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...   Erstellt am 03.09.2008 - 10:15Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Über Raben und Krähen


Krähen und Raben scheinen Ähnlichkeiten zu besitzen, die allerdings Vogelkundige energisch bestreiten. Sie mögen ja auch nur geringfügig äußerlich sein. Dem Raben sagt man Weisheit nach, insbesondere den alten (Raben sind immer alt). Er ist auch immer männlichen Geschlechts, dennoch gibt es wohl auch Eier legende Raben, die offensichtlich weiblicher Natur sein dürften. Sie spielen aber keine Rolle.

Krähen sind meistens weder jung noch schön, eher immer alt, dürr also hässlich. Auch ist von klugen Krähen landläufig kaum die Rede, mehr von rätselhaften unleserlichen, unschönen Schriften, an Krähenfüße erinnernd oder unbeliebte Fältchen um menschliche Augen.
Kurz, keiner mag Krähen, ausgenommen Indianer, aber die sind weitestgehend ausgestorben.

Raben sind meistens etwas merkwürdige Einzelgänger, die man eventuell in der Not befragt (sie sind ja weise) aber dennoch lieber meidet, denn sie sind auch geheimnisvoll, vielleicht auch gefährlich. Man weiß es nicht, sitzen sie doch manchmal auf dem Rücken von Hexen (was allerdings auch eine Krähe von Fall zu Fall sein könnte). Einen weißen Raben hat man an diesem Schauplatz noch nicht gesehen. Sie sind ja auch selten und es gibt wohl mehr Hexen als weiße Raben, so dass man somit auf schwarze Katzen ausweichen muss. Wäre ein gesondertes Thema.

Krähen treten oft scharenweise auf, besonders im Nebel bevölkern sie kahle Bäume. Auch wird ihnen selten der Nimbus einer besonders guten Stimme zugebilligt. Dem Raben im Übrigen auch nicht.

Ja, man sagt so einiges über diese prächtigen Vögel, auch dass sie ein wenig harmlos wären, denn eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus oder dies wäre aber ein Rabenaas. Und ein Aas ist ja eigentlich schon lange tot, also selten gefährlich.
Nun, mir scheint irgendwie ist immer alles anders gemeint und besagt kaum Gutes oder zeugt von besonderem Beliebtheitsgrad.
Wie dem auch sei, den Vögeln ist das menschliche Vorurteil vermutlich egal.


Die Krähe


Eines Tages beugte sich eine Krähe über den Rand ihres Nestes um so zu schauen, was es sonst noch so gäbe. Von den alten Nebelkrähen um sich hatte sie schon lange genug und deren Gekrächze ging ihr ziemlich auf die Nerven. So wagte sie einen Blick über den Nestrand und stürzte prompt in die Tiefe, war unsere Krähe doch nur im Schwarm zu fliegen geübt.
Unten angekommen, kratzte sie aufgeregt mit ihren Krähenfüßen ersteinmal etliche Kurven, um dann in einem goldenen Käfig hoffnungsvoll zu landen, denn eine einzelne Krähe ist selten, möglicherweise sogar brauchbar. Sie wird einiges über andere Krähen wissen und mit dem Schwarmverhalten der Vögel umgehen können.
Doch über die Zeit platzte die magere Goldauflage ab und im Käfig war es noch weniger erträglich als im Schwarm, denn ans Fliegen war ja nun überhaupt nicht mehr zu denken. Die Krähe mühte sich, wurde aber immer dürrer, bis sie plötzlich entdeckte, es ging durch die rostig gewordenen Gitterstäbe zu schlüpfen. Und siehe da, es funktionierte, sie kam knapp davon.

Das Gefieder glättete sich und sie lernte wieder fliegen, aber nur allein und niemals in die Nähe eines goldenen Käfigs.
Vielleicht begegnete ihr aber auch ein Rabe auf einem hohen Ast, der schon alles erlebte und ohne Vorurteil, mit Verständnis und unendlicher Raben-Weisheit eine einsame, dürre, alte Krähe zu nehmen versteht, denn manchmal sind sich Raben und einzelne Krähen furchtbar ähnlich.





Edit: Threadnamen ergänzt. Da stand nur Fabeln.

[Dieser Beitrag wurde am 14.09.2008 - 18:50 von Stefan aktualisiert]





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Stefan ...
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...   Erstellt am 14.09.2008 - 18:48Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Huhu Helga,

irgendwie erinnert mich Deine Fabel an "Die Möwe Jonathan". Zumindest ein bisschen.

Helga schrieb
    ...dies wäre aber ein Rabenaas. Und ein Aas ist ja eigentlich schon lange tot, also selten gefährlich.


Da habe ich noch nie drüber nachgedacht, dass ein Rabenaas ja ein toter Rabe ist.

Dann spricht man also von einem Toten, wenn man irgendjemanden als Rabenaas bezeichnet. Sehr eigenartig, da würde mich jetzt interessieren wo die "Redewendung" her kommt.

Da fällt selbst Wikipedia nix zu ein.

Helga schrieb
    ...um dann in einem goldenen Käfig hoffnungsvoll zu landen...


Im goldenen Käfig sind schon viele "erwacht" und haben gemerkt, er ist gar nicht golden.


Einen schönen Restsonntag wünscht

Stefan





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Chrissi ...

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...   Erstellt am 16.09.2008 - 17:20Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hallo Helga,

ich muss ja erstmal zugeben dass ich den Unterschied zwischen Raben und Krähen überhaupt nicht kenne.

Mit Krähen verbinde ich aber sofort 2 Dinge.....

Den Film die Vögel von Alfred ?? Du weißt schon, muss erst gucken wie der geschrieben wird. Hitchcock. (Prima Stefan, dieses Suchdings da am Ende der Seite)
Ich kann zwar in diesem Film schon mitspielen, finde ihn aber jedesmal wieder Klasse!

Zweite Verbindung, wir haben vorm Küchenfenster eine Felsenbirne stehen. Blüht ganz toll! Im Herbst kommen dann so rote Beeren dran, worüber sich die Meisen freuen. Im Winter, wenn nun garnix mehr zu essen dran hängt, brachte Stefan einen Meisenknödel an.
Du kannst Dir garnicht vorstellen wie schnell die Krähen den kpl. aufgerissen hatten und sich unter dem Baum drüber her machten. Das war fast wie im Film.
Das zerfetzte Netz hängt übrigens heute noch im Baum. Nach ca. 4 Jahren.

Lieben Gruß
Chrissi





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...   Erstellt am 17.09.2008 - 10:33Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hallo liebe Chrissi und Stefan,

schön, dass Ihr meine Fabel gefunden und gelesen habt.

Manchmal habe ich den Drang, Menschen über Fabeln aufs Korn zu nehmen. Im Verhalten der Tiere findet man sich oft wieder oder glaubt dies zumindest, denn die menschlichen Eigenschaften werden den Tieren ja auch sehr oft klischeehaft angedichtet.
In diesen Fabeln habe ich so einige Aspekte meines Verhaltens in meinem Leben einfließen lassen. Jeder Mensch, der schon ein wenig zurückblicken mag, auf das, was ihm so alles widerfuhr, findet hier ansatzweise Parallelen, denke ich.
Gudrun stellte fest, dass meine Fabeln immer böse enden würden. Ganz unrecht hat sie nicht, doch diese hier sind eine Ausnahme, denn schließlich hat die alte Krähe ja noch ihren verständnisvollen Raben gefunden.

Liebe Grüße Euch beiden

Helga





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