| Ersteller | Thema » Beitrag als Abo bestellen |  |
Gestriger unregistriert
| Erstellt am 12.05.2009 - 16:02 |  |
Der Begriff Baltikum kommt sehr wahrscheinlich von „Mare Balticum" (Baltisches Meer), aus der Zeit, in der die Landkarten lateinische Bezeichnungen trugen. Tacitus hatte in seiner Beschreibung des nördlichen Ostseegebiets dessen Bewohner „Aesti(i)" genannt, die Bezeichnung Esten ist davon abgeleitet. In späteren Quellen werden die Bewohner gerne als „balts, balta, bal-tas, balta" bezeichnet, was in der litauischen und lettischen Sprache „rein, hell, licht, weiß" bedeutet. Als „Balten" bezeichnete sich später nur die deutsche Minderheit in Estland und Lettland, die baltischen Völker hingegen verwendeten ihre eigenen Volks- oder Stammesbezeichnungen wie Kuren, Liven, Selen, Litauer, Semgaller und Lett-galler. Das war schon immer so und gilt heute, da sich die drei Völker nach den langen Jahren der sowjetischen Zwangseinheit wieder stärker auseinander entwickeln, mehr denn je.

Die "schöne Seite" von Narwa- Eigentlich ist die Stadt aber ein Zeugnis der Sowjets - eine Industriestadt zugestellt mit Plattenbauten

Ausstellung im Okkupationsmuseum - Häftlingskleidung eines im sibirischen Gulag Gefangenen.

Das ist der bekannteste Turm von Tallinn " Dicke Margareeta". Es ist eine kreisrunde Bastion aus dem 16. Jahrhundert

Gräber von Baltendeutschen auf dem Friedhof von Tori
Estnisch ist dem Finnischen nah, mit dem Ungarischen entfernt verwandt und gehört deshalb zu der Gruppe der finno-ugrischen Sprachen. Durch den Einfluss des Deutschen Ordens sind viele Wörter aus dem Niederdeutschen übernommen worden, z. B. „müts" für Mütze.

Der kreisrunde Krater von Kali soll durch einen Einschlag eines Meteoriten entstanden sein

Stellenweise gibt es in Estland eine Steilküste.
Das unterscheidet Estland von seinen baltischen Nachbarn
Im Norden wird Estland vom Finnischen Meerbusen begrenzt, im Westen von der Ostsee, die deshalb im Estnischen „Westsee" heißt, und im Südwesten von der Rigaer Bucht. Die Küstenlänge beträgt 1.242 km. Rechnet man die zum Staatsgebiet gehörenden 1.521 Inseln dazu, hat es sogar eine 3.794 km lange Küste, mehr als jedes andere Land in Europa.

Dieser Findling an der Küste von Ehalkivi soll der größte in ganz Estland sein.
Zwischen den zahlreichen Drumlins liegen die für Estland typischen, abflusslosen Senkungen, die von ausgedehnten, landwirtschaftlich nicht nutzbaren Moor- und Wiesenlandschaften oder mit Seen bedeckt sind.
Die größten Moorgebiete liegen zwischen dem Peipussee und dem Binnensee Vörtsjärv sowie in Nordestland.
Seit den 50er Jahren wird großflächig Torf abgebaut, früher als Heizmaterial, heute für die Blumenliebhaber in Westeuropa.
Die Umweltschäden, die sowohl das Verfeuern als auch der Torfexport angerichtet haben und weiter anrichten, sind beträchtlich. Ganze Landstriche sind schon ökologisch tot, eine Renaturierung ist in Estland nicht vorgeschrieben.
|
Gestriger unregistriert
| Erstellt am 14.05.2009 - 11:02 |  |
Es gibt insgesamt fünf Nationalparks in Estland. Neben ihnen gibt es neun Naturschutzgebiete, von denen sechs große Moor- und Feuchtgebiete umfassen.
Besonders abwechslungsreich ist die estnische Küste mit ihren vielen Buchten, Halbinseln, Kaps, Klippen, Schilfzonen und den eindrucksvollen Findlingsanhäufungen. Die größte Besonderheit ist der „Baltische Glint": ein Steilabbruch aus harten Kalksteinbänken, der sich von Schweden bis zum Ladoga-See in Russland zieht und größtenteils unter Wasser liegt.



Aber in einigen Abschnitten an der nördlichen Küste des Finnischen Meerbusens ragt der wie ein Baumkuchen geschichtete Glint weit über die Meeresoberfläche heraus.
Die Felsen bieten einen dramatischen Anblick. Wenn man es so will, ist Kalkstein Estlands Nationalgestein. Das mittelalterliche Reval ist ganz aus diesem grauen Stein gebaut. Lange Sandstrände zum Baden gibt es nur in Pärna an der Rigaer Bucht sowie im Norden bei Narwa.


Das Holz aus den ausgedehnten Wäldern Estlands ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.
Ein Großteil wird zu Papier verarbeitet, die vielen Zellulosefabriken nehmen den Umweltschutz jedoch nicht sehr ernst. Ein Großabnehmer ist das Möbelunternehmen IKEA, das aber in Litauen produzieren lässt.
In den Wäldern lebt die Hälfte des estnischen Vogelbestandes 172 unterschiedliche Arten.
Neben Elchen, Rehen, Nerzen und Bibern leben hier auch Wölfe, Luchse und sogar Braunbären.
Obwohl Estland seine Zugehörigkeit zu Europa stark betont, hat es nicht seine strengeren Jagdvorschriften übernommen. Alle Tiere -werden immer noch geschossen, sogar Bärenfleisch gibt es in teuren Restaurants.
|
Gestriger unregistriert
| Erstellt am 19.05.2009 - 14:13 |  |

Das @-Zeichen zeigt den Weg, es findet sich auf allen Straßenschildern, an Dorfläden und an den „Hot-Spot-Säulen".
Ohne Internet geht in Estland gar nichts mehr. Die Regierung praktiziert seit dem Jahr 2000 das „E-Government", alle Amtsgeschäfte werden komplett online erledigt.
Die Minister legen ihre Gesetzesvorschläge ihren Regierungskollegen nur noch in elektronischer Form vor.
Ein Mausklick genügt, und das Dokument ist in Kraft, versehen mit einer digitalen Unterschrift. Nur zwei Minuten später können es die Bürger im Netz nachlesen.
Der Erfolg beflügelte die Internetstrategen vom Tallinner IT-College. Als erstes Land der Welt führte Estland eine Abstimmung per Internet durch.
Alle Schulen sind vernetzt, jeder Schüler kann seine Stundenpläne und seine Noten elektronisch abrufen.
|
Gestriger unregistriert
| Erstellt am 20.05.2009 - 18:12 |  |
Der estnischen Hauptstadt Tallinn, von den Deutschen früher immer nur Reval genannt, sollte man sich über das Meer nähern, so wie es die Kaufleute über Jahrhunderte taten.
Nur so ist zu sehen, wie geschickt die Stadt auf einer weit in den Finnischen Meerbusen hinausragenden Halbinsel angelegt ist.
Eindrucksvoll zeichnet sich die Silhouette der alten Stadt am Horizont ab. Hoch ragen die schmalen Kirchtürme in den Himmel, es erheben sich mächtige Türme und die uneinnehmbar scheinende Burg auf dem 48 Meter steil über dem Küstenstreifen liegenden grauen Domberg aus Kalkstein.
Der Legende nach ist er ein Grabhügel, den die Mutter des estnischen Riesen Kalevipoeg für ihren verstorbenen Gatten zusammengetragen hat.
Gleich südlich des Hafens liegt die wunderschöne Altstadt, die von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen worden ist. Im gesamten Ostseeraum gibt es keine andere so unversehrte und so vollständig erhaltene Stadtanlage aus der Hansezeit mehr.
Man glaubt man geht im Mittelalter spazieren.
Alles steht noch da - der Dom, die Adelssitze, die Geschütztürme, die 2,7 Kilometer lange Stadtmauer, die Stadttore, die Kirchen, die krummen schmalen Gassen mit den eng zusammenstehenden Spitzgiebelhäusern der Kaufleute, das Kopfsteinpflaster und die Zunft- und Gildehäuser aus dem 13. bis 15. Jahrhundert.
Die Altstadt besteht aus einer hoch auf dem Domberg liegenden Oberstadt und einer östlich daran anschließenden, deutlich tiefer liegenden Unterstadt - zwei unversöhnliche Teile, deren gemeinsame Geschichte voller Konflikte ist.





|
Gestriger unregistriert
| Erstellt am 16.06.2009 - 12:08 |  |
Narwa die drittgrößte Stadt Estlands, 95 Prozent der Einwohner von ihnen sind russischer Herkunft.
Narwa liegt am Westufer des gleichnamigen Stromes. Er verbindet den Finnischen Meerbusen mit dem Peipussee.
Bis 1991 gab es zwischen Narwa und der gegenüberliegenden russischen Stadt Iwangorod keine politische, sondern nur eine Verwaltungsgrenze, die Einwohner beide Städte konnten hin und herpendeln, wie es ihnen beliebte.
Seit dem 21. Dezember 2007 bildet der Fluss die Schengener EU-Außengrenze zu Russland, die miteinander verbandelte russische Bevölkerung ist jetzt voneinander getrennt. Vor der einzigen Brücke, für deren Ausbau mit Zollstation das ebenfalls einzige Kino der Stadt weichen musste, stauen sich jetzt die Lastwagen tagelang.
Von der stolzen und langen Geschichte der Hansestadt Narwa, blieb nichts übrig außer den beiden gewaltigen Festungen diesseits und jenseits der Narwa.

gegenüber von Narwa, schon auf russischer Seite, wacht die Feste Iwangorod über den Grenzfluss, der ebenfalls Narwa heißt.
Die Hermansfeste wurde im 13. Jahrhundert vom Deutschen Orden errichtet, die Burg Iwangorod auf der gegenüberliegenden russischen Seite stammt ras dem 15. Jahrhundert.
Für die Ritter des Deutschen Ordens war Narwa die „östliche Vormauer der abendländischen Christenheit".
Die alte Burg verfügt heute über eine groteske Ergänzung aus der Sowjetzeit, die aus dem Stadtzentrum in den Burghof transportiere wurde.
Lenin weist auf einem Sockel stehend mit großer Geste nach Osten ins einstige Leningrad.

Der größte Wasserfall Estlands, der Jägala, befindet sich unweit der Straße von Tallin nach Narwa.
Narwa geht es schlecht. Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Der Versuch der Stadt, gemeinsam mit Iwangorod den Status als Unesco-Weltkulturerbe zu beantragen, ist gescheitert. Am gegenüberliegenden Ufer zeigte man kein Interesse.
Der Peipussee ist Estland größter See. Mitten durch ihn hindurch verläuft die gemeinsame Grenze mit Russland.
Der Peipussee ist so groß wie ein kleiner Ozean. Er ist achtmal größer als der Bodensee,
Das fischreiche Binnenmeer bietet einen endlosen Horizont und kilometerlange einsame Sandstrände. Wacholderbewachsene Dünen und Wälder, die wie bei Kauksi, Rannapungerja und Mustvee die Strände von hinten einrahmen, runden das Bild ab. Riesige Ferienanlagen aus der Sowjetzeit wie etwa in Uusküla wirken hier wie von einem anderen Stern.

Der Peipussee ist Estland größter See. Mitten durch ihn hindurch verläuft die gemeinsame Grenze mit Russland.
|
Arne

Status: Offline Registriert seit: 16.06.2009 Beiträge: 44 Nachricht senden | Erstellt am 17.06.2009 - 14:58 |  |
Auf dem Eis des Peipussees fand am 5. April 1242 eine der berühmtesten Schlachten des Mittelalters statt. Ein russisches Heer unter dem Nowgoroder Fürsten Alexander Newski besiegte, mit großen Folgen für die Weltgeschichte, die Kreuzritter des Deutschen Ordens. Schwerbewaffnet und in mächtigen Rüstungen steckend waren die Ritter im Morgengrauen gen Osten ge-
ritten, um sich, nachdem Livland und Estland schon unterworfen "waren, auch das Großfürstentum Nowgorod mit seiner alten Handelsstadt Pleskau Untertan zu machen.
Südlich der Insel Rabenstein gelang es aber den Reitertruppen des Fürsten, das Ordensheer von etwa 500 Rittern und ein paar tausend Mann livischen Fußvolks einzukreisen.
Sie stießen die eisernen Ritter mit Lanzen von ihren Pferden und ließen sie dann von ihrem nachrückenden russischen Fußvolk erschlagen.
Viele Ritter sollen auch ertrunken sein, als das Eis stellenweise unter dem Gewicht der gepanzerten Reiter einbrach. Einige versuchten zu Fuß das etwa 10 Kilometer entfernte Ufer des Sees zu erreichen.
Diese Schlacht beendete die Ostexpansion des Deutschen Ordens. Als noch wichtiger erwies sich, dass Newskis Erfolg auf lange Sicht eine der Voraussetzungen für den Wiederaufstieg Russlands nach dem Ende der Mongolenherrschaft schuf und damit die Keimzelle für das Zarentum legte.
Insofern begründete diese Schlacht auch die bis heute gültige russische Einflusssphäre in Europa. Alexander Newski wurde von der Russisch-Or-thdoxen Kirche heilig gesprochen und gilt bis heute als Nationalheiliger des Landes.
Während der Zeit der Russifizierung wurde in fast jeder Stadt der baltischen Ostseeprovinzen eine bedeutungsschwere Alexander-Newski-Kathedrale errichtet, die berühmtesten stehen in Libau, Riga und Reval.
1938 drehte Sergej Eisenstein seinen nach dem Nationalheiligen betitelten Film, die Musik dazu schrieb Sergej Prokofjew.
Der Höhepunkt des Films ist eine 35-minütige Schlachtenszene auf dem Peipussee, bei der Zehntausende von Komparsen in detailgetreuen Kostümen mitwirkten.
Wegen des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes von 1939 wurde der Film aus den Kinos genommen;
er kam aber nach dem Einmarsch der deutschen Truppen 1941 wieder zum Einsatz,um durch die Präsentation des historischen Vorbilds den Kampfwillen des Volkes zu stärken.
|
Arne

Status: Offline Registriert seit: 16.06.2009 Beiträge: 44 Nachricht senden | Erstellt am 10.07.2009 - 19:02 |  |
Tartu - Dornat
Tartu ist eine alte Unversitätsstadt und liegt im Südosten von Estland am Fluss Emajögi, der den Peipusee mit dem Vörtsjärv verbindet.
Der russische Bevölkerungsanteil liegt heute nur noch ca. bei 4%.

Hauptgebäude der Universität von Tartu
Von 1802 bis zur Russifizierung 1893 war die Universität, obwohl sie die einzige in den drei russischen Ostseeprovinzen Estland, Livland und Kurland war und zu den drei wichtigsten Universitäten des Zarenreichs gezählt wurde, ein rein deutsches Unternehmen.
Die Außenwirkung war enorm, sie verfestigte auch für ein knappes Jahrhundert die deutschbaltische Kultur in den Provinzen. Mit ganz wenigen Ausnahmen waren in diesen Jahrzehnten alle Professoren Deutsche.
Unter den Professoren und Absolventen, die später international berühmt wurden, waren der Theologe Adolf von Harnack, die Philosophen Graf Hermann Keyserling und Nicolai Hartmann, der Kunsthistoriker Georg Dehio, die Historiker Johannes Haller und Paul Rohrbach, die Naturforscher Karl Ernst von Baer und Jacob Baron Uexküll, der Polarforscher Baron Eberhard von Toll, der Chemiker Wilhelm Ostwaldt, der 1906 den Nobelpreis erhielt, und die Astronomendynastie Struve.
Als mit der Russifizierung die Axt an das Deutschtum gelegt wurde, nahte auch das Ende der „Alma Mater Dorpatensis".
Das berühmteste Forschungsvorhaben der Universität und vermutlich das ehrgeizigste Genprojekt des 21. Jahrhunderts weltweit versteckt sich in einer früheren Brotfabrik am Rande der Stadt.
Das Ziel ist die Erstellung einer nationalen Gendatei, um herauszufinden, warum manche Menschen krank werden und andere nicht.
Die Molekularbiologen in Tartu wollen nach einem Großscreening der estnischen Bevölkerung die Differenzen mit der Krankengeschichte der Spender vergleichen. So sollen die exakten Sequenzen für individuelle Merkmale festgelegt werden, etwa für Parkinson, Diabetes, Bluthochdruck und für andere Volkskrankheiten. Sind alle Variationen des menschlichen Erbgutes bekannt, so die Vision der Wissenschaftler, dann müsste es auch möglich sein, für jeden Kranken das maßgeschneiderte Medikament zusammenzustellen. Um die nationale Inventur der Genome beginnen zu können, braucht die Genstiftung die Krankheitsdaten und DNA-Proben von 50.000 Esten.

Abendstimmung über dem Pärnufluss

Das Städtische Theater von Tartu
|