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hoeberlin
unregistriert

...   Erstellt am 05.03.2007 - 09:30Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hallo, Zusammen,
aufgrund einer vorangegangenen Frage folgt hier mein Versuch, die verschiedenen Empfangsprinzipien darzustellen.

Empfangsprinzipien und häufig benutzte Begriffe ( gilt im wesentlichen für Mittelwelle )

Grundsätzlich gibt es 2 Empfangsarten:
Geradeausempfänger: Hier wird der ( oder die ) Empfangsschwingkreise auf den Sender abgestimmt, ( in Resonanz gebracht ) und dieses so gewonnene Signal direkt demoduliert.
Geradeausempfänger werden nach Anzahl der Schwingkreise auch Einkreiser oder Zweikreiser genannt. Mit dem Abstimmknopf werden alle abstimmbaren Kreise auf die Senderfrequenz eingestellt.

Super, auch Superhet genannt: Hier wird in einer speziellen Mischstufe das vom Sender kommende Signal mit einem im Empfänger selbst erzeugten Signal gemischt. Mit dem Abstimmknopf stellt man die Frequenz dieses Oszillators ein. Diese Frequenz ist ca. 465kHz
oberhalb der gewünschten Empfangsfrequenz. Am Ausgang der Mischstufe ist die Senderfrequenz, die Oszillatorfrequenz, die Summe dieser beiden Frequenzen, und die Differenz von Oszillator- und Senderfrequenz vorhanden. Nachgeschaltet ist ein ZF-Verstärker, der mehrere fest im Werk eingestellte Schwingkreise beinhaltet. Diese sind fest auf ca 465kHz eingestellt. Demzufolge kommt nur die Differenzfrequenz hindurch. Danach folgt der Demodulator, der daraus das NF Signal gewinnt.
Nun ergibt sich dabei folgender prinzipieller Nachteil, der im folgenden Rechenbeispiel aufgezeigt wird: Empfangen werden soll ein Sender auf 531kHz. Dazu wird der Skalenzeiger auf 531kHz eingestellt, und der Oszillator läuft auf 531kHz + 465 kHz = 996kHz.
Sollte jetzt zufällig auf 1461kHz ein starker Sender vorhanden sein, würde sich in der Mischstufe diese 1461kHz mit der Oszillatorfrequenz 996kHz mischen, und als Differenz
( 1461 – 996 = 465 ) 465 kHz entstehen. Dieses ist ungewollt. Deshalb wird mit dem Abstimmknopf nicht nur der Oszillator eingestellt, sondern auch der sog. Vorkreis, ein Schwingkreis zwischen Antenne und Mischstufe.
Die oben beschriebene Eigenart nennt man Spiegelempfang, oder Empfang auf der Spiegelfrequenz.

Weitere häufig verwendete Begriffe:
Schwundausgleich, auch Schwundregelung, oder nur Regelung genannt: Um die insbesondere bei Mittelwelle und Kurzwelle auftretenden Schwankungen der Signalstärke auszugleichen, haben Radios im allgemeinen einen Schwundausgleich. Dieser sorgt dafür, das bei schwächer werden des Signals die Verstärkung im Empfänger erhöht wird, um die Hörlautstärke möglichst gleichbleibend zu halten. Insbesondere bei gerade noch hörbaren Sendern im Mittelwellenbereich kann man feststellen, das diese plötzlich unhörbar sind, und nach wenigen Augenblicken wieder hörbar werden. Hier ist die sog. Verstärkungsreserve aufgebraucht, und der Schwundausgleich kann die Verstärkung nicht weiter erhöhen.

Trennschärfe: Die Fähigkeit des Empfängers, eine (schwache) Station neben einer ( starken ) Station eindeutig zu empfangen, ohne dass die stärkere Station stört.

Empfindlichkeit: Die Signalstärke, die für eine bestimmte Empfangslautstärke notwendig ist.
Bei Radios der 50-er Jahre im allgemeinen 3 – 10 µV für 50mW Lautsprecherleistung


Nun zur entscheidenden Frage: Warum haben mache Empfänger einen guten Empfang, manch andere einen schlechteren, und „moderne“ auf Mittelwelle fast gar keinen?
Die Antwort auf dieses Frage ist etwas umfangreich, aber der Reihe nach. Zuallererst hängt es davon ab, was „in der Luft ist“ sprich, wie die Empfangslage ist. Im Betonkeller der Bundesbank wahrscheinlich sehr dürftig, je höher, und je freiliegender, umso besser.
Als nächstes die Frage, mit welcher Antenne empfangen wird. Hier bietet eine im Gerät eingebaute Ferritantenne günstige Voraussetzungen. Aber auch hier gibt es Unterschiede, so ist eine Ferritantenne richtungsabhängig. Bei den besseren Röhrenradios der 50-er Jahre war die Antenne drehbar angeordnet. Des weiteren gab es Geräte, die das Signal von dieser Antenne extra noch einmal verstärkten ( z.B. SABA Meersburg W3).
Auch die Größe des Ferritstabes, die Qualität der Spulen, und eine evtl vorhandene Abschirmung beeinflussen das Ergebnis.
Alle weiteren Stufen im Gerät haben ebenfalls einen erheblichen Einfluss, so die Verstärkung, und die Trennschärfe / Bandbreite des ZF Verstärkers.

Bei alledem gilt zu bedenken, das die Geräte für einen bestimmten „Verkaufspreis“ vorgesehen waren, und es nicht immer möglich war, das einzubauen, was gut und teuer ist.
So gibt es einerseits Geräte, mit vielen Lautsprechern, Gegentakt Endstufe, gutem Klang, aber bescheidenen Empfangseigenschaften auf AM, auf der anderen Seite Geräte mit nur einem Lautsprecher, aber einstellbarer Bandbreite, Vorverstärker für Ferritantenne, besserer Trennschärfe durch mehr ZF Kreise, Kurzwellenlupe, etc

Wenn man die besseren Kofferradios aus Ende 50-er bis Mitte 60-er Jahre betrachtet ( Saba Transall, Schaub Lorenz Touring, und andere, so stellt man fest, dass der Aufwand sehr groß war. Es gab teilweise mehrere Teleskopantennen( SABA Transall ) , teilweise 2 Ferritantennen ( Nordmende Transita Exact ) Es wurde sorgfältig konstruiert, und die Preise für diese Geräte waren beim halben Monatslohn eines Facharbeiters! Darüber hinaus gab es in der „Oberliga der Koffergeräte“ solch aufwendige wie Grundig Satellit ( Doppelsuperprinzip, mehrere Kurzwellenbereiche, Bandspreizung, umschaltbare Bandbreite ), Schaub Lorenz Intercontinental ( 5 Kurzwellenbereiche, umschaltbare Bandbreite, kuppelbare Getriebeuntersetzung für Senderwahl ) oder Nordmende Globetrotter ( mehrere Kurzwellenbereiche ) . Mit diesen Geräten, wenn sie denn in Ordnung sind, kann man heute noch sehr gut Empfangen. Allerdings sind die Geräte beim vielfachen der erwarteten Nutzungsdauer, und können auch fehlerhaft und reparaturbedürftig sein.

Es dürfte sich von selbst verstehen, das Geräte die für 5 Pfund Kaffee hergestellt und verkauft werden (müssen), da nicht mitkommen können. Dieses sollte man auch nicht diesen Geräten anlasten, denn sie erfüllen das, was der Kaufpreis erwarten lässt. Top Empfänger mit allen Finessen gibt’s um ca 160€


Ich hoffe, damit beginnt die erste Neugier. Fragen beantworte ich gerne.

Gruß an alle Leser,
Henning

[Dieser Beitrag wurde am 06.03.2007 - 19:01 von hoeberlin aktualisiert]





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