witchi  Der Burgherr (Admin) freier Ritter
       

Status: Offline Registriert seit: 18.04.2005 Beiträge: 2901 Nachricht senden | Erstellt am 08.07.2005 - 13:48 |  |
Rot ... so entstand die Farbe: Die erste Farbe, mit der Menschen gemalt haben, war rot. Ocker-Erde, rote, eisenhaltige Gesteinsbrocken, die zu Pulver verrieben wurden und dann mit Wasser angemischt. Damit versuchten die Menschen ihren Waffen Glück bei der Jagd zu verleihen, das Rot des Ockers stand für das Blut ihrer Beutetiere. Mit der Zeit fanden sich natürlich noch andere Möglichkeiten, rote Farbe zu machen. Zum Beispiel mit der Krapp-Pflanze, einem stacheligen Verwandten des Waldmeisters. Der Krapp hat in seiner Wurzel einen roten Farbstoff. Damit wurden lange Zeit fast alle roten Kleider gefärbt. Wer viel Geld hatte, konnte sich aber etwas Besseres leisten. Das edelste Rot, das Spanisch-Rot. Es wird aus dem Blut der Koschenille-Schildläuse gewonnen. Diese Verwandten der Blattläuse leben auf Kakteen. Die Spanier hatten diese Läuse bei der Eroberung Südamerikas gefunden.
... und das ist ihre Bedeutung: Rot ist eine Farbe mit viel Kraft: Sie ist die Farbe des Feuers, der Liebe und der Festlichkeit. Rot kann aber auch eine Warnfarbe sein und Gefahr bedeuten, so zeigt uns eine rote Ampel, dass wir stehen bleiben sollen, weil das Überqueren der Straße gerade gefährlich ist. Wenn uns eine Sache sehr aufregt, oder wir eine Person nicht leiden können, dann sagen wir auch: "Das ist ein rotes Tuch für mich!" Diese Redewendung kommt vom Stierkampf. Dort schwenkt der Torero ein rotes Tuch vor den Augen des Stiers. Der Stier kann zwar keine Farben erkennen, aber das wedelnde Tuch regt den Stier dann so sehr auf, dass er ganz wütend wird und den Torero angreift.
Blau ... so entstand die Farbe: Blau war die Farbe der Macht. Das glaubte im Mittelalter auch Kaiser Heinrich II., deswegen hatte er einen tiefblauen Mantel mit goldenen Sternen drauf. Dieser Mantel war mit einer Farbe gefärbt worden, die zu den teuersten Dingen im Mittelalter überhaupt zählte: Indigo, die Indische Farbe, die aus den Säften eines Strauches gewonnen wurde. Indigo kam in gepressten Stücken, die aussahen wie sehr dunkelblaue Ziegelsteine, in Europa an. Es gab noch eine andere Möglichkeit, Kleidung blau zu färben, wenn auch lange nicht so schön dunkelblau: Mit dem Färberwaid. Ein Strauch, den die Färber in Bottichen gären und stampfen mussten, um ihm den Farbstoff zu entziehen. Zum Färben mit dem Färberwaid braucht man jede Menge Urin, deswegen stank es in Blau-Färbereien fürchterlich.
... und das ist ihre Bedeutung: Blau ist die Farbe des Himmels. Deshalb werden Himmelsgottheiten oft mit blauen Gewändern dargestellt. So sieht man auf Gemälden zum Beispiel die heilige Maria meist mit einem blauen Mantel. Außerdem ist Blau die Farbe der Sehnsucht, der Treue, der Wahrheit, des Glaubens und der Bildung. Wisst Ihr, woher es kommt, dass man von Adeligen oft sagt dass sie "blaues Blut" haben? Die Adeligen, also Ritter, Herzöge oder Könige, hatten früher eine viel hellere Haut als die Bauern. Die Bauern mussten den ganzen Tag draußen in der Sonne arbeiten und wurden dabei braun. Die Adeligen mussten meist nichts arbeiten. Sie waren mehr im Haus und wenn sie mal draußen waren, dann schützten sie sich vor der Sonne, denn sie wollten auf keinen Fall so braun werden wie die Bauern. Blass zu sein galt als vornehm. Wenn man eine helle Haut hat, kann man durch sie die blauen Adern durchscheinen sehen. Und da dachten die Leute früher, wenn sie die helle, durchscheinende Haut der Adeligen sahen, dass die Adeligen blaues Blut haben müssen.
Purpur Purpur war eine Farbe nur für Kaiser, Könige oder Kardinäle. Niemand sonst durfte purpurne Kleidung tragen. Purpur war so besonders, weil die Herstellung extrem schwierig ist. Die einzigen, die den perfekten Purpur herstellen konnten, waren die Phönizier, ein Volk von Seefahrern und Händlern. Sie wussten, wie aus der Purpurschnecke, einer Meeresschnecke, diese ganz besondere Farbe gewonnen werden konnte. Purpurschnecken geben nur zwei Tropfen Farbstoff ab. Das machte die Arbeit sehr mühsam. Außerdem stank es in Purpurfärberein so fürchterlich nach verfaultem Fisch, dass sie weit ab aller Städte standen. Wochenlang wurde der Schneckenbrei erst zum Verfaulen gebracht, dann abgeseit und gekocht. Danach kamen die Tücher hinein, die gefärbt werden sollten. Waren diese lang genug in der stinkenden Brühe eingeweicht, wurden sie an der Sonne getrocknet und erst jetzt kam die Farbe zum Vorschein.
Grün Grün erinnert an Pflanzen, an Wachstum und Frische. Grün ist auch die Farbe der Hoffnung. Und Grün ist die Farbe des Umweltschutzes. Es gibt zum Beispiel eine Partei, die sich besonders um den Umweltschutz kümmern will und die heißt: "Die Grünen". Wenn jemand noch so jung ist wie ein kleines Salatpflänzchen, und noch keine Erfahrung in seinem Leben gesammelt hat, dann sagt man zu ihm: "Der ist ja noch ganz grün hinter den Ohren!" Und wenn man zu jemandem sagt: "Komm an meine grüne Seite", dann meint man damit: Komm zu mir an meine frische, lebendige Seite, zu der Seite, wo mein Herz ist. Man sagt das, zu jemandem, wenn man ihn mag!
Schwarz Schwarz steht in unserer Kultur für die Dunkelheit, für Trauriges und Böses. Schwarz steht auch für Kummer - deshalb sagt man, wenn einen etwas bedrückt und man glaubt, dass kein gutes Ende mehr kommt: "da seh´ ich schwarz!" Und wenn wir traurig sind, weil jemand gestorben ist, ziehen wir uns schwarze Kleider an. Im Aberglauben und in Sprichwörtern bedeutet Schwarz oft Unglück: Zum Beispiel, wenn man eine schwarze Katze sieht oder einen schwarzen Raben, dann sagt man, dass man einen "schwarzen Tag" haben wird, also dass an dem Tag alles schief gehen wird. "Sich schwarz ärgern" sagt man, wenn man sich über etwas sehr stark aufregt.
Signatur Der Schmerz von heute ist die Kraft von morgen. |
witchi  Der Burgherr (Admin) freier Ritter
       

Status: Offline Registriert seit: 18.04.2005 Beiträge: 2901 Nachricht senden | Erstellt am 08.07.2005 - 13:49 |  |
Farben hatten Bedeutungen, zB stand rot für Blut, Mut und Kampf und war traditionell Farbe des Kriegers. Nach rot war blau die beliebteste Farbe, gefolgt von grün. Bei den Farbtönen gibt es eine Unterscheidung: Die Teuersten Farben waren purpur (Hochadel, Klerus), scharlachrot und indigoblau . Für Bürger und Bauern erschwinglich gab es krapprot, waidblau. Leuchtendes Gelb (Goldgelb, aus Safran) wurde vom Adel getragen. Das blasse fahle gelb (Färberwau) war eine Schandfarbe und diente zur Kennzeichnung von gesellschaftlichen Aussenseitern etwa wie Juden und Prostituierten. Schwarz war die Farbe des niederen Klerus und der Magistrate (wurde in der höfische Mode aber erst im 15 Jh verwendet). Es gab die Zunft der Schwarzfärber (die anderen waren die Buntfärber). Fast alle Mischfarben konnten hergestellt werden.
Gelb neigte zum verblassen und wurde daher nur selten für Oberkleider, sondern meist für Futter oder Unterkleid verwendet. Grüne Gewebe oder Garne (blau/gelb Gemisch) wurden aus diesem Grund mit der Zeit blauer.
In der höfische Mode waren die Farben aufeinander abgestimmt. Meist kombinierte man einen kalten und einen warmen Farbton, zB rosa oder rote cotte mit blauer blauvioletter oder grüner surkot. Das Futter war häufig gelb, bei rosa gern grün. Weiss- oder gelbrundige Damaste und Brokate wurden meist mit rotem Stoff gefüttert. Die beliebteste Mantelfarbe scheint rot gewesen zu sein, gefolgt von dunkelblau und dunkelgrün.
Mi-parti : linke und rechte Körperhälfte unterschiedliche Farbe, diente zur Kennzeichung.
Signatur Der Schmerz von heute ist die Kraft von morgen. |