HollyvanMekeren

Status: Offline Registriert seit: 28.05.2007 Beiträge: 117 Nachricht senden | Erstellt am 12.08.2009 - 11:53 |  |
Bissig wünscht man sich den Reporter von Format, dafür bekommt er Kraftfutter und auch Preise; nur beißen darf er nicht.
Weh tun sollen seine Berichte und Komentare, aber nicht verletzen.
Böse darf er schreiben, aber nicht schimpfen.
Hier ist doch etwas faul im Zwinger der Kultur. Berichterstattungen, die sich nicht wehren, sind heute überflüssig.
Auch Literaten müssen das Schimpfen wieder lernen. Es darf nicht heiser und hasserfüllt sein und nicht keifend.
Die Sitten sind locker geworden. Vieles ist heute erlaubt. Nur der Gebrauch von Schimpfwörtern ist immer noch schlecht angesehen. Schimpfen wird als Entgleisung gewertet, als Zeichen der Schwäche. Wer schimpft, erweist sich als unbeherrscht, unklug, unqualifiziert.
Die Politiker werden unentwegt ausfällig, die Literaten aber pfeifen sich gegenseitig zurück und langjährige Leser kündigen erbost ihre Abonnements, wenn einmal gröbere Worte fallen.
Die meisten Autoren und ihre Leser leben hinter dem Mond und sind obendrein Mimosen.
Man wagt nicht zu schreiben, was man doch ständig ausspricht.
Man hat eine so spießige und kleinkarierte Achtung vor dem schriftdeutschen Papier, dass man die Flüche, die man bedenkenlos auf den Lippen führt, nicht schreiben und lesen mag.
Wir brauchen eine Kultur des Schimpfens, eine Theorie der Verunglimpfung, eine Poetik der Verwünschung. In einer Literatur, die mehr will, als nur alle Welt betroffen machen, müssen Flüche ihren Platz haben.
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