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<norbert schneider>
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...   Erstellt am 18.10.2008 - 16:20Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


"Let’s make MONEY" folgt dem Weg unseres Geldes, dorthin wo spanische Bauarbeiter, afrikanische Bauern oder indische Arbeiter unser Geld vermehren und selbst bettelarm bleiben. Der Film zeigt uns die gefeierten Fondsmanager, die das Geld ihrer Kunden jeden Tag aufs Neue anlegen. Zu sehen sind Unternehmer, die zum Wohle ihrer Aktionäre ein fremdes Land abgrasen, solange die Löhne und Steuern niedrig und die Umwelt egal ist. Wir erleben die allgegenwärtige Gier und die damit verbundene Zerstörung, die mit unserem Geld angerichtet wird.

Der Film zeigt uns mehrere Ebenen des Finanzsystems. Wir erfahren auch, warum es auf dem Globus zu einer unglaublichen Geldvermehrung gekommen ist. Wir lernen deren Konsequenzen für unser Leben kennen. Täglich werden Milliardensummen, die möglichst hoch verzinst werden sollen, mit Lichtgeschwindigkeit um den Globus transferiert.

"Let’s make MONEY" zeigt uns einige Zwischenstationen dieser Geldver-mehrungsreise, wie die Schweiz, London oder Jersey. Warum ist die Kanalinsel das reichste Land Europas? Steueroasen nutzen Konzerne und Reiche, um Steuern zu sparen. Bislang hat die Politik dies nicht verhindert. Dabei setzten die Regierungen die Spielregeln für das weltweite Geldsystem fest. Seit den 70er Jahren erleichterten sie den Geldfluss und schufen so die Grundlage für den Boom der weltweiten Finanzindustrie mit ihren Zentren in London, New York oder Frankfurt. Es ging dabei immer um Interessen von wenigen Mächtigen. So konnten der Internationale Währungsfonds und die Weltbank vielen Entwicklungsländern eine Privatisierung von Altersvorsorge, Stromerzeugern oder Baumwollfabriken aufzwingen, nachdem deren Regierungen durch eine hohe Verschuldung erpressbar geworden waren. Dies eröffnet neue Anlagemöglichkeiten für unser Geld. Doch dieser "Ausverkauf" von sozialen Errungenschaften wie Gesundheitssystem, Pensionswesen, Energieversorgung und öffentlicher Verkehr passiert nicht nur in der fernen "dritten" Welt. Wir alle sind direkt davon betroffen. Und genau davon handelt der Film:
Wir erleben keine Finanzkrise, sondern eine Gesellschaftskrise – die wir mit unserem Geld beeinflussen können.


Directos’s Note: Erwin Wagenhofer über "Let’s make MONEY"

Vor Jahren fiel mir der Werbespruch einer Bank auf, der lautete „Lassen Sie Ihr Geld arbeiten“. Wenn man über diesen Spruch nachdenkt, kommt man schnell zu der Erkenntnis, dass das ein unfassbarer Schwachsinn ist. Geld kann nicht arbeiten. Arbeiten können Menschen, Maschinen und vielleicht noch Tiere.

Wir wollten uns anschauen, wie das konkret aussieht: Was passiert, wenn unser Geld, das Kapital, arbeiten soll. Meistens funktioniert das über Ausbeutung, das war der Ausgangspunkt.

Man mag sich fragen, was das mit uns persönlich zu tun hat. Es hat sehr viel mit uns zu tun, denn wir alle sind Aktionäre, ob wir Aktien besitzen oder nicht. Spätestens über unsere Pensionsfonds fließt das Geld in so genannte Fonds, in Aktienfonds etc. und wird dort vermehrt oder auch nicht – momentan sehen wir, wie es nicht vermehrt, sondern vernichtet wird. Und es ist letztlich immer das Geld der kleinen Leute, der ganz einfachen Menschen.

Momentan gibt es bei uns den großen Aufschrei, dass die Lebensmittel zu teuer sind – dabei sind nicht die Lebensmittel zu teuer, sondern unser Geld wird weniger wert. Wir schlittern auf eine ganz große Geldentwertung zu. Nicht das erste Mal - im vorigen Jahrhundert gab es mehrere. Also wer Geld hat, sollte sich noch schnell etwas Schönes anschaffen.

Das ganze Filmteam besteht, wie schon bei „We Feed the World – Essen Global“ aus zwei Personen, aus Lisa Ganser und mir. Ich halte mich durchaus für einen politischen Menschen, aber ich bin kein Fachmann für die Themen, über die ich Filme mache. Natürlich beschäftige ich mich sehr lange mit dem Thema, aber das Interessante ist eben, dass da kein Fachmann oder keine Fachfrau am Werke ist, denn das passiert ja ununterbrochen in den Medien. Gerade in den elektronischen Medien treten dieselben Menschen auf, die auch bei uns zu Wort kommen, nur sprechen sie da eine Sprache, die kein Mensch mehr verstehen kann. Da wird von Deregulieren gesprochen, von Liberalisieren, doch in Wirklichkeit wird unter diesem Deckmantel ausgebeutet, dass es nur so kracht. Das ist es, was mich interessiert: Erst haben wir dem Lebensmittelmarkt ein wenig unter den Rock geschaut, jetzt schauen wir dem Geldmarkt ein wenig unter den Rock. Niemand hat es gern, wenn man ihm unter den Rock schaut, aber das ist genau unsere Vorgehensweise. Unser Mittel ist der kindliche Blick. Wir stellen ganz einfache Fragen: Es hat noch nie so viel Geld gegeben wie jetzt, aber wo ist es? Es ist nicht da, aber wo ist es denn hin?

Mich interessieren keine kriminellen Sachen, sondern alles, was sich im legalen Rahmen abspielt. Das ist oft kriminell genug, aber in Wirklichkeit legal. Jersey z.B., eines von etwa 70 Steuerparadiesen auf der Welt, ist legal, das ist gemacht mit dem Wissen von Tony Blair und Frau Thatcher. Wir geben 70 Milliarden als Entwicklungshilfe nach Afrika und 110 Milliarden kommen als Zinsen zurück. Nur an Zinsen, nicht an Kapital, das kommt auch noch und die Waren, das Gold, die Baumwolle, die Hölzer, das Öl. Es gibt keinen Markt, es gibt nur Leute, die den Markt beherrschen wollen. Mich interessiert das System und das ist out of balance. Wir regen uns hier über Arbeitsplatzunsicherheiten auf und schimpfen auf die Konzerne, die Produktionsstätten verlagern. In Wirklichkeit sind es unsere Fonds, die nach Asien wandern und dort investieren.

Der amerikanische Dollar ist momentan die weltweite Leitwährung, bis zum Zweiten Weltkrieg war es das britische Pfund, weil das British Commonwealth international den größten Einfluss hatte. Nach dem Zweiten Weltkrieg haben die Amerikaner das an sich gerissen und hatten eine Zeit lang die Goldbindung. Es glauben ja viele Leute, dass das Geld auch heute an das Gold gebunden ist. Doch das stimmt längst nicht mehr. 1973 hatte US-Präsident Richard Nixon Angst, dass gewisse Länder Amerikas Schulden, die durch die ungeheuren Kosten des Vietnamkrieges aufgelaufen waren, nun in Gold einfordern könnten. Die immensen Schulden waren längst nicht mehr durch Goldreserven gedeckt. Innerhalb ganz kurzer Zeit wurde die Währungsbindung von Gold auf Öl umgestellt. Öl ist der einzige Rohstoff, der ausschließlich mit Dollars zu erwerben ist. Wenn also hier zu Lande ein Ministerium Öl kaufen will, muss es zur Bank gehen und Dollars kaufen und kann damit das Öl bezahlen. Es gab einmal einen Saddam Hussein, der wollte mit dieser Praxis brechen und Öl für Euros und Yen und Rubel verkaufen. Und das war der wahre Grund – im Film wird das genau erklärt – warum es den Irakkrieg gab. Die USA sind die größte Wirtschaftsmacht der Welt, das einzige Empire, das es überhaupt noch gibt, und sind gleichzeitig die am meisten verschuldete Nation, die es gibt. Es ist ein riesiger fake und jetzt müssen das die Europäer und die Asiaten ausbaden, gerade jetzt wieder.

Die größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts ist neben den Umweltproblemen ganz sicher die Verteilungsproblematik. Wenn die Ressourcen nicht gerechter – von gerecht ist überhaupt keine Rede – verteilt werden, wird’s riesige Probleme geben. Die Anzeichen sind da. Überall.





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