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JorunnIpkens  Sprotte
   

Status: Offline Registriert seit: 18.02.2008 Beiträge: 180 Nachricht senden | Erstellt am 17.11.2008 - 17:21 |  |
Eulenkoje/Skandinavische Wälder
Die Eulenkoje ist ein großes Ferienhaus aus einfachem, von der Witterung dunkel gemachtem Holz. Es hat unter dem Dach mehrere Schlafzimmer für sicher zehn Leute. Unten gibt es eine riesige, unheimlich gemütliche Küche, mit einem alten Herd und ein Wohnzimmer. Das Haus hat eine große Terrasse mit Tischen und Stühlen. Durch die vielen Sachen, die auf der Veranda und im Garten mit dem langen Gras herumliegen wird klar, dass nicht nur häufig Besucher hier sind, sondern auch, dass diese wohl häufig Kinder bei sich haben.
Neben dem Haupthaus befinden sich ein Stall und eine Werkstatt.
Der Garten ist länglich und endet an einem von Wald und Felsen umgebenen See. Am Steg liegen ein Kanu und ein hölzernes Ruderboot.
Rund um das Haus erstreckt sich eine hügelige Landschaft, bedeckt von tiefen Wäldern mit bemoosten Steinen, kleinen Weihern und ab und zu einer weiten Lichtung auf der die fliegenden Rentiere grasen.
[Dieser Beitrag wurde am 17.11.2008 - 18:11 von Lenila aktualisiert]
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JorunnIpkens  Sprotte
   

Status: Offline Registriert seit: 18.02.2008 Beiträge: 180 Nachricht senden | Erstellt am 17.11.2008 - 17:35 |  |
Jorunn trat auf die Terrasse. Die alten Holzdielen knackten unter ihren Füßen, aber sie fühlten sich gut an unter ihren wollenen Socken.
Sie bückte sich, um ihre Gummistiefel anzuziehen. Es ging nicht leicht. Sie hatte ein wenig Angst das Gleichgewicht zu verlieren und als sie sich wieder aufrichtete griff sie sich nach dem schmerzenden Rücken.
Als sie die Stiefel glücklich an ihren Füßen saßen, trat sie an den Rand der Veranda und sah über den Garten und den See. Der Herbst machte sich langsam bemerkbar. Raureif lag auf den langen Halmen der Gräser und aus dem See stieg Nebel. Über ihr erstreckte sich der leuchtende Morgenhimmel. Glücklich atmete sie die kalte Luft ein und drehte sich dann zum Haus um.
Falls Jorunn hätte verwundert sein sollen, dass ihr aus dem Spiegel der Fensterscheiben kein elfjähriges Mädchen, sondern eine alte Frau mit einem langen fast weißen Zopf und ein paar Rundungen mehr entgegen sah, so war sie es nicht. Sie akzeptierte die Tatsache in ihrem Traum genauso, wie den schmerzenden Rücken und die Gedanken, die ihr durch den Kopf gingen, als sie sich - wieder unter Schmerzen - bückte und die Tageszeitung aufhob: Mal sehen ob mein Artikel schon gedruckt ist...
Der Artikel war noch nicht gedruckt und so drehte sie sich um und rief: "Meister Gruefing, du magst pensioniert sein, aber bei mir bist du noch lange nicht im Ruhestand! Beweg deinen alten Hintern hier heraus!"
Sie lächelte in Gedanken an ihren Gregor, den sie drinnen im Haus rumoren hörte. Während sie auf ihn wartete, wie sie es die vergangenen 45 Jahre getan hatte, überflog sie die Schlagzeilen der Zeitung.
[Dieser Beitrag wurde am 17.11.2008 - 17:39 von JorunnIpkens aktualisiert]
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GregorGruefing Sprotte
   

Status: Offline Registriert seit: 24.09.2008 Beiträge: 113 Nachricht senden | Erstellt am 17.11.2008 - 19:16 |  |
Gregor wollte noch sein Fernglas vom Regal holen, nur dummerweise stand es auf dem obersten Brett und als er danach griff, schmiss er einen Topf dabei runter, der entzwei brach.
"Reparo." murmelte er, während er sich durch den grauen Rauschebart strich. Der Topf reparierte sich und Gregor bückte sich, was aufgrund seines kugelrunden Bauches nicht sonderlich einfach war, nach dem Topf, um ihn wieder an seinen Platz zu stellen. Dann vernahm er die Stimme seiner Frau. Er blickte auf die Uhr, ja, er war wirklich zu spät. "Vielleicht sollte ich ihr ein paar Blumen zaubern." murmelte Gregor in seinen Bart und sagte "Orchideus."
Mit dem Strauß in der Hand trat er auf die Terrasse.
"Du hast mich gerufen, meine Gebieterin? Ich wollte die Blumen eigentlich noch in die Vase stellen, damit du dich bei unserer Rückkehr daran erfreuen kannst."
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JorunnIpkens  Sprotte
   

Status: Offline Registriert seit: 18.02.2008 Beiträge: 180 Nachricht senden | Erstellt am 17.11.2008 - 19:59 |  |
Jorunn sah ihn, mit den Sonnenblumen in der einen und dem Feldstecher in der anderen Hand und gluckste.
"Alter Schmeichler!", sagte sie lachend. Sie nahm die Blumen und strich ihm mit der Hand über die weiche bärtige Wange. "Hier!", sie drückte ihm die Zeitung in die Hand. "Die Briten haben einen neuen Minister. Woody Bones hat sich zur Ruhe gesetzt. Der Neue wird es schwer haben in seine Fußstapfen zu treten, wenn du mich fragst... Bones hat seinem Lehrer Shaklebolt immer Ehre gemacht. Vielleicht sollte ich einen Nachruf über ihn schreiben. Naja, andererseits... er ist noch nicht tot... Accio Blumenvase"
Das gute Stück flog in ihre Hand.
"Aguamenti"
Die Vase füllte sich mit Wasser und Jorunn stellte die Blumen auf den Terrassentisch.
Es war Zeit aufzubrechen. Im September zogen die fliegenden Rentiere in großen Herden über Nordschweden hinweg. Die Familie Gruefing-Ipkens hatte einen Bereich von etwa 100 Quadratkilometern zugeteilt bekommen in dem sie dafür verantwortlich war, dass die Rentiere von den Muggeln unentdeckt blieben. Es war keine anstrengende Arbeit, wenn sie auch zeitaufwendig war.
"Ich denke wir frühstücken unterwegs, oder was sagst du dazu mein Göttergatte?"
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GregorGruefing Sprotte
   

Status: Offline Registriert seit: 24.09.2008 Beiträge: 113 Nachricht senden | Erstellt am 17.11.2008 - 20:34 |  |
"Du weißt doch, wie sehr ich Frühstück schätze, solange ich es in deiner Gegenwart einnehmen kann. Da ist es vollkommen egal, ob wir es unterwegs essen."
Gregor zückte seine Taschenuhr, die einzige, die er aus der Sammlung seines Vaters behalten hatte.
"So wie es aussieht, bleibt uns aber nichts anderes übrig, als wirklich auf dem Weg zu frühstücken, wir sind wohl ein wenig spät dran." Er ließ sich auf der Bank nieder und schnürte rasch seine Wanderstiefel.
"Und der alte Woody Bones hat sich zur Ruhe gesetzt? Naja, es stand wohl zu befürchten, dass er für den Job zu alt geworden ist. Du könntest ja eine Würdigung seiner Amtszeit schreiben. Wer ist denn sein Nachfolger geworden?" murmelte Gregor und überfolg kurz die Zeitung.
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JorunnIpkens  Sprotte
   

Status: Offline Registriert seit: 18.02.2008 Beiträge: 180 Nachricht senden | Erstellt am 17.11.2008 - 21:06 |  |
Jorunn nahm den Rucksack mit dem Essen vom Tisch und setzte ihn auf.
"Gabriel Corner. Ich werd gleich mal eine Eule an den Redakteur schreiben", sagte sie. "Sicher ist da irgend so ein junger Spund, der sich auch gern mit glühendem Eifer mit dem alten Woody befassen würde. Da soll der Chef entscheiden, ich bin zu alt für derlei Aufregung!", bemerkte sie mit einer gehörigen Portion Selbstironie.
Dann sah sie etwas auf dem Fußboden liegen.
"Sieh mal, das muss unter der Zeitung gelegen haben!", sagte sie und hob den Brief auf.
"Von den Kindern, das ist Fridas Briefpapier."
Sie hielt ihrem Mann den Umschlag hin.
"Lies du mir mal vor! Meine Lesebrille ist verschwunden. Ich finde sie nicht mal mehr mit einem Aufrufezauber!"
[Dieser Beitrag wurde am 17.11.2008 - 21:26 von JorunnIpkens aktualisiert]
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GregorGruefing Sprotte
   

Status: Offline Registriert seit: 24.09.2008 Beiträge: 113 Nachricht senden | Erstellt am 17.11.2008 - 21:23 |  |
"Die Grande Dame des Journalismus tut das, was sie am Besten kann? Delegierst du schon wieder, Liebling? Manchmal denke ich, du wärest besser nie in den Ruhestand gegangen, das schadet dir nur. Du hast noch viel zu viel Energie in dir drin." erwiderte Gregor lachend, wobei sich sein ganzer Oberkörper bewegte. Er trennte den Brief auf und las laut vor.
"Liebe Mama, lieber Papa... Das sind wir... Ich hoffe, ihr langweilt euch nicht in der Eulenkoje, aber ihr dürftet zu dieser Jahreszeit mit den Rentieren alle Hände voll zu tun haben. Wir wären gerne für ein paar Tage zu euch gekommen, um euch ein wenig zur Hand zu gehen... Sind wir schon so alt, Liebling?... aber leider hat uns das Schicksal einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Teeblätter hatten es ja vorhergesagt und nun ist es tatsächlich so weit. Björn und Benni haben die Masern bekommen und jetzt rate mal, wer ebenfalls noch nicht die Masern hatte und sich bei den Kindern angesteckt hat. Genau, Johann liegt auch mit den Masern im Bett und ich muss meine drei kranken Männer versorgen. Waren wir auch so wehleidig, als wir damals mit Masern krank im Bett lagen? ... Ohja, ich kann mich noch gut dran erinnern... Ich schreibe euch wieder, wenn ich erneut eine ruhige Minute finde, denn die Herren verlangen nach einer Geschichte. Ich hoffe, es geht euch gut, lasst mal wieder von euch hören. Alles Gute, Frida... Schau einer an... Die Masern. Ich glaube, wir sollten heute Abend ein Krankenpaket packen."
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JorunnIpkens  Sprotte
   

Status: Offline Registriert seit: 18.02.2008 Beiträge: 180 Nachricht senden | Erstellt am 17.11.2008 - 21:38 |  |
Jorunn sah ihm zu, wie er mit zusammengekniffenen Augen den Brief vorlas und lachte über seine trockenen Kommentare.
Was habe ich in einem früheren Leben Gutes getan, um so jemanden wie ihn zu verdienen?
Laut bemerkte sie nur.
"Teeblätter! Pff... ich kann nicht glauben, dass das meine Tochter sein soll. Ich dachte ich hätte ihr eine vernünftige lebensnahe Erziehung zukommen lassen. Aber die Dinge ändern sich unaufhaltsam... Vielleicht lese ich demnächst ja auf unserem Misthaufen, wann unser Lennard seine Malin endlich mal heiratet, oder wann Emil es schafft sein Buch zu veröffentlichen... Interessieren würde mich das schon! Ich kann es ja mal versuchen..."
Sie wackelte mit den Armen, wie mit Hühnerflügeln und scharrte mit dem Gummistiefel über das Holz. In ihren Augen funkelte der Schalk.
Im nächsten Moment wurden ihre flatternden Arme zu wirklichen Flügeln, der Hals länger und ihr Körper kleiner. Nicht einmal zwei Sekunden später, saß sie als Wildgans zu Gregors Füßen und rieb ihren Schnabel an seinen Stiefeln.
[Dieser Beitrag wurde am 17.11.2008 - 21:40 von JorunnIpkens aktualisiert]
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GregorGruefing Sprotte
   

Status: Offline Registriert seit: 24.09.2008 Beiträge: 113 Nachricht senden | Erstellt am 17.11.2008 - 21:49 |  |
"Ich bin mir sicher, meine kleine kluge Gans, dass du auch aus einem Haufen Mist noch Wahrheiten hervorbefördern kannst. Aber du weißt ja, wie Kinder sind. Ein wenig verrückt und noch jung und aufgedreht. Wenn du dich daran erinnerst, dass wir früher auch mal versucht haben, mit einem Pendel Antworten zu finden, wann wir heiraten sollen..." Gregor lachte wieder und ging auf die Knie.
"Du bist zu schnell für mich. Aber wir müssen wohl wirklich aufbrechen."
Er schob den Brief in seine Weste und einen Moment später war er ein Järv. Die Rentiere waren furchtbar schreckhaft und sie wollten die Tiere schließlich nicht aufschrecken, sondern sie unerkannt nach Norden bringen. Er stubbste den Schnabel der Wildgans neben ihm mit seiner Schnauze an und dann stapfte er los.
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JorunnIpkens  Sprotte
   

Status: Offline Registriert seit: 18.02.2008 Beiträge: 180 Nachricht senden | Erstellt am 17.11.2008 - 22:19 |  |
Die Gans Jorunn knabberte an den grauen Streifen, die seit einigen Jahren an den Schläfen des Järvs aufgetaucht waren.
Als er anfing sich schnaufend durch das hohe Gras zu kämpfen, schüttelte sie ihr Federkleid und schwang sich schließlich in die Lüfte. Wie alles andere ging auch das im Alter immer schwerer, aber als sie erst einmal den Wald unter sich sah, den See der in der Sonne glitzerte und die felsigen Hügel, die sich vor ihr erstreckten vergaß sie wie üblich die Anstrengungen.
Sie liebte diese Augenblicke der Verwandlung. Sie hatte eine Katze werden wollen, damals in dem Kurs den sie belegt hatte um ein Animagus zu werden. Den Kurs in dem sie Gregor wieder getroffen hatte.
Eine Katze, ein Falke, oder gar ein Seehund. Mit letzterem hatte sie fast gerechnet, nahm doch ihr Patronus diese Gestalt an. Aber erst in dem Moment in dem sie sich zum ersten mal verwandelt hatte, war ihr bewusst geworden, dass die Gans, dieser freiheitliebende, schöne Vogel, dessen Drang zu reisen so groß war wie ihr eigener, die ganze Zeit in ihr geschlummert hatte.
Jorunn sah jetzt hinunter auf die Erde. Sie sah wie der Järv Gregor sich seinen Weg durch das Unterholz bahnte und hielt Ausschau, ob die Rentiere noch am selben Platz lagerten, wie am gestrigen Abend. Die Tage an denen die Herde dicht am Haus vorbeizogen, waren die einfachsten.
Es dauerte nicht lange und sie hatte die herde erspäht. Sie waren schon aufgebrochen. Die Rentierbullen flogen in einem organisierten Kreis um die Kühe und Kälber. Die gesamte ziehende Herde war ein imposantes Bild.
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