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Niliathiel  Herrin des Forums *mwahahaha*
       

Status: Offline Registriert seit: 08.06.2005 Beiträge: 429 Nachricht senden | Erstellt am 30.06.2005 - 09:36 |  |
So, auf besonderen Wunsch von Jacky´s Wings poste ich jetzt auch hier meine erste Harry Potter fanfiction Viel Spaß! 
Kapitel 1) Nächtliche Schatten
Als Emily das Kirchenschiff durch die Seitentür betrat schlug ihr eine wohlige Wärme entgegen. Draußen war es bitterkalt, beinahe zu kalt, selbst für diese Jahreszeit und der Schnee, der vor etwa einer Stunde eingesetzt hatte, hatte die schläfrige Stadt innerhalb weniger Minuten in eine weiße Winterlandschaft verwandelt. Beinahe wie auf einer dieser vielen Weihnachtspostkarten, hatte Emily bitter gedacht, als sie durch die Straßen schritt und versuchte, ihren Mantel noch enger zu ziehen, um auch das allerletzte bisschen Wärme zu nutzen, was das zerschlissene Stück Stoff ihr in dieser eisigen Kälte geben konnte. Die Straßen um den Marktplatz waren voller Menschen gewesen, der Weihnachtsmarkt war gut besucht und überall um sie her hatten ihr fröhliche Weihnachtslieder entgegengeschallt und der Geruch nach gebrannten Mandeln, Bratwürstchen und Zimt hatten ihren Hunger nur noch verstärkt.
Sie war daran gewohnt, die Nächte unter freiem Himmel zu verbringen, aber heute war es so kalt, dass sie ihren Stolz beiseite geschoben und zu dieser Kirche am Rande der Stadt gelaufen war. Wenigstens war es hier ein wenig wärmer und wenn sie ein wenig Glück hatte, würde sie niemand bemerken und sie konnte in aller Ruhe ein paar Stunden schlafen, bevor die Sonne aufging.
Emily schritt den Gang entlang bis sie die Ecke mit den Opferkerzen erreicht hatte und hielt ihre frierenden Hände über die Flammen. Zuerst spürte sie nicht einmal die Hitze die beinahe ihre Finger berührte. Im Schein der Kerzen leuchteten sie in einem flackernden Licht. Sie fühlte sich allein aber zumindest würde sie nicht erfrieren müssen. Wenn sie ehrlich zu sich war musste sie sich eingestehen, dass sie lieber allein war, als die Gesellschaft von Menschen ertragen zu müssen, all die Menschen mit ihrer aufgesetzten Freundlichkeit, die Menschen, die sie, ein Mädchen von gerade einmal 14 Jahren fortgejagt hatten...
Emily konnte sich nicht mehr an ihre Eltern erinnern. Man hatte ihr gesagt, sie seien gestorben, als sie noch sehr klein war und alles woran sie sich erinnern konnte, war ihr Leben im Waisenhaus. Für einige Jahre war sie dort beinahe glücklich gewesen, doch als sie älter wurde, als die Zeit kam und als sie bemerkte, dass irgendetwas mit ihr nicht zu stimmen schien, war sie ausgegrenzt worden, hatte plötzlich keine Freunde mehr gehabt. „Freak!“ hatte man sie genant und sie hatte nicht einmal gewusst warum. Heute, 7 Jahre später wusste sie, dass es nicht an ihr lag, es waren die Menschen, die sie als Freak bezeichneten, sie aber war keiner, oder hatte sich zumindest nie als ein solcher gefühlt. Was ihr einst wehgetan hatte, die Schimpfworte, die Beleidigungen, sah sie heute mit 22 Jahren nur als das Verhalten von jenen, die neidisch waren. Neidisch auf ihre Fähigkeiten.
Emily wusste nicht woher diese Fähigkeiten kamen, sie konnte sie auch nicht kontrollieren. Aber immer wenn sie besonders wütend war oder traurig, dann passierten... Dinge! Einmal hatte sie eines der Mädchen im Waisenhaus gehänselt und Emily war schrecklich wütend auf sie gewesen. Sie hatten gerade beim Abendessen gesessen und das Mädchen, dass die beleidigenden Worte gesprochen hatte hatte, gerade nach ihrer Tasse mit heißem Kakao greifen wollen, als... sich die Tasse wie von Zauberei hob und ihren gesamten heißen Inhalt über den Kopf des Mädchens ergoss. Sie hatte geschrieen, war aufgesprungen und hatte Emily eine „Hexe“genannt.
Es war nicht das einzige Mal gewesen, dass solche Dinge passiert waren. Manchmal war es ihr, als besitze sie wirklich so etwas wie verborgene Fähigkeiten und Kräfte. In all den Jahren, die sie nun schon auf der Straße lebte, hatte man sie noch niemals aufgegriffen. Mehr als einmal war sie in der Klemme gewesen, aber immer wenn es wirklich brenzlig wurde, passiert irgendetwas, das die Aufmerksamkeit von ihr ablenkte. Emily dachte sich nichts dabei. Für sie war es nichts besonderes- zumindest nicht mehr.
Ihre Hände wurden warm. Seltsam, dachte sie, dass sie ausgerechnet hier ein wenig Wärme finden sollte, hier an einem Ort, an dem die normalen Menschen, die, die in Häusern lebten, Familien und Freunde hatten, Ruhe fanden und Trost... Emily hatte vor vielen Jahren aufgehört, Trost bei den Menschen zu suchen. Sie würde ihn nicht finden! Niemand wollte etwas mit jemandem zu tun haben, der war wie sie...
Sie blickte hoch zu dem großen Weihnachtsbaum, der neben dem Altar stand. Weihnachten. In wenigen Tagen würde Weihnachten sein, aber nicht für sie. Sie würde froh sein können, wenn sie irgendwo ein warmes Plätzchen finden und etwas Warmes zu Essen beschaffen konnte. Dann war sie zufrieden.
Sie nahm ihren Rucksack ab und öffnete ihn, um ihre Decke herauszunehmen. Auch die Decke war alt, so alt wie ihre zerschlissene Jacke. Heute würde sie es warm haben, dachte sie, als sie die Decke ausbreitete.
Doch plötzlich ließ ein Geräusch sie herumfahren. Eine Tür! Emily ließ ihre Decke fallen, griff nach ihrem Rucksatz und rannte los. Mit einem Blick über die Schulter bemerkte sie, dass ein ältlicher Mann aus der Sakristei getreten war, sicher der Priester oder der Küster. Die Decke! Der Mann rief etwas hinter ihr her aber sie achtete nicht darauf. Sie rannte zur Seitentür, stieß sie auf und wäre beinahe auf den glatten Stufen ausgeglitten. Sie lief weiter, fort vom Kirchenplatz durch die Straßen. Erst als sie sich sicher fühlte verlangsamte sie ihre Schritte. Ihr Atem ging schnell. Sie stieß einen wütenden Schrei aus, aber es war Wut auf sie selbst. Sie hatte die Decke dort liegen lassen und jetzt konnte sie nicht mehr zurück- oder wollte es nicht. Sie wollte nicht, dass der Priester sie fortjagte, oder dass er, wie Priester es oft so gern taten, sie dazu überredete, die Nacht im Schutz der Kirche zu verbringen. Sie brauchte diesen Schutz nicht, so stark war ihr stolz noch und mochte es noch so kalt sein.
Die Straßen hatten sich während sie in der Kirche gewesen war geleert, einige der Lebkuchen, Glühwein- und anderen Stände waren bereits verdunkelt worden, das erdrückende Gedrängel auf dem Marktplatz hatte sich aufgelöst. Hier und da schlenderten Pärchen Hand in Hand an ihr vorbei und warfen Emily missbilligende, manchmal jedoch auch eindeutig mitleidige Blicke zu. Emily ging weiter und begann sich nun wirklich zu ärgern, dass sie die Decke hatte liegen lassen. Morgen früh würde sie sie sich zurückholen... wenn der Priester sie nicht längst fortgeworfen hatte.
Allmählich wurde Emily müde, aber sie machte sich wenig Hoffnung heute Abend ein geeignetes Plätzchen zu finden. Nicht zum ersten, und auch sicher nicht zum letzten Mal wünschte sie sich ihre seltsamen Kräfte unter Kontrolle zu haben. Sie konnte sich daran erinnern, einmal ein kleines Feuer aus einem Funken erschaffen zu haben, aber sie wusste ebenso gut, dass sie dies nicht immer konnte, ebenso wenig wie dies hier – mitten in London – möglich war. Sie hatte ihre Kräfte nicht unter Kontrolle, vielleicht machte sie das besonders zu dem was andere als „Freak“ bezeichneten.
Ohne es zu bemerken hatte sie die belebte Gegend um den Marktplatz verlassen und war in eine der weniger bevölkerten Straßenzüge eingebogen. Nicht alle Straßenlampen brannten und die Straße war ruhig, nur alle paar Minuten fuhr ein Auto an ihr vorüber. Aber die Einsamkeit war ihr nur recht. Sie hatte keine Angst vor der Dunkelheit, sie hatte sich niemals vor irgendetwas gefürchtet- oder zumindest tat sie das nun nicht mehr. Sie war noch niemals geschnappt worden und auch heute würde das sicherlich nicht anders sein.
Doch dann verlangsamten sich ihre Schritte. Sie wandte den Kopf und blickte auf den Gehsteig hinter sich. Er war leer. Die ganze Straße war leer. Trotzdem wurde sie das Gefühl nicht los, dass sie gerade Schritte gehört hatte, Schritte die ihr folgten. Ungewollt begann ihr Herz schneller zu schlagen und sie beschleunigte ihre Schritte. Nach wenigen Metern hörte sie es wieder. Das leise, aber in dieser Nacht dennoch deutlich vernehmbare Geräusch von Schritten auf dem schneefeuchten Asphalt. „Hallo?“rief sie in die Nacht hinaus und bemerkte, dass ihre Stimme leicht zitterte. Sie versuchte sich einzureden, dass dies nur von der Kälte herrührte. Sie blieb stehen. Sollte sie zurückgehen? Zurück ins Zentrum? Da waren zumindest Menschen.. was sind das für Gedanken, Emily? Schalt sie sich selbst. Seit wann hast du Angst allein im Dunkeln.? Sie setzte ihren Weg nicht fort, drehte sich nach allen Seiten um und spähte in die zwielichtigen Schatten, die sie umgaben. War da eine Bewegung? Nein, sie musste sich getäuscht haben.
Langsam machte sie einen weiteren Schritt und schrie plötzlich auf. Aus der Dunkelheit kam plötzlich die Gestalt eines Mannes gesprungen. Emily hätte schwören können, dass er vor einer Sekunde noch nicht da gewesen war, er schien aus dem Nichts aufzutauchen, ein bedrohlicher Schatten eines ausgemergelten und grimmigen Mannes in schwarzer Kleidung. Sie hatte kaum Zeit ihn zu betrachten, wirbelte auf den Absätzen herum und begann davon zu laufen. Sie hörte den Mann hinter sich lachen, aber scheinbar folgte er ihr nicht. „Warte, Mädchen!“Seine Stimme klang heiser und unheimlich. Sie dachte gar nicht daran zu warten und beschleunigte ihre Schritte aufs Neue. „Warte!“donnerte er ihr hinterher. „Ich sagte, warte! IMPERIO!“ Abrupt blieb sie stehen und keuchte vor Überraschung. Emily hatte plötzlich das Gefühl, nicht mehr Herr über ihre eigenen Muskeln zu sein. Sie wollte weg, weg von hier, sie wollte laufen so schnell sie konnte, denn sie hatte so große Angst, wie noch nie zuvor in ihrem Leben. Alles in ihr schrie danach, sich dem Befehl des Mannes zu widersetzen, zu laufen! Doch sie konnte es nicht. „Dreh dich um!“was ging hier vor? Fragte sich Emily als sie sich langsam herumdrehte und dem Fremden ins Gesicht sah. „wer sind Sie?“Ihre Worte klangen seltsam hohl. Der Mann war kaum größer als sie selbst, sein Haar war mausgrau und bereits im begriff auszufallen. Er erinnerte sie auf seltsame Art und Weise an eine Ratte. In der rechten Hand hielt er einen kurzen Stab, den er auf sie gedeutet hatte. „Komm her!“Sie merkte, wie sich ihre Füße in Bewegung setzten, aber mit einem Mal fühlte sie, wie ihr Wille erstarkte. Sie blieb stehen und sah, dass der Blick des Mannes zu flackern begann. Was sie tat kostete sie alle Kraft die sie aufbringen konnte. „Ich sagte komm her!“Seine Stimme klang schrill. Wieder versuchte sie sich zu wehren doch im nächsten Moment schrie er etwas, das sie nicht verstand und sie fühlte sich von einer unsichtbaren Kraft gepackt und brutal zu Boden geschleudert.
Dann überschlugen sich plötzlich die Ereignisse. Der Aufprall war so heftig gewesen, dass sie im ersten Moment kaum mehr als Sterne sah, dann hörte sie wie der Fremde plötzlich aufschrie und sah einen blendenden Lichtstrahl. Plötzlich waren sie nicht mehr allein. Sie richtete sich mühsam auf und sah zwei Gestalten, die auf der anderen Seite der Straße erschienen waren und die auf sie zueilten. Sie konnte kaum mehr als Schemen erkennen und wieder verspürte sie den Drang, aufzuspringen und fortzulaufen, aber ihre schmerzenden Muskeln versagten ihr den Dienst und ließen sie vor Schmerz aufstöhnen als sie versuchte, ihr linkes Bein zu bewegen. Die Gestalten waren über ihr und jetzt sah sie dass beide Umhänge trugen, mehr konnte sie im Zwielicht nicht erkennen und die nächste Straßenlaterne war ein gutes Stück entfernt. Ihr Kopf ruckte angstvoll herum und sie sah, dass der fremde immer noch dastand, doch als die beiden Gestalten näher kamen wich er geschickt einem Lichtblitz auf, den einer der beiden in seine Richtung geschossen haben musste. Emilys Kopf drehte sich. Was ging hier vor? Dann, als sie glaubte, es könnte nicht noch verrückter werden sah sie, wie die Gestalt des mageren Mannes plötzlich zusammenzuschrumpfen begann. Sie konnte kaum erkennen, was vor sich ging, dich ihr war es, als husche ein Schatten etwa von der Größe einer Maus hinaus in die Dunkelheit. Das war verrückt, dachte Emily mit einer Gelassenheit, die sie selbst überraschte. Sie war sicher kurz davor durchzudrehen. Sicher saß sie in irgendeiner Ecke und phantasierte vor sich hin und all das hier geschah nicht wirklich.
Rasche Schritte eilten auf sie zu und die beiden Gestalten, die vom anderen Ende der Straße auf sie zugeeilt waren beugten sich über sie und entpuppten sich als ein Mann mittleren Alters und eine Frau, die etwa ihr Alter sein mochte. Das junge Mädchen trug dieselbe merkwürdige Kluft wie ihr Begleiter, ihr Gesicht wirkte angespannt doch Emily vermutete, dass sie unter normalen Umständen ein fröhlicher Mensch war. Ihre Haare waren soweit sie das bei dem blassen Licht beurteilen konnte, dunkelblau und waren zu einer wilden Frisur nach oben gegelt. Sie zückte einen Stab, ähnlich dem, den der Fremde vor wenigen Minuten in der Hand gehalten hatte und sprach ein einziges Wort. Sofort leuchtete an der Spitze des Stabes ein blasses Licht auf. Sie lächelte ihr beruhigend zu. Der Mann, hatte Emily vorsichtig bei den Schulter gepackt und versuchte sie aufzurichten. „Geht es Ihnen gut, Miss?“Emily zwang sich zu einem Lächeln. Er musste etwa Ende 30 sein, sein Gesicht war bleich doch trotzdem besaß er ein sympathisches Aussehen, das durch seine sanften, brauen Augen noch verstärkt wurde. Sein Haar war hellbraun und an einigen Stellen bereits von braunen Strähnen durchzogen, dennoch wirkte er auf eine nicht näher zu beschreibende Art und Weise beinahe jungenhaft. „Es... geht schon.“Bemühte sich Emily zu sagen. „Was... wer...?“„Wir sollten erst mal sehn, dass wir von hier wegkommen“ sagte die junge Frau. „Wer sind Sie?“Sie hatte diese beiden noch nie in ihrem Leben gesehen, aber dennoch begann sie bereits, ihnen zu vertrauen. Immerhin hatten sie sie gerade gerettet... wenngleich sie sich nicht einmal sicher war, wovor. „Mein Name ist Remus Lupin.“sagte der Mann. „Und das hier ist Nymphadora Tonks.“„Remus!“„Naja, gut, einfach nur Tonks“fügte er hinzu, als sie ihm einen freundschaftlichen Stoß versetzte. „Und jetzt kommen Sie. Wir müssen hier weg. Glauben Sie, dass Sie laufen können, Miss...“„Emily.“antwortete sie. “Ich bin Emily.” „Gut, Emily.“Sagte Lupin und zog etwas aus seiner Tasche, das sich als ein großes Stück Schokolade entpuppte. „Essen Sie das, dann geht es Ihnen gleich wieder besser.“Sie zögerte einen Moment, dann schob sie sich das Stück in den Mund. Sogleich begann sich eine wohlige Wärme in ihren Zehen und Fingerspitzen auszubreiten. „Was ist das?“fragte sie erstaunt aber Lupin lächelte nur kurz. „Später“sagte er und half ihr, zusammen mit dem jungen Mädchen namens Tonks, auf die Beine zu kommen. „Sie müssen ja halb erfroren sein.“fügte er hinzu. Emily ließ es geschehen, dass die beiden sie zwischen sich nahmen. Irgendwie spürte sie, dass von ihnen keine Gefahr ausging. Heute nacht, schoss es ihr durch den Kopf, heute nacht, würde sie zur Abwechslung einmal nicht frieren sondern nur schlafen. Und wenn sie wieder aufwachte, meldete sich eine stimme in ihrem Hinterkopf, dann würden diese beiden seltsamen Gestalten ihr einige Fragen zu beantworten haben!
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Niliathiel  Herrin des Forums *mwahahaha*
       

Status: Offline Registriert seit: 08.06.2005 Beiträge: 429 Nachricht senden | Erstellt am 30.06.2005 - 09:37 |  |
Kapitel 2) Wilde Magie
„Was ist los, Remus? Nicht gut geschlafen?“ Remus Lupin sah von seinem Frühstück auf, Eiern mit Speck und Toast, die ihm Molly Weasley wenige Minuten zuvor hingestellt hatte. Er hatte nicht viel davon angerührt. Tonks, die ihm gegenüber saß sah ihn fragend an und er bemühte sich, ein Lächeln aufzusetzen. „Schon in Ordnung, Tonks. Es ist nur bald wieder Vollmond, das ist alles.“
Das war nicht die ganze Wahrheit, aber es schien die junge Hexe zumindest soweit zufrieden zu stellen, dass sie keine weiteren Fragen stellte. Bis Vollmond war es noch drei Tage hin und zumindest würde er dann zu Weihnachten wieder auf dem Damm sein, dachte er doch der Gedanke machte ihn nicht wirklich froh. Obwohl unter den Mitgliedern des Ordens im Haus ein ständiges Kommen und Gehen herrschte, wirkte es auf Remus seit dem letzten Sommer leer. Das Hauptquartier war das alte gebliebe, einfach aus dem Grund, weil es in ganz Großbritannien kein einziges Gebäude gab, das so gut geschützt war. Niemand, außer den Mitgliedern des Phoenixordens wusste, wie man es fand und wo es lag.
Remus hatte sich in den letzten Monaten alle erdenkliche Mühe gegeben, zu einem normalen Leben zurückzukehren- wobei er sich in diesem Moment nicht zum ersten Mal die bitter-ironische Frage stellte, wann er sein Leben je als normal hatte bezeichnen können. Er war ein Werwolf, im Leben eines Werwolfes gab es keine Normalität, und das war ihm diese Nacht erneut bewusst geworden als er aus einem Alptraum aufgeschreckt die sich rundende Scheibe des Mondes im Fenster gesehen hatte, die ihm spöttisch entgegenzublicken schien.
Seit Sirius tot war.. war nichts mehr wie früher. Remus Lupin hatte es oft hart gehabt, aber meist war einer seiner alten Freunde da gewesen. Als Sirius in Askaban gewesen war, hatte er sich wirklich allein gefühlt und im den letzten beiden Jahren hatte er sich wieder an Tatzes Gesellschaft gewöhnt...
Energisch stocherte er in seinem Frühstück herum. Es machte keinen Sinn, der Vergangenheit nachzuhängen, die Realität war hart. Er begann eine leise Wut auf sich selbst zu verspüren, weil dieser Alptraum in der letzten Nacht ihn offensichtlich dermaßen aus der Bahn geworfen hatte, das selbst Tonks gemerkt hatte, dass etwas mit ihm heute morgen nicht in Ordnung war.
„Was ist mit Harry und den anderen?“versuchte Tonks erneut ein Gespräch zu beginnen. “Kommen sie über Weihnachten wieder her? „Ja.“nickte Remus. „Sie kommen alle her. Übermorgen mit dem Hogwartsexpress. So wie im letzten Jahr.“„Toll.“erwiderte Tonks gut gelaunt und er konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie seine bedrückte Stimmung sehr wohl bemerkt hatte und versuchte, ihn aufzuheitern. “Ich mag´s wenn hier mal wieder was mehr los ist. Würde gern heute noch in die Winkelgasse, wie sieht’s aus, kommst du mit, Moony?“„Weiß nicht, eigentlich...ich sag dir später bescheid, okay?“Das schien sie für den Moment zufrieden zu stellen.
Molly, die, nachdem sie ihnen das Frühstück hingestellt hatte, den Raum verlassen hatte, kehrte zurück. „Man sollte es nicht glauben, es waren schon wieder ein paar Doxies in den Vorhängen im Salon.“Sie schnaubte ärgerlich „Und ich dachte, wir hätten sie im letzten Sommer alle entfernt. Als wir mit den Kindern hier ausgemistet haben zusammen mit Sirius und...“ sie brach ab. „Naja, was soll’s, jetzt sind wir die Biester erst mal wieder los.“Sie schien mehr mit sich selbst gesprochen zu haben doch dann drehte sie sich zu Lupin und Tonks um und sagte. „Ach ja, Dumbledore ist heute nacht angekommen, er braucht zwei von uns für einen geheimen Auftrag für den Orden, könntet ihr vielleicht...“„Na guut.“Remus hörte, wie enttäuscht Tonks war „dann kann ich die Winkelgasse wohl heute erst mal vergessen.” “Was ist mit den anderen?” fragte Lupin, der bereits aufgestanden war. „Sind nicht viele hier.“erwiderte Molly Weasley. „Arthur ist im Ministerium, Alastor und die anderen sind auch unterwegs.“Tonks schmollte. „Schon gut Molly, wir gehen.“sagte Lupin und zog Tonks aus der Küche.
Sie fanden Dumbledore in einem der großen Arbeitszimmer im oberen Stockwerk. Entlang der Wände hingen einige Bilder, deren Bewohner jedoch allesamt schliefen. „Ah, gut, dass ihr die Zeit hatten.“sagte Dumbledore gutgelaunt als sie hereinkamen. „Es tut mir leid, dass ich euch beide so kurz vor Weihnachten noch in die Kälte schicken muss, aber ich habe einen Auftrag, der wirklich sehr dringend ist. Tee?“Lupin lehnte dankend ab aber Tonks nickte. Dumbledore zog seinen Zauberstab hervor und im nächsten Moment stand auf dem großen Schreibtisch ein silbernes Tablett mit einer dampfenden Teekanne und einer Tasse. Tonks griff zu.
„Also, worum geht’s?“fragte Tonks und ließ sich auf einen der plüschigen Sessel fallen. „Das Ganze ist etwas kompliziert zu erklären“, hob Dumbledore an. „Um genau zu sein. Da draußen irgendwo in den Straßen von London, ist jemand, der wahrscheinlich unsere Hilfe braucht.“Lupin hob fragend eine Augenbraue. „Wer?“„Sie heißt Emily und ist eine wilde Magierin.“„Eine wilde Magierin?“warf Tonks ein. „Was ist das?“ „Eine Hexe, deren zauberische Fähigkeiten sich erst nach ihrem elften Geburtstag entwickelt haben.“murmelte Remus. „Manchmal kommt es vor, meist sind das Kinder aus nichtmagischen Familien.“„Genau, Remus.“sagte Dumbledore lächelnd und fuhr fort. „Wir in Hogwarts habe es uns – genauso wie andere Schulen – zur Aufgabe gemacht, Mädchen und Jungen die magisch begabt sind, die Möglichkeit zu geben, ihre Gaben auszubilden. Unausgebildete Magie kann gefährlich sein, Tonks. Wir haben in Hogwarts Schüler unterschiedlichster Abstammung. Manche, die wenigsten, kommen aus reinblütigen Zaubererfamilien, andere sind muggelstämmig oder halbblütig. Und wir haben einige, die beinahe Squibs sind.“Bei seinen Worten musste Remus unwillkürlich an Neville Longbottom denken.
„Nun ja, wilde Magier und Magierinnen erscheinen zunächst als nichtmagisch.“fuhr Dumbledore fort. « Sie zeigen keinerlei zauberische Fähigkeiten und auch in ihren Familien ist meist keine Begabung bekannt. Manchmal sind seitdem mehrere Generationen vergangen. Die Fähigkeiten entwickeln sich erst sehr spät, mit vielleicht 13 oder 14 und auch dann haben sie sie nicht unter Kontrolle.“ „Und diese Emily..“warf Tonks ein. „..ist so eine wilde Magierin?“„Ja, es scheint so.“sagte Dumbledore nachdenklich. „Wir wissen nicht viel über sie, nur dass sie bis vor einigen Jahren in einem Muggelwaisenhaus gelebt hat und seitdem auf der Straße lebt.“Er strich sich durch den silberweißen Bart.
„Dieses Mädchen ist da draußen in großer Gefahr. Wilde Magie ist sehr mächtig und... sehr zerstörerisch und seit Lord Voldemort..“Tonks zuckte leicht zusammen, als ihm der Name so leicht über die Lippen kam „.. wieder zurückgekehrt ist, wird auch er versucht haben, neue Diener um sich zu scharen. Wilde Magier kämen ihm da sehr gelegen, denn sie sind beeinflussbar, weil sie nichts über ihre eigenen Kräfte wissen.“ „Warum unterrichten wir keine wilden Magier in Hogwarts?“wollte Tonks wissen. „Sie sind nicht aufspührbar für uns, solange sich ihre Magie nicht entwickelt hat.“sagte Remus. „und wenn sie sich entwickelt, dann ist es zu spät, weil ihre Magie ungelenkt ist und wir sie dadurch meist nicht erkennen können.“Tonks nickte. „Echt erstaunlich, was du alles weißt, Moony“grinste sie. „Ich habe Verteidigung gegen die Dunklen Künste studiert.“erwiderte er. „Dazu gehörte auch Wilde Magie.“„Ja.“sagte Dumbledore. „Damals hatte Voldemort einige wilde Magier um sich geschart. Und ich befürchte... dass er Emily bereits auf der Spur ist und deswegen habe ich euch beiden hergerufen. Wir müssen ihm zuvorkommen.“
******
Einige Stunden später waren Tonks und Remus in London. Sie waren in einer der unbesuchten Seitenstraßen appariert und hatten sich zunächst dort umgesehen. Niemand war da. Es würde einige Zeit dauern unter all den vielen Menschen eine einzelne Junge Frau zu finden und das wussten sie. Sie wussten nur, dass sie etwa 22 Jahre als sein musste und, das sie die letzten Jahre auf der Straße verbracht hatte, konnten sie sich in etwa vorstellen, wie verwahrlost sie sein würde. Alles, was ihnen sonst noch für die Suche blieb, waren ihre eigenen fünf Sinne und ausnahmsweise war Remus dankbar, dass bald Vollmond war. Seine Sinne waren geschärft.
Die Straßen um den Marktplatz herum waren leer gewesen, also beschlossen sie, sich ins Gewühl um die Kirche zu stürzen. Mit einem geschickten Zauber hatte Remus seinen Zauberumhang verschwinden lassen und trug stattdessen einen dunklen Parka. Tonks hatte für diesen Trick keine Magie benötigt. Sie war ein Metamorphmagus und musste sich nur kurz konzentrieren um ihr aussehen zu verändern. Jetzt ging sie in eine knallrote Winterjacke gekleidet fröhlich neben ihm her. „Ging’s nicht noch auffälliger“sagte Remus leise und warf einen Blick auf ihre heute kurzen und dunkelblauen Haare, die sich in einem seltsamen Kontrast von der roten Jacke abhoben. „Mach dir keine Sorgen Moony“grinste sie zurück. „Je auffälliger desto unauffälliger.“Er beließ es bei einem schiefen Lächeln.
Abgesehen von Tonks Erscheinungsbild unterschieden sie sich nicht von den anderen Besuchern des Weihnachtsmarktes und wie Tonks bereits gesagt hatte: niemand achtete auf sie. Remus behielt seine Hand in der rechten Tasche, damit er seinen Zauberstab umklammert halten konnte. Wenn es irgend möglich war, würde sie es vermeiden, unter all dem Muggeln zu zaubern, doch besonders seit dem letzten Sommer waren sie alle übervorsichtig und wenngleich Lupin und Tonks nicht Alastor Moodies Ansichten teilten, der hinter jeder Straßenecke einen oder mehrere Todesser vermutete, wussten sie dennoch sehr genau, dass Voldemort und seine Anhänger nicht vor ein paar Zeugen zurückschrecken würden.
Es wurde allmählich dunkel und noch immer gab es keine Spur von Emily. Sie hatten sich an einem der Stände zwei heiße Kakaos geholt und spähten in die Runde, immer auf der Suche nach einer jungen Frau in zerschlissener Kleidung. „Je eher wir sie finden, desto besser“murmelte Tonks und er konnte sehen, dass sie allmählich zu frieren begann.
Sie standen eine ganze Weile da und die Straßen um sie her begannen sich immer mehr zu leeren, je dunkler es wurde. Schließlich, sie hatten gerade begonnen, noch eine Runde durch die benachbarten Gassen zu drehen, schreckte Remus auf. Selbst in der Dunkelheit konnte er gut sehen, besonders jetzt, einige Tage vor Vollmond. Er sah zur Kirche hinauf, die einige Meter weiter auf einer kleinen Erhöhung stand. Aus dem Seitenportal kam eine junge Frau gestüzt. Sie trug einen zerschlissenen Mantel und wäre in ihrer Eile beinahe auf den vereisten Stufen ausgeglitten. Remus kniff die Augen zusammen. „Tonks.“„Hm?“„Da oben an der Kirche, das könnte sie sein.“Rasch stellten sie die leeren Tassen zurück auf den Tresen, warfen dem Mann ein paar Münzen Muggelgeld hin und gingen im Laufschritt auf die Kirche zu. Das Mädchen verschwand aus ihrem Blickfeld.
„Meinst du, das ist Emily?“fragte Tonks leise. „Könnte schon sein.“ erwiderte er. In dem Moment in dem sie den unteren Absatz der Treppen, welche zur Kirche hinauf führten erreicht hatten, rauschte die junge Frau an ihnen vorbei. Sie schien sie nicht einmal bemerkt zu haben und lief wie von Dämonen gejagt an ihnen vorbei. Tonks war so überrascht, dass sie einen kleinen Schrei ausstieß und nach hinten überkippte. Remus konnte gerade noch rechtzeitig die Hände ausstrecken und nach ihr greifen, damit sie nicht fiel und das kostete sie die entscheidenden Sekunden. Doch als die junge Frau an ihnen vorbeigelaufen war, hatte Lupin gespürt, dass sie es sein musste. Tonks strauchelte fluchend wieder auf die Beine und sie fuhren herum, nur um zu sehen, dass die junge Frau verschwunden war.
„Verdammt!“zischte Tonks. „So ein Mist, sorry, Moony, das war alles meine Schuld, ich Dussel.“„Red keinen Unsinn. Komm!“Die liefen über den Marktplatz und bogen in die übernächste Seitengasse ein. „Sie kann noch nicht weit sein und wir werden sie hören, wenn sie an uns vorbeiläuft. „Ja, du wirst sie hören, Remus.“sagte Tonks atemlos. „Nicht jeder hat das Gehör eines Werwolfes.“
Sie hielten die Zauberstäbe jetzt offen, denn sie wussten nicht, vor wem oder was Emily aus der Kirche geflohen war und irgendetwas sagte Remus, dass jemand ganz in der Nähe war. Jemand, der nichts Gutes im Schilde führte... Sie bogen in eine weitere Straße ein und plötzlich hörten sie Stimmen, vielmehr, eine Stimme. Die Stimme eines Mannes, den Remus nur allzugut kannte. „IMPERIO!“Sie ließen alle Vorsicht fahren und rannten los. Wenn sie Glück hatten war er allein. „Pettigrew!“stieß Remus durch die Zähne hervor. „Verdammt, ich hoffe wir sind nicht zu spät.“
Doch wie es aussah waren sie es. Als sie um die nächste Ecke Bogen erblickten sie zwei Gestalten. Die hintere war die eines Mannes und wie die Stimme ihnen verraten hatte handelte es sich dabei um Wurmschwanz. Er lachte kalt und deutete seinen Zauberstab auf die Silhouette einer jungen Frau- Emily. „ich sagte, komm her!“Wurmschwanz´ Stimme klang schrill. „er ist allein.“Flüsterte Lupin und versuchte, im Schatten der Häuser zu bleiben. „STUPOR!“krisch Wurmschwanz in diesem Moment und sie konnten sehen, wie Emily, von dem Fluch getroffen zu Boden ging. Remus gab ein wütendes Knurren von sich und sprang die letzten Meter aus dem Schatten heraus. „STUPOR!“bellte er und ein roter Lichtstrahl brach aus dem Zauberstab hervor und verfehlte Wurmschwanz um Haaresbreite. Ein weiterer von Tonks traf ihm am Arm und schleuderte ihn ein Stück zurück. Dann jedoch geschah etwas mit der Gestalt des Mannes. Er wurde kleiner und huschte schließlich in seiner Tiergestalt, als Ratte, davon. „Verdammt.“Fluchte Tonks und wollte ihm hinterherspringen. „Lass ihn laufen. Das könnte eine Falle sein, Tonks. Wer weiß, wer noch in der Nähe ist.“„Spürst du etwas?“ „Nein, aber man kann nie wissen.“
Sie liefen zu der jungen Frau, die immer noch am Boden lag und vergeblich versuchte sich aufzurichten. Tonks und Remus beugten sich über die junge Frau und sahen, dass sie scheinbar in Ordnung war. „Lumos“sagte Tonks leise und an der Spitze ihres Zauberstabes begann es kühl zu leuchten. Lupin war sich sicher, dass die junge Frau wirklich Emily war. Er konnte es spüren. Vorsichtig packte er sie bei der Schulter. „Geht es Ihnen gut, Miss?“Die junge Frau lächelte gezwungen. Trotz ihres verwahrlosten Aussehens war sie hübsch, dachte Lupin. Ihr kupferfarbenes Haar reichte ihr in zottigen Strähnen bis auf die Schultern hinab und ihre grünen Augen leuchteten erstaunt, als sie in das Licht von Tonks Zauberstabes blickte. Sie musterte sie beide einen kurzen Moment „Es... geht schon.“Sagte sie dann doch er konnte hören, dass sie Schmerzen hatte. „Wer sind Sie?“ Das Mißtrauen, das er im ersten Moment in ihrem Blick gesehen hatte war bereit zu einem Teil geschwunden.
„Mein Name ist Remus Lupin.“Stellte er sich vor uns fügte mit einem kurzen Seitenblick hinzu: „Und das hier ist Nymphadora Tonks.“„Remus!“Sie knuffte ihn in die Seite und er wusste, dass sie es nicht mochte, wenn man sie bei ihrem Vornamen ansprach „Naja, gut, einfach nur Tonks“fügte er rasch hinzu. „Und jetzt kommen Sie. Wir müssen hier weg. Glauben Sie, dass Sie laufen können, Miss...“„Emily.“antwortete sie. “Ich bin Emily.” Sie war es, er hatte es gewusst. „Gut, Emily.“sagte Lupin und zog ein Stück Schokolade aus seiner Manteltasche. „Essen Sie das, dann geht es Ihnen gleich wieder besser.“Sie zögerte einen Moment, dann schob sie sich das Stück in den Mund. Sie riss erstaunt die Augen auf. „Was ist das?“fragte sie. „Später“sagte er und half ihr, zusammen mit Tonks, auf die Beine. Jetzt war keine Zeit für Erklärungen. Inständig hoffte er, dass sie ihnen vertrauen und mitkommen würde. „Sie müssen ja halb erfroren sein.“fügte er hinzu und packte Emily unter der Schulter um ihr beim Gehen behilflich zu sein. Ihr Bein stand in einem seltsamen Winkel vom Körper ab. Vielleicht war es gebrochen. Emily schleppte sich zwischen ihnen her und Tonks und Lupin mussten sie mehr tragen als sie selber ging. Der Fluch musste sie voll erwischt haben und nach einer kurzen Weile schien sie die Ohnmächtigkeit übermannt zu haben. „Eine Straße weiter gibt es einen Portschlüssel ins Hauptquartier.“Sagte Lupin. „Mit ihr können wir nicht einfach dort apparieren.
Einige Minuten später hatten sie einen staubigen und völlig verdreckten Hinterhof erreicht. Hier würde niemand einen Portschlüssel vermuten. Lupin deutete auf eine rostige Dose, die nicht anders aussah als ein Dutzend anderer, die hier herumlagen. Sie hockten sich hin und legten ihre Hände und die der bewusstlosen Emily auf den Portschlüssel. Remus spürte das bereits bekannte ziehen auf Höhe seines Bauchnabels und wenige Sekunden später waren sie wieder am Grimmauldplatz Nummer 12.
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Status: Offline Registriert seit: 08.06.2005 Beiträge: 429 Nachricht senden | Erstellt am 30.06.2005 - 09:38 |  |
Kapitel 3 DAs Haus
Als Emily erwachte hatte sie im ersten Moment Probleme, sich zu orientieren. Sie blinzelte verwirrt und ihr Blick war leicht verschwommen, so dass sie einen Moment lang einfach regungslos auf dem Rücken liegen blieb und versuchte, sich zu erinnern, was eigentlich geschehen war. Ihre Hände ertasteten eine weiche Matratze und eine warme Decke. Ein stummes Lächeln huschte über ihr Gesicht, und obwohl sie nicht wusste, wo sie war, fühlte sie sich plötzlich geborgen. Wie lange war es her gewesen, dass sie das letzte Mal in einem richtigen Bett geschlafen hatte? Monate musste es her sein und selbst da war die Pritsche auf der sie geschlafen hatte nicht mit dem weichen Federbett zu vergleichen gewesen, auf dem sie jetzt lag. Sie blinzelte erneut und ihre Sicht wurde klarer, doch ein leichtes Pochen an den Schläfen blieb. Sie hob ihre rechte Hand und massierte die Seite ihres Kopfes, dann stützte sie sich vorsichtig auf die Ellbogen und richtete sich auf.
Emily ließ ihren Blick durch den Raum schweifen und war sich sofort sicher, noch niemals zuvor hier gewesen zu sein. Das Zimmer, in dem sie sich befand war recht groß, ihr Bett befand sich an derselben Wand, wie eines der beiden Fenster, durch die sie das Sonnenlicht hineinscheinen sehen konnte. Das Mobiliar wirkte ein wenig heruntergekommen, aber gemütlich. Neben der großen Tür befand sich ein Schrank aus schwerem dunklen Holz, an dessen Vorderseite eine Spiegelwand angebracht war. Unter dem zweiten Fenster an der Wand gegenüber dem Bett stand ein kleiner Tisch, daneben ein Sessel aus dunkelgrünem Plüsch. Von der Decke hing ein kleiner Kronleuchter herab.
Emily setzte sich vollständig auf. Langsam kamen die Erinnerungen zurück. Sie erinnerte sich an die dunkle Straße, an den Mann, der ihr gefolgt war und erneut stieg Angst in ihr auf. Wer war er gewesen? Warum hatte er sie verfolgt? Dann tauchte das Bild zweier anderer Gestalten in ihrem Gedächtnis auf. Eine junge Frau, die etwa in ihrem Alter sein musste und ein Mann mit hellbraunem, von einzelnen grauen Strähnen durchzogenem Haar.
„Hallo?“Emily lauschte, doch niemand antwortete ihr. „Hallo?“wiederholte sie und setzte die Füße auf dem Boden auf. Sie berührten einen weichen Teppich. „Ist hier jemand?“Wieder erhielt sie keine Antwort.
Sie sah an sich herunter und stellte überrascht fest, dass sie einen dunkelblauen Pyjama trug. Wo in aller Welt war sie? Sie trottete grübelnd zu dem Schrank hinüber um ihre Gestalt im Spiegel betrachten zu können. Die junge Frau, die ihr entgegen blickte erschreckte sie. Aus müden Augen blickte ihr Spiegelbild ihr entgegen. Das rote lockige Haar hing ihr ein wenig strähnig über die Schultern, die grünen Augen blickten zweifelnd und unsicher. Ihre Haut war blass. „Mein Gott, Emy.“flüsterte sie ihrem Spiegelbild zu. „Was ist nur mit dir passiert?“
Sie streckte die Hand nach der Schranktür aus und öffnete sie auf der Suche nach ihren Sachen, doch ihre abgetragene Jeans und der zerschlissene Mantel waren nicht da. Der Schrank war leer bis auf einen flauschigen Morgenmantel. Ein wenig wütend darüber, dass sie ihre eigenen Sachen nicht fand griff sie danach und zog ihn sich über. Schuhe oder ähnliches fand sie nicht, darum durchquerte sie barfuß den Raum und drückte vorsichtig die Klinke herunter. Beinahe hätte sie erwartet, die Tür verschlossen zuzufinden aber umso überraschter war sie, als sie feststellte, dass das Schloss mit einem leichten Klicken aufsprang.
Emily steckte ihren Kopf durch die Tür. Ihre Scheu war der Neugier gewichen und sie beschloss, sich erst einmal umzusehen. Wo auch immer sie hier gelandet war, es konnte kaum schlechter sein, als draußen auf der Straße. Und irgendetwas sagte ihr, dass die beiden die sie in der Nacht zuvor vor dem seltsamen Fremden gerettet hatten – wer auch immer sie waren – Menschen waren, die auf ihrer Seite standen.
Sie trat vollends durch die schwere Eichentür und schloss sie hinter sich. Emily befand sich auf einem Korridor, der mit rotem Teppich ausgelegt war. Eine der Wände war vertäfelt und schmucklos und genau wie das Zimmer, in dem sie aufgewacht war, machte alles den Eindruck, ein wenig heruntergekommen zu sein, wenngleich sie nicht einmal genau hätte beschreiben können, was diesen Eindruck hervorrief. Rechts befanden sich in unregelmäßigen Abständen weitere Türen, links ein Geländer, dass den Raum auf das nächsttiefere Stockwerk freigab. Eine breite Treppe, die nach unten führte befand sich nur etwa ein Dutzend Schritte von ihr entfernt.
Emily stieß einen erstaunten Pfiff aus. Dieses Haus musste riesig sein!
Sie zog den Morgenmantel enger um sich und stapfte auf die Treppe zu. Während sie ging, ließ sie die Hand über das vertäfelte Holz zu ihrer rechten gleiten. Sie wusste nicht einmal warum, aber sie hatte bereits begonnen, sich hier wohl zu fühlen. Der Geruch dieses Hauses rief etwas in ihr hervor, dass dieses Gefühl nur noch verstärkte und im selben Moment, in dem sie dies dachte, wunderte sie sich darüber. Eigentlich war das doch gar nicht ihre Art. Das war nicht die scheue, allem fremden gegenüber skeptische Emily, nicht das Mädchen, das das Leben auf der Straße Vorsicht gelehrt hatte. Seltsam. Sie erreichte die Treppe und ging sie hinunter. Ihre bloßen Füße verursachten kaum ein Geräusch.
Am unteren Treppenabsatz angekommen lauschte sie wieder und dann hörte sie gedämpfte Stimmen aus einem Raum, der sich gleich an die Halle, in der sie nun stand, anschloss. Sie ging darauf zu und stellte fest, dass die Tür nur angelehnt war. Daneben befand sich ein Gemälde, dem sie keine Achtung schenkte. Die Stimmen waren viel interessanter. Mit leisen Bewegungen, die der einer Katze ähnelten näherte sie sich der Tür und spähte hindurch. Zu ihrer Enttäuschung waren die Stimmen verstummt, doch sie konnte erkennen, dass sich Menschen im Raum befanden.
Der Raum schien, soweit sie das erkennen konnte, eine Art Salon zu sein. An der Wand ihr gegenüber befand sich ein Kamin, in dem ein Feuer prasselte. Davor stand eine Sitzgruppe, bestehend aus einem massiven Tisch und drei oder vier großen Sesseln. Am Fenster neben dem Kamin stand ein Mann und spähte nach draußen. Es hatte wieder zu schneien begonnen und selbst von draußen konnte Emily die Schneeflocken vor dem Fenster wirbeln sehen. In einem der Sessel, mehr dem Feuer als der Tür zugewandt, saß ein zweiter Mann, älter als der am Fenster und mit langem weißen Haar und Bart. Auf seiner gekrümmten Nase trug er eine Brille, deren Goldrand im Feuerschein glänzte. Emily rührte sich nicht von der Stelle.
„Ich denke, wir sollten sie schlafen lassen. Sie kann uns alles erzählen, wenn sie sich besser fühlt.“sagte der alte Mann am Feuer und der am Fenster nickte. „Ja.“erwiderte er und wandte sich um, so dass Emily sein Gesicht sehen konnte. Es war derselbe Mann, den sie gestern gesehen hatte. Der, der zusammen mit der Frau gekommen war und den Fremden verjagt hatte. Sein Profil sah blass aus, so als sei er vor nicht allzu langer Zeit krank gewesen oder fühle sich nicht gut. Haar fiel ihm in die Stirn und Emily glaubte, etwas wie Sorge in seinem Blick lesen zu können. „Ja, das wird das beste sein, Albus.“sagte er dann.
Emily spitzte die Ohren. Redeten die beiden über sie? Sie drängte sich näher an die Tür, doch sie bemerkte, dass sie es nicht riskieren konnte, noch näher heranzutreten, ohne das Risiko einzugehen, das Gleichgewicht zu verlieren und durch die Tür zu stolpern.
„Lauschen Sie etwa Miss?“ertönte plötzlich eine Stimme dicht neben ihr. Emily fuhr erschrocken zusammen und wirbelte herum, doch niemand war zu sehen. Was ging hier vor? Gehetzt sah sie sich um, doch als sie sich wieder der Tür zuwandte erstarrte sie. Das Gemälde neben der Tür hatte sich bewegt...oder hatte sie sich das nur eingebildet? Ungläubig starrte sie näher hin. „Ja genau Miss, Sie hab ich gemeint. Es ist wirklich unhöflich, zu lauschen!“sagte der dicke Mann auf dem Gemälde.
Emily erschrak so sehr, dass sie einen kleinen Schrei ausstieß und strauchelte. Ehe sie Halt finden konnte stolperte sie gegen die Tür, welche mit einem leisen Quietschen aufschwang und fiel der Länge nach in den Raum.
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Niliathiel  Herrin des Forums *mwahahaha*
       

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Kapitel 4)
Tonks schloss leise die Tür zu dem Zimmer im zweiten Stockwerk, in dass sie Emily gebracht hatten. Der Korridor war dunkel und nur durch das Licht weniger Kerzen entlang der Wand erhellt. Remus Lupin stand, die Arme vor der Brust verschränkt am Geländer und blickte der jungen Hexe entgegen, als diese aus dem Zimmer trat und sich zu ihm umwandte.
„Wie geht es ihr?“ „Sie schläft.“antwortete Tonks leise. „Sie ist nicht aufgewacht. Ich denke, sie braucht einfach ein bisschen Ruhe, dann kommt sie sicher schnell wieder auf die Beine. Das war wahrscheinlich alles ein bisschen zu viel für sie.“ „Für wen wäre das wohl nicht zuviel gewesen?“seufzte Remus und blickte zu Boden. Peter Pettigrew tauchte vor seinem inneren Auge auf, aber es war nicht der Peter Pettigrew, dem sie heute Nacht gegenübergestanden hatten, nicht der hassverzerrte Zauberer, den er ohne zu zögern getötet hätte, wenn er die Möglichkeit dazu gehabt hätte, sondern Peter Pettigrew den Jungen. Ein kleiner, etwas pummeliger Junge mit schüchternem Blick. Er verdrängte die Vorstellung an den Jungen, der einmal sein Freund gewesen war, blickte auf und zwang sich zu einem Lächeln. Tonks berührte ihn sachte am Arm. „Typisch Moony.“sagte sie leise. „Macht sich um alles und jeden Sorgen und sei es nur ein unbekanntes Mädchen, dass er auf der Straße aufgelesen hat.“ Ein Blick sagte ihm, dass sie ihn nicht kränken wollte. Tonks wusste, wie er war, aber manchmal zog sie ihn einfach gerne damit auf. „Gute Nacht, Remus“sagte sie dann. „Nacht.“gab er zurück. „Ich...geh noch ein bisschen runter.“sagte er. Er musste nachdenken...über viele Dinge. Wider besseres Wissen machte er sich auf den Weg in den Salon. Eigentlich wäre es besser, wenn er jetzt schlafen ginge... in drei Tagen war Weihnachten, in der Nacht darauf würde Vollmond sein und Wolfsbanntrank hin oder her...da würde er keinen Schlaf kriegen.
Remus Lupin betrat den Salon. Es befanden sich so kurz vor Weihnachten nicht viele im Hauptquartier. Erst am nächsten Tag würde es hier geschäftiger werden, wenn Molly und Arthur ankommen würden, dann die Zwillinge und das Trio. Moody wollte über Weihnachten vorbeikommen und Kingsley...und sicher würden sie nicht die einzigen bleiben, aber als Remus mit einer flinken Bewegung seines Zauberstabes ein prasselndes Feuer im Kamin entzündete und sich in einen der flauschigen Sessel fallen ließ wurde ihm wieder einmal deutlich bewusst, dass das Haus nie wieder so sein würde wie es einmal gewesen war. Es war nicht nur die Tatsache, dass Sirius nicht mehr da war und allein das wäre schon genug gewesen. Nein, seit sein alter Freund tot war hatte er das Gefühl, dass mit ihm etwas in diesem Haus gestorben war. Dumbledore hatte beschlossen, dass das Haus der Blacks auch weiterhin das Hauptquartier des Phoenixordens bleiben sollte, aber seit Sirius tot war, war es, als fehlte etwas. Die Stimmung war nicht mehr dieselbe, es gab keine Streitereien mehr zwischen Sirius und Snape, der hier hin und wieder auftauchte. Remus hatte nie geglaubt, dass er diese kindischen Rangeleien einmal vermissen würde, und dennoch war es so. Diese Streitereien hatten zumindest Leben ins Haus gebracht und ihm nie das Gefühl gegeben, allein zu sein...
Gedankenverloren starrte er in die Flammen. Es musste schon weit nach Mitternacht sein, aber das störte ihn nicht und er bemerkte es nicht einmal. Sein Blick war starr auf die rote Glut gerichtet, aber er sah nicht das Züngeln der kleinen Flammen, die an den Holzscheiten leckten und er hörte nicht das Knacken, wenn sie zu Asche zerfielen. In Gedanken war er weit fort... war er wieder in Hogwarts, aber nicht so, wie er es zuletzt gesehen hatte, als er dort unterrichtet hatte... die Peitschende Weide war noch jung und einige der Bücher in der Bibliothek waren noch nicht ganz so verstaubt, wie sie es jetzt waren...der Himmel, der sich über Hogwarts ausbreitete war jünger, wenngleich nur um eine winzige Zeitspanne, die, gemessen an der Ewigkeit nur wie ein Wimpernschlag anmuten mochte.
Als er so dort saß, sah Remus Lupin nicht die Flammen im Kamin, er sah sich selbst, auf seinem Bett im Schlafsaal der Gryffindorjungen hockend, und um sich herum seine drei besten Freunde. Er wusste nicht, ob das, was er sah einfach so real war, weil er sich in diesem Moment in diese Zeit zurückversetzt fühlte, oder weil der Schlaf ihn langsam übermannte und er unbemerkt in einen Traum hinüberglitt... James Potter fuhr sich lachend durch das unordentliche schwarze Haar, James, und er lebte noch. Nichts auf dem Gesicht dieses 16 jährigen Jungen ließ vermuten, dass er in wenigen Jahren sterben würde. „Na los, Moony, du bist dran.“rief er gut gelaunt und warf das Blatt seines Zauberkartenspiels auf den Boden, um zu zeigen, dass er unschlagbar gute Karten hatte. „Na los Jungs, lasst sehn, was ihr habt.“grinste er. Sie hatten dieses Spiel oft gespielt, ein dämliches Kartenspiel, das ihnen so wahnsinnigen Spaß gemacht hatte und soweit er sich erinnern konnte, hatte Sirius es sich ausgedacht. Remus legte seine Karten vor sich. „Was ist mit dir, Peter?“fragte Sirius und zeigte seine Karten. Das schwarze Haar fiel ihm über die Augen. Ja, Sirius Black war wirklich ein gutaussehender Kerl gewesen. Die meisten Mädchen der Schule hatten ein Auge auf ihn gehabt...und jetzt, als Remus ihn ansah, auf seltsame Art gleichzeitig als 16 jähriger Junge und als Zauberer von knapp 36 Jahren, fühlte er, wie sein Herz sich zusammenkrampfte bei dem Gedanken, was diesem Jungen bevorstand....13 Jahre Askaban...doch seine Augen erweckten den Eindruck eines jungen Abenteurers, der gar nicht erwarten konnte zu entdecken, welche Dinge die Welt für ihn bereithielt..
Peter legte zögerlich seine Karten auf den Boden und die Jungen brachen in lautes Johlen aus. „Tja, würde mal sagen, Pech gehabt, Wurmschwanz“sagte Sirius feixend und grinste. Da er selbst die letzte Runde verloren hatte, lag es an ihm, sich auszudenken, was Peter nun zu tun hatte. Dieses Spiel war dem „Wahrheit oder Tat“das Muggelkinder so gerne spielten, nicht unähnlich, aber natürlich ließen sich die Rumtreiber weitaus wildere Scherze einfallen...
In Gedanken an seine Vergangenheit schlief Remus Lupin vor dem Kamin ein.
Als er am nächsten Morgen erwachte, fühlte er sich wie gerädert, aber er war sich nicht sicher, ob es daran lag, dass er die Nacht in einem Sessel verbracht hatte oder daran, dass der Vollmond mit dieser Nacht wieder ein Stück näher gerückt war.
Er rieb sich mit dem Handrücken über sein Gesicht. Das Feuer im Kamin war erloschen. „Guten Morgen Remus.“vernahm er eine bekannte Stimme hinter sich und schreckte auf. Verdammte Werwolfsinne, dachte er. „Oh, guten Morgen Albus.“Er wandte sich um und sah den alten Schulleiter an, der um seinen Sessel herumschritt und sich auf einem weiteren, vor dem Feuer niederließ, der etwas seitwärts stand. Er sah ihn fragend über die Halbmondgläser seiner Brille hinweg an. „Ich muss eingeschlafen sein“sagte Remus in einem beinahe entschuldigenden Ton. „Ich hab mich gestern nacht noch ein bisschen vor das Feuer gesetzt und scheinbar bin ich dabei eingenickt.“ Dumbledore nickte und schenkte ihm ein verständiges Lächeln. „Nachgedacht? Worüber?“ Remus schüttelte leicht den Kopf. „Nicht so wichtig.“ „Wie geht es dem Mädchen?“ „Wir haben sie in eines der Zimmer im zweiten Stock gebracht. Ich glaube, wir sind grad noch rechtzeitig gekommen.“ „Wurde sie verfolgt?“Dumbledore ließ ihn nicht aus den Augen und Remus glaubte, etwas wie Sorge in seinem Blick lesen zu können. „Ja. Aber er war allein.“Einen Moment schwieg er. „Pettigrew.“ Dumbledore schwieg und wartete, bis er weitersprach.
„Er war allein. Wir hatten keine Zeit uns nachher noch genauer umzusehen, aber ich glaube nicht, dass andere Todesser in der Nähe waren. Nachdem er uns entwischt war, waren wir allein.“ „Hm...also nur Pettigrew.“ „Ja.“Remus runzelte die Stirn. „Seltsam, oder? Warum sollte Voldemort das Risiko eingehen, nur einen seiner Leute nach Emily auszuschicken? Warum nicht gleich ein halbes Dutzend? Seine Anhängerschaft dürfte doch mittlerweile stark genug sein.“ „Vielleicht wusste Voldemort selbst nichts von Emily.“ „Dann hat Pettigrew einen Alleingang gestartet?“ „Schon möglich. Allerdings ist mir nicht genau klar, warum er das getan hat.“ Remus erwiderte nichts. Peter hatte immer zu denen gehört, der viel tat, um von anderen akzeptiert zu werden. Er war immer der ängstlichste in ihrer Gruppe gewesen, immer derjenige, der sich von den anderen abhängig machte... aber in diesem Moment fragte er sich ernsthaft, ob es vielleicht nicht auch an ihnen gelegen hatte, dass Peter so geblieben, so gewesen war. Sirius hatte oft seine Witzchen über Peter gemacht, die, wenngleich sie nie böse gemeint gewesen waren, dem Jungen dennoch gezeigt hatten, dass er das Schlusslicht ihrer kleinen Gemeinschaft bildete. Er war sich nicht sicher, ob Dumbledore ahnte, woran er dachte, aber er zwang sich, seine Gedanken in eine andere Richtung zu lenken. „Was tun wir jetzt?“fragte er dann. In diesem Moment fiel ihm auf, dass zumindest er sich noch keine Gedanken gemacht hatte, was nun mit Emily zu geschehen hatte. Sie hatten sie ohne zu zögern von der Straße geholt, als sie ihre Hilfe brauchte, aber dieses Mädchen wusste nichts über ihre Welt und allem Anschein nach zumute nicht einmal, welche Fähigkeiten sie besaß. So war es oft mit wilden Magiern, Remus hatte darüber gelesen. Viele reagierten mit Angst und Entsetzen, wenn sie erkannten, was sie von den Muggeln unterschied. Wahrscheinlich würde es bei Emily nicht anders sein. „Für Hogwarts ist sie zu alt.“Sagte Dumbledore nachdenklich. „Und darüber hinaus ist die Schule kein sicherer Ort für sie. Ich weiß nicht, ob Voldemort oder irgendjemand aus seinem Umfeld sie weiter verfolgen würde, oder ob sie nur eines von vielen Opfern ist, auf die er es abgesehen hat. Trotzdem halte ich es momentan am besten, wenn sie hier bleibt. Über Weihnachten kann sie sich ausruhen, ich denke, sie wird ohnehin ein paar Tage benötigen, um sich einzugewöhnen und alles zu verdauen, was sie bald erfahren wird.“
Der Schulleiter beugte sich vor und legte die Fingerspitzen in einer nachdenklichen Geste aneinander. „Remus, ich weiß, dass du dich momentan nicht besonders fühlst, aber ich würde dich gerne darum bitten, Emily unter deine Fittiche zu nehmen, sobald du den Vollmond hinter dir hast.“ Remus, der während des Gesprächs aufgestanden und zum Fenster hinübergegangen war, blickte sich um und warf dem Schulleiter einen überraschten Blick zu. „Was?“
„Der Umgang mit wilder Magie erfordert viel Fingerspitzengefühl, Remus. Eine Hexe, die ihre Fähigkeiten wild entwickelt hat, kann gefährlich werden und sie benötigt jemanden, der das weiß und der ihr beibringt, ihre Magie in geregelte Bahnen zu lenken. Ich weiß, es ist nicht wenig, was ich von dir verlange, aber die Dunklen Künste sind nun einmal dein Fachgebiet und ich denke, dass du für diese Aufgabe am besten geeignet bist.“
Remus dachte einen Moment nach. Eigentlich gab es nichts, worüber er nachdenken musste. Dumbledore hatte schon so viel getan. „Natürlich.“sagte er und lächelte. „Gut.“erwiderte Dumbledore.
„Wann soll ich damit anfangen, sie zu unterrichten?“ „Erst wenn du dich wieder besser fühlst.“Dumbleore machte eine kleine Pause, eher er weitersprach. „Ich denke, wir sollten sie schlafen lassen. Sie kann uns alles erzählen, wenn sie sich besser fühlt.“ „Ja.“Sagte Remus nur.
Remus wandte leicht den Kopf. Er war sich nicht sicher, aber er glaubte, eine stimme gehört zu haben. Die Tür war angelehnt und er konnte nicht sehen, ob sie draußen jemand befand. Er lenkte seine Aufmerksamkeit wieder auf andere Dinge. Sicher nur eines der Gemälde, das glaubte, den Hauselfen herumkommandieren zu müssen.
Er wandte sich wieder dem Fenster zu, als plötzlich ein spitzer Schrei erklang. Remus fuhr herum und sah, wie die Tür aufschlug und eine Gestalt in einem weißen Morgenrock der Länge nach ins Zimmer stolperte. Emily.
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Kapitel 5 Fremd und vertraut
Mit einem unterdrückten Schrei auf den Lippen stolperte Emily durch die Tür in den Raum mit dem Kamin, der dahinter lag und ehe sie sich hätte abstützen können, stolperte sie über ihre eigenen Füße, verlor endgültig das Gleichgewicht und fiel der Länge nach auf den mit Teppichboden ausgelegten Boden. Verdammt!
„Emily!“Ehe sie den Kopf, der in Windeseile den Farbton einer überreifen Tomate angenommen hatte, fühlte sie sich beim Arm gepackt. „Alles in Ordnung?“Sie sah auf. Es war der Mann, den sie schon am Abend zuvor gesehen hatte, der der gerade am Fenster gestanden hatte... sie dachte einen Moment angestrengt nach, doch sie erinnerte sich nicht mehr an seinen Namen.
„Ich ...äh...“Mann, peinlich, Emy, sagte die altbekannte Stimme in ihrem Kopf. Dann rappelte sie sich auf und streifte den Arm dabei unbewusst ab. „Ich..habe nur...“ „Gelauscht?“Eine andere Stimme. Es war der ältere Mann, der vor dem Kamin gesessen hatte und jetzt ebenfalls aufgestanden war. Ein amüsiertes Lächeln umspielte seine Züge und das machte es für Emily nur noch peinlicher. Dann erinnerte sie sich daran, was sie eigentlich so erschreckt hatte. Sie wandte den Kopf zur Tür und deutete hinaus. „Was...was ist das da draußen gewesen ich...Mann Leute ihr hättet mich ja fast zu Tode erschreckt. Ist das... ist das so ne Art Computersimulation oder wie habt ihr das angestellt?“
Die beiden Männer sahen sie nur an. „Was?“fragte schließlich der ältere von den beiden. „Na das Bild da draußen. Es hat...geredet. Na los, wie habt ihr das gemacht? Ist das ne Animation oder so was? Eine Holographie vielleicht?“ Jetzt sah der Ältere wirklich verwirrt aus. „Ich verstehe nicht...“Er wandte sich dem jüngeren zu. Dieser lächelte leicht. „Muggletechnik“sagte er nur und der andere nickte, als würde er verstehen.
Emily stand einfach nur da und runzelte die Stirn. Wo war sie hier nur gelandet?
„Setz dich doch“sagte der jüngere und wies mit der Hand auf einen der Sessel, er selbst ließ sich in einem dritten nieder. Zögernd kam sie seiner Aufforderung nach. „Ich...“sie fuhr sich unsicher durch das Haar, wie sie es immer tat, wenn sie nicht wusste, was sie als nächstes tun sollte und schob sich eine verirrte Strähne ihres roten Haares hinter das Ohr. „Ich weiß nicht mehr genau, was gestern Abend passier ist aber...“Ihr Blick wanderte zu dem jüngeren Mann mit dem braunen Haar. „..er war da und...und eine Frau. Wo bin ich hier eigentlich? Was ist passiert?“
„Das ist alles vielleicht ein bisschen viel auf einmal, Emily“setzte der Jüngere an. „Woher kennen Sie meinen Namen?“Emilys Augen sahen ihn skeptisch an, unbemerkt hatte sie von ihrem zwanglosen Umgangston zum „Sie“gewechselt. „Das ist eine längere Geschichte.“sagte der Ältere. „Ich hab Zeit, legen Sie los!“gab Emily zurück.
„Vielleicht sollten wir uns erst einmal gegenseitig vorstellen.“sagte der Ältere. „Mein Name ist Albus Dumbledore und das“er deutete auf den Jüngeren. „ist Remus Lupin.“
Remus...ja, das war der Name, den sie gesucht hatte...langsam kamen die Erinnerungen zurück.
„So...und was ist das hier? So ne Art Zufluchtstätte? Für hoffnungslose Fälle wie mich?“gab sie sarkastisch zurück und Lupin lächelte. „Nicht ganz, nein.“sagte er dann und sah sie an. „Aber vielleicht hast du gar nicht so unrecht. Jemand hat dich verfolgt und wir wussten davon.“ „Wer?“ „Ein Mann namens Peter Pettigrew.“ „Nie von ihm gehört.“sagte Emily kopfschüttelnd. Das sollte nicht viel heißen. In der Zeit, in der sie auf der Straße gelebt hatte, war sie mehr als einmal verfolgt worden, aber diese Leute waren meist von der Stadtverwaltung oder der Polizei gewesen. Der Kerl gestern Abend aber war seltsam gewesen. Er hatte etwas getan, das sie sich nicht erklären konnte. Langsam erinnerte sie sich, dass sie sich seinem Willen kaum hatte widersetzen können und ein Schauer lief ihr über den Rücken.
„Kaum jemand kennt ihn“fuhr Lupin fort. „Und kaum jemand, der daher kommt, wo du und die anderen Menschen in London herkommen, kennt uns.“ Emily konnte sich ein spöttisches Lachen nicht verkneifen. „Ist ja drollig. Gleich werden Sie mir sagen, Sie gehören zu einem Geheimbund oder so was.“ „Auch das wäre nicht allzu weit von der Wahrheit entfernt“sagte Lupin wieder und Emily rollte mit den Augen. „Bitte.“
Lupin ignorierte ihr Augenrollen und beugte sich vor. „Darf ich dir eine Frage stellen, Emily?“Sie erwiderte nichts und sah ihn nur weiterhin skeptisch an, und scheinbar nahm er das als ein ja. „Ist dir jemals etwas seltsames passiert? Etwas, das du dir nicht erklären konntest?“Emily bemerkte, wie ihr unbehaglich zumute wurde. Worauf wollte er hinaus? Er konnte doch unmöglich davon wissen, dass ihr manchmal merkwürdige Dinge passierten, die nicht zu erklären waren.. Sie öffnete den Mund, um etwas zu sagen, aber er fuhr fort. „Etwas, das dir selbst seltsam vorgekommen ist.“ „Ich..weiß nicht genau. Kann schon sein. Warum?“ „Emily, was ich dir jetzt sage, wird dich vielleicht erschrecken. Vielleicht wirst du mir auch nicht glauben, aber ich bitte dich, gib mir eine Chance, dir zu beweisen, dass ich die Wahrheit sage.
Am liebsten wäre Emily aufgestanden und hätte das Zimmer verlassen, aber irgendetwas bewegte sie dazu, dies nicht zu tun. Sie kannte diesen Lupin nicht einmal, aber er strömte etwas aus, dass sie nur als vertrauenserweckend beschreiben konnte. Vielleicht war das eines der Dinge, von denen er gerade gesprochen hatte. Sie hatte schon immer die Fähigkeit besessen, einen Menschen sofort einschätzen zu können. Der einzige Grund, warum sie nicht sofort nach ihren Sachen verlangte, um dieses Haus zu verlassen war, dass sie spürte, dass von diesen beiden Männern keinerlei Gefahr ausging. Und Lupin hatte etwas an sich, dass sie beinahe sofort dazu bewegte, ihm zu vertrauen. Das einzige, dass dieses Vertrauen unvollständig beließ war etwas anderes, das sie gleichzeitig an ihm wahrnahm. Sie konnte es nicht in Worte fassen, vielleicht hatte es damit zu tun, dass er ein wenig krank aussah, denn wenn Leute sich nicht gut fühlten, konnte sie das spüren... aber da war etwas an ihm, dass sie skeptisch bleiben ließ, etwas, wie ein Schatten der sich hinter dieser Vertrautheit verbarg. So als hätte dieser Lupin ein Geheimnis...
Sie wischte den Gedanken beiseite, denn ihre Neugierde war stärker. „Okay, ich denke, auf einen Versuch könnte ich es ankommen lassen.“ Lupin nickte kurz. Sein Blick traf den des alten Mannes, der in diesem Moment aufgestanden war. „Ich ziehe mich zurück“sagte der Mann, der sich als Dumbledore vorgestellt hatte. „Ich denke, so etwas bespricht man besser unter vier Augen.“
Lupin wartete ab, bis Dumbledore die Tür leise hinter sich geschlossen hatte.
„Was wird hier gespielt?“fragte Emily und ihre Skepsis war wieder da. Lupin war aufgestanden und wieder auf das Fenster zugegangen. Er wandte sich um und lehnte sich dagegen.
„Dumbledore hat uns gestern beauftragt, nach dir zu suchen, denn du warst in Gefahr und wir wussten das“sagte er. „Der Mann, der dich verfolgt hat gehört zu jemandem, der sehr gefährlich ist und nach Menschen wie dir Ausschau hält.“ „Menschen wie mir?...“ „Solchen, die magisch begabt sind.“ „Wie bitte?“ „Emily, ich weiß, das ist schwer zu begreifen, aber es ist wahr. Du bist eine Hexe.“ Einen Moment lang saß Emily einfach nur da, dann krallte sie die Hände in die Armlehnen und stand auf. „Ich denke, ich sollte besser gehen.“sagte sie und musste sich dabei alle Mühe geben, ihre Wut zu unterdrücken. Er tat nichts, um sie aufzuhalten. Sie schritt auf die Tür auf, aber ehe sie sich ihr auf drei Schritte nähern konnte, hörte sie, wie er etwas hinter ihr sagte. „Alohomora!“
Die Tür sprang auf. Emily blieb abrupt stehen und fuhr herum. Lächelnd senkte Lupin seine Hand, in der er jetzt einen hölzernen etwa eine Elle langen Stab hielt. „Was...“ „Wenn du gehen möchtest, kann ich dich nicht aufhalten.“sagte er leise. „Aber ich glaube, dass du auf der Suche nach Antworten bist, die du allein nicht finden kannst. Ist es nicht so?“
Emily war stehen geblieben. Sie wich seinem Blick auf und starrte auf ihre Füße... Antworten, die du alleine nicht finden kannst...Fragen....warum? warum bin ich anders als die anderen? Das Gesicht eines Mädchens mit Zöpfen tauchte vor ihrem Inneren Auge auf.... du bist komisch...schrie das Mädchen...Hexe! Hexe!..Sie schwieg.
„Es ist schwer, damit alleine fertig zu werden.“fuhr Lupin fort und seine Stimme lang so sanft und so voller Verständnis, dass Emily plötzlich einen Klos im Hals verspürte.
„Du hast mehr durchgemacht, als du es solltest, Emily. Gib uns eine Chance, dir zu zeigen, wer du wirklich bist.“
Sie hob den Blick. „Ach wirklich?“Ihre Worte hatten vorwurfsvoll klingen sollen, aber sie waren kaum mehr als ein Flüstern. „Wie kann jemand wie Sie wissen, wer ich bin? Wie kann jemand wie Sie wissen, wie es ist, wenn man ausgestoßen wird?“Als sie aufblickte, las sie etwas neues in seinem Blick...Sie konnte es nicht einordnen aber sie wusste mit einer plötzlichen Gewissheit, dass die Antwort, die er auf ihre Fragen gegeben hätte „Ja.“ Gelautet hätten. Vielleicht war es das, was sie letztendlich dazu bewegte, nicht zu gehen. Langsam schloss sie die Tür und ließ sich wieder in einen der Sessel fallen.
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Kapitel 6
Unbekannte Fähigkeiten
Emily hatte sich in den Sessel fallen lassen, wenngleich sie nicht einmal genau wusste, was sie dazu veranlasst hatte, Lupin eine Chance zu geben. Die vielen Jahre auf der Straße hatten sie Fremden gegenüber misstrauisch, ja, beinahe feindselig gemacht, und in diesem Moment wunderte sie sich über sich selbst und darüber, warum sie nicht tat, was sie gestern noch ohne zu zögern getan hätte – einfach durch diese Tür zu schreiten und aus diesem Haus zu verschwinden. Zurückzukehren auf die Straße, allein und einsam...und in drei Tagen war Weihnachten, wie sie an dem kleinen Kalender erkennen konnte, der neben dem Kamin hing.
Eine Weile lang starrte sie auf ihre Hände hinab und fühlte sich immer unbehaglicher. Was sie gerade gehört hatte, war seltsam, aber es überraschte sie nicht so sehr, wie sie es erwartet hätte. Andererseits- was hatte sie schon zu verlieren? Sie lebte auf der Straße und wenn eine Hexe zu sein bedeutete, dass sie über Weihnachten ein Dach über dem Kopf hatte, dann wollte sie gerne eine Hexe sein und diesem Fremden die Möglichkeit geben, ihr zu erklären, wie er zu seiner Meinung kam.
Als sie den Blick wieder hob, bemerkte sie, dass er sie ansah. Sie wusste nicht, warum, aber dieser Blick war ihr kaum unangenehm, doch erinnerte er sie an etwas, das sie selbst nur allzu gut kannte...
„Also. Ich....“begann sie. „Was meinen Sie damit, was sie gerade gesagt haben?“ Er holte tief Luft. „Ich kann verstehen, wenn dich all das momentan noch verwirrt“hob er an. „Aber ich glaube, dass du weißt, worauf ich gerade angespielt habe. Du weißt, dass du Fähigkeiten besitzt, die du dir selbst nicht erklären kannst.“Er machte eine Pause und wartete, bis sie nickte. „Wie äußern sich diese Fähigkeiten, Emily?“
„Ich...es ist ganz unterschiedlich“begann sie. „Ich kann es nicht kontrollieren. Manchmal kann ich mich vor anderen verbergen, wenn ich verfolgt werde, auch wenn das gestern nicht funktioniert hat. Manchmal kann ich Feuer aus einer Funke erschaffen...ich habe das mal gemacht, als mir im letzten Winter kalt war. Wenn ich besonders wütend bin, dann passieren.. Dinge. Ich weiß nicht, warum aber ich glaube, das ist schon so, seit ich etwa 13 oder 14 war.“
„Das ist wilde Magie.“sagte Lupin.
„Wilde Magie?“
„Ja. Emily, in dieser Welt gibt es mehr, als die meisten Menschen ahnen und heute ist sie unterteilt in die Welt derer, die wir Muggel nennen, das sind die, die keine magischen Fähigkeiten haben, und die, die sie haben. Hexen und Zauberer. Wir haben über die Jahrhunderte hinweg Mittel und Wege gefunden, uns vor den normalen Menschen zu verbergen. Wir haben eine eigene Regierung, eigene Universitäten und Schulen...Krankenhäuser...aber all das ist vor den Augen der Muggel verborgen.
Das, was du bisher nur als Fabelwesen gekannt hast, gibt es wirklich, aber die Menschen wissen nichts davon. Es kommt sogar vor, dass Menschen, die keine Hexen und Zauberer in ihrer Familie haben, diese Fähigkeiten haben. Alle, die Hexen oder Zauberer sind, werden ausgebildet, wenn sie 11 Jahre alt sind gehen sie auf eine Schule. Für England und Großbritannien ist das Hogwarts.“
„Hogwarts?“
„Ja. Es ist schwer, dir das alles auf einmal zu erklären. Da du eine wilde Magierin bist, hat man dich natürlich nicht aufspüren können. Du hast erst mit 13 oder 14 deine Fähigkeiten entwickelt und bist deshalb nie auf eine Zaubererschule gegangen.“
„Mir hätte es genügt, wenn ich überhaupt auf eine vernünftige Schule gegangen wäre“erwiderte Emily mit einem leicht sarkastischen Unterton.
Lupin schwieg für einen Moment, dann fuhr er fort. „Wie alt bist du jetzt, Emily. Anfang 20?“
„22, ja.“
„Wir können dich nicht mehr in der Schule unterrichten, dafür bist du zu alt, aber wir werden dich auch nicht mehr auf die Straße zurück schicken.“ „Mal langsam jetzt. Sie meinen ich soll hier bleiben? Hier wohnen?“ „Du bist ein Teil unserer Welt Emily. Niemand wird dich aufhalten, wenn du gehen willst, aber ich kann dir nicht garantieren, dass du sicher sein wirst. Auch in dieser Welt gibt es Verbrecher. Und manche von denen haben es auf wilde Magier abgesehen.“ Er beugte sich ein wenig vor uns lächelte sie an. „Ich weiß, wie es ist, wenn man glaubt, dass niemand für einen da ist.“ sagte er. „Aber ich weiß auch, dass du hier die Antworten finden wirst, nach denen du suchst. Du bist eine Hexe, Emily, du bist eine von uns. Hier wird dich niemand als unnormal ansehen.“ Sie sah ihm in die Augen und versuchte so trotzig auszusehen wie ihr dies möglich war, doch das amüsierte Funkeln in Lupins Augen sagte ihr, dass ihr dieser Versuch misslang.
„Schön.“sagte sie. „Eigentlich gefällt´s mir hier. Beweisen Sie mir also, dass das, was Sie mir gerade erzählt haben, kein Unsinn ist, und ich bleibe gerne hier. Glauben Sie nicht, ich würde endlich gerne ein Zuhause finden? Einen Ort, an dem ich bleiben kann und an dem man mich akzeptiert?“
Er lächelte wieder.
„Remus“sagte er dann.
„Was?“
„Nenn mich Remus, okay?“
„äh...okay.“
Er stand von seinem Sessel auf, dann zog er wieder den hölzernen Stab, den sie kurz zuvor in seiner Hand gesehen hatte. „Was ist das?“
„Ein Zauberstab.“
Emily musste sich zusammen nehmen, um ein Lachen zu unterdrücken, aber wieder wirkte ihre Neugier. Remus hob den Stab, machte eine sachte Bewegung und streckte die Hand aus. „Candela inflammare“murmelte er und plötzlich erschien auf seiner geöffneten Handfläche ein kleiner, knisternder Ball aus bläulichem Feuer, dass er wie eine schwebende Kugel vor sich trug.
Emily stand auf.
“Wow.. Was ist das?”
„Ein einfacher Zauber.“
„Und sowas kann ich auch?“
„Wenn man es dir beibringt...ja. Und das ist noch lange nicht alles.“
Fasziniert starrte Emily auf den kleinen Feuerball. „Wer bringt mir das alles bei? Du hast gerade noch gesagt, ich wäre zu alt, um auf eure Schule zu gehen.“ Remus machte eine weitere, fließende Bewegung mit seinem Zauberstab und die Feuerkugel erlosch. „Ich“sagte er.
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Niliathiel  Herrin des Forums *mwahahaha*
       

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Kapitel 7
Eine neue Welt
Es war beinahe Mittag, als Emily nach einer ausgiebigen Dusche die Treppen wieder hinunter stieg und sich auf den Weg in die Küche machte. Bereits als sie am obersten Absatz angelangt war, stieg ihr ein unwiderstehlicher Geruch in die Nase und erstmals meldete sich auch wieder ihr Magen und machte ihr mit einem lauten Grollen klar, dass sie seit nunmehr knapp 24 Stunden nichts mehr gegessen hatte. Die letzte Mahlzeit, die sie zu sich genommen hatte, hatte aus einem lauwarmen Hotdog bestanden, den sie dem Standbesitzer auf dem Weihnachtsmarkt in einem unbedachten Moment unter der Nase wegstibitzt hatte. Wenn es eines gab, von dem sie sich bisher sicher war, es wirklich gut zu können, dann war es, auf der Straße zu überleben. Sie kannte die kleinen Tricks, mit denen man sich als Straßenkind durchschlagen konnte, wusste, wo und wie man am leichtesten an Essen, wenn man Glück hatte, sogar an etwas Bargeld kam. Im Winter war das schwieriger. Im Sommer bot sich oft die Gelegenheit, wenn die Menschen in den Straßencafés den Kellnern nur einen Wink gaben und das Geld auf dem Tisch zurückließen, ehe sie darauf warteten dass jemand vorbeikam und es in Empfang nahm. Oft war Emily schneller.
Sie folgte dem Geruch nach Frühstücksspeck, Rührei und frischem Toast und steckte ihren Kopf durch die Küchentür.
Die Küche war sehr geräumig. In der Mitte stand ein massiver hölzerner Tisch, an dem gut und gerne 12 Personen Platz hatten und darum herum etwa ein Dutzend Stühle, ebenfalls aus Holz. Die Gerätschaften, Ablage, Arbeitsplatte und der Herd machten, genauso wie das übliche Mobiliar des Hauses, einen altmodischen, aber gemütlichen Eindruck. Sie trat ein und schaute sich um. „Oh. Hallo!“
Sie wandte sich der Richtung zu, aus der die Stimme gekommen war und erkannte die junge Frau vom letzten Abend wieder, die die sie zusammen mit Remus in dieser Gasse aufgelesen hatte. Sie musste etwa in Emilys Alter sein, hatte ein symphatisches Gesicht und fröhlich blitzende Augen. Ihr Haar war nach oben gegelt und feuerwehrrot (Emily hätte schwören können, dass es noch am Abend zuvor blau gewesen war...). „Äh...hi.“
„Gut geschlafen?“fragte das junge Mädchen gut gelaunt.
„Ja, danke.“
„Wir dachte, du hättest vielleicht Hunger.“fuhr sie fort. „Na ja, eigentlich war es Remus, der das gedacht hat, aber was soll´s.“ „Danke.“
Emily setzte sich etwas schüchtern auf einen der hölzernen Stühle und vergrub ihre Hände in den Ärmeln des bunten Rollkragenpullovers. Sie hatte ihn, zusammen mit den Jeans, die sie jetzt trug, in ihrem Zimmer vorgefunden, als sie hinaufgegangen war, um zu duschen.
„Passen dir die Sachen?“fragte die junge Frau...Hexe, korrigierte sich Emily in Gedanken, als diese zu ihrem Zauberstab griff und ohne sich die Mühe zu machen, überhaupt aufzustehen, auf die Pfanne mit Frühstücksspeck und Rührei richtete, die auf dem Herd stand. Sie machte eine kurze Bewegung und die Pfanne hob sich vom Herd und wendete den Speck ganz allein. Emily sah fasziniert zu. Sie würde definitiv einige Zeit brauchen, um sich an solche Dinge zu gewöhnen, dachte sie. Dann fiel ihr auf, dass sie mit offenem Mund dasaß und ihr Gegenüber noch immer auf eine Antwort wartete. „Ich...ja, danke. Sind die von dir?“
„Ja. Ich dachte, wir hätten in etwa dieselbe Größe.“
„Tut mir leid, dass ich euch solche Umstände mache, ich...“
„Ach was, red keinen Unsinn. Ist doch schön dass du da bist.“Sie schenkte ihr ein offenes Lächeln.
„Entschuldige bitte“sagte Emily. „Ich war gestern etwas neben der Spur und hab deinen Namen vergessen.“
„Ich bin Tonks. Meinen Vornamen kannst du vergessen, der ist einfach nur peinlich.“grinste sie. „Okay.“
Tonks gab ihrem Zauberstab einen weiteren Stubser und das Toast flog in einen kleinen Brotkorb und schwebte, zusammen mit der Butter und einem Glas Marmelade zum Tisch hinüber. „Sowas nenn ich faul.“
Die beiden jungen Frauen blickten sich um und bemerkten, dass Remus im Türrahmen stand. Sein Umhang war voller Schnee, seine Wangen gerötet. Zumindest sah er jetzt nicht mehr ganz so krank aus, wie noch früher am Morgen.
„Beschwer dich nicht. Du hast dich aus dem Staub gemacht und lässt mich die Arbeit tun.“konterte Tonks grinsend.
„Das tut dir gut.“sagte Remus mit einem süffisanten Lächeln. „Ich hoffe, du hast für mich auch was übrig.“ „Klar, immer doch Remus. Setz dich.“
Das Frühstück schmeckte ausgezeichnet und Emily musste sich mit allen Mitteln zusammen reißen, um nicht einfach alles in sich hineinzuschlingen, sondern halbwegs manierlich zu essen. In den nächsten 20 Minuten sprach kaum jemand ein Wort und Emily widmete ihre volle Aufmerksamkeit gebratenem Speck, Rührei und butterweichem Toast mit Marmelade. Sie konnte sich nicht erinnern, wann sie das letzte Mal ein solches Frühstück gehabt hatte.
Als sie ihren Hunger halbwegs gestillt hatte und aufsah bemerkte sie, dass die anderen (Tonks hatte sich letztendlich auch noch etwas zu Essen geholt), bereits fertig waren.
Sie merkte, wie ihr die Schamesröte ins Gesicht stieg und wischte sich, auch wenn ihr Hunger noch nicht vollends gestillt war, den Mund ab. „Und was mache ich heute?“fragte sie dann ein wenig unsicher. „Ich meine, soll ich vielleicht irgendetwas helfen? Das ist das mindeste, was ich tun kann nach allem, was ihr für mich getan hat.“
„Unsinn“lachte Tonks. „Du hast genug durchgemacht denke ich und mal noch fängt der Trubel hier noch gar nicht an. Weihnachten ist erst in drei Tagen und wir haben hier noch nicht so viel zu tun. Also, was mich angeht, wenn ihr nichts dagegen habt, meine ich, dann würde ich gerne ein paar Freunde von mir in der Stadt besuchen.“Sie warf Remus einen fragenden Blick zu. Dieser nickte. „Sicher. Warum nicht?“Er wischte sich die Hände an einem übergroßen Handtuch ab gab dem Geschirr mit seinem Zauberstab einen raschen Wink woraufhin es sich von alleine abwusch und wieder in den Schrank einsortierte.
„Ich könnte mir vorstellen, dass es unten in London heute schon ziemlich voll ist, aber ich sehe keinen Grund, warum wir uns hier langweilen sollen. Wenn du willst, Emily, können wir auch runter in die Stadt. Wir müssen sowieso noch ein paar Dinge für dich besorgen, ehe wir mit dem Unterricht beginnen können.“
So sehr sich Emily über dieses Angebot freute, so sehr stimmte es sie traurig. „Ich...ich habe kein Geld.“Es war ihr so peinlich und sie wollte diese freundlichen Menschen nicht schon wieder um etwas anbetteln müssen. Wenn sie sich Remus so ansah, erweckte er selbst den Eindruck, dass ihm ein paar neue Kleidungsstücke gut tun würden. Seine Weste war an mehreren Stellen geflickt und der Umhang, den er vor wenigen Minuten abgelegt hatte, hatte einen mehr als schäbigen Eindruck gemacht.
Aber Remus schüttelte nur den Kopf. „Für solche Fälle hat Dumbledore gesorgt.“sagte er knapp. „Du gehörst jetzt zu uns und wir werden dich so lange unterstützen, bis du deinen eigenen Teil beitragen kannst.“ Er stand auf und lächelte. „Also?“
Einen Moment lang überlegte Emily. Sie hätte gerne den Tag damit verbracht, das Haus zu erkunden, denn nachdem sie heute morgen auf das sprechende Gemälde gestoßen war, brannte sie darauf, mehr von solchen Dingen zu entdecken. London kannte sie wie ihre eigene Hosentasche, sie hatte die letzten sieben Jahre auf den Straßen dieser Stadt verbracht und konnte sich nicht vorstellen, dass es sie reizen könnte, in die Stadt zu fahren. Andererseits wollte sie Remus nicht vor den Kopf stoßen, darum zuckte sie mit den Schultern „Von mir aus..“ „Gut.“
„Was brauche ich denn alles? Ich glaube, ein paar neue Klamotten wären nicht schlecht.“Sagte sie und fühlte sich schon wieder schlecht, weil sie, obwohl Remus ihr versichert hatte, dass Dumbledore für alles aufkommen würde- oder wer auch immer das Geld bereit stellte – schon wieder Forderungen stellte.
Remus kratze sich nachdenklich das Kinn. „Das beste wird wohl sein, ich mache mir ein paar Gedanke darüber, was du für den Unterricht brauchst“ sagte er dann. „Ich kann dir natürlich nicht alles beibringen und in manchen Dingen wäre es sicher besser, wenn dir jemand anderes helfen könnte, aber ich denke, für die Grundkenntnisse wird es reichen. Auf jeden Fall aber brauchst du einen Zauberstab.“
„Einen...“Emily hätte sich beinahe an ihrem letzten Schluck Kakao verschluckt.
Remus lächelte und sagte dann. „Ich denke, wir können dann in einer halben Stunde los. Sag mir bescheid, wenn du fertig bist.“ Emily nickte nur und sah ihm nach, als er die Küche verließ. „Einen...Zauberstab? Mann, das alles ist doch ein bißchen viel auf einmal“ sagte sie dann an Tonks gewandt.
„Das kann ich mir gut vorstellen.“erwiderte diese. „Aber da bist du nicht die einzige. Auf Hogwarts gibt es eine Reihe Kinder, die nicht aus Zaubererfamilien stammen und ehe sie ihre Briefe bekommen, nicht wissen, dass es Zauberer und Hexen überhaupt gibt. Vielen von denen geht es ähnlich wie dir, wenn sie all das zum ersten Mal hören.“
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Kapitel 8
In der Winkelgasse
Emily kam sich nutzlos vor. Es gab nichts, wo sie Tonks oder Remus hätte zur Hand gehen können, so dass sie nach dem verspäteten Frühstück mit einem leicht schlechten Gewissen wieder die Treppe hinaufstieg, um sich die Zeit zu vertreiben, ehe sie in die Stadt aufbrechen würden. Sie stellte sich eine Weile ans Fenster und sah den Schneeflocken zu, aber das wurde ihr schon bald langweilig. Sie hatte keine Uhr, aber ihrem inneren Zeitempfinden nach zu urteilen, konnten erst wenige Minuten vergangen sein. Tonks hatte ihr angeboten, ihr etwas Warmes für den Ausflug zu leihen und als sie den Schrank in ihrem Zimmer öffnete, fand sie tatsächlich etwas darin...einen Umhang. Sie runzelte die Stirn und nahm das ungewöhnliche Kleidungsstück heraus. „Also doch Freaks“sagte sie zu sich selbst, verschloss die Tür und zog sich den Umhang über.
Sie war erstaunt, wie warm er hielt. Das Kleidungsstück war weit und aus einem wollenen Stoff gefertigt, am Hals wurde es durch einen einfachen Verschluss zusammen gehalten. Um das Cliché perfekt zu machen, hatte der Umhang auch noch eine weite Kapuze. Emily zog sie sie auf und ihr Gesicht verschwand beinahe vollkommen darin. Sie lachte leise. Diese Leute mochten ja nett sein, aber wie in alles in der Welt stellten sie sich vor, in einem solchen Aufzug durch London zu maschieren? Sie war es gewöhnt, dass die Menschen ihr seltsame Blicke zuwarfen, was sicher unter anderem an ihrem zerschlissenen Mantel lag, der ihr nur zu deutlich das Hinweisschild „Straßenkind“anhängte, aber mit einem solchen Umhang würden sie ganz sicher Aufmerksamkeit erregen.
Sie betrachtete ihr Spiegelbild aufmerksam. Sie sah ein wenig erholter aus als noch vor Stunden und das ermutigte sie zu einem Lächeln. Irgendwie gefiel ihr der Umhang sogar. Emily hatte immer einen Hang zu geheimnisvollen Dingen gehabt und dieser Umhang unterstütze dieses Image.
Einen weiteren Moment betrachtete sie sich, dann trat sie auf den Korridor hinaus und lief die Treppe hinunter.
Sie blickte sich um. Remus war noch nicht da, also beschloss sie zu warten und setzte sich auf die unterste Treppenstufe. Ihr Blick fiel auf die Tür zum Salon und sie rief sich in Erinnerung, dass dies die Tür gewesen war, durch die sie heute morgen gestolpert war. Peinlich, Emy. Wobei... Entschlossen stand sie auf und ging auf die Tür zu. Daneben hin das Gemälde... das Gemälde, das dafür schuld war, dass sie sich bis auf die Knochen blamiert hatte. Es zeigte einen älteren Mann mit feistem Gesicht. Er trug eine Mütze schief auf dem Kopf und...schlief! Emily konnte sehen, wie seine Brust sich hob und senkte. Er saß in einem Sessel und schien nichts um sich herum mitzubekommen. Ein sarkastisches Grinsen stahl sich auf ihre Züge. Was ein Gemälde konnte, das konnte sie doch schon lange.
„HEY!“
Der Mann auf dem Gemälde erschrak so sehr, dass er beinahe aus seinem Sessel gefallen wäre und Emily grinste nur noch breiter. „Oh, verzeihen Sie Sir. Habe ich Sie geweckt?“ Der Mann warf ihr einen vernichtenden Blick zu. „Wie kommst du dazu, du..“
Emily beugte sich ein Stück vor und hätte schwören können, dass dem kleine Mann auf dem Bild die Zornesröte ins Gesicht schoss. „Wissen Sie, da wo ich herkomme sagt man: Rache ist süß!“Sie grinste breit und gönnte sich noch einige Sekunden den Spaß, zuzusehen, wie der Mann auf dem Gemälde die Faust schüttelte, dann warf sie ihm einen letzten triumphierenden Blick zu, drehte sich schwungvoll herum und stieß einen kleinen Schrei aus.
„Fertig?“Remus stand kaum ein halbes Dutzend Schritte hinter ihr. Sie hatte nicht einmal bemerkt, wie er die Halle betreten hatte. Der Mann auf dem Gemälde lachte spöttisch auf. „Du hast mich zu Tode erschreckt!“sagte sie. „Tu das nie wieder, okay?“ „Tut mir leid, wenn ich dich erschreckt habe“gab er zurück und lächelte. Dann warf er einen Blick an ihr vorbei auf das Gemälde. „Wie ich sehe, habt ihr euch schon miteinander bekannt gemacht.“sagte er. „Sei nett zu ihr, verstanden.“
„Nur wenn sie es auch ist.“Emily verdrehte die Augen. „Er hat angefangen.“ Meine Güte, auf welches Niveau ließ sie sich hier nur hinab? Jetzt stritt sie sich schon mit einem Gemälde. „Er hat mich heute morgen erschreckt.“ „Nur weil sie...“
„Das reicht. An deiner Stelle würde ich aufpassen. Ansonsten kann es sein, dass ich aus versehen eine Flasche Terpentin über dir auskippe!“ „Ich denke das reicht jetzt“warf Remus mit einem amüsierten Lachen ein. „Wir sollten jetzt gehen.“
„Misch du dich da nicht ein.“rief das Gemälde hinter ihnen her, als sie auf den Ausgang zusteuerten. „Von wegen Leute erschrecken. Das sagt gerade ein....“Was auch immer er hatte sagen wollen, hörte Emily nicht mehr, denn in diesem Moment warf Remus die Tür ins Schloss. „Was meint er?“ „Nichts. Hör nicht hin.“
Emily runzelte die Stirn. Bildete sie es sich nur ein, oder war seine Laune plötzlich getrübt? Wieder hatte sie das seltsame Gefühl, dass etwas mit Remus nicht stimmte, dasselbe Gefühl, dass sie schon heute morgen gehabt hatte. Sie zuckte mit den Schultern und ließ es bei seiner Antwort bewenden.
Sie hatten eine kleinere Vorhalle betreten, eine Vorhalle, in der die Eingangstür lag. Emily konnte durch die matten Scheiben das Schneegestöber sehen und ihre Laune verschlechterte sich ein wenig bei diesem Anblick. Zu iherr großen Überraschung aber ging Remus nicht auf die Tür zu, um diese zu öffnen, sondern stattdessen auf eine andere Tür, die in einen weiteren Raum führte. Er öffnete sie und blieb im Türrahmen stehen, als er merkte, dass sie ihm nicht folgte. Sie warf ihm einen skeptischen Blick zu. „Wollten wir nicht in die Stadt?“ „Ja.“sagte er nur und betrat dann den Raum. „Komm.“ Emily lief ihm nach. „Äh...ich dachte wir...müssten dazu vielleicht das Haus verlassen...also zumindest ist das so, wo ich herkomme.“sagte sie spöttisch. „Nehmen wir nicht die U-Bahn oder hast du kein Auto oder..“ „Nein. Das wäre zu riskant.“sagte er und schloss die Tür, nachdem sie eingetreten war. Obwohl Emily instinktiv spürte, dass sie sich vor Remus nicht fürchten brauchte, bemerkte sie, wie sich ihre Muskeln anspannten- es waren die alten Fluchtreflexe, die sich nach so langer Zeit auf der Straße nicht so einfach abschütteln ließen. Und in diesem Moment hatte sie beinahe Angst. „Wie...wie kommen wir dann...“ „Wir nehmen einen Portschlüssel“erwiderte er, als wäre dies das selbstverständlichste überhaupt. „Einen was?“ „Einen Portschlüssel.“Er trat zu einem kleinen hölzernen Tisch hinüber auf dem eine halb abgebrannte Kerze stand, dann wandte er sich zu ihr um und als er sah, dass sie immer noch nah bei der Tür stand, lächelte er verständnisvoll. „Keine Angst. Es tut nich weh. Ein Portschlüssel ist ein magischer Gegenstand, der uns direkt in die Stadt bringen wird.“ „So wie beamen?“ „Wie bitte?“ Emily winkte ab. „Schon gut, vergiss es.“ Sie trat näher an den Tisch heran, hatte aber immer noch keine Ahnung, worauf er eigentlich hinaus wollte. „Und jetzt?“ „Ich gebe dir ein Zeichen und wir werden diese Kerze beide zum gleichen Moment anfassen. Erschrick nicht, halt sie einfach fest. Ich sage dir bescheid, wenn du sie wieder loslassen kannst.“ Er stellte sich neben den Tisch und auf sein Kopfnicken hin beugte Emily sich unsicher vor und berührte die Kerze. Er tat es ihr gleich.
Es war das verrückteste Gefühl, dass Emily je gekannt hatte. Es tat nicht einmal weh, aber es war nichtsdestotrotz seltsam. Es fühlte sich so an, als habe jemand einen Haken in ihrem Bauchnabel eingehakt und zerre sie nun mit einer wahnsinns Geschwindikeit nach vorn. Sie unterdrückte einen leisen Aufschrei und schloss verwirrt die Augen. Alles um sie herum drehte sich, aber sie spürte, dass Remus immer noch neben ihr stand. Dann verlor sie den Boden unter den Füßen.
„Wir sind da.“hörte sie eine Stimme neben sich. Erst da wurde Emily bewusst, dass sie die Augen so fest es ihr möglich war, zugekniffen hatte. Aber sie hatte wieder festen Boden unter den Füßen, zumindest das. Ihre rechte Hand umklammerte noch immer die Kerze, die linke hatte sie, wie sie in diesem Moment bemerkte, in Remus´ Umhang gekrallt.
Schlagartig öffnete sie die Augen und löste ihre Hände, die Kerze fiel zu Boden. Sie starrte einen Moment darauf, dann sah sie Remus an. „Was...“ „Wir sind da.“wiederholte er geduldig. „Oh. Sie schüttelte kurz den Kopf, so als wolle sie die Benommenheit abschütteln. „Wow..das...Meine Güte, hört das mit diesem ganzen verrückten Kram denn gar nicht mehr auf?“Sie hatte mehr zu sich selbst gesprochen und warf Remus einen leicht beleidigten Blick zu, als dieser auflachte. „Wo sind wir hier?“fragte sie, um von der leicht peinlichen Situation abzulenken. Sie blickte sich um, und bemerkte, dass sie in einer kleinen, staubigen Gasse standen. Weiter vorne schienen Geschägte zu liegen und es schneite noch immer leicht. Remus wandte den Kopf und deutete zum anderen Ende der Gasse. „Wir sind ganz in der Nähe der Winkelgasse. Nur da vorne um die Ecke und wir sind da.“ „O...kay, dann..“ Sie trat einen Schritt in die von ihm gewiesene Richtung und er schloss sich ihr an. Soe zog den Umhang ein wenig enger, um den kalten Wind abzuwehren.
„Die Winkelgasse? Nie davon gehört.“Sagte sie. „Natürlich nicht.“Antwortete Remus, während er mit großen Schritten neben ihr herschritt. „Sie liegt für Muggelaugen verborgen. Nur Hexen und Zauberer wissen, wo sie liegt.“
Nach wenigen Augenblicken hatten sie die Straßenecke erreicht und reihten sich in die Menge ein. Die Winkelgasse war überfüllt und Emily wurde angerempelt, als sie aprupt stehen blieb und den Blick schweifen ließ. Was sie sah war einfach unglaublich. Die Winkelgasse war enger als die üblichen Straßen in London und gesäumt von einer Anzahl älter Gebäude, die sich eng an die Straße drängten. Läden...aber was für welche. Vor einem hingen eine Anzahl Käfige, aus dem Inneren hörte sie Geschrei von Eulen....Eulen? In einem anderen waren Umhänge und andere Kleidungsstücke im Schaufenster ausgestellt. Es kam Emily beinahe so vor, als habe man die Winkelgasse direkt aus einem Fantsayroman herausgenommen. Hatte sie sich Sorgen gemacht, in ihrem Umhang aufzufallen? Hier sahen alle so aus. Männer, Frauen, Kinder, alle trugen dieselbe Tracht. Weite Umhänge, hier und da sah sie sogar Spitzhüte und musste unwirkürlich grinsen, als eine ältere Frau an ihr vorbei humpelte, die genauso aussah, wie man sich eine typische Hexe vorstellte.
„Und ich dachte, ich kenne London“sagte sie und grinste. Sie konnte es gar nicht erwarten, sich ins Gedränge zu stürzen und Remus ließ sie erst einmal alles in Ruhe ansehen. „Ich muss in einem der Läden noch etwas besorgen. Wenn du willst, kannst du dich hier ein wenig umsehen und wir treffen uns nachher wieder.“Er kramte in seinem Umhang und zog ein kleines Ledersäckchen heraus. „Ich denke, es wird nicht allzu lange dauern, aber hier hast du etwas Geld, falls du dir etwas zu Essen kaufen möchtest.“
Emily nahm das Säckchen entgegen, öffnete es und fand einige seltsame Münzen darin. Dann nickte sie. Sie spürte fast ein wenig Enttäuschung, dass er noch zu tun hatte und hätte ihn beinahe gefragt, ob sie ihn nicht begleiten konnte. Dieser Gedanke überraschte sie, denn eigentlich war sie immer eher ein Einzelgänger gewesen, jemand, der anderen menschen nicht ohne weiteres einfach vertraute. Warum hatte sich das so plötzlich geändert? Sie dachte kurz über diese Frage nach und ihre Worte vom Morgen kamen ihr wieder in den Sinn. ´Wie kann jemand wie Sie wissen, wer ich bin? Wie kann jemand wie Sie wissen, wie es ist, wenn man ausgestoßen wird?´ Sie hatte seinen Blick nicht vergessen, mit dem er auf diese Fragen reagiert hatte und in diesem Moment berührte sie die Erinnerung von neuem. War da etwas, dass sie beide verband? Sein Blick hatte ihr eindeutig gesagt, dass er die Antworten auf diese Fragen sehr wohl wusste, dass er wusste, wie es war, nicht akzeptiert zu werden...und wenngleich das für sie keinen Sinn ergab, hatte sie sich seitdem ein wenig verbunden mit Remus gefühlt. Ihre Skepsis war zu einem gewissen Maß geblieben, aber dennoch ertappte sie sich dabei, dass sie ihm zu vetrauen begonnen hatte...noch vor wenigen Tagen hätte sie das nicht zugelassen.
„Okay.“Erwiderte sie dann und wenngleich sie ein wenig enttäuscht war verspürte sie dennoch den Drang, ein wenig auf eigene Faust durch die Gasse zu streifen.
Sie trennten sich. Eine Weile schlenderte Emily an den Geschäften entlang und war wie verzaubert. Sie fühlte sich beinahe glücklich...ein Gefühl, dass sie beinahe vergessen geglaubt hatte. Sie hatte ein Dach über dem Kopf, saubere Sachen Anzuziehen und...Geld! Die alte Emily hätte sich davongemacht. Die neue Emily nicht.
Nach einigen Minuten erweckte ein bunter Laden zu ihrer Rechten ihre Aufmerksamkeit. An den Auslagen konnte sie erkennen, dass es sich hier um einen Süßwarenladen handelte, über dem Laden prangte ein großes Schild, auf dem in goldenen Buchstaben „Der Honigtopf“stand. Ein breites Lächeln erschien auf ihren Zügen. Sie hatte, seit sie denken konnte, eine Schwäche für Süßigkeiten gehabt, aber meist nicht das Geld, sich solche Dinge leisten zu können. Sie ließ die Münzen in ihrer Tasche klappern und betrat den Laden....
Etwa eine viertel Stunde später öffnete Emily die Tür des Honigtopfes, die Taschen voll mit Süßigkeiten. Sie hatte sich zurüchalten müssen, um nicht das ganze Geld zu verbraten und sich deswegen nur ein paar Schokoriegel und eine Packung ulkig aussehender Geleebohnen gekauft. „Bertie Botts Bohnen in allen Geschmacksrichtungen“Sie riss das Papier eines großen Schokoriegels auf und biss hinein. Toll. Sie hatte so lange keine Schokolade mehr gegessen, dass ihr dieses Stück auf der Zunge zerging. Vielleicht bildete sie es sich nur ein, aber in diesem Moment glaubte sie wirklich, noch nie etwas besseres gegessen zu haben.
Sie schlenderte zurück zu der Straßenecke, an dem sie und Remus sich getrennt hatten und beschloss, auf ihn zu warten, falls er nicht schon längst fertig war und sich fragte, wo sie blieb... Sie fand ihn nicht, setzte sich vor dem Eulenladen auf eine der breiten Stufen und riss das Paket mit den Toffees auf. Neugierig nahm sie ein knallrotes Geleebonbon heraus und steckte es in den Mund. Dann verzog sie leicht angewidert das Gesicht. Seltsame Geschmäcker hatten diese Leute, dieses Ding schmeckte doch tatsächlich nach Ketschup! Sie probierte eine weitere Bohne, nur um auszuprobieren, ob alle gleich schmeckten und stellte fest, dass sie dieses Mal eine mit Karamellgeschmack erwischt hatte. Schon besser. Scheinbar war das „alle Geschmacksrichtungen“auf der Verpackung wörtlich gemeint.
Sie entwickelte einen Mordsspaß daran, die Bohnen zu essen und fühlte sich plötzlich wieder wie ein kleines Kind. Völlig versunken darin, sich vorzustellen, welche Geschmacksrichtung sie bei der nächsten Bohne erwischen würde, aß sie eine nach der anderen. Als sie plötzlich Schritte im Schnee vor sich hörte, aufsah und Remus erkannte, der sie fragend ansah, lächelte sie breit. Ihr war ein wenig übel, wahrscheinlich hätte sie nicht so viel auf einmal von diesem Zeug essen sollen.
„Was gefunden?“fragte er. „Naja, allzu weit bin ich nicht gekommen“grinste sie und hielt die leere Packung in die Höhe. Plötzlich hatte sie ein schlechtes Gewissen, dass sie ihm nichts übriggelassen hatte, kramte in den Taschen und fand noch einen großen Schokoriegel. Sie zog ihn heraus und hielt ihn Remus entgegen. „Ich kann nicht mehr.“sagte sie mit einem schiefen Grinsen. „Willst du?“ Er erwiderte ihr Lächeln. „Danke“sagte er und nahm den Schokoriegel entgegen.
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Kapitel 9
Der Wildfang
„Hast du gefunden, was du kaufen wolltest?“ „Ja.“
Eine Stunde später schlenderten Remus und Emily durch die Winkelgasse, in der mittlerweile reges Treiben herrschte. Man merkte, dass es auf Weihnachten zuging; hier in dieser Welt, von der Emily vor 24 Stunden noch nicht einmal gewusst hatte, dass sie überhaupt existierte, war das nicht anders als in dem London, das sie kannte. „Was war´s denn?“fragte sie.
Er sah sie kurz an und sie hätte sich am liebsten auf die Zunge gebissen, denn offensichtlich war ihm die Frage ein wenig unangenehm. Warum kannst du nicht einfach mal die Klapppe halten, anstatt alles und jeden auszuquetschen über Dinge, die dich nichts angehn, Emy?
„Oh..ich ähm...schon gut. Geht mich ja nichts an.“warf sie hastig ein, als sie eine Spur von Erschrecken in seinen Augen sah. Aber dann schüttelte Remus nur den Kopf.
„Nein, nein, schon gut. Ich habe ein Kraut gekauft, dass jemand in Hogwarts benötigt, um einen Trank zu brauen. Und weil ich ja ohnehin in die Winkelgasse wollte, habe ich ihm angeboten, es zu besorgen und heute abend zuzuschicken.“
„Ah. Okay.“Einen Moment lang sagte niemand von ihnen etwas, aber gerade als das Schweigen beinahe unangenehm wurde, blieb Remus vor einem Laden stehen.
„So, da wären wir. Letzte Station.“sagte er und Emily atmete innerlich auf. Sie und Remus waren mit schweren Taschen beladen in denen all die Dinge steckten, die sie in der letzten Stunde gekauft hatten. Umhänge und einige Bücher, allesamt sehr schwere, in Leder gebundene Ausgaben.
Emily legte den Kopf in den Nacken und sah an der Fassade hoch. „Ollivanders“stand da in bereits abblätternden Lettern. Auf einem samtenen Kissen in der Auslage lagen einige fein gearbeitete Zauberstäbe.
Als sie den Laden betraten schlug Emily der stickige Geruch nach Staub und altem Holz engegen. Der Raum, in dem sie sich befanden war kaum erleuchtet, das einzige Licht, dass von außen hineinfiel kam durch die fenster, aber da es bereits später Nachmittag war, hatte es schon zu dunkeln begonnen. Ein ältlicher Mann mit grauem strähnigen Haar der kaum so groß war wie Emily trat aus dem Schatten heraus und ehe er sich Emily zuwandte, fiel sein Blick auf Lupin. Dieser eine Blick, mit dem er Remus musterte genügte, um ihn Emily vom ersten Augenblick an unsympatisch erscheinen zu lassen. In seinen blassen kleinen Augen, die im Zwielicht, das in diesem Laden herrschte, seltsam zu funkeln schienen, spiegelte sich Mißtrauen gepaart mit einem leichten Anflug von Abscheu und Spott...und..Furcht?
Leise trat der Mann, offensichtlich Mr Ollivander, aus dem Schatten heraus, blieb aber hinter dem Tresen stehen.
„Remus Lupin.“sagte er und seine Stimme jagte Emily einen leichten Schauer über den Rücken. „Lange nicht mehr gesehn.“Sein Blick flackerte kurz zu Emily hinüber, dann hafteten seine Augen wieder auf dem Zauberer. „Wie...kann ich Ihnen helfen, Professor?“Das letzte Wort hatte er auf eine seltsame Art und Weise betont und Emily glaubte zu bemerken, dass Remus leicht zusammenzuckte. Wenn er es tat, so schien es Ollivander selbst nicht aufzufallen, denn er sah ihn unbeirrt weiter an. Emily kam der Blick eines Tieres in den Sinn, dass sich vor einem Jäger fürchtete. Hatte Ollivander Angst? Und wenn ja, warum?
Remus überging den Kommentar, falls er für ihn überhaupt etwas bedeuten mochte, aber Emily hatte sehr wohl gemerkt, dass der alte Mann auf etwas anspielte...Professor? Sie warf Remus einen raschen Blick zu, er erwiderte ihn jedoch nicht.
Remus schüttelte den Kopf. „Danke, aber ich bin mit Emily hier. Sie braucht eine Zauberstab.“ Mr Ollivander trat nun doch hinter seinem Tresen hervor, hielt jedoch, wie Emily auffiel, stets einen gewissen Abstand zu Remus. Sie runzelte die Stirn. Der alte Zauberer kam auf sie zu und musterte sie. „Emily? Nur Emily?“ Sie senkte den Blick. Erst jetzt fiel ihr auf, wie seltsam es wirken musste, keinen Nachnamen zu haben. Sie hatte nie darüber nachgedacht, eigentlich hatte Emily stets genügt. „Nur Emily, Sir.“sagte sie und versuchte dabei ein wenig trotzig zu klingen. Ollivander nickte.
„Ihr erster Zauberstab?“
„Ja.“
„Hm...“
Er nickte leicht mit dem Kopf, wandte sich dan um, um einige Schachteln aus den Regalen hinter dem Tresen zu nehmen, aber ihr fiel auf, dass es in den Augen des Zauberers spöttisch funkelte.
„Emily...nichts weiter. Und das ist ihr erster Zauberstab?“ Er warf Remus einen Blick zu und sagte. „Sie ist ein Wildfang, nicht wahr?“ Emily fühlte einen leichten Stich als sie seine Worte hörte. Sie hatte geglaubt, endlich einen Ort gefunden zu haben, an dem man sie akzeptierte, so wie sie war. Aber die Art und Weise, in der Ollivander das Wort Wildfang ausgesprochen hatte, machte deutlich, dass dieser Ausdruck wenig schmeichelhaft war.
„Sie ist eine wilde Magierin, ja.“korrigierte Remus und seine Stimme klang strenger als gewöhnlich. „Wilde Magie ist weit verbreitet, Mr Ollivander, und es ist kein Grund, das Mädchen als Wildfang zu bezeichnen.“ „Schon gut, Professor, ich habs nicht böse gemeint.“gab der alte Zauberer mit einer demütigen Verbeugung zurück.
„Bitte sehr, Miss. Probieren Sie diesen hier...“
Emily war froh, als sie den Laden einige Zeit später wieder verliessen und noch froher war sie, von Mr Ollivander fort zu kommen. Sie hatte nicht einmal einen Namen, mit dem sie dieses Gefühl beschreiben konnte, aber sie hatte die latente Feindseligkeit gespürt, mit der der alte Zauberer ihr begegnet war... sie kannte Blicke wie die, die er ihr zugeworfen hatte. Es waren die Blicke, die Menschen ihr auf der Straße zuwarfen, es war derselbe Blick, mit dem die Kinder im Waisenhaus sie gemustert hatten, damal, kurz bevor man sie davon gejagt hatte. Dieser Blick, der ganz deutlich sagte: Du bist ein Freak!
Sie wischte den Gedanken beiseite. In all den Jahren hatte sie gelernt, nicht allzu viel von ihren gefühlen abhängig zu machen. Gefühle halfen einem nicht weiter, wenn es darum ging, auf der Straße zu überleben und sie waren erst recht keine Hilfe, wenn es darum ging, mit dem Spott und der Ablehnug der Menschen fertig zu werden.
Der Schnee hatte mittlerweile eine dicke Schicht auf der Straße gebildet und die Sohlen ihrer Schuhe knirschten, als Remus und Emily sich auf den Weg zurück zu der Seitengasse machten, zu der sie am Nachmittag mit dem Portschlüssel gereist waren. Die Luft war eisig, so dass Emily ihren Atem als kleine Wölcken vor dem Gesicht sehen konnte, wenn immer sie Luft ausstieß, aber die sich eng an die Gasse schmiegenden Häuser, die warmen Lichter, die mit dem hereinbrechenden Dunkel überall entzündet worden waren, die Gerüche und Geräusche, ließen sie beinahe ins Träumen geraten. Sie konnte sich nicht mehr daran erinnern, wann sie das letzte Mal durch den Schnee gestapft war, ohne sich Gedanken darüber machen zu müssen, ob sie am nächsten Morgen durchgefroren erwachen würde.
Es tat gut, einfach so durch den Schnee zu laufen, die schweren Taschen im Arm, aber Remus bei ihrer Seite, jemanden, den sie gestern noch nicht gekannt hatte, mit dem sie sich aber bereits auf eine nicht zu fassende Art verbunden fühlte. Schon am Morgen hatte sie das Gefühl gehabt, dass er ein geheimnis hatte, so wie sie das ihre, das sie jahrelang versteckt gehalten hatte und sie war willends, es ihm zu lassen. Sie wusste, dass die Menschen ihre Geheimnisse nicht gerne preis gaben und ließ es dabei bewenden. Aber es war einfach gut zu wissen, dass sie jemanden an ihrer Seite wusste...
Als sie beinahe die Seitengasse erreicht hatten, huschte ein Lächeln über ihre Züge, als sie sich daran erinnerte, was sie ihn hatte fragen wollen.
„Professor?“
Er warf ihr einen Blick zu. „Mr Ollivander.“fügte sie hinzu. „Er hat Professor zu dir gesagt. War das nur ein Spruch oder...?“
„Nein.“Er schüttelte den Kopf.
„Also bist du...bist du so ne Art Lehrer oder so?“hakte Emily nach.
„Ich war es, ja. Ich habe ein Jahr lang in Hogwarts unterrichtet.“
„Und jetzt tust du das nicht mehr?“
„Nein ich...es war nur dieses eine Jahr. Ich habe gekündigt.“
Sie fragte nicht nach den Gründen, denn sie spürte, dass sie wieder einmal beinahe in ein Fettnäpfchen getreten war. Statt dessen nickte sie nur mit dem Kopf. Das traurige Lächeln, dass sich in diesem Moment auf sein Gesicht stahl, als er glaubte sie sehe nicht hin, machte es ihr unmöglich, nach den Gründen zu fragen.
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Niliathiel  Herrin des Forums *mwahahaha*
       

Status: Offline Registriert seit: 08.06.2005 Beiträge: 429 Nachricht senden | Erstellt am 30.06.2005 - 09:46 |  |
Kapitel 10
Nacht
Auf den letzten Schritten zu der kleinen Seitengasse, in der Remus den Kerzenstumpf wieder aus der Tasche zog, um ihn in einen Portschlüssel zurück zu verwandeln, hatten sie nicht mehr viel miteinander gesprochen. Remus wusste nicht einmal genau, warum, aber Emilys Fragen hatten ihn nachdenklich gemacht. Sie waren zum Grimmauldplatz zurückgekehrt und waren durch die dunkle Eingangshalle geschritten, hinter der bereits Licht brannte. Es war dieselbe heimelige Atmosphäre wie jeden Abend, aber heute hatte Remus kaum ein Auge dafür. Er ahnte, dass Emily sehr wohl bemerkt hatte, dass er ins Grübeln geraten war, nachdem sie ihn nach Hogwarts gefragt hatte, und er fühlte sich ein wenig schuldig, dass er auch ihr damit Kopfzerbrechen bereitete.
Aber an diesem Abend musste sich Remus Lupin einmal mehr eingestehen, dass es nicht so leicht war, Gefühle zu verdrängen, die sein Leben bestimmten. Vielleicht war es auch die altbekannte Unruhe, die er in der Nacht zuvor bereits gespürt hatte, die Unruhe, die in den letzten Jahren stärker als sonst befiel, wenn der Vollmond nahte. Aber selbst wenn der Mond ausnahmsweise keine Schuld trug, ertappte er sich dabei, denselben Fehler, den er am Abend zuvor schon gemacht hatte, erneut zu begehen und Gedanken nachzuhängen, die zu keinem guten Ende führten...
Heute nicht´ hatte er sich selbst gesagt, als sie in die Küche getreten waren. ´In zwei Tagen ist Vollmond, in 3 Weihnachten. Heute denke ich nicht daran, heute nicht.´
Und so hatte er den Abend zusammen mit Emily und Tonks in einem der weitläufigen Wohnzimmer verbracht. Tonks war kurze Zeit vor ihnen von ihren Freunden zurückgekehrt, und sie hatte es sich mit einem Buch in einem der Sessel bequem gemacht. An diesem Abend hatte er sich ablenken wollen, hatte einmal nicht daran denken wollen, was in zwei Nächten erneut geschehen würde und auch nicht an Sirius. Er hatte festgestellt, dass ihm der Ausflug nach London gut getan hatte...in gewisser Hinsicht.
Andererseits hatte dieser Tag ihm wieder allzu deutlich gezeigt, welchen Platz er als Werwolf in der Gesellschaft einnahm. Nachdem bekannt geworden war, dass er ein Werwolf war, hatte sich das Gerücht sehr schnell herumgesprochen und zweifellos wusste auch Mr Ollivander etwas davon. Sein Verhalten, die Abscheu in seinen Augen...ja, es ging auf Vollmond zu, Remus´ Sinne waren geschärft und er hatte die Angst förmlich wahrnehmen können. Ollivander war nicht der Einzeige, der ihn so behandelte. Im Orden kam man ihm freundlich entgegen und er stellte fest, dass er sich darauf freute, dass Harry und die anderen am nächsten Tag ankommen würden- sie hatten sich für den späten Nachmittag angemeldet und er freute sich auf ihre Gesellschaft. Endlich würde das Haus wieder etwas belebter sein...und ihm, dem Werwolf die Illusion vermitteln können, er führe ein halbwegs normales Leben.
Die beiden jungen Frauen unterhielten sich bereits wie alte Freundinnen und ein Lächeln huschte über Remus´ Gesicht, als er Emily betrachtete. Gestern Abend war sie ein verängstigtes Häufchen Elend gewesen...sie gewöhnet sich schnell ein und das war gut. Sie warf ihm einen kurzen Blick zu, Tonks sagte etwas und er bemerkte, dass er den letzten Teil der Unterhaltung gar nicht mitbekommen hatte. Tonks sah ihn an und er hob fragend die Augenbrauen.
„Hm?“
„Ich sagte nur, dass ich zutiefst enttäuscht bin, dass ihr mir nichts aus dem Honigtopf mitgebracht habt.“sagte Tonks in gespielt vorwurfsvollen Ton. Dann wandte sie sich Emily zu. „Für Schokolade tut er alles.“
Remus lachte. „Hey das ist nicht fair. Redet über mich, wenn ich nicht dabei bin.“Er stand auf und ging zur Tür. Beinahe hätte er vergessen, die Eule loszuschicken.
Emily wandte sich um und er glaubte, Besorgnis in ihren Augen zu lesen. „Wo gehst du hin? Du siehst bleich aus...Geht es dir nicht gut?“
Er erschrak. Er wusste, dass er alles andere als gut aussehen musste, schließlich war bald Vollmond, aber normalerweise hatte er gelernt, diese Schwächen einigermaßen gut zu verbergen. Wie kam es, dass sie das so schnell wahrnahm? Hatte es etwas damit zu tun, dass sie eine wilde Magierin war?
„Nein ich...muss nur eine Eule nach Hogwarts schicken....Post.“fügte er hinzu als er Emilys verstörten Gesichtsausdruck bemerkte. „Das Kraut, von dem ich dir erzählt habe, erinnerst du dich?“
„Oh..klar. Ich denke, ich bleibe noch ein bisschen auf und werfe gleich mal einen Blick in die Bücher. Das sieht ja alles recht spannend aus.“grinste sie.
„Gut.“sagte Tonks und reckte sich. „Ich denke, ich geh dann schlafen.“
„Ja, es ist spät. Bleib nicht mehr allzu lange auf, Emily. Wenn wir morgen mit dem Unterricht anfangen wollen, solltest du ausgeschlafen sein.“sagte Remus und verabschiedete sich.
„Natürlich Professor.“rief Emily ihm feixend hinterher, als er die Tür schloss.
Remus lachte leise auf und machte sich auf den Weg ins oberste Geschoss, von dem er wusste, dass er dort eine Eule finden würde, die das Mondkraut nach Hogwarts bringen konnte.
Das Haus war still..zu still. Gut, dass morgen der Zug aus Hogwarts hier ankommen würde.
Das Haus der Blacks hatte zur Südseite hin einen kleinen Erkerturm, in dem sich meist zwei oder drei Eulen aufhielten. Es war riskant, tagsüber Eulen von hier aus über Land zu schicken und selbst in der Nacht war es nicht ohne Risiko, aber manchmal hatte man keine andere Wahl.
Remus betrat den Erkerturm und schritt auf eine große Eule zu, die schläfrig auf einer Stange im hintersten Winkel saß und als sie ihn sah, leise schuhute. „Tut mir leid, aber du musst noch mal raus.“sagte Remus ruhig, als die Eule aufflatterte und sich auf seinen Arm setzte. Remus zog das kleine Ledersäckchen, in dem sich das Mondkraut befand, aus der Tasche, zusammen mit einer kleinen auf Pergament geschriebenen und ordentlich zusammengefalteten Notiz an Severus Snape. Remus wusste, dass Snape ihn verabscheute und auch er selbst hegte keine freundschaftlichen Gefühle für ihn, aber Snape benötigte das Mondkraut, um den Wolfsbanntrank zu brauen. Seine Vorräte waren aufgebraucht, für diesen Vollmond würden sie nicht mehr reichen...
Remus band der Eule das Säckchen an das ausgestreckte Bein, trat ans Fenster und warf den Vogel in die Nacht hinaus. Eine Weile blieb er am Fenster stehen und starrte in die Dunkelheit. Der Mond war beinahe voll, nach den Schneeschauern, die den ganzen Tag über niedergegangen waren, hatte sich der Himmel aufgeklärt und war nun sternenklar. Ihm kam es beinahe wie Hohn vor, als er zu der beinahe vollen Mondscheibe hinaufblickte. Die Luft war kalt und ihn schauderte. Dennoch blieb er am geöffneten Fenster stehen. Die Nachtluft machte seinen Kopf klarer und erleichterte es ihm, die dunklen Gedanken, in die er am frühen Abend erneut zu fallen gedroht hatte, wieder abzuschütteln.
Stattdessen dachte er über den nächsten Tag nach. Darüber, wie er den Unterricht mit Emily beginnen sollte. Sicher wäre es am besten, wenn er ihr zuerst einige einfache Dinge beibringen würde, Dinge, die ihr zeigten, wozu sie fähig war....andererseits....sollte er nicht lieber darauf bedacht sein, sie so schnell und so gut wie möglich auf das vorzubereiten, das sie nur zu bald zu erwarten hatte? Der Krieg stand kurz bevor und sie würde für Voldemort und seine Todesser eine leichte Beute sein, wenn er sie nicht vorbereitete und so gut wie möglich gegen diese Gefahren wappnete.
Sie wusste doch so wenig. So wenig von dieser Welt! Für sie war all das ein schillerndes Abenteuer, vielleicht glaubte sie gar, endlich in Sicherheit zu sein, endlich ein Zuhause gefunden zu haben. Aber hatte sie das wirklich? Remus seufzte, als ihm klar wurde, dass es zu diesen Zeiten so etwas wie Sicherheit nicht gab...für niemanden..vor allem nicht für jene, die nicht wussten, worauf sie sich einließen.
Er beschloss, ehe er schlafen ging, noch einen Umweg über die kleine Bibliothek zu machen, die neben Dumbledores Arbeitszimmer im zweiten Stockwerk lag. Er wusste nicht, wie lange er in der Eulerei gestanden und in die Nacht hinaus gestarrt hatte, aber es musste länger als nur ein paar Minuten gewesen sein, denn der Mond war auf seiner Bahn ein gutes Stück weiter gewandert.
Er zog seinen Zauberstab und murmelte leise „Lumos“, als er die Tür öffnete. Wenngleich nicht viele Menschen in diesem Haus waren wollte er um diese Zeit doch keinen allzu großen Lärm machen. Er stand vor dem Regal und suchte mit dem Blick die Buchrücken ab. Schließlich nahm er eine Ausgabe von „Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“heraus. Das Buch war nicht allzu dick und recht gut zu lesen, sie konnte es sich ansehen, wenn sie nichts anderes zu tun hatte. Dann packte er ein weiteres, etwas dickeres Exemplar. „Gegen dunkle Künste bestehen – Flüche und Zauber zur Selbstverteidigung“, klemmte es sich unter den Arm und verließ den Raum wieder.
Das Haus war finster, die Lichter alle gelöscht, als er sich auf den Weg in das Wohnzimmer machte, an dem er den Abend verbracht hatte. Der Raum war groß und da er keine optimalen Möglichkeiten zum Unterrichten hatte, wie dies etwa in Hogwarts der Fall gewesen wäre, glaubte er, dass dieser Raum für seine Zwecke recht gut geeignet sein würde. Er bot viel Platz und so beschloss er, die Bücher dort abzulegen, um sie morgen gleich zur Hand zu haben.
Er hielt den Zauberstab mit der hell erleuchteten Spitze noch immer vor sich, denn die Kerzen und Fackeln waren bereits alle gelöscht. Er trat auf die Tür zu, die ins Wohnzimmer führte und runzelte die Stirn, als er bemerkte, dass darin noch Licht brannte. Die Tür war nur angelehnt. Der sanfte Schein des Kaminfeuers drang durch den Türspalt.
Leise näherte er sich der Tür, murmelte „Nox“und der helle Punkt an der Spitze seines Zauberstabes verlöschte. Im Raum war es still und als er langsam die Tür aufschob, glaubte er zunächst, das Zimmer sei vollkommen leer. Dann jedoch meldeten sich seine sensiblen Werwolfsinne...jemand war hier! Er wandte den Kopf nach rechts und sah, dass Emily in einem der Sessel nahe dem Kamin saß, die Beine angewinkelt, zusammengekauert und eines der Bücher, die sie heute in der Winkelgasse gekauft hatten, vor sich auf dem Schoss. In der rechten Hand hielt sie eine Schreibfeder, aber sie schrieb nicht. Das Buch war aufgeschlagen. Sie schien ihn nicht zu bemerkten und im ersten Moment glaubte Remus, sie sei einfach in dem Sessel eingeschlafen, doch dann fuhr sie sich mit der linken Hand durchs Haar, strich eine lose Strähne hinter ihr Ohr und er sah im Schein des Feuers, der sich auf ihren Gesichtszügen widerspiegelte, dass sie weinte.
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