Daggi 
      

Status: Offline Registriert seit: 20.02.2007 Beiträge: 569 Nachricht senden | Erstellt am 03.01.2008 - 21:09 |  |
Endlich zu Hause
Was für ein Tag! Ich hätte gar nicht erst aufstehen sollen. Und dann? Dann wäre mir das alles wohl morgen passiert…
Am frühen Morgen fuhr ich zur Arbeit und erfreute mich an der verschneiten Winterlandschaft. Natürlich nur solange, bis ich die Hauptstraße unseres kleinen Dörfchens erreichte und erst auf der gegenüberliegenden Grünfläche zum Halten kam. Zu diesem Zeitpunkt verfluchte ich zum ersten Mal die 15 cm hohe Schneedecke und fragte mich, wozu diese wahnsinnig teuren Winterreifen gut waren und wo zum Teufel der Winterdienst steckte. Na ich konnte wohl nicht erwarten, dass die Herrschaften ausgerechnet in unserem Dorf ihre Arbeit begannen.
Ich hätte besser noch ein Stündchen schlafen sollen, viel später wäre ich sicher auch nicht im Büro eingetroffen, sinnierte ich vor mich hin, während ich mein Auto wieder auf die Straße lenkte und im Schneckentempo zur Arbeit kroch.
Wider Erwarten kam ich dort nach einer guten Stunde auch heil an und konnte entspannt meinen Kaffee schlürfen, während ich meine Kollegin über die vergangenen Feiertage ausquetschte und sie dann über meine informierte.
Es wurde ein netter Tag, obwohl ich über riesigen Postbergen brütete und zwischendurch versuchte, dem unbändigen Elan meines Chefs zu folgen. Seinem Unglauben darüber, dass es bei uns, nur schlappe 30 km entfernt von seinem Wohnort so geschneit haben soll, begegnete ich erhaben mit diversen Fotos, die ich einer Eingebung folgend schnell noch mit meinem Handy geknipst hatte, bevor ich zu Hause los fuhr.
Ich meisterte einfach alles und war sehr zufrieden mit mir, als ich am Ende dieses Arbeitstages in mein Auto stieg.
Und warum bitte sprang jetzt mein Auto nicht an?? So eine verdammte… HILFE! Ich bekam den ersten Schweißausbruch in diesem Jahr. Warum ich?? Okay Daggi, ruhig Blut. Du schaffst das schon!!! Ich? Ich rief erstmal meinen Mann an. Er saß schließlich untätig zu Hause herum und sollte ruhig wissen, wie verzweifelt seine Frau gerade war. Geteiltes Leid ist halbes Leid, nicht wahr? Er konnte mir zwar auch nicht helfen, aber die anfängliche Stille am anderen Ende der Leitung besänftigten mich letzten Endes genauso, wie seine darauf folgenden ruhigen Ratschläge.
Okay, aber bevor ich jetzt die gelben Engel anrufen würde, wollte ich mein Glück noch einmal bei meinen Kollegen versuchen. Vielleicht hatte ja jemand ein Starthilfekabel? Der erste, der mir draußen auf dem Parkplatz entgegen kam, hatte natürlich keins. Der zweite, den ich vom Handy aus anrief und den ich durch sein hell erleuchtetes Fenster am Schreibtisch sitzen sah, nahm nicht ab. Na das hätte ich mir denken können! Er kannte schließlich meine Nummer nicht und er saß ja schließlich um diese Zeit nicht mehr im Büro, um zu arbeiten. In mir tobten hundert kleine Teufelchen, als ich in das Büro einer Kollegin stürmte, um ihn von dort aus anzurufen. Er würde es nicht wagen, nicht ans Telefon zu gehen, wenn er ihre Nummer im Display sah!!!
Allerdings verkniff ich mir diese Aktion dann doch, weil diese wunderbare Frau doch tatsächlich ein Starthilfekabel ihr Eigen nannte und sich natürlich sofort bereit erklärte, mir zu helfen. Leider wusste sie nicht, wie man das Teil benutzte und so stürmten wir beide das Büro eines weiteren Kollegen, der sich der geballten Ladung natürlich nicht entziehen konnte.
Er lachte sich halb tot, als meine Kollegin ihren Wagen neben meinem einparkte, den Kofferraum öffnete, ihm das nagelneue Kabel in die Hand drückte und abwartend stehen blieb.
„Öhm… nun ja… vielleicht solltest du dein Auto umdrehen? Die Batterie befindet sich unter der Motorhaube.“
Ihm verging das Grinsen, als sie seinen Arm ergriff und ihm erhaben erklärte:
„Nicht in meinem Auto!“
Sie hatte Recht und seufzend tauchte er hinab in ihren Kofferraum.
„Hat eine von euch zufällig eine Taschenlampe?“
Wir Frauen sahen uns an und schüttelten dann einträchtig den Kopf. Er hatte wohl auch keine andere Reaktion erwartet, denn stöhnend eilte er zu seinem Auto, um eine Taschenlampe zu holen. Nach ein paar Minuten war er wieder da und gestand kleinlaut, dass die Batterie in seiner wohl leer wäre…
Ein weiterer Kollege kam in Sicht und er wurde schlussendlich dann mein Retter in der Not. Er hatte alles… Starke Arme, in die er mich kurz schloss, um mich zu trösten, eine funktionierende Taschenlampe und nicht zuletzt eine Prise Humor, die mich daran hinderte, einfach loszuheulen und mit der er die ganze Situation meisterte.
Ehrlich, als ich in meinem wiederbelebten Auto saß, wäre ich allen drei Engeln am liebsten um den Hals gefallen, aber leider konnte ich nicht riskieren, dass mein Auto wieder ausgeht. Na morgen ist auch noch ein Tag!!!
Ich fuhr also nach Hause, informierte meinen Mann während der Fahrt darüber, dass ich nun doch nicht im Büro übernachten müsse. Zu Hause angekommen, empfing er mich freudestrahlend. Himmel, so hatte er mich ja schon seit Jahren nicht mehr begrüßt!!! Das musste ich mir unbedingt merken!
Tja, was soll ich euch sagen? Als er zehn Minuten später sein Auto starten wollte, um eine neue Autobatterie für mein Auto zu besorgen, machte es nur „Klick, Klick“… Auch die Batterie des Golfes war tot.
Erwähnenswert ist jetzt noch, dass mein Mann unseren Nachbarn vom Abendbrottisch holte, damit der ihm mit seinem Auto und seinem Starterkabel Hilfe leisten konnte. Dann fuhr er zum Baumarkt und kaufte eine neue Batterie, die letzten Endes nicht in mein Auto passte.
Aber in seins und deshalb werde ich morgen mit dem uralten Golf zur Arbeit fahren. Ich hoffe, dass es in dieser Nacht nicht schneit, denn seine Winterreifen sind nicht mehr die neuesten. Und tanken muss ich auch noch… hoffentlich klemmt nicht wieder das Schloss des Tankdeckels.
Guts Nächtle euch allen! 
Signatur Sei nicht traurig, wenn etwas vorbei ist - sei froh, dass es gewesen ist...
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