AlNo unregistriert
| Erstellt am 18.08.2007 - 21:00 |  |
Ich war am 11.08. in der Nachmittagsvorstellung.
Versprochenerweise berichte ich jetzt mal, in Form eines Erlebnisberichtes, also mit gebotener Eigenwilligkeit.....
Überraschender Weise waren schon wieder alle Parkplätze belegt – in früheren Jahren hatten wir das Problem nie. Voller war es im Zuschauerraum allerdings nicht, schien mir.
Wir saßen relativ weit vorne im Block D, also schön in der Mitte. So mochte es also beginnen. Die Durchsage kam – und war nur schwer zu verstehen: das Publikum übertönte ihn tatsächlich fast. Früher kehrte immer schlagartig Ruhe, wenn der Mann im Off seine markante Stimme erhob und das bevorstehende Abenteuer einleitete. Unangenehme Befürchtungen auf den Verlauf der nächsten zwei Stunden keimten in mir auf.....
Anfangsszene. Das Publikum ist bis zum dritten Satz so weit verstummt, dass alle den Erzähler verstehen konnten.
Schönes Bühnenbild. Man greift den Anfang des Buches mit der Vertreibung der Mönche und der Papagos aus San Xavier auf. Das dazuerfundene Ölfundgerücht (Zeitung!) gibt den Banditen einen Anziehungspunkt, der im Zusammenhang mit restlichen „Ölprinz“-Geschichte steht, und hinterlässt eine ideegebende Bohrausrüstung. Die Tipivernichtung von Yato-Inda wird hierfür umadaptiert. Das Wegfahren der Mission war schon beeindruckend – doch wozu eigentlich? Der Zug im 2.Akt kam doch eh von rechts und fuhr auch nach rechts zurück und sonst wurde der Weg hinter dem Dorf doch auch nicht viel genutzt, schien mir.
Die Banditen bekämpfen sich, okay, es ist auch alles professionell dargeboten und der Flug aus dem Fenster spektakulär. Aber das ganze artet eher in so eine Art Jackie-Chan-Schlacht aus, die ausgewalzt wird und nur zur Erheiterung des Publikums, v.a. der Kinder dienen soll. Ab einem bestimmten Zeitpunkt setzte bei mir Langeweile ein. Immerhin: der letzte Moment, als der Übriggebliebene alleine den gezückten Revolvern gegenüber steht, war wieder stark.
Ein sicherlich jüngerer Zuschauer in der Schlägerei rief völlig aus dem Häuschen „Ist das geil!“. Hinter mir hatte ich drei kleine Jungen sitzen bzw. stehen, die auch ganz beeindruckt waren. Der eine schien bald zu hyperventilieren und erklärte „Das sind die Stuntmans!“, „Das sind die Stuntmans!“ – mindestens achtmal während des Kampfes!
Meine Befürchtungen bezüglich des weiteren Verlaufes verfestigten sich...
Vom langgezogenen Kampf mal ab, gefiel mir die neue Prequelsequenz vom „Ölprinz“ aber sehr gut.
Insgesamt wird viel geballert im Stück, häufig auch überflüssig. Die stärkeren Szenen im Stück schienen mir auch eher die ruhigeren zu sein: dem Ölprinz kommt die Idee, die Finders bei Paddy, das Wettschießen mit Sam Hawkens (der Kleine hinter mir titulierte ihn tatsächlich mit „der Indianer“) der Kantor, der zu Frau Ebersbach eilt, Old Shatterhand und Winnetou befreien Mr.Duncan... – hier näherte man sich auch dem Buch an.
Ach ja, die Blutsbrüder. Karl Mays Blutsbrüder sind das nicht, obwohl mit Kai Noll und Benjamin Armbruster gut besetzt. Ihr Einstand ist die Prügelei mit den Finders, auch wieder leicht slapstickhaft. Old Shatterhand greift als „Deus ex machina“ ein. Okay, gab es bei Karl May auch. Er sei gerade auf dem Weg zu den Eisenbahnern am Blue River, warum auch immer. Ich hätte die Erklärung sinnvoller gefunden, dass beide Wasser auffüllen wollten, die Finders sahen („Pshaw, was kümmern die Winnetou?“) und Winnetou vorausritt, Old Shatterhand als Rückendeckung folgte. Nun ja, persönliche Nickeligkeiten.
Fürchterlich viel von den Buchvorbildern kam in den Rollen der beiden nicht zu tragen. Armbruster spielte souverän. Man möchte ihn tatsächlich für jünger als 61 halten. Als Grinley es gelingt, Mokaschi einzulullen und auf Winnetou nicht mehr gehört wird, lässt der so edle, stolze Apache aus den Büchern aber die Schultern hängen und reitet wie ein Verlierer ab, statt scharf Antwort zu geben. Bei den Navajos und den gefangenen Siedlern kommt er auf Mokaschis Verlangen auch einfach so kommentarlos mit. Kai Noll hat sich sogar wieder blondiert. Sehr schön. Nett, wie der Kantor dann Winnetou von der Oper vorfaselt, aber dann raunt dessen weißer Bruder sehr flapsig „Der spinnt!“ zu. Einige schmunzelten, ich nicht. Vor der Pause treffen sich die Blutsbrüder zum Zwiegespräch. Winnetou resigniert, dass es leichter wäre, zur Waffe zu greifen, Old Shatterhand widerspricht. Das versöhnte mich dann doch wieder.
Und nach den „Stuntmans!“ blieben auch die quirligen Kinder erträglich und das Publikum nicht zu laut. Das Zugucken war entspannter als letztes Jahr.
Der Zweikampf Winnetou-Mokaschi und der Zugüberfall waren Elspe-Standard-Szenen, schnell abgehandelt und nicht sonderlich interessant. )Man hätte mit der von mir schon mal erwähnten früheren Old Shatterhand-als-Lokführer-Szene das Stück ruhig noch etwas verlängern können.)
Grinley erschießt den aufsässigen Gangs sogar. Eiskalt. Zu seinen Leuten meinte er, jetzt habe er auch noch gegen ihn gezogen, zum verächtlich guckenden Mokaschi dann, dass er das doch für sie getan habe. Siehe das Erschießen der Nijoras im Buch, um sich bei Navajo-Häuptling Mokaschi lieb Kind zu machen. Vielleicht wäre es aber sinnig gewesen, wenn Grinley den fadenscheinigen Hinweis, Gangs habe gegen ihn gezogen, wiederholt hätte?
Dann macht Grinley Mokaschi auf den Zug heiß. Sein Vorhaben war wohl eigentlich von Anfang folgendes: er packt Platzpatronen in den Zug mit dem Öl, macht die Navajos darauf scharf, die überfallen den Zug, er holt sich danach die Ölfässer heraus, es gibt kein Zugpersonal mehr, das sich erinnert, was und wo er es ausgeladen hat und in den nachfolgenden Auseinandersetzungen zwischen Navajos und Weißen wird man den Fall Ölquelle nicht mehr aufrollen können. Der Rangers wegen lässt Grinley Duncan leben.
Dieser anzunehmende Plan erfährt im Stück aber keine wirkliche Nennung. Grinley macht Mokaschi auf die Munitionslieferung scharf, deutet dann gegenüber seinen Leuten an, das die Roten nichts davon haben werden und die Blutsbrüder identifizieren dann die Patronen als Fakes und Mokaschi fühlt sich betrogen. Mit dem späteren Ausspruch, sie wollen die Ölquelle ja noch mehrmals nutzen, beißt sich das allerdings.
Auch Grinleys Einwicklungsnummer, das Öl, mit dem man das Land der Navajos zerstören wolle, würden sie schon für die Navajos vernichten, einfach stehen lassen, wirkt nicht gerade plausibel (Na, anstecken hätten es die Navajos doch selber gekonnt?).
Dann das viel diskutierte Finale.
Die Navajos nehmen die Auswanderer inklusive Sam Hawkens gefangen, Winnetou, auf ihrer Spur, widerspricht. Was sagt dann Mokaschi? Auf zum Dorf oder zum Gloomeywater? Ich hatte es nicht richtig verstanden....
Im Programmheft (2001 übrings auch) steht Gloomeywater. Wäre auch plausibel: dort fand der Doppelmord statt, dort kann man auf weiteres warten und ggf. die Gefangenen gleich am Ort ihrer Taten sühnen lassen oder weiter mit zum Dorf nehmen. Old Shatterhand trifft Grinley und zwingt ihn zum Gloomeywater zurück. Die Navajos kommen mit ihren Gefangenen auf die Bühne – und die Dorfbewohner aus den Tipis! Also doch im Dorf? Dann treibt Old Shatterahnd den Ölprinz rein und ruft Duncan aus der Höhle – man ist also definitiv am Gloomeywater.
Überführung. Erstaunlich unbemerkt von mir ist Grinley (Rolf Schauerte) in der Ablenkung oben auf den Berg gelangt. 2001 kletterte er vor aller Augen hinauf. Unnötige Kürzung. Immerhin wirkten die Darsteller im Finale nicht so hektisch wie die letzten Male. Im Gegensatz zu den letzten Malen hat die Explosion auch wieder einen ansehnlichen Feurball – die Hitzewelle schlug noch bis zu mir.
Also ein solider „Ölprinz“ , mit einigen guten Szenen und einigen Macken, der mir insgesamt durchaus gefiel. Die Komik, die ruhigen und lauten Szenen waren gut dosiert. Michael Kleiber (Kantor – emeritus! – Hampel) und Birgit Pacht (Rosalie Ebersbach) gefielen mir, letztere hätte ich beinahe sogar noch eine größere Rolle gewünscht, wenn sie schon nicht sächslte. Dass Stefan Kieper (Buttler) und Wolfgang Kirchhoff (Duncan) schon so – wie formuliere ich´s? – hohe Stirnen haben, wusste ich noch gar nicht. Damit sieht Kieper Armbruster ein wenig ähnlich. Kirchhoffs Duncan war diesmal etwas größer als 2001. Jogi Kaiser sprach dieses Mal kräftiger, kicherte markant und gefiel als Sam Hawkens. Nur von einem Bart konnte ich echt nichts sehen. Daneben war diesmal aber Jan Urbanowicz (Emil Ebersbach); er sollte irgendwas Bayrisches sagen , zu hören war aber irgendwas krächzendes Hochtoniges, was wohl keiner im Publikum verstanden haben dürfte.
[Dieser Beitrag wurde am 18.08.2007 - 21:01 von AlNo aktualisiert]
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