Jenni  Admin
       

Status: Offline Registriert seit: 25.07.2008 Beiträge: 3208 Nachricht senden | Erstellt am 20.09.2008 - 18:11 | |
Achtung, dieser Text enthält OVA Spoiler!
Epilog
Mutter werden ist nicht schwer, Mutter sein dagegen sehr!
„Mama?“ hörte ich die tiefe, seidige Stimme meines Sohnes mich rufen. Ich drehte mich um und sah, wie David zur Tür herein kam. Lilian quietschte vor Freude in meinem Arm. Ihr Bruder hatte eine enorme Wirkung auf sie, sofort streckte Lilly ihre Arme nach ihm aus. David nahm sie zu sich und sie schmiegte ihre Wange an seinen Oberkörper.
„Was gibt’s?“ wollte ich wissen.
„Michael hat mir gerade von einer Party bei Freunden von ihm erzählt und ich wollte fragen, ob ich mit ihm dort hin gehen könnte?“ Hoffnung war in seine unglaublich hellblauen Augen geschrieben. Sie wirkten ruhig, also war sein Bluthaushalt ausgeglichen. Der Vampir hatte die Kontrolle über seinen kranken, menschlichen Teil. Keine Spur von Wahnsinn, nur die unglaubliche Magie, die aus seinem weißen Gesicht hervorstach. Es war beinahe, als würden seine Augen schimmern. Für seine 16 Jahre sah er schon unglaublich Erwachsen aus. Sein Vater hatte in dem Alter noch Babyspeck gehabt, aber David wirkte wie ein Mann Mitte Zwanzig. „Und?“ drängelte er flehend. Die Ungeduld hatte er eindeutig von mir, wie so vieles Andere auch.
„Wann hast du das letzte Mal getrunken?“ wollte ich wissen und strich ihm durch die pechschwarzen Haare.
„Heute morgen.“
„Wieviel?“
„Hmh.“ grübelte mein Sohn. „Bestimmt 1,5 Liter.“ Ich seufzte. Am liebsten hätte ich ihm ein Bändchen, auf dem sein Name und unsere Adresse standen, um den Hals gehangen. Nicht, das auch nur ein Mensch da draußen nicht wusste, wer er war. Ich nahm seine freie, kühle Hand in meine und betrachtete das Lederarmband, dass er von seiner Tante bekommen hatte.
„Und Michael bleibt bei dir?“ David lächelte, er wusste, dass er mich hatte.
„Natürlich.“ schwor er und nahm mir die Hand ab um sie hoch zu heben. „Er weicht mir nicht von der Seite, versprochen.“
„Was sagt dein Vater?“
„Ich habe ihn noch nicht gefragt, ich wollte zuerst zu dir.“ Schlingel! Er wusste genau, dass Elias nicht nein sagen würde, wenn er bereits meine Zustimmung hatte. „Außerdem ist er im Gespräch.“
„Ok, wenn dein Vater einverstanden ist und du mir versprichst vor der Party noch ein bisschen Blut zu trinken UND immer bei Michael bleibst, dann kannst du von mir aus gehen.“ Irgendwann musste ich schließlich aufhören an ihm zu klammern.
„Super.“ Ich bekam einen flüchtigen Kuss auf die Wange gedrückt. „Danke, Mama. Du bist die Beste.“
„Ein Lügner.“ seufzte ich. „Wie sein Vater.“
„Na das habe ich aber jetzt nicht gehört.“ klang es amüsiert von der Tür herüber.
„Liebling!“ rief ich erfreut aus. Mein Herz machte einen Salto, als ich seine fliederfarbenen Augen sah.
„Gibt es ein Familientreffen, von dem ich ausgeschlossen bin?“ fragte er mit hochgezogenen Augenbrauen. Lilian steckte einen Daumen in den Mund und schloss die Augen. Wenn David im Raum war, waren Elias und ich abgeschrieben. Das hatte sie eindeutig aus den Groza Genen! *Hust* Anastasija *Hust*. Hoffentlich würde sie auch dieses Beschützersyndrom, wie ihre Tante, entwickeln. Ich würde nachts ruhiger schlafen können, wenn ich wüsste, dass Lilly über ihn wacht. Unser Mädchen hatte nämlich etwas von ihrem Vater geerbt, was David nicht bekommen hatte. Telepathie. Jedenfalls vermutete ich das, denn immer wenn ich daran dachte, dass ich sie füttern müsste, riss sie bereits ihren Mund auf. Davids weiße Hand streichelte über den blonden Schopf seiner Schwester.
„Nein, dein Sohn will auf eine Feier gehen.“ erklärte ich.
„Party, Mama.“ verbesserte er mich mit den Augen rollend. Ich sah unglücklich meinen Mann an.
„Ich werde alt.“ jammerte ich.
„Ja.“ gluckste Elias. „Wenn ich so alt wäre wie du, dann würde ich mich echt schämen.“
„HM!“ Ich stemmte meine Arme in die Hüfte.
„Abkürzungen sind auch so was von out, Mama.“ Böse funkelte ich meinen Sohn an, doch der konnte das mindestens genau so gut wie ich. Wir machten das etwa eine Minute, unter den wachsamen Augen von Elias.
„Seid ihr jetzt fertig? Ich wollte noch etwas erledigen, bevor ich mich mit der FAZ treffe.“
„Ja.“ sagten David und ich synchron und lachten.
„Ich bringe, glaube ich mal, Lilly ins Bett.“ fügte mein Sohn noch hinzu. Ich nickte ihm zu und sah ihm nach. Als er im Kinderzimmer seiner Schwester verschwunden war, widmete ich mich Elias.
„Hallo schöner Mann.“ begrüßte ich ihn und seine Augen funkelten wie Amethysten auf. Ich lehnte mich gegen ihn und spielte mit seinem Hemdkragen.
„Ich muss brav gewesen sein.“
„Hmh.“ brummte ich. „Was wolltest du denn erledigen?“ Seine kühlen Hände umfassten meinen Hintern und drückten mich näher an ihn heran.
„Ich wollte mal sehen, was meine Frau so tut und ob sie schon genug von der Babypause hat.“
„So langsam schon.“ gab ich ehrlich zu. „Aber jetzt mal ernsthaft, das wolltest du doch nicht tun, oder?“
„Naja auch.“
„Und was noch?“ Ich biss mir auf die Unterlippe. Seine kühlen Lippen fanden meinen Hals und küssten die Stelle unter meinem Ohr, an der er mich immer biss. „Aha, da hat einer Hunger.“ stellte ich fest.
„Ja, auf dich.“ raunte er mir ins Ohr. „Jede Faser meines Körpers sehnt sich danach dir nah zu sein. Ich konnte den Gesprächen gar nicht mehr folgen. Es wurde sogar so schlimm, dass ich geglaubt habe, dich zu riechen.“
„Küss mich!“ forderte ich ihn auf. Seine Nasenspitze berührte meine, stupste gegen sie. Seine Augen waren geschlossen, sein Mund leicht geöffnet und stieß mir seinen wunderbar duftenden Atem entgegen. Ich hielt das nicht mehr aus, packte ihn am Nacken und presste hungrig seine Lippen auf meine. Ich bekam gar nicht mit, dass David zurück ins Zimmer gekommen war.
„ICH BIN BLIND!“ schrie er und Elias und ich sahen auf. „Oh Gott,… ich bin blind.“ scherzte er und hielt sich einen Arm vor die Augen. Wie ein Betrunkener torkelte er durch das Zimmer und rannte dann mit voller Absicht gegen eine Wand. Er ließ sich zurück fallen und blieb, alle Viere von sich gestreckt, dort liegen.
„DAS…“ meinte Elias ganz nüchtern und sah mich an. „… hat er von dir!“
„Ich befürchte du hast Recht.“
„Scheiße, man!“ fluchte David und stand wieder auf. „Das kostet mindestens ein Jahr Therapie. Bäh!“ Er schüttelte sich wie ein Hund, den man mit Wasser begossen hatte. „Das könnt ihr doch nicht einfach hier so machen.“ Elias lachte und hob die Augenbrauen.
„Ach ja? Du vergisst, dass wir hier Zuhause sind.“
„Genau! Hör auf deinen Vater.“ stimmte ich zu und errötete.
„Denkst du deine Schwester hat der Storch gebracht?“
„Wenn du mir jetzt noch sagst, dass das Christkind und der Osterhase nicht existieren, dann hänge ich mich auf!“ drohte unser Sohn spielerisch. Elias ging auf ihn zu und legte einen Arm um ihn. Ängstlich sah David ihn an.
„Sohn, weißt du… wenn ein Mann und eine Frau sich lieben, dann…“
„AAAAHHHHHHHHHHHHHH!“ schrie mein Sohn und hielt sich die Ohren zu. „Jetzt bin ich auch noch taub!“ Elias und ich lachten.
„Du hast unseren Sohn kaputt gemacht.“ schimpfte ich meinen Mann.
„Echt mal!“ stimmte mir dieser zu.
„Liebling! Ein Wunder! Er hört wieder.“ freute sich Elias.
„Halleluja.“ rief ich aus und drehte mich einmal um die eigene Achse.
„Bohr ey, das geht hier mal gar nicht.“ grummelte David. „Ich bin draußen mit Melissa Paintball spielen, falls ihr mich sucht.“
„Viel Spaß.“ wünschte ich ihm und sah zu, wie Elias ihm durch die Haare wuschelte. Er war kaum zu Tür heraus, da spürte ich nur einen Windzug und lag einen Herzschlag später auf dem Bett. „Wow.“ staunte ich. Mein Vampir lag auf mir und schaltete mit einer Fernbedienung die Stereoanlage an. Die ersten, sanften Töne von ‚Colorblind’ von den Counting Crows erklangen. Elias kühle Lippen verschlossen meinen Mund und ließen mich abtauchen, heraus aus dem Alltag. Hier, in seinem Kuss, in seiner Umarmung, gab es keine Ängste, Sorgen, Schmerzen. Keine Verantwortung, keine Pflichten. Hier war ich wieder das 16jährige Mädchen, das mit Schmetterlingen im Bauch seine erste, große Liebe küsste. Und das würde ich bis ans Ende aller Tage bleiben.
Dies ist die erste Version und wird, mit Sicherheit, noch leicht verändert werden, wenn ich mit OVA fertig bin!
[Dieser Beitrag wurde am 20.09.2008 - 20:40 von Jenni aktualisiert]
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