßen und ach so treffenden Spruch gelesen:
Der Hund kommt sofort wenn Du ihn rufst. Die Katze guckt, dreht sich um, und kommt bei Gelegenheit darauf zurück!
Fand ich super.

Also Helga, gefällt mir sehr gut die Geschichte.

Liebe Grüße
Chrissi





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Ein Tag ohne Lachen, ist ein verlorener Tag!

Helga ...



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...   Erstellt am 24.04.2008 - 11:54Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Danke Chrissi





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Daggi ...

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...   Erstellt am 26.04.2008 - 22:40Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


ICH LIEBE DIESE GESCHICHTE, Helga!!!!

Knutsch, knutsch, knutsch dafür!

Ich will auch so einen kuscheligen, verschmusten, schnurrenden, dauernd küssenden... Kater! ICH WILL! *fußaufstampf*

Ich hab zwar einen Hund, aber das fällt immer so auf, wenn der sich (oder ich ihn) unter meiner Decke verstecken will. Ist irgendwie ein paar Nummern zu groß...

Voll süß deine Geschichte... ich glaub, ich werde sie noch des öfteren lesen! Oder meiner Tochter zum lesen geben. Sie hat es schließlich auch geschafft, ihren Papa von nem Meerschwein zu überzeugen. Sollte doch ein leichtes für sie sein, ihm noch nen Katerchen abzuringen?



Daggi

[Dieser Beitrag wurde am 26.04.2008 - 22:41 von Daggi aktualisiert]





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Sei nicht traurig, wenn etwas vorbei ist - sei froh, dass es gewesen ist...

Helga ...



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...   Erstellt am 26.04.2008 - 23:54Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Danke Daggi, dein Kommentar tut mir so richtig gut.
Freut mich echt riesig wenn ich dich zum lächeln
gebracht habe.
Ja Katzen sind schon recht drollig und eigenwillig, grien





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ragusaa2000 

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...   Erstellt am 28.04.2008 - 10:40Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen




Hallo Helga,

ich freu mich, dass alle Kater irgendwie ihre Macken haben und nicht nur unserer......Ich hab es richtig genossen, Euer gemeinsames Frühstück. Grüß ihn schön von mir! Übrigens, ein langjähriger Ehemann hätte bestimmt nicht so höflich auf dich gewartet!

Viele Grüße und noch ganz viele so schöne Frühstücke!





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Anthia

Helga ...



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...   Erstellt am 28.04.2008 - 13:42Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Liebe Anthia,
danke für das Lob. Ja, ich wünsche mir auch noch
viele solcher Frühstücke, aber der Kerl kommt
schon in die Jahre und wird von Tag zu Tag
wunderlicher, ich vielleicht auch, aber wer sollte
das merken? Grien

Lieber Gruß
Helga





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