johnnyrebel  Moderator a.D.
 

Status: Offline Registriert seit: 12.09.2006 Beiträge: 242 Nachricht senden | Erstellt am 17.10.2006 - 09:50 |  |
Das Thema mit der Fortpflanzung.
Ich stehe in einer Apotheke, während ich mich hartnäckig zu fragen beginne, ob das wirklich eine so gute Idee ist. Mein Blick fällt auf eine junge Frau, die neben mir steht.
'Das ist vermutlich noch schlimmer als mit dem Auto gegen eine Mauer zu fahren', denke ich bei mir.
Zögernd betrachte ich die aushängenden Verhütungsmittel und stehe schon bald vor einer mir endlos erscheinenden Anzahl der unterschiedlichsten Preisklassen und Arten.
Hartnäckig meldet sich nun mein "hätte" zu Wort. Hätte ich doch nur (meinen Mund gehalten, sie niemals angesprochen, auf mein Angebot, ihr zu helfen, verzichtet) und sollte ich nicht lieber wieder verschwinden, auswandern, behaupten, alles war ausverkauft oder ähnliches? So schießt es mir durch den Kopf, als das Verhängnis seinen Lauf nimmt.
"Kann ich Ihnen helfen?"
Erstaunt sehe ich mich unvermittelt einer freundlich grinsenden Apothekenhelferin gegenüber. "Interessieren Sie sich für Verhütungsmittel?"
Der Kopf der jungen Frau neben mir wendet sich zu mir mit einem tiefen, erstaunten, aber grinsendem Blick, tief in meine Augen.
Ich beginne ernsthaft an der Zurechnungsfähigkeit meines Gegenübers zu zweifeln.
Was könnte ein Kunde in einer Apotheke, weit vorgebeugt über Verhütungsmittel wohl schon wollen?
'Nein, eigentlich wollte ich ein Erdhörnchen im Käfig erwerben', liegt es mir auf der Zunge, doch ich schlucke die Bemerkung im letzten Moment tapfer hinunter, könnte sich doch eine derartige Eröffnung möglicherweise unvorteilhaft auf den weiteren Verlauf der Beratung auswirken und nicke stattdessen nur stumm.
Die Augen der Helferin bekommen darauf hin einen weggetretenen Glanz, der mich an einen Ungläubigen kurz vor der Erleuchtung erinnert.
"Also", stammle ich, "Was können sie mir denn empfehlen?"
Dem Gesichtsausdruck meines Gegenübers zu urteilen, habe ich damit offenkundig eine Kombination gewählt, die jedenfalls im näheren Umfeld dieses Sternensystems nicht aufzutreiben ist.
"Was möchten sie denn genau?", kontert mein Gegenüber und stürzt mich damit in tiefe Verlegenheit. Ich meine, was sollte ich schon groß mit Verhütungsmitteln genau machen?
"Nun, es sollte zum Beispiel verhütend wirken", erwidere ich stolz auf meine, wie mir scheint, professionelle Erwiderung, "und möglichst wenig oder keine Nebenwirkungen haben", füge ich als letzten Kommentar hinzu.
"Suchen sie etwas für sich oder ihre Partnerin?", fragt mein Gegenüber, während sie immer lauter spricht.
Ich versuche das zu ignorieren und konzentriere mich lieber auf die Frage.
"Also, mir ist es egal", erwidere ich trotzig und ernte dafür einen Blick, wie Sie Ärzte normalerweise für besonders Verwirrte übrig haben, kurz bevor man sie in diese komischen Jacken zwängt.
"Ich wollte halt erstmal schauen, welche Möglichkeiten es gibt", wiederhole ich ächzend.
"Also......", flüstert mein Gegenüber lächelnd.
Offenkundig ist sie derartige Kunden nicht gewöhnt. Fast schon habe ich etwas Mitleid mit ihr.
"Nun ja, wenn sie eine leichte Beeinträchtigung nicht stört, reichen diese Kondome hier!", sagt sie widerstrebend und fuchtelt dabei mit einem 20'iger Pack Kondome über ihrem Kopf herum, so dass auch jeder mitbekommt, worum es geht.
Die Apotheke scheint sich zusehends mit Menschen zu füllen. Eine alte Dame, die inzwischen hinter mir steht, zwinkert mir lüstern zu, während ihr Mann langsam aber stetig dem sicheren Herztod entgegen steuert.
"Gibt es welche, die vielleicht ganz dünn sind?", frage ich verschämt.
Mit Bestürzung registriere ich, dass mein Gegenüber blass geworden ist und mit fahrigen Fingern über ihren Kittel gleitet. Während sie emsig beginnt, die Kondombeschreibungen durchzulesen, informiere ich mich über weitere Highlights an dem Kondomständer.
Als die Frage meinerseits auftaucht, ob Noppensysteme auch wirklich effektiv sind, löst sich bei ihr ein erstes hysterisches Stöhnen.
Nun halte ich es für angebracht, besser das Thema zu wechseln, um sie wieder auf die richtige Spur zu bringen.
"Ich habe mal Leuchtkondome gesehen, die auch noch gefühlsecht sein sollen", brummle ich meinem Gegenüber zu, froh darüber, das leichte Zittern ihres linken Auges bemerkt zu haben, "haben sie denn so was auch?"
Wie befürchtet fährt sie mit ihrer Hand erneut über ihren Kittel, während sich ein Hinzugekommener eine beeindruckende Vielzahl von Erfahrungen mit Noppen von sich gibt, die nebenbei alle auf dem beigefügten Angebotsschild zu lesen sind aber doch zumindest die Apothekenhelferin noch mehr verwirren.
Dafür ist jetzt ihr Lidzucken wieder verschwunden und macht nun dafür einem leichten Flackern in ihren Augen Platz. Zumindest bis zu meiner nächsten Frage:
"Und was ist denn nun besser bei der Handhabung als an dem Modell, welches sie mir zuerst gezeigt haben? Haben Sie vielleicht persönliche Erfahrungen damit, die hilfreich wären?"
Mit einem unterdrückten Grinsen registriere ich, dass die Gesichtszüge der Helferin nun endgültig zu entgleisen drohen.
"Erfahrungen?", haucht mein Gegenüber, wobei es mir nicht gelingt zu beurteilen, ob die Verzweiflung in ihrer Stimme durch meine Frage, oder die Tatsache, dass sie inzwischen mit einem ausgepackten Kondom spielt, rührt.
"Genau, Erfahrungen", hake ich nach, "ich dachte mir, weil sie ja hier arbeiten, sitzen sie ja quasi an der Quelle! Mich interessiert halt auch, ob eine gewisse Feuchtigkeit des Kondomes ausreichend wäre. Oder auch, ob allergische Reaktionen bekannt wären, wie zum Beispiel Juckreiz oder…."
Langsam wankt sie zum Ende des langen Verkaufstresens hinüber.
"Erf...", sie räuspert sich, weil ihr die Stimme versagt, "..... persönliche Erfahrungen habe ich leider nicht."
Ihre Atmung wird immer heftiger
Und das bringt mich wiederum ins Grübeln. Wie kann sie denn kompetente Auskünfte geben, wenn sie keine Ahnung hat? Aber ich verkneife mir nicht, trotz des Hinblicks auf den ohnehin schon angeknacksten Gesundheitszustand der Helferin, die diesbezügliche Nachfrage.
Ein ersticktes Röcheln ist ihre kurze und nebenbei bemerkt uneffiziente Antwort. So überlege ich stattdessen, was wäre, wenn dieses vermeintlich günstige Kondom sich zu Hause als "nicht strapazierfähig" erweisen sollte? Dann hätte ich nichts gewonnen. Mit einem Seufzen gestehe ich mir wohl oder übel ein, dass ich mich wohl von der Idee des günstigen Kondoms verabschieden muss.
"Was ist eigentlich bei Reklamationen?", frage ich, "kann ich dann das Kind einschicken?".
Das Gesicht der Helferin verfärbt sich endgültig und meine Oberhand nimmt stetig zu.
Schließlich habe ich einen weiteren Einfall.
"Kann ich ihn eigentlich wieder umtauschen, wenn er mir nicht gefällt?"
Entweder kommt meine Frage nicht so gut an, oder mein Gegenüber hat gerade endgültig die Nerven verloren. Wie auch immer, es dauert einen Moment, bis sie mit weinerlichem Gesicht mühsam hervorquetscht:
"Nein, das kommt äußerst selten vor."
Ich nicke zufrieden. Das genügt mir. Also, Grund genug, sie endgültig fertig zu machen.
"Wenn das so ist, nehme ich doch lieber dieses Schaumzäpfchen-System", teile ich ihr lässig mit und bin wieder einmal erstaunt, wie sich der Gesundheitszustand eines Menschen durch ein paar simple Worte schlagartig weiter verschlechtern lässt.
Für einen Augenblick spiele ich ernsthaft mit dem Gedanken, mich als Tiefenpsychologe irgendwo niederzulassen. Zumindest bräuchte ich dann keine Verhütungsmittel, sondern ich würde dann der Person eine absolute Unfruchtbarkeit einsuggerieren. Mit einem Grinsen wische ich meine diesbezüglichen Gedanken weg und wende mich wieder dem aktuellen Thema zu.
"Brauche ich dann auch ein Diaphragma, oder wie das heißt?", frage ich die Helferin freudestrahlend. "Ich meine, sicher ist sicher, oder?"
Das Unverständnis auf dem Gesicht der Helferin irritiert mich.
Demonstrativ tippe ich auf ein paar Beipackzettel, die ich inzwischen entnommen habe.
"Hier steht doch, bitte halten sie dieses Mittel unter Verschluss."
Ihr folgender Ausdruck erschüttert mich zutiefst.
Sie hat noch versucht, sich irgendworan festzuhalten, aber ihr Halt war weg. Langsam sah ich sie innerlich zerfallen. Wobei ihr Blick Bände sprach. Ich hörte noch ein irres Kichern bevor ich sie aufschlagen hörte.
Nun, kurzum, ich griff mir eine 10' Packung Kondome, legte das Geld auf den Tresen und verschwand ohne weiteren Kommentar. Außerdem wurde es nun Zeit, meiner Bekannten zu sagen, dass sie sich doch ruhig mal dort bewerben solle. Wer weiß, vielleicht brauchen die ja dringend eine neue Apothekenhelferin.
Signatur Glaubt nicht, ihr hättet Millionen Feinde. Euer einziger Feind seid: ihr selbst... |