Ardennen 

Status: Offline Registriert seit: 12.05.2008 Beiträge: 101 Nachricht senden | Erstellt am 20.03.2009 - 11:59 |  |
Hallo Leute,
Duke (Stephan) hatte gefragt, ob ich nicht einen Schritt-fuer-Schritt-Bericht einer Figurenbemalung einstellen koennte.
Somit mache ich das denn mal.....
Vorbereitung
Nachdem die Resin-Figur von den Gußgraten befreit ist reinigen wir die Figur mit Spüliwasser. Dieses ist notwendig damit die Grundierung auch ordentlich haften bleibt.
Nun bohren wir in jedes Teil ein kleines Loch, in welches wir einen Zahnstocher (oder ähnliches) fixieren.
VORSICHT: Das Loch so plazieren, dass es nachher nicht zu sehen ist Das ist eine ganz entscheidende Arbeitshilfe, um beim folgenden Bemalen nicht mit den Fingern die Teile anfassen zu müssen. Den Korpus der Figur habe ich noch zusätzlich in einen Holzsockel fixiert; den kann man besser festhalten.
Um das ganze Gerödel hinzustellen, habe ich mir in ein Holzbrettchen Löcher gebohrt, wo ich die Teile zum Trocknen abstellen kann. Man kann hierzu auch ein Stück Styropor o.ä. benutzen.
Jo, dann kann es auch schon losgehen mit der Grundierung. Ich habe heute mal von ModelMaster den White Primer benutzt. Die Grundierung sollte mit der Airbrush aufgetragen werden um nicht die feinen Details zuzuschmieren. Außerdem wird später ja eh noch mit dem Pinsel gearbeitet...es wäre ja schade, wenn durch mehrmaliges Pinselmalen alles zugekleistert würde.
Aber warum Grundieren? Aus zweierlei Gründen: zum Ersten erkennt man noch übriggebliebene Grate oder Ritzen an Klebestellen und zum Anderen haftet die Erste Farbschicht besser.
So, viel mehr gibt es zur Vorbereitung nicht zu sagen. Bei mir schaut´s im Moment so aus:

Ich dachte mir, erst mit dem Gerödel anzufangen; ersten liegt es mir, andererseits will ich euch auch zeigen, dass eine gute Recherche schon die halbe Miete ist...
Die Kartentasche
Dank des Internet hat man schnell ein Originalbild gefunden:
(Quelle: Freund von mir)
Hmmm. war wohl eine Tasche, welche in irgendeinem Stab verwendung fand; ich möchte aber eine mit abgewetztem Leder darstellen... abgewetztes Leder sieht so aus:

Dann legen wir mal los. Wir nehmen uns das grundierte Teil:

... und malen die Grundfarbe auf. Man kann natürlich ein reines Schwarz nehmen, ich bevorzuge für scharzes Leder aber Rußschwarz (in diesem Fall von Gunze Nr. 452). Nicht zu dick auftragen um die Details nicht zuzuschmieren 

Dann bereiten wir unsere Ölfarben vor: für die Tasche brauchen wir gebranntes Sienna und gebranntes Umbra sowie etwas Feuerzeugbenzin und einen Pinsel ca. Stärke 0

Hier mal ein Bild um zu zeigen wie die Farben in Natura aussehen:

Zuerst nehmen wir das Umbra (die dunkle Farbe) mischen etwas Feuerzeugbenzin dazu um eine Körnerbildung beim Bemalen zu verhindern. Dann den Pinsel ordentlich auf einem Küchenpapier ausstreichen, so dass nur noch der Hauch von Farbe dran ist:

...und machen ein sehr dezentes Trockenmalen über die erhabenen Stellen der Tasche. Das erzeugt ein altes Leder.....
Dann machen wir das Gleiche mit dem gebrannten Sienna; hierdurch entsteht der Eindruck von abgewetzten Leder:

Wenn dieser Schritt vollbracht ist, mit einem trockenem Pinsel (ohne Farbe) nochmals leicht über die eben bemalten Stellen gehen; hierdurch wird die Farbe homogener und evtl. Unebenheiten durch das Bemalen ausgeglichen.
Sieht danach so aus:

Schön abgewetzt.... jetzt noch die Schnalle mit einer Metallfarbe angemalt:

... und fertig ist die ausgenudelte Kartentasche.
Das gleiche Prinzip kann man auch bei den Knobelbecher anwenden:

Sehr dezente Abnutzung, leider ist es auf den Bildern nicht so sehr deutlich....
Gasmaskenbehälter und Essgeschirr
Auch bei diesen Teilen fällt eine realistische Bemalung leichter, wenn man ein Original(-foto) als Referenz hat:

Den Rost kann man vernachlässigen; der hat sich erst nach den Kriegsjahren angesetzt.

Hier ist zu bemerken, dass der Riemen zum Öffnen des Behälters NICHT aus Leder war. 
Wir bemalen also das Essgeschirr und den Maskenbehälter in einem entsprechendem Grünton. Sinnigerweise fand ich als passendste Farbe das Russischgrün von Valleyo Model-Air Nr. 71017
Dann simulieren wir die Lackabplatzer mit einer Aluminiumfarbe (das Geschirr war ja aus Alu). Ich benutze heute den Metalizer Aluminium von ModelMaster Nr. 1401.
Hierzu nehmen wir etwas Farbe auf den Pinsel um diese gleich wieder auf einem Küchenpapier auszustreichen. Mit der verbleibenden Farbe streichen und tupfen wir die von uns gewünschten Abplatzer auf.

Bei dem Essgeschirr etwas mehr, bei dem Maskenbehälter etwas weniger (der war ja nicht so oft in Gebrauch)
Dann malen wir noch den Lederriemen um das Essgeschirr (wie bei der Kartentasche) und den Stoffriemen am Maskenbehälter an. Für den Riemen am Behälter habe ich von Gunze Nr. 402 Green Brown benutzt. Es kann aber auch ein anderer Sandton benutzt werden, welcher ein wenig mit Grün gemischt wird.
Joa, und dann sind wir schon wieder fertig

Ihr seht: Realy Easy, also ausprobieren.
Heute machen wir weiter mit dem Gesicht. Ich weiß sehr wohl, dass dies für so manchen ein Grauen ist, jedoch habe ich hierfür die komplizierteste und zugleich auch die einfachste Methode ausgewählt: das Nass-in-Nass malen. Falls also mal was bei der Bemalung in die Hose geht, so kann man mittels Tempo oder Küchenpapier alles wieder abwischen und von vorne anfangen :D
Für den Beitrag musste ich mich schwer zusammenreissen, da viele Sachen, die für mich als ganz normal erscheinen, dem Anfänger völliges Fremdland sind! So hatte ich denn auch prompt verschiedene Schritte vergessen auf´m Bild festzuhalten, so dass ich wieder von vorne anfangen konnte. Insgesamt habe ich fast 200 Bilder gemacht, um die Aussagekräftigsten dann hier einzustellen. Es ist halt nicht so einfach glänzende Ölfarben farblich ohne allzuviel Spiegeln auf einem Bild einzufangen....
So, es geht los; wir nehmen uns das grundierte Gesicht:

und malen dies mit einer Acrylfarbe Gesichtsfarben an. Unbedingt eine Acrylfarbe benutzen, da z.B. eine Enamelfarbe durch die folgenden Ölfarben angegriffen würde.
Ich benutzte heute die Flat Flesh Nr. 70955 von Vallejo.

So, das ist ja schnell gemacht:

Vorteil bei der Acrylgrundierung ist auch, dass die Farbe sehr schnell trocknet, und sich wie gesagt nicht mit den Ölfarben beisst! So kann man schon nach 10-15 min. weitermachen!
In der Zwischenzeit richten wir uns die benötigten Materialien her:

Das wären einige Pinsel von der Grösse 0/5, 1, und 4. Desweiteren benötigen wir Feuerzeugbenzin - das trocknet schneller mit den Ölfarben. Zuguterletzt dann noch die Ölfarben "Fleischfarben" "Gebranntes Sienna" "Gebranntes Umber" "Weiß" und einen Rote Farbe.
Nun mixen wir das gebrannte Sienna und das gebrannte Umber 50:50 mit dem Feuerzeugbenzin. Das Produkt soll schön sämig sein. Diese Pampe schmieren wir dann auf das Gesicht:

Diese Moorpackung lassen wir etwas einwirken, bis die oberste Schicht anfängt Matt zu werden. Diese Pampe ist notwendig, um bei dem fertig bemalten Gesicht die Konturen/Schatten/Falten darzustellen.
Wenn also wie gesagt diese Ölfarbe anfängt Matt zu werden nehmen wir uns den 4er Pinsel (es sollte schon ein sehr weicher sein) und streichen VON OBEN NACH UNTEN die Schicht wieder ab:

Den Pinsel immer wieder an einem Papier ausstreichen und weitermachen:

...so lange, bis das Ergebnis ungefähr so aussieht:

Jetzt ist der Zeitpunkt, dem Kerl die Augen auszukratzen :D Jo, es ist nämlich so, dass wenn man die Augen mittels Zahnstocher von der Ölfarbe befreit, die Skleren (das Weiße im Auge) NICHT mehr müssen extra bemalt werden. Manch einer verwendet hierzu eine weisse Farbe, dies finde ich unrealistisch, da es keine weißen Augen gibt! Doch schaut selbst...

und das Ergebnis - bei dem fertigen Gesicht besser zu erkennen:

Nun fangen wir an, dem Kerl eine Gesichtsfarbe zu geben. Hierzu fangen wir mir der Ölfarbe Gesichtsfarbig an (Flesh Tint). Diese wird mit etwas Feuerzeugbenzin geschmeidiger gemacht. Dem Pinsel sehr gut ausstreichen, so dass nur noch der Hauch von Farbe dran ist, sonst gibbet ein Chaos!

Die Gesichtsfarbe immer mehr mit Weiß aufhellen, und immer wieder in der Trockenmalmethode drüberfaren. Das Endergebnis sollte ungefähr so aussehen:

Wenn das denn geschafft ist, kann man den Stoppelbart (wenn gewünscht) und die Lippe bemalen.
Der Stoppelbart: Einen kleinen starren Borstenpinsel benutzen und mit sehr wenig Farbe (hier: gebranntes Umber) die Stoppeln auftupfen. Falls zuviel kann man auch wieder mittels Gesichtsfarbe etwas korrigieren.
Die Lippe: NUR die Unterlippe! Wenn beide Lippen bemalt werden, sieht der Typ aus wie Lilli Marleen :D Für die Lippe auch kein reines Rot verwenden, sondern wenig rot mit Fleischfarbe mixen! Das Menschliche Auge erkennt, obwohl nur eine Lippe bemalt wurde, beide Lippen als authentisch!

Ganz zum Schluss noch mit sehr aufgehelter Fleischfarbe die Highlights an Nasenrücken, Wangenknochen und Stirn Plazieren. Durch die Nass-in-Nass-Technik lassen sich auch diese Highlights sehr schön verblenden mit der Grundfarbe! Die Augen vergessen wir auch nicht; hierzu nit einem ganz feinem Pinsel einen Tupfer aufbringen. Am besten die Figur immer auf die Seite blicken lassen, sonst kann es schnell passieren, dass er Schielt :tongue:
So - FERTIG! Ich hoffe, es war alles etwas verständlich erklärt?

Ich finde, wir haben zusammen ein doch anschauliches Ergebnis erzielt :D Das Glänzen ist natürlich durch die noch sehr frischen Ölfarben bedingt.
Schiebe mal noch ein Bild vom Gesicht nach, glänzt nicht mehr ganz so sehr, daher ist schon besser was zu erkennen:

Jo, die Trockenphase dauert so 2-3 Tage
Weiter gehts mit der Uniform bzw. dem Wintertarnanzug. Das Teil scheint echt ne Rarität zu sein. Weder in meinen Unterlagen noch im Netz konnte ich hierzu etwas finden. Dank Olav Bellmann (von hier aus nochmals Danke!) habe ich nun doch die Information bekommen, welche ich brauchte: die Farbe. Nun gut nach seinen Unterlagen war die Farbe mit "grünlich" angegeben 
Dieser Wintertarnanzug wurde erstmals an die Fallschirmjäger bei der Invasion Norwegens ausgegeben. Später dann -nach Verfügbarkeit- auch an die "normale" Truppe. Der Wintertarnanzug war wendbar; eine Seite wie gesagt grünlich mit grauen Knöpfen, die andere Seite Weiß mit weissen Knöpfen.
Wir nehmen also die grundierte Figur:

und mischen uns die Grundfarbe mit Acrylfarben (klar!). Bei der Grundbemalung muß man sich schon Gedanken machen, welchen Zustand das Uniformstück haben soll. Für einen ausgewaschenen und stark benutzten Zustand nehmen wir eine sehr helle Grundbemalung, möchten wir einen neuwertigeren Zustand des Uniformstückes erreichen, so machen wir die Grundbemalung dunkler.
Ich tendiere immer :D zu relativ stark benutztem Zeugs....
Also nehmen wir uns die benötigten Acrylfarben:

hier sind das von Tamiya XF-20 Medium Grey, XF-59 Desert Yellow und von Vallejo 70924 Russian Uniform WWII.
Gemischt wird frei Schnauze, da der Ton, welcher erreicht wird man nie wieder hinbekommt.
Dann wird die Geschichte mal aufgepinselt (oder mit der Airbrush aufgesprüht)

...wie immer nicht zu dick auftragen, so dass alle Details erhalten bleiben!
Das lassen wir dann mal Trocknen. In der Zwischenzeit bereiten wir unsere Washpampe vor. Hierzu benötigen wir:

...ein Grün, ein Schwarz (soll ja abdunkeln) Feuerzeugbenzin, einen feineren Pinsel zum Auftragen der Farbe und einen grösseren (sehr weichen) zum Abtragen der Farbe.
Das Wash soll die Konsistenz von Milch haben nach der Verdünnung mit dem Feuerzeugbenzin, sonst bekommt man es aus den sehr vielen Ritzen nicht mehr raus....

nun warten wir etwas, bis die Ölfarbe anfängt Matt zu werden. Dann nehmen wir den sehr weichen Pinsel und tragen damit die Ölfarbschicht wieder ab.

Das Ganze OHNE Druck auf den Pinsel auszuüben. Immer wieder den Pinsel auf einem Papier abwischen (nicht auswaschen!!!! NUR abwischen!) machen wir das so lange, bis uns das Resultat gefällt!
Man sieht schön, wie die Grundbemalung durchscheint. Hätten wir hier eine dunklere Farbe genommen, wäre der Zustand des Anzugs ein Neuerer :D

Jo, nachdem die Farbangabe zum Original so schwammig ist, kann man auch etwas künstlerische Freiheit walten lassen. Mir gefällt der Ton recht gut.

Die Aussparungen am Gesäß sind für die Ausrüstunggegenstände gedacht, welche noch folgen...
Man(n) könnte noch ein leichtes Trockenmalen mit einem ganz hellen Grün machen....
Ich zeige jetzt noch die Ausrüstungsgegenstände; die Methodik der Bemalung dürfte jetzt so langsam klar sein!? Daher nur Pics mit den Farbangaben:

Die MP ist mit Model Master 795E "Gunmetal" grundbemalt. Danach ein leichtes Drybrush (Trockenbürsten) mit Model Master "Stahlblau" Metalizer Nr. 1405. Der Holzgriff ist mit Schokoladenbraun von Tamiya bemalt.

Die Magazintaschen sind mit Tamiya XF-59 "Desert Yellow" grundbemalt, danach folgte ein Ölwashing mit gebranntem Umbra. Die Lederschnallen sind mit "Leather" von Model Master dargestellt (die Nummer ist leider nicht lesbar). Die Metallteile sind mit "Aluminium" Metalizer von Model Master Nr. 1401 dargestellt. (Jo das ist noch nass, daher Glänzt es)

Der Helm ist mit einem Mix 60:40 "Rußschwarz" von Gunze Nr. 452 und Vallejo´s "Russian Green" Nr. 71017 bemalt. Anschließend ein Drybrush mit Tamiya´s XF-59. (Ist auf dem Bild nur Schemenhaft zu erkennen)
So, es ist vollbracht 
Nachdem wir uns ja durch (fast) alle Tiefen der Bemalungstechnik geschlungen haben, hatten die Figurenteile heute ihre erste (und hoffentlich letzte) zusammenkunft.
Wie ich schon sagte: mir hat es sehr viel Spass gemacht! Ich hoffe, der Ein oder Andere konnte für sich etwas abgreifen, was er bei seinen Figuren umsetzten möchte, so dass mein kleiner Beitrag doch Früchte trägt :D
Ohne viel Worte jetzt mal ein Bild. Wie gesagt: es wurde alles mittels Sekundenkleber an seinen Platz geklebt. Zuvor noch einige Details wie die Gurte und der Schal bemalt....

So, zuguter letzt das Ganze noch mit einer kleinen Vignette...


noch ein paar Details...








Ich hoffe, ihr koennt etwas mit meiner Methode anfangen????
Greez,
Erik
[Dieser Beitrag wurde am 20.03.2009 - 13:32 von Ardennen aktualisiert]
Signatur Bigamie ist, wenn man eine Frau zuviel hat. Monogamie ist dasselbe. |