Wege aus der Essstörung - das Forum für eine tolerante und offene Diskussion rund um das Thema und Erfahrungsaustausch über Wege aus der ES. ************************************************************************************************************************************************************************************************************************************* Wir freuen uns auf einen regen Austausch mit Esssüchtigen, die auf dem Weg aus der Esssucht sind und mit ehemaligen Esssüchtigen, die dabei sind nach dem psychischen jetzt auch den körperlichen Ballast abzuwerfen. Wir wollen uns gegenseitig auf diesem Weg unterstützen. Führt Euer Online-Tagebuch bei uns, gebt Euch gegenseitig Tipps und Tricks und Feedback zu dem, was bei Euch so läuft. Gemeinsam sind wir stark!!

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Omega ...
bleibt ein Weilchen...
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...   Erstellt am 28.04.2006 - 18:58Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ich habe eben etwas in den Tagebüchern gelesen und bin ziemlich entsetzt. Ich sitze hier und in mir zieht sich alles zusammen, denn das lesen in diesen Büchern hat mich schlagartig mit meinen diversen, eigenen Abnehmversuchen konfrontiert. Das waren alles Diäten und sie haben zu nichts weiterem geführt, als zu "noch mehr" Gewicht (Jojo läßt grüssen).

Vielleicht hat es mich jetzt auch so getroffen, weil ich nicht damit gerechnet habe, so viel über "...2 Knäckebrotscheiben mit Magerquark...Low Fett Käse...etwas Suppe...." zu lesen *seufts*.

Kommt mir das nur so vor, oder sind es wirklich (nur) Diäten?

Ich meine, grade WEIL man doch aus einer Essstörung kommt, ist eine solche Fixierung auf den Gewichtsverlust vielleicht kontraindiziert?


Omega*nachdenklich*





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Grade weil wir alle in einem Boot sitzen, ist es schön, daß nicht jeder auf meiner Seite steht.

Solitude ...
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...   Erstellt am 28.04.2006 - 20:43Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


@ Omega
Ich habe nicht viel Zeit jetzt, möchte aber doch kurz darauf antworten:

Hier werden sicher keine Diäten propagiert und es wird auch keinem zu 2 Scheiben Knäcke und ein wenig Suppe geraten

Ich zitiere mal 2 meiner Essprotokolle aus meinem hier geführten Tagebuch:

Tag 1:
Morgens: Großes Glas frischgepresster O-Saft,
3 Scheiben Vollkornknäcke mit Leberwurst ("Du-darfst), Philadelphia (5%) mit Putenbrust oder Honig. 1 Apfel, 1 Birne
Mittags: eine kleine Portion Pasta mit scharfen Gewürzen und eine große Portion Gurkensalat (Joghurtdressing)
Abends: Scheibe Vollkornbrot mit Belag (Putenbrust, Bierschinken) dazu eine Portion Tomatensalat mit Zwiebeln.
1 Kefir mit etwas Honig.

Tag 2:
Morgens:Obstsalat aus Kiwis, Mandarinen, Apfel, 1/2 Banane vermischt mit Honig und etwas Zimt...darüber ein paar Walnusshälften.
1 großes Glas Orangensaft
Mittags:Kabeljaufilet in Senfsosse mit Kartoffeln und eine große Portion Kopfsalat.
Getrunken habe ich bis jetzt 1,5l Wasser mit Zitronengeschmack und 1 Latte Macchiato.
Abends: 2 Teller Gemüsesuppe, getoastetes Vollkornbrot und als Nachtisch Kefir mit Mandarinen.
Getrunken habe bis jetzt 3,5l ...

Als Adipöse sind 3 Mahlzeiten am Tag besser als die oft beschriebenen 5.

Sattessen ist wichtig, ich habe meine Abnahme mit volumetrischem Aufwerten der Nahrung erreicht.
Was das ist findest Du hier im Forum.

Wichtiger Punkt (ich zitiere mich nochmal aus den Tagebüchern):
„Die Tagebücher können/sollten nur von denjenigen genutzt werden, die den Ursachen ihrer ES soweit auf den Grund gegangen sind, dass Wiegen und Tagebücher führen KEIN Trigger mehr ist.“

Deiner Äußerung entnehme ich, dass dieser Zeitpunkt bei Dir noch nicht gekommen ist und die Dich zunächst mit Deiner Essstörung auseinandersetzen solltest, mit den Gründen, die dazu geführt haben…
Nach der Überwindung der ES kann dann durch eine Ernährungsumstellung und Sport das Gewicht auch losgelassen werden.
Es geht aber nur in dieser Reihenfolge!





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Der Weg zu mir selbst war der schwerste, den ich je gegangen bin aber auch der lohnendste, weil er mich auch zu Dir geführt hat.
(von mir für Dich )

Holly ...
die nur nach ihrer eigenen Pfeife tanzt...
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...   Erstellt am 29.04.2006 - 11:23Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


@Omega

Ich kann mir gut vorstellen, daß Dich die Tagebücher zunächst an Diäten erinnen, aber das sind ja keine Esspläne 'nach denen' man isst, sondern die Essprotokolle spiegeln das wieder, was man isst. Das Ziel ist für mich eine Restrukturierung meiner Essgewohnheiten, um zB zu verhindern, daß ich völlig unregelmäßig esse, was bei mir erfahrungsgemäß zu FA geführt hat. Und um einen Soll-Zustand herzustellen (ein 'vernünftiges' Essverhalten) muss man zunächt einmal den Ist-Zustand analysieren, um anschliessend zu gucken, wo sind die Differenzen, was kann ich ändern, damit es mir besser geht. Denn wenn Du eine ES hast, weisst Du, daß man sich nach einem FA nicht wirklich besser fühlt, oder?

Vielleicht hat Dich das Gefühl, daß hier 'Diäten propagiert' werden so verschreckt, daß Du nicht mehr gelesen hast, daß hier Userinnen wie zB Maggie, Nora oder Ulli davon angesteckt wurden, sich mehr zu Bewegen, und daß die Reaktionen durchaus positiv sind, nur als Beispiel genannt, daß es hier nicht in erster Linie um Gewichtreduktion geht. Die Änderung der Ess- und Bewegungsgewohnheiten sind imho ein Pfeiler in der Überwindung der ES bzw in der Bewältigung der Folgen der ES.





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Omega ...
bleibt ein Weilchen...
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...   Erstellt am 29.04.2006 - 14:45Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Danke für eure Antworten

Ich sehe es auch so, daß man sich ruhig einmal vor Augen führen sollte, was bzw. wann und wie man isst, wenn man eine Essstörung hat. Die Art und Weise dieser Tagebücher hat mich wohl auf dem falschen Fuß erwischt,da ich mich durch Aufschreiben von meinem Essverhalten extrem kontrolliert und unter Druck gesetzt fühle (hat mit früher zu tun).U.a. bin ich völlig gegen light und Magerprodukte.

Bei mir war es auch so, daß ich total unregelmäßig und nur 2x am Tag gegessen habe, FA kamen dann dazu. Die Gründe für meine Essstörung konnte ich in meiner Jugend aufstöbern, ich habe mich sehr früh auf andere ausgerichtet, wollte es jedem Recht machen und habe meine Wünsche und Bedürfnisse komplett ignoriert und unterdrückt(dürfte mancher hier bekannt vorkommen). Es entwickelte sich auch ein Perfektionismus, so dass nichts meinen Anspüchen stand hielt. (Wohlgemerkt, nichts, was aus MEINEN Händen kam).

Anderen gegenüber bin ich super tolerant, einfühlsam und hilfsbereit. Ich glaube, ich würde mir für jeden anderen ein Bein abnehmen lassen, ohne darüber nachzudenken, daß MIR dann vielleicht hinterher etwas fehlt

Zusätzlich kann ich ganz schlecht Grenzen ziehen, ich mache eigentlich erst "dicht", wenn ich wie ein nasser Waschlappen in der Ecke liege... Also definitiv viiiiel zu spät. Ich bin in Thera und konnte schon gut etwas aufarbeiten und ändern. Mein Essverhalten ist viel besser geworden, regelmäßiger, ausgewogener und somit besser. Ich kann mich sattessen, ohne daß ich bestimmt Lebensmittel ausschließe, oder weglasse, ich kann aber eben aufhören, wenn ich satt bin. Und wenn dann noch ein halbes Brötchen über ist, ist das eben so und es kommt weg. Früher wäre das undenkbar gewesen

Natürlich hab ich mich auch "selbstbeschummelt". Z.B. habe ich fette Salami gegen Kassler getauscht und nicht mehr 2 Lagen draufgetan, sondern nur noch eine ect...Dadurch habe ich eingespart, ohne daß mir irgend etwas gefehlt hat, so habe ich langsam auch Gewicht verloren.

Etwas problematischer ist die Minderung meiner Essanfälle. Dadurch bin ich zeitweise in die Kaufsucht gerutscht, was auch nicht viel besser ist

Im Gegenteil...Nun versuche ich mich wieder zu "bekrabbeln" und weiter zu machen, deshalb habe ich mich u.a. hier angemeldet um zu schauen, ob ich "Input" bekomme





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...   Erstellt am 29.04.2006 - 19:31Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen



Holly schrieb
    Die Änderung der Ess- und Bewegungsgewohnheiten sind imho ein Pfeiler in der Überwindung der ES bzw in der Bewältigung der Folgen der ES.


So ist auf jeden Fall der Ansatz in der kognitiven Verhaltenstherapie, die bei ES oft erfolgreich eingesetzt wird.

Omega schrieb
    Ich sehe es auch so, daß man sich ruhig einmal vor Augen führen sollte, was bzw. wann und wie man isst, wenn man eine Essstörung hat. Die Art und Weise dieser Tagebücher hat mich wohl auf dem falschen Fuß erwischt,da ich mich durch Aufschreiben von meinem Essverhalten extrem kontrolliert und unter Druck gesetzt fühle (hat mit früher zu tun).U.a. bin ich völlig gegen light und Magerprodukte.


Wie bereits schon einmal ausgeführt, wenn Tagebücher, Essprotokolle für Dich ein Trigger sind solltest Du sie hier keinesfalls führen sondern das mit Deinem Therapeuten besprechen!

Meine Meinung zu Light-Produkten habe ich hier im Forum schon mal kundgetan:

"Mogelpackung Light-Produkte:
Light ist seit den 80er Jahren in.
Dem Verbraucher wird vorgemacht, dass man Light-Produkte essen kann ohne dick zu werden.
Fatalerweise ist das ein Trugschluss. Lebensmittel mit natürlichem Zucker- und Fettgehalt machen eher satt. Wenn man also von den Light-Produkten entsprechend mehr essen muss ist der Effekt dahin.
Außerdem führen z.B. Süßstoffe durch die erhöhte Insulinausschüttung im Körper zum Sinken des Blutzuckerspiegels – was wiederum Hunger auslöst.
Fett z.B. wird oft gegen Wasser, Eiweiß, Emulgatoren oder andere Fettersatzstoffe ausgetauscht. Mit viel Chemie (Farbstoffe und Geschmacksverstärker) wird dafür gesorgt, dass der Light-Kram noch schmeckt.
Was also tun?
Wenn ich Lust auf Käse habe, lasse ich mir die Scheiben extra dünn schneiden.
Es muss ja nicht gleich dauernd Käse mit 70% sein…40% schmeckt auch
Das gleiche bei Wurst – Hauchschnitt schmeckt echt lecker und es dürfen auch gerne mal ein paar Scheiben mehr sein
Bierschinken, Corned Beef, Putenbrust…eben häufiger als Leberwurst & Co.

Ansonsten ist es natürlich günstig, es mit tierischen Fetten (Wurst, Käse, Fleisch, Eier, fette Milchprodukte), die den Blutfettspiegel hochtreiben (Gefäßschädigung, Schlaganfallrisiko) nicht zu übertreiben und dafür bei gesunden pflanzlichen Fetten (Nüsse, Rapsöl, Leinöl usw.) sowie den Omega-3-Fettsäuren (Fisch) zuzulangen.

Süssen lieber mit Honig oder Kandis im Tee oder lieber mal einen TL Zucker im Kaffee – Süßstoff: Nein Danke!"

Omega schrieb
    Mein Essverhalten ist viel besser geworden, regelmäßiger, ausgewogener und somit besser. Ich kann mich sattessen, ohne daß ich bestimmt Lebensmittel ausschließe, oder weglasse, ich kann aber eben aufhören, wenn ich satt bin. Und wenn dann noch ein halbes Brötchen über ist, ist das eben so und es kommt weg. Früher wäre das undenkbar gewesen

    Natürlich hab ich mich auch "selbstbeschummelt". Z.B. habe ich fette Salami gegen Kassler getauscht und nicht mehr 2 Lagen draufgetan, sondern nur noch eine ect...Dadurch habe ich eingespart, ohne daß mir irgend etwas gefehlt hat, so habe ich langsam auch Gewicht verloren.

    Etwas problematischer ist die Minderung meiner Essanfälle. Dadurch bin ich zeitweise in die Kaufsucht gerutscht, was auch nicht viel besser ist


Du schreibst, dass Du Duch satt isst und dass Du aufhören kannst, wenn Du satt bist. Das klingt sehr gut.
Es gibt keine verbotenen Lebensmittel aber Du hast
sehr fetthaltigen doppelten Brotbelag gegen einen anderen schmackhaften einlagigen ausgetauscht, ohne dass Dir was fehlen würde. Auch dass klingt gut.

Frage für die nächste Therapiesitzung: Wenn Du Dich satt essen kannst, WAS löst dann die Fressanfälle noch aus?
Welche Gefühle musst Du noch wegessen, wo kannst Du Langeweile nur mit Essen füllen, wo schmerzt der Mangel an Liebe und Zuwendung so sehr, dass Du essen musst ...

Kaufsucht als nicht stoffgebundene Sucht hat diverse Parallelen zur Esssucht:
Kaufen wird wie das Essen als Beruhigungsmittel eingesetzt, um Ängste/Depressionen zu betäuben oder das Gefühl, nicht genügend geliebt oder beachtet zu werden.
Oder aber dazu, die innere Leere zu füllen.

Ich wünsche Dir, dass Du das findest, was Du suchst und Deiner geneigten Leserschaft viel Spass beim Gewinnen von Einsichten





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(von mir für Dich )

Omega ...
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...   Erstellt am 29.04.2006 - 20:19Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


"Frage für die nächste Therapiesitzung: Wenn Du Dich satt essen kannst, WAS löst dann die Fressanfälle noch aus?
Welche Gefühle musst Du noch wegessen, wo kannst Du Langeweile nur mit Essen füllen, wo schmerzt der Mangel an Liebe und Zuwendung so sehr, dass Du essen musst ..."

Meine mich überrollenden Gefühle haben eigentlich immer meine FA ausgelößt. Da ich Gefühlen immer aus dem Weg gehe, versuche sie zu vermeiden und wenn sie doch mal da sind, zu unterdrücken, haben sich dann eben "so" gezeigt.

In so einem Schub war ich nicht mal in der Lage zu entwirren was da alles auf mich zu kam, es hat mich einfach umgerissen.





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Nora ...
fühlt sich hier sowas von wohl...:-))
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...   Erstellt am 29.04.2006 - 20:40Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Das kennt wohl jeder aus seiner ES-Karriere, dieses "Gefühle durch Essen unterdrücken".
Klappt natürlich nicht wirklich und hinterher fühlt man sich noch schlechter
Ich habe in der Therapie gelernt, mich meinen Gefühlen zu stellen. Ziel ist, die negativen Gefühle nicht mehr gegen sich selbst sondern gegen den zu richten, der der Auslöser war.
Harte Arbeit





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Eine Hälfte der Netzteilnehmer versteht die Ironie nicht, die zweite Hälfte sieht Ironie ungern, weil dann ja die erste falsch reagieren
könnte, und der Rest ist dünn gesät.
(Ulrich F. Heidenreich in dang)


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