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Raven44 
       

Status: Offline Registriert seit: 24.04.2004 Beiträge: 349 Nachricht senden | Erstellt am 13.11.2005 - 13:30 |  |
Dieses Thema mag für den Rechtgläubigen eine unakzeptable Provokation sein, sie beinhaltet aber die Frage nach Ethik und Philosophie. Anhand der großen Weltreligionen möchte ich verschiedene Sichtweisen aufzeigen und die Möglichkeit schaffen für neue Blickwinkel. Es wird an jedem Betrachter liegen welche Rückschlüsse er selbst aus dem Thread ziehen wird.
1. HINDUISMUS
Der Hinduismus entstand im 1. Jahrtausend v. Chr. und ist eine historisch gewachsene Religion. Es existiert keine einheitliche Lehre, sondern eine Sammlung von religiösen und ethischen Anschauungen. Somit kennt der Hinduismus auch keine kirchenähnlichen Organisationsstrukturen. Entsprechend vielfältig ist die religiöse Praxis: Es gibt die Verehrung des göttlichen Einen, genannt Brahma, ebenso wie die Verehrung anderer Götter, deren Zahl unüberschaubar ist. Kern der Lehre ist der Glaube, dass alles Bestehende, so auch der Mensch, in einem Kreislauf von Entstehen und Vergehen eingebunden sei. Die Reinkarnationen sind Teil dieses absoluten Prinzips, in dem jede Tat (Karma) bedeutsam ist und Folgen zeigt. Hinter allem steht eine ursprüngliche und ewige Ordnung (Dharma), die um der göttlichen Harmonie willen nicht gestört werden darf. Die stark traditionalistische Gesellschaftsordnung, in der die jeweilige Zugehörigkeit zu einer Kaste bestimmend ist, hat hier ihre Grundlage.
2. BUDDHISMUS
Der Buddhismus ist eine von Buddha gegründete Erlösungsreligion, deren Grundgedanken in der ersten Lehrrede Buddhas (Predigt von Benares) festgehalten sind. Im Zentrum der Lehre steht der Gedanke vom Karma, dem Weiterwirken der Taten in verschiedenen Reinkarnationen. Eng damit verbunden ist die Meditation, denn nur durch sie kann sich der Mensch aus dem Kreislauf der Weiterverkörperungen befreien und das Heilsziel, das Erreichen des Nirvana, erlangen. Das Nirvana stellt einen Zustand dar, in dem der Mensch vollkommen losgelöst von der irdischen Welt ist.
3. ISLAM
Der Islam ist eine von Mohammed in Mekka gestiftete Religion. Er ist monotheistisch und ist geprägt von unbedingter Ergebung (Fatalismus, Kismet) in den Willen Allahs, der der einzige Gott, Schöpfer aller Dinge und Herrscher über die Welt ist. Der Islam ist eine Gesetzesreligion, trägt aber auch politische Züge.
4. JUDENTUM
Das Judentum ist eine monotheistische Religion, bei der Gott als Schöpfer des Himmels und der Erde im Zentrum steht. Seine Offenbarung ist in den 5 Büchern Mose (Thora) festgehalten. Die daraus resultierende jüdische Glaubenspraxis wurzelt jedoch nicht in festgeschriebenen Dogmen, sondern in einem individuell oft sehr unterschiedlichen religiösen Tun auf den Grundlagen der Thora und des Talmud. Jüdische Glaubensgemeinschaft stiften daher v. a. gemeinsame kultische Rituale und religiöse Feste.
5. CHRISTENTUM
In der Welt des Spätjudentums entstand der christliche Glauben, der sich auf Jesus von Nazareth als ihren Stifter und Erlöser (Christus) beruft. Gott herrscht im Christentum als Dreieinigkeit: Gott wird Mensch durch Jesus und durchdringt als Heiliger Geist die Kirche.
Dieser dreieinige Gott ist Anfang und Ziel des Glaubens. Vermittler zwischen Gott und Mensch sind die religiösen Amtsträger (Priester, Pfarrer), die die Aufgaben der Glaubensverkündung, Leitung und Verwaltung der Kirchen übernehmen. Im Laufe der Jahrhunderte bildete sich durch unterschiedliche Glaubensinhalte und -praxis die Trennung zwischen Ost- und Westkirche heraus; seither bestehen nebeneinander die orthodoxen Kirchen sowie die katholische und die protestantische Kirche.
6. TOTEKULT und JENSEITSGLAUBE in der Mythologie der Aborigines
Die australische Mythologie kennt keine Götter und damit auch keine Götterhierarchien. Charakteristisch für die Mythologie der Aborigines ist vielmehr die Tatsache, dass in jedem Lebewesen, in jeder Pflanze, in jedem Teil des Universums ein göttlicher Funke wohnt, wodurch alle Elemente einander gleichgestellt sind. Der Gott der Aborigines ist - wenn man so will - das Land. Dadurch entstand ein sehr lebendiges Netz von Mythen, in denen die Schöpfung und ihre Schöpferahnen geehrt werden. Eine zentrale Stellung nimmt dabei die Regenbogenschlange ein.
In den Mythen der Aborigines wird die Sterblichkeit des Menschen als Folge groben Fehlverhaltens verstanden. Die heroischen Ahnen der Schöpfungsperiode sollen noch im Besitz des ewigen Lebens gewesen sein. Doch durch Bosheit, Dummheit und Gier verloren die Menschen das Geschenk der Unsterblichkeit, das seither nur noch der Mond besitzt, der jeden Monat zu- und wieder abnimmt, und die Krabbe, die ihre alte Schale abwirft, damit eine neue entstehen kann.
7. ANTHROPOLOGIE
Die philosophische Anthropologie untersucht Natur und Wesen des Menschen im Hinblick auf die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt und den Sinn und das Ziel seines Daseins. Sie geht in ihrer Fragestellung über bloß empirisch-physiologische Datenerhebungen hinaus und sucht nach den Spezifika menschlicher Existenz inmitten des Weltganzen. Aus der romantisch-lebensphilosophischen Tradition (J. G. Herder, W. Dilthey) erwachsen, entwickelte sie sich in den 1930er Jahren zur eigenständigen philosophischen Disziplin. Unter Zuhilfenahme von Erkenntnissen aus der modernen Allgemein- und Humanbiologie versucht sie, eine neue Konzeption des Menschen zu entwickeln. Als Begründer gilt M. Scheler ("Die Stellung des Menschen im Kosmos" 1928). Zentrale Autoren sind ferner H. Plessner ("Die Stufen des Organischen und der Mensch" 1928) und A. Gehlen ("Der Mensch, seine Natur und seine Stellung im Weltall" 1940). Während Scheler die Weltoffenheit des Menschen betont und seine Fähigkeit, zu seiner Umwelt und zu sich selbst in eine reflektierende Distanz zu treten, definiert Gehlen den Menschen als Mängelwesen, das seine biologischen Defizite mithilfe kultureller Leistungen (Sprache, Technik, Institutionen) kompensiert.
In der Betrachtung dieser menschlichen Bewußtseinsströmungen erscheint uns der alleinige Rückschluss auf Gott als mangelhafte Auslegung unseres Weltbildes. Entweder wir haben Recht und alle anderen Lügen oder alle haben Recht und keiner kennt die Wahrheit?
.... oder entstand Gott durch den Menschen und nicht der Mensch durch Gott?
Gruß Raven44
[Dieser Beitrag wurde am 13.11.2005 - 13:36 von Raven44 aktualisiert]
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Totenvogel  Superuser
      

Status: Offline Registriert seit: 20.10.2004 Beiträge: 709 Nachricht senden | Erstellt am 19.11.2005 - 07:32 |  |
Hmm...
Wenn ich mir die Religionen so im Einzelnen betrachte, so ist ihnen gleich das nach dem Tod nicht das Leben verlischt und das ein göttliches Wesen oder göttliche Ordnung die menschlichen Geschicke lenkt. Die Aborigines lassen wir mal außen vor, auf ihrem jahrhunderte lang isolierten Kontinent. Meine Betrachtung beginnt, meinem schwachen Schulwissen folgend, in der Steinzeit, wo zum ersten Mal, ein Glaube nachgewiesen wurde, der „Jagdzauber“. Der sich durch alle Stufen der menschlichen Entwicklung zieht über Ägypten, Rom, Griechenland, die Kelten bis hin zu den heutigen Religionen, ein Weg über blutige Kriege und Überholung. Aber betrachtet man die Religionen wieder näher, spiegeln sich in ihnen doch Land, Klima und die vorherrschende Herrschaftsform wieder. Was mich zu dem Schluss bringt, dass nicht verstandene und nicht akzeptierte Umwelt,- und Gesellschaftseinflüsse in eine Religion eingebunden wurden. Zum Beispiel ist es doch leichter ein Volk zu lenken, wenn ich ihm erzähle dass das Leben nur eine Zwischenstation ist und sie sich bewehren müssen. Sozusagen: Arbeite fleißig, diene deinem Herrn und nach deinem Tode erwartet dich das Paradies. Dann ist da noch das Leben an sich, wie oft stehen wir vor Schicksalsschlägen, allein, denn wir können zwar darüber reden, aber verarbeiten müssen wir sie doch letzten Endes, für uns allein. Die Betonung liegt auf allein, wenn man aber in die Religion schaut, so ist da in diesem Moment ein Gott, dem man sich öffnen kann. Das Schicksal ist blind und das wird sehr gerne verdrängt. Aber eines ist allen Religionen gleich, sie verändern sich mit der Zeit, gehen unter oder es entstehen neue, der Zeit angepasste Religionen. Die Menschen, die wirklich Gläubigen, fühlen sich in ihren Religionen geborgen, behütet, sie müssen nicht alles selbst entscheiden, sie sind nicht allein und müssen nicht allem nachgehen und erklären. Ein Wechselspiel aus Bewusstsein und Unterbewusstsein, Menschen halt, Verdrängung und den einfacheren Weg wählen. Das Thema wäre etwas für eine Doktorarbeit, da so vieles da mit reinspielt, Psychologie, Mentalität, Formen, Strukturen, Entwicklung, Umwelt und was weiß ich noch.
…das ist auch nur ein kleiner Abriss meiner Sichtweise, nicht vollständig, aber es wäre zuviel geworden, jeden Gedankenfaden aufzuschreiben.
Erstmal Euer Totenvogel
Signatur Alleine geboren, allein gestorben, dazwischen diverse Berührungsversuche. © Margot S. Baumann (*1964), Schweizer Lyrikerin und Aphoristikerin
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Raven44 
       

Status: Offline Registriert seit: 24.04.2004 Beiträge: 349 Nachricht senden | Erstellt am 21.11.2005 - 14:31 |  |
Betrachten wir uns Nitzsche im Werden seiner philosophischen Anschauung und seiner charakteristischen Betrachtung des Glaubens. "Gott ist tot" einer seiner berühmtesten Aussprüche, provokativ und konträr in Bezug der theologischen Überzeugung.
Nietzsches Philosophie lässt sich in drei Phasen einteilen. In der ersten Phase steht Nietzsche völlig unter dem Einfluss von A. Schopenhauer und R. Wagner. In "Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik" (1872) bricht Nietzsche mit allen traditionellen altphilologischen Vorstellungen und vertritt eine von seinem Lehrer Ritschl und von U. von Wilamowitz-Moellendorff abgelehnte antiklassische, tragisch-pessimistische Auffassung des Griechentums. Er sieht die attische Tragödie und das Musikdrama Wagners als die Vereinigung der beiden Kunsttriebe der Natur, des Apollinischen und Dionysischen. Während das Apollinische in der Analogie des Traumes als der schöne Schein, das Vollkommene und Maßvolle näher gebracht werden kann, deutet Nietzsche das Dionysische in der Analogie des Rausches als das Hinausgehen über das Individuelle und Eingehen in eine mystische Einheitsempfindung. Der sokratische Geist führte in seinem Bestreben, das Dasein begreiflich und am Leitfaden der Kausalität erkennbar zu machen, zur allmählichen Vernichtung der griechischen Tragödie. In seinen vier "Unzeitgemäßen Betrachtungen" (1873-76, 4 Bände) stellt sich Nietzsche kritisch gegen seine Zeit und seine Zeitgenossen, um auf diese Einfluss zu nehmen und zugunsten einer kommenden Zeit zu wirken. Die erste Unzeitgemäße Betrachtung mit dem Titel "David Strauß, der Bekenner und der Schriftsteller" dient der kritisch-polemischen Auseinandersetzung mit dem schwärmerisch-optimistischen Bekenntnisbuch von D. F. Strauß über "Das Leben Jesu für das deutsche Volk". In der zweiten Unzeitgemäßen Betrachtung, "Vom Nutzen und Nachtheil der Historie für das Leben" (1874), zeigt Nietzsche die Zweideutigkeit der historischen Wissenschaften auf, die gerade im 19. Jahrhundert zu besonderer Blüte gelangt war. Die dritte und vierte Unzeitgemäße Betrachtung, "Schopenhauer als Erzieher" (1874) und "Richard Wagner in Bayreuth" (1876), zeigen Nietzsche als deren Anhänger und Verehrer. Er übernimmt von Schopenhauer den Willen als das übersinnliche Prinzip der Welt, allerdings tritt er nicht mit dem Ziel der Erlösung für eine Verneinung des Willens zum Leben ein.
In der zweiten Phase befreit sich Nietzsche von seinen Vorbildern und wird zu einem scharfen Kritiker und freien Geist, der sich in der Nähe zum Positivismus bewegt. Die Schrift "Menschliches, Allzumenschliches" (1878, Band 1) zeigt den Bruch an, der zwischen ihm und Wagner stattgefunden hatte und der später zur Forderung nach einer radikal antiromantischen Haltung führte ("Der Fall Wagner", 1888). Nietzsche versucht in der neuen Periode die menschlichen Wertungsweisen und Schätzungen zu entlarven. Die "freien Geister" gleiten nach Nietzsche nicht in den Idealismus ab, sondern sie betreiben "umgekehrte Wertschätzungen", zeigen Selbsttäuschungen auf, enthüllen Illusionen und relativieren Vorurteile ("Vermischte Meinungen und Sprüche", 1879; "Der Wanderer und sein Schatten", 1880. In Nietzsches Buch, "Menschliches, Allzumenschliches", erweist er sich, als Wortführer des Nihilismus, das heißt, er sieht in der gesamten Geschichte der abendländischen Philosophie das Geschehen der Entwertung der höchsten Werte wirksam. Als oberste Werte haben seit Platon die übersinnlichen Ideen, das Göttliche, gegolten. Diese ursprünglich unabhängig vom Menschen gedachten Werte verlieren ihre Gültigkeit. Den Prozess des Nihilismus bringt er auf die Formel: "Gott ist tot!".
Betrachten wir uns Nitzsche in Abhandlung seiner Veröffentlichungen: "Also sprach Zarathustra", das er "ein Buch für Alle und Keinen" nennt, näher, erscheint uns seine Sichtweise zu unrecht in einem atheistischen Blickwinkel, obwohl er selbst es für "das tiefste Buch, das die Menschheit besitzt" hält. Es besteht aus vier Teilen: Der erste Teil erschien zusammen mit "Zarathustras Vorrede" Ende April 1883, der zweite folgte im Herbst 1883, der dritte 1884 und der vierte 1885 als Privatdruck. In diesem "jasagenden Teil" seiner Philosophie verweist Nietzsche in der Überwindung Gottes und des Menschen auf den Übermenschen und spricht in den Lehren vom "Willen zur Macht", der "ewigen Wiederkehr des Gleichen", der "Umwertung aller Werte" und der Behauptung "Gott ist tot!" seine philosophische Überzeugungen aus. Die "neinsagende, neinthuende Hälfte" seiner Philosophie, die Umwertung aller bisherigen höchsten Werte, beginnt mit "Jenseits von Gut und Böse. Vorspiel einer Philosophie der Zukunft" (1886). Nietzsche versucht hier den Blick, der auf den moralisch-metaphysischen Gegensätzen, dem Ort des "Gut und Böse" haftet, auf etwas Zukünftiges, den Ort "Jenseits von Gut und Böse" zu lenken. Es geht ihm in seinem Immoralismus um die Überwindung des Menschen, der bisher entweder im Jenseits oder im Diesseits sein Ziel sah und dadurch im so genannten "Übermenschlichen" und "Menschlich/Allzumenschlichen" stecken blieb. In engem Zusammenhang mit diesem Buch steht die ein Jahr später erschienene Streitschrift "Zur Genealogie der Moral" (1887). Nietzsche betreibt in ihr eine radikale Demontage der Moral, indem er ihre Entstehung entlarvt, das heißt die Bedingungen und Bedingungsverhältnisse aufdeckt, aus denen sich die Moral herausgebildet hat. Er legt dar, dass die christliche Moral im "Sklavenaufstand in der Moral" aus dem Ressentiment der Schwachen hervorgegangen sei. Seine grundsätzliche "In-Frage-Stellung" der Moral führt ihn zur Frage nach dem Wert, den die Werturteile haben.
Aus dem empfinden Nietzsches zur Theologie können wir uns einen Blickwinkel mit der Entstehung der Religionen zum Verständnis des betehenden Weltbildes ableiten. Gott ist viel mehr als nur ein Erklährungsversuch der Menschen, Gott ist Menschwerdung in den Vorstellungen unserem Seins.
Viele liebe Grüße
Raven44
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Totenvogel  Superuser
      

Status: Offline Registriert seit: 20.10.2004 Beiträge: 709 Nachricht senden | Erstellt am 27.11.2005 - 07:19 |  |
Gedanken zu deinem Aufsatz
Nitzsche, ein Mensch der über vielerlei Denkprozesse zu einem Ergebnis kommt. Er stellt seine ihn umgebende Gesellschaftsstruktur in Frage, bricht quasi mit seinem Umfeld. Warum macht er das? Denn es wäre doch auch 1880 bequemer mit dem Strom zu schwimmen, sozusagen: sich in die Masse einzuordnen oder ein ehrenwertes Mitglied der Gesellschaft zu sein. Was treibt ihn zum Hinterfragen? Was treibt dich dazu ihn zu lesen und ihn zu hinterfragen? Du könntes doch ein bequemes und doch erfülltes Leben führen in dem du ein Haus baust, ein Kind zeugst und einen Baum pflanzt? Warum hinterfragt nicht jeder, sondern nur Einzelne? Lesen können die meisten und das Wissen der Welt steht in Büchern geschrieben und doch bewegt sich der größte Teil der Menschheit in den ihnen zugewiesenen Schranken. Wäre es überhaupt gut, wenn jeder alles hinterfragt, oder würden wir im Chaos versinken? Oder ist das eine gesellschaftliche Selbstschutzfunktion, wenn ja woher kommt sie? Hinter jeder Frage stecken neue Fragen und ist der Geist frei, so sind alle Richtungen möglich.
Also wo beginnen, beim Werk oder beim Weg?
Lieben Gruß der Totenvogel
Signatur Alleine geboren, allein gestorben, dazwischen diverse Berührungsversuche. © Margot S. Baumann (*1964), Schweizer Lyrikerin und Aphoristikerin
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Raven44 
       

Status: Offline Registriert seit: 24.04.2004 Beiträge: 349 Nachricht senden | Erstellt am 04.12.2005 - 17:11 |  |
Totenvogel schrieb
Du könntes doch ein bequemes und doch erfülltes Leben führen in dem du ein Haus baust, ein Kind zeugst und einen Baum pflanzt? |
.... das habe ich bereits ... ein erfülltes Leben bedeutet Zufriedenheit in Melankolie mit sich selbst.
Anhand von Nitzsche wollte ich einen intellektuellen Menschen im Wandel der Zeit aufzeigen, der nicht im Dogma seiner eigenen Anschauung verharrt, sondern sich neuen Aspekten und Erkenntnissen öffnet, auch wenn sie zu unbequemen Reaktionen seiner Mitmenschen führen.
"Gott ist tot" - Der Griff über die Sterne hinaus zum Unvorstellbarem scheint dem modernen Übermenschen gelungen. Seine Vorstellungen greifen über die Mythen seiner Vorfahren hinaus und versuchen in der Philosophie Definitionsversuche im Übersinnlichen zu finden. Der Mensch als Interpret seiner Welt, zu verstehen unter der Premisse: "Gott ist der Mythos in der Erklährung seiner Umgebung".
Totenvogel schrieb
Lesen können die meisten und das Wissen der Welt steht in Büchern geschrieben und doch bewegt sich der größte Teil der Menschheit in den ihnen zugewiesenen Schranken. Wäre es überhaupt gut, wenn jeder alles hinterfragt, oder würden wir im Chaos versinken? Oder ist das eine gesellschaftliche Selbstschutzfunktion, wenn ja woher kommt sie? |
Zweifelsohne gibt es mehr Analphabeten als wir und vorstellen können - auch bei uns in der 1. Welt.
Für viele Menschen gibt es nur eine Sichtweise, nämlich die Eigene. Für sie ist es unvorstellbar andere Gesichtspunkte zu realisieren bzw zu akzeptieren. Wenn ein Gedanke gefasst und für gut befunden wird, erscheint eine analoge Annahme von Alternativen als nicht rationell und damit außerhalb seiner Vorstellungskraft. Es ist bequemer einer Abhandlung von Vorstellungen zu glauben, als in ständiger Beweisführung neuer Standpunkte zu argumentieren.
Wir Menschen sind durch die Evolution in unserem Verhalten geprägt und in verschiedenen Kategorien gegliedert. Es kann nicht nur Führer oder nur Geführte geben. In sich ergäbe sich ein Anachronismus, in dem die Vordenker in einem ewigen Streit mit sich selbst beschäftigt wären ohne sich entscheidend durchsetzen zu können. Antiproportional zeigt uns eine Herde ohne Führer Kopf- und Führungslosigkeit auf, den Lemmingen ähnlich, die einem Abgrund entgegen streben ohne die Gefahr zu erkennen.
Viele liebe Grüße
Raven44
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Arminius  Moderator
     

Status: Offline Registriert seit: 19.03.2005 Beiträge: 289 Nachricht senden | Erstellt am 23.10.2006 - 21:14 |  |
Götter sind ein Hirngespinnst der menschlichen Fantasie, nichts weiter. Erst heute, als meine Mutter starb, ist mir diese Erkenntnis erneut bewiesen worden.
Glaube ist genauso eine Droge wie Alkohol, bzw. eine Ersatzbefriedigung, wie das Beispiel George W. Bush zeigt. Für mich sind alle Gläubigen am Leben Gescheiterte. Sorry, wenn ich jetzt jemandem auf die Füße getreten bin, aber das ist meine Überzeugung. Bislang war ich Agnostiker, seit heute bin ich Atheist.
Signatur Gedanken sind wie Schnee. Frierst du sie nicht ein, dann tauen sie davon. |
wallinschen Neuling

Status: Offline Registriert seit: 13.09.2006 Beiträge: 7 Nachricht senden | Erstellt am 24.10.2006 - 13:54 |  |
Lieber Arminius,
es tut mir sehr leid, dass Du Deine Mutter für immer verloren hast! Deinen tiefen Schmerz und die Wut über diesen tragischen Verlust kann ich sehr gut nachempfinden. Ich selbst verlor meine Mama viel zu früh durch Freitod!
Es ist verständlich das Du im Moment verbittert bist und Vieles oder vielleicht sogar Alles in Frage stellst. Ich möchte Dir gerne Mut machen, obwohl ich weiß, dass im Moment eine Art Machtlosigkeit herrscht und Worte nur schwer Gehör finden können, bei den tausend Stimmen in Dir die immerfort nach dem "Warum" fragen.
Verliere niemals den Glauben an Dich, dann ist Deine Mutter auch nicht verloren! Ihre Seele und Ihre Liebe bestehen weiter in Deinem Herzen, hier wirst Du sie immer finden und spüren können!
Ich wünsche Dir viel Kraft in dieser schweren Zeit. Du wirst an Stärke gewinnen!
tief betroffene Grüsse
wallinschen
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Arminius  Moderator
     

Status: Offline Registriert seit: 19.03.2005 Beiträge: 289 Nachricht senden | Erstellt am 24.10.2006 - 21:06 |  |
Ich danke dir für deine Worte. Ich denke vielleicht war es sogar besser so, denn sie war 76 und hatte vor ca. 2 Monaten einen Schlaganfall und war seitdem ein Pflegefall. Sicherlich war sie geistig noch fit, aber ihr Lebenswille war erschöpft.
Was meine Äußerungen über Götter betrifft, so klingen meine Worte vielleicht etwas hart, aber sie entsprechen meiner schon lange in mir gärenden Neigung zum Atheismus. Bislang war ich Agnostiker, also jemand der unentschieden war, weil ihm der Beweis für göttliche Existenz, bzw. Nichtexistenz fehlte.
Unter Anthropologischer Sicht jedoch gelangte ich immer mehr zu der Meinung, dass es keine Götter gibt, egal welchen Namens auch immer.
Der gestrige Tag war der Tag, an dem ich das letzte noch vorhandene Fädchen zerschnitten habe.
[Dieser Beitrag wurde am 01.11.2006 - 20:47 von Arminius aktualisiert]
Signatur Gedanken sind wie Schnee. Frierst du sie nicht ein, dann tauen sie davon. |
Flame  Superuser
      

Status: Offline Registriert seit: 26.04.2004 Beiträge: 1089 Nachricht senden | Erstellt am 30.10.2006 - 13:25 |  |
Lieber Arminius,
Flame schrieb

Ich habe deinen Beitrag erst jetzt gelesen.
Schwierig zu so einer Situation die passenden Worte zu finden.
Dennoch, den Verlust eines geliebten Menschen zu verkraften ist sehr schwierig.
Doch eines Tages kann man sich wieder an die schönen Momente erinnern, ohne dass es einem das Herz zerreißt.
Ich wünsche dir alles Gute und die nötige Kraft die du brauchst. Ich kann dich sehr gut verstehen und ein Gedanke, für dich von mir, wird dir sicher sein, über lange Zeit.
Liebe Grüße,
Flame
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Signatur Die Liebe ist stumm, nur Poesie kann für sie sprechen. Novalis |
Sleeper  Autor
   

Status: Offline Registriert seit: 30.09.2004 Beiträge: 511 Nachricht senden | Erstellt am 07.11.2006 - 22:48 |  |
Raven, Raven...
Wann immer ich Beiträge von Dir lese muss ich lächelnd an die Worte eines Profs meiner besten Freundin denken: "Sag mir nicht, was wann irgendwer einmal gesagt hat - sag mir, was Du weißt..." Natürlich - versuche erst gar nicht diesen Satz zu zerpflücken - es erspart uns viel Arbeit *grinst*...
"... ein erfülltes Leben bedeutet Zufriedenheit in Melankolie mit sich selbst." Ist meines Erachtens die einzig wirklich wertvolle Aussage, die Du hier getroffen hast, aber die ist es wirklich... denn wer versteht, erkennt ihre Wahrheit...
"Gott ist Tod." sagte Nietzsche, doch leider - so wie bei Dir - wird diese Aussage stets aus dem Kontext gerissen und wie ein Stempel auf Nietzsches Stirn gedrückt - denn Nietzsche schrieb diese Worte in einem seiner Texte - sie haben allerdings eher eine analytische Absicht keine Aussageform Nietzsches - Er war Literat, einer der Besten und sicherlich ein Philosoph - aber keiner im Sinne der Wissenschaft... soviel dazu.
Um Deine Frage zu beantworten:
Kein Mensch der Kants Aufklärungsdefinition ad extremum lebt und sich als Vernunftsmensch schimpft, kann ernsthaft meinen, dass Gott den Menschen erschaffen hat - nicht als dieses personifizierte Wesen, wie es aus den Religionen erwachsen ist, gleich welcher Form... sicherlich könnte ich jetzt stundenlang über Entstehung und Auswirkung von Religion referieren, aber diesen Beitrag würde sicherlich aus Zeitgründen niemand zu Ende lesen. Aber man muss kein Überflieger sein, sondern sich lediglich mal ernste Gedanken machen, warum der Islam eine so fanatische Richtung ist und das Christentum nicht "mehr!", wenn man sich vor Augen hält, dass das Grundprinzip Kants Aufklärung jeden von uns - gewollt oder nicht - zu einem gewissen Maß erfüllt und Muslime nicht...
Man kann nicht mal beweisen, dass es Gott gibt... und das solltest Du wissen, Raven - dass nicht beweisbare Begebenheiten in der Philosophie sogenannte Scheinprobleme sind - warum drüber philosophieren, wenn es keine Antwort gibt?
Jemand, der so gerne wissenschaftliches Wissen zur Argumentation benutzt, sollte wissen, dass die selbsternannten Wissenschaffer zu dem Entschluss gekommen sind, dass Religion ein von Menschen erschaffens Konstrukt ist - somit auch Gottesformen...
Das hat nichts damit zu tun wer oder was den Menschen erschaffen oder wie er entstanden ist, daher ist Deine Fragestellung schon völlig falsch, da aus einer eventuellen Nichtgegebenheit des einen nicht die Gegebenheit des anderen folgt... aber egal...
...alles was den Menschen zum Nachdenken anregt ist mir willkommen...
Sleeper
[Dieser Beitrag wurde am 07.11.2006 - 22:49 von Sleeper aktualisiert]
Signatur Wir haben zu spät angefangen... - sleeper
Die mächtigste Waffe ist die Wahrheit, die Wenigsten ertragen sie... - sleeper
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