Solitude  Vorsicht - Freigeist :-))
    

Status: Offline Registriert seit: 12.11.2005 Beiträge: 884 Nachricht senden | Erstellt am 26.11.2005 - 01:16 |  |
Es ist die Frage an mich herangetragen worden, ob es sich nicht ausschließe ein Ex-Essgestörter zu sein, sich aber trotzdem täglich zu wiegen oder über Abnehmtricks zu schreiben und abnehmen zu wollen. Man fragte mich, ob man sich damit nicht wieder nur unter Druck setzen und sich letztlich was vormachen würde.
Ich kann das zunächst nur für mich beantworten, würde es aber schön finden, wenn die anderen auch noch dazu schreiben würden.
Also bei mir ist es so, dass ich mich in den 5 Schlüsseln von Susie Orbach wiedergefunden habe: Ich esse wenn ich hungrig bin und höre auf wenn ich satt bin. Ich nehme mir Ruhe zum Essen und genieße das, was ich esse. Ich esse nicht mehr aus Langeweile, Frust oder um irgendwelche anderen Bedürfnisse zu befriedigen. Ich höre auf meinen Körper und seine Bedürfnisse. Wenn ich z.B. Lust auf Nüsse habe, esse ich sie, weil ich denke, mein Körper schickt mir das Verlangen danach, weil ich Stoffe brauche, die darin enthalten sind.
Die sogenannten "Abnehmtricks" sind für mich Dinge, die ich über gesunde Ernährung/ Lebensgewohnheiten gelernt habe. Ich weiß z.B., dass ich idealerweise 2-3 l am Tag trinken sollte oder 7-8 Std Schlaf brauche. Es stresst mich aber auch nicht, wenn es mal weniger war.
Punkte oder Kalorienzählen ist nicht mein Ding. Ich habe meine Ernährung jetzt schon monatelang umgestellt. So wie ich esse, bekommt es mir gut, ich esse mich mit Genuss satt.
Was das Abnehmen angeht, so hat das bei mir zumindest, handfeste medizinische Hintergründe. Es kann sein, dass ich in den nächsten Jahren um eine Knie- und/oder Hüft-OP doch nicht herumkomme. Und für die Hüft-OP, die ich bevorzugen würde (McMinn) darf man nicht mehr als 80-90 kg wiegen, wenn das Gelenk nicht nur ein paar Jahre halten soll, bzw. man bekommt es überhaupt nur dann eingebaut. Sonst bleibt nur eine Langschaft-Prothese, mit der man viel länger braucht bis man auf den Beinen ist und das Problem der mangelnden Haltbarkeit bei starkem Übergewicht bleibt. Deswegen will und werde ich auf dieses Gewicht abnehmen.
Ich weiß, dass tägliches Wiegen/und oder Aufschreiben für manche Leute ein Trigger ist und sie unter Druck setzt. Bei mir ist es nicht so. Mir ist klar, dass es Gewichtsschwankungen gibt und deswegen stresst es mich nicht ob es mal 1 oder 2 kg wieder mehr sind. Hauptsache, es geht langfristig in die richtige Richtung. Ich bin was das angeht total entspannt, weil ich jetzt monatelang die Erfahrung gemacht habe, dass ich wieder auf mein Körpergefühl vertrauen kann - dass mein Hunger- und Sättigungsgefühl funktionieren, dass ich keine Fressanfälle mehr habe, dass ich auch bei Stress oder Frust nicht mehr mit Überessen reagiere.
Mein Forum soll offen sein für alle Ex ES'ler...d.h. ich toleriere auch andere Wege als den, den ich nehme.
Und ich habe auch nichts dagegen, wenn jemand mit Abnehmtricks nichts anfangen kann, sondern lieber sein Verhalten reflektieren möchte 
Und jetzt bin ich gespannt auf Eure Antworten...
Signatur Der Weg zu mir selbst war der schwerste, den ich je gegangen bin aber auch der lohnendste, weil er mich auch zu Dir geführt hat.
(von mir für Dich ) |
Luna unregistriert
| Erstellt am 26.11.2005 - 12:12 |  |
Also, ich bin mit Sicherheit keine Ex-Esssüchtige und werde es so schnell auch nicht werden. Meine ES habe ich im Moment aber im Griff und ich versuche, meinen Körper und meine Psyche anders zu programmieren, als sie es bisher als Normal ansahen (z.B. Essen bei pychischer Belastung):
Ich denke, es stellt sich erst nach JAHREN heraus, ob man die ES überwunden hat. Denn dann fruchtet die Umprogrammierung der Denkprozesse und der Psyche. Die rein körperliche Umstellung allein ist ja nur die Spitze des Eisbergs (Runterschrauben des Zuckerspiegels etc.).
Es ist letztendlich ja auch egal, wie man es definiert, denn der Weg ist das Ziel.Und es bleibt ja nichts anderes übrig,als mit dem ersten Schritt anzufangen und wirklich mit Disziplin,aber auch mit Achtsamkeit sich selbst gegenüber den Marathon zu beginnen. Und in Krisensituationen kann es auch sein,daß man wieder abrutscht in die ES.Das ist normal und ok, solange man am Ball bleibt und wieder aufsteht und weitergeht. Bis man sie überwunden hat- irgendwann.Die Zeit spielt da keine Rolle.
Luna
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Sunny on her way to the sunny side of life...
   

Status: Offline Registriert seit: 16.11.2005 Beiträge: 668 Nachricht senden | Erstellt am 26.11.2005 - 14:03 |  |
Ich bin jetzt seit 2 Jahren in Therapie mit meiner Essstörung. Seit gut einem Jahr habe ich mein Jahr essensmäßig komplett geändert und ja, ich würde sagen, dass ich meine Essstörung los bin. Ich glaube aber dass man nicht in dem Sinne "geheilt" ist, sondern sein Leben lang auf sich achten muss. @ Luna, jahrelang dauert es glaube ich nicht, aber mag auch bei jedem anders sein. Das geänderte Verhalten war bei mir nach einem halben Jahr auf jeden Fall sehr verinnerlicht. Es ist mir ziemlich egal wie lange das mit der Gewichtsveränderung dauert. Ich gebe auch zu, dass es bei mir auch um die äußerliche Veränderung geht. Ich bin nämlich eitel
Sunny
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Molly  ...ißt nichts, was Augen hat!
   

Status: Offline Registriert seit: 24.11.2005 Beiträge: 84 Nachricht senden | Erstellt am 26.11.2005 - 15:11 |  |
Also ich glaube, dass es erst darum geht, aufzudröseln, was hinter der ES steht. Und erst wenn Du das weißt, kannst Du daran was ändern!!! Ich denke dass dann die eigentliche "Umprogrammierung" nicht jahrelang dauert. Ich habe mit dem Rauchen aufgehört und inzwischen für sämtliche Situationen in denen ich gerne geraucht habe andere Strategien. Man gewöhnt sich da recht schnell dran. Die Umgewöhnung ist dann irgendwie eine reine Kopfsache. Du mußt es wollen!!! Bin aber kein militanter Nichtraucher wie so viele Exraucher  Molly
Signatur www.menschen-fuer-tierrechte.de |
Ulli Glühwürmchen vom Dienst :-))
    

Status: Offline Registriert seit: 12.11.2005 Beiträge: 711 Nachricht senden | Erstellt am 26.11.2005 - 23:36 |  |
Ich glaube nicht, dass es bestimmte Erkennungsmerkmale gibt, ob jemand aus der Essstörung heraus ist oder nicht. Also das man sagen kann, der wiegt sich also ist er noch eßgestört. Das wäre ja auch Banane wenn das so einfach wäre. Es gibt keine Patentrezepte und keine festen Merkmale denke ich. Ist bei jedem ein bißchen anders. So wie bei anderen Sachen eben auch... Das einzige, was vielleicht für jeden gilt ist, dass man sich erst selbst annehmen muß. Ulli
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Sunny on her way to the sunny side of life...
   

Status: Offline Registriert seit: 16.11.2005 Beiträge: 668 Nachricht senden | Erstellt am 27.11.2005 - 22:18 |  |
Solitude schrieb
Ich esse wenn ich hungrig bin und höre auf wenn ich satt bin. Ich nehme mir Ruhe zum Essen und genieße das, was ich esse. Ich esse nicht mehr aus Langeweile, Frust oder um irgendwelche anderen Bedürfnisse zu befriedigen. Ich höre auf meinen Körper und seine Bedürfnisse. Wenn ich z.B. Lust auf Nüsse habe, esse ich sie, weil ich denke, mein Körper schickt mir das Verlangen danach, weil ich Stoffe brauche, die darin enthalten sind.
Mir ist klar, dass es Gewichtsschwankungen gibt und deswegen stresst es mich nicht ob es mal 1 oder 2 kg wieder mehr sind. Hauptsache, es geht langfristig in die richtige Richtung. Ich bin was das angeht total entspannt, weil ich jetzt monatelang die Erfahrung gemacht habe, dass ich wieder auf mein Körpergefühl vertrauen kann - dass mein Hunger- und Sättigungsgefühl funktionieren, dass ich keine Fressanfälle mehr habe, dass ich auch bei Stress oder Frust nicht mehr mit Überessen reagiere.
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Das liest sich für mich total gut, da kann ich jedes Wort von unterschreiben und das empfinde ich ganz genau so.
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