BenjaminLofyr  Hauslehrer von Hufflepuff Lehrer für Alte Runen

Status: Offline Registriert seit: 08.05.2006 Beiträge: 96 Nachricht senden | Erstellt am 09.05.2006 - 15:48 | |
So dass sind die ersten drei Kapitel die ich im Harry Potter FanFiction Archiv auch schon gepostet habe. Am vierten bin ich noch dran ^^ Viel spass beim Lesen.
Die Figuren im ersten Teil sind ausschliesslich aus meiner Fantasie entstanden. Später werden die Figuren von J. K. Rowling aus den sieben Harry Potter büchern folgen.
Ich verdiene mit dieser Geschichte kein Geld sie ist nur zum allgemeinen Lesespass da.
Für den Anfang gibt es keine Alters Empfehlung. Sollten welche folgen werde ich sie bei jedem Kapitel einzell einsetzen.
Kritik und Kommentare erwünscht.
Lofyr
Es war der Morgen am 18. Oktober. Der Herbstregen strömte nur so und die Landschaft um das Schloss herum hatte sich in einen Sumpf verwandelt. Wo man auch hintrat versank man im Matsch und Dreck, konnte kaum ein Schritt getan werden ohne in einer Pfütze zu stehen und sich die Füße nass zu machen. So ging es schon den ganzen Monat und niemand konnte ein Ende absehen. Friedliche Bäche hatten sich zu reissenden Strömen verwandelt und die Seen waren unweigerlich über all ihre Rekorde gestiegen. Die Muggels hatten grosse Probleme mit Überschwemmungen in den letzten Tagen, dank den sintflutartigen Regenfällen die nun erneut eingesetzt hatten. Der Prophet hatte von überschwemmten Städten berichtet – man forschte nach ob ein Zauber hinter all dem Regen und den Katastrophen steckte. Doch ausnahmsweise schien es in der Tat die Natur zu sein die der Muggelwelt zu schaffen machte. Doch nicht nur die Muggels hatten zu kämpfen gegen diese Massen an Nass, auch der Zauberwelt ging es nur um ein minderes besser.
Das Ministerium war gezwungen worden gut ausgebildete Leute überall einzusetzen, wo es einfach nötig war. So hatte man Kunde darüber, dass selbst Auroren damit beschäftig waren Schutzzauber auf Häuser zu legen, statt Schwarzen Magiern nachzueifern.
Der Regen wurde vom Wind an die Scheiben geklatscht und Eliniell schaute gelangweilt zu wie die Tropfen das Fenster hinunter rieselten und sich am Rahmen sammelten. Es war ihr letztes Jahr in Hogwarts und der hübsche Lehrer für Verwandlung konnte sie nicht im Mindesten faszinieren, wie er für die vorderste Reihe zu einem reinrassigen Border-Collie wurde. Die Mädchen aus Ravenclaw brache in Entzückensrufe aus. „Ahhh… wie süß…“ – „Schaut euch den Blick an…“ – „Wenn es nicht unser Lehrer wäre, würde ich das Flohknäuel aus dem Fenster werfen, damit er ertrinkt.“
Diese Aussage entlockte Elin ein Grinsen, denn es war weder ein Entzückensruf, noch eine Ravenclaw, die hier sprach. Leandra Reedshall hatte immer schon einen besonderen Geschmack für Humor gehabt, doch einen, der Elin gefiel. Sie blickte grinsend zu ihrer Freundin hin. „Wie liebreizend von dir… Ich bin sicher sein Fell brennt gut…“, fügte sie grinsend hinzu und ihre Augen glitzerten bösartig. Kaum eine Sekunde hielten sie solche Blicke aufrecht, wenn sie nicht zeitgleich mit dem Jungen neben sich los prusteten wollten. Eliniell musste in der Tat schauen dass sie nicht laut raus lachte.
„Dürften wir wissen was so komisch ist, Ms…“ Der Lehrer schaute auf seine Liste. „Reedshall?“ Er war neu hier und sein Namensgedächtnis war einfach katastrophal, wenn man das so sagen wollte. Die erste Stunde bei ihm war so verlaufen, dass er erzählt hatte wer er war und was er so gemacht hatte. Benjamin Lofyr kam ursprünglich aus Hampshire. Nach dam er die Schule bestanden hatte, war er auf Reisen um die ganze Welt gegangen um sich weiter zu bilden und war nun, rund fünfzehn Jahre später, wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt, um an Hogwarts zu unterrichten. El musste zu geben, die Geschichten, die er erzählen konnte waren interessant und er sah blendend aus. Ausserdem schien er ein Chaot zu sein und jemand der Jugendliche mochte zugleich, im Gegensatz zum restlichen Kollegium, das eher mit zwei, als mit einem Fuss schon im Grab stand (bei Professor Binns eine sehr zutreffende Aussage).
„Uns ist nur gerade die Tatsache bewusste geworden, dass der dümmlich treue Hundeblick ihnen bleibt, wenn sie sich zurück verwandeln.“, lautete die mit Gift gesprenkelte Antwort der Brünetten. Lea war eine junge Frau, die kaum eine Möglichkeit ausließ, eine böse Antwort auf eine dumme Frage zu geben. Inzwischen war sie auch schon geübt darin sarkastische und zynische Erwiderungen zu geben. Dabei schreckte sie vor nichts zurück und mochte dieses Nichts auch ein Lehrer sein.
„Nun dann bin ich wohl ein Treuer Lehrer wie es scheint, so treu wie ein Hund halt. Nicht umsonst bin ich als Animagi ein Hund. Ihr müsst wissen, in einem Animagi spiegelt sich immer ein Stück von euch selbst wieder…“ Blablabla… Nun wurde es wieder langweilig. Dieser Lehrer zog nicht einmal für solch eine Beleidigung Punkte ab. Natürlich, es freute sie, bei jedem andern Lehrer wäre ihre Freundin wieder zehn Punkte losgeworden. Wahrscheinlich nahm er an, dass es Lea irgendwann langweilig werden würde, wenn es nicht einmal Punktabzug gab und er immer was erwidern konnte auf ihre zynischen Worte. Doch da würde er sich wohl ins eigene Fleisch schneiden. Wen störte es schon, wenn seinem Haus mal keine Punkte abgezogen wurden, entgegen der Gewohnheit?
„Liebtreuer Trottel, wie? Zu der Stelle kam er wohl durch betteln und jaulen.“, flüsterte Lea ihrer Freundin zu und Elin grinste böse. Die beiden wussten es natürlich besser, doch sich solchen Vorstellungen hinzugeben war doch recht lustig. Vor allem wenn dann noch, wie gerade jetzt, ein Zettel von links kam mit den kreativen Einflüssen von Nearo, der allem noch seinen persönlichen „Touch“ – wie er es nannte – gab. Eliniell presste die Lippen aufeinander, um nicht laut los zu lachen, als sie die Zeichnung von Lea weiter gereicht bekam. Es zeigte den Langhaarigen Lehrer wie er sich zu einem Collie verwandelte und wieder zurück, dabei blieben jedoch seine Augen weinerlich und gross, wie die vom Hund und er kniete auf dem Boden, hechelnd mit der Zunge raushängend. Eliniell stopfte den Zettel in ihre Schulmappe und wischte sich die Tränen aus den Augen, die sie vor Lachen bekommen hatte. Sie wusste, dass sie die Zeichnung gar nicht erst in die vordere Reihe geben musste. Alle liebten Professor Lofyr, sogar die Schüler aus Slytherin. Das war eine Schande und Eliniell hielt, zusammen mit ihren Freunden, dem Trend entgegen.
Dass ihre Noten dennoch hervorragend waren, lag wohl daran, dass die vier einfach diese bestimmte Begabung hatten. Es schien eine Seltenheit, dass sie zusammen den Unterricht geniessen konnte, zumindest alle zusammen. Dem Lehrer mochte die Gnade gegeben sein dass Seth nicht anwesend war, der sonst noch zu den dreien gehörte. Meist waren sie getrennt, da die Fächer im siebten Schuljahr sehr berufsspezifisch gesetzt waren und die Freunde ihre Berufe nicht unterschiedlicher hätten wählen können.
Allen voran ging Eliniell selbst, die sich dazu entschieden hatte, trotz der Abneigung zu ihren Ahnen, Aurorin zu werden. Doch damit belegte sie auch viele Fächer und mit den Zusatzfächern war sie wohl diejenige, die mit jedem ihrer Freunde mal Unterricht am Tag hatte.
Leandra hatte sich schlussendlich dazu durchgerungen doch in die Forschung zu gehen. Es war erstaunlich wie viel noch nicht erforscht war in der Magierwelt, wenn man bedachte, wie lange es sie schon gab. Auch sie war somit an viele Fächer gebunden, doch auf manche Sachen musste sie wohl oder übel verzichten. Sonst würde sie einfach nicht mehr mit dem Stoff mitkommen. Dabei waren Verteidigung gegen die Dunklen Künste und auch Zauberkunst welche eigentlich eher zu ihren Lieblingsfächern gehörten. Sie hatte sich schlichtweg geweigert Verwandlung abzugeben, schliesslich war es ihr bestes Fach, was es ihr erlaubte während des Unterrichts nicht mitzumachen.
Dann war da noch Nearo. Was er machen wollte wusste er schon seit der ersten Klasse: Artefaktbauer. So viel Elin bekannt war, würde er solange nicht von seinem Ziel loslassen, bis er es erreicht hatte. Artefakte faszinierten ihn mehr als alles andere. Auch hatte er schon die ersten Experimente hinter sich, welche doch ganz passabel waren in den Augen Eliniells. Auch ihm wäre es nicht Pflicht gewesen diesen Unterricht zu besuchen, doch er wollte es…
Nur Seth. Seth Phyton wusste jetzt immer noch nicht so recht, was er werden sollte. Neben Elin war er ein wenig das Oberhaupt ihrer Clique und wusste immer was zu unternehmen. Doch wenn es um die Frage ging, was nach Hogwarts einmal sein würde, so verflog all sein Sinn für Kreativität. Er hatte einfach keine Ahnung, was er werden sollte. Nicht, dass es ihm an der Klugheit mangeln würde, oder an irgendwelchen sonstigen Fähigkeiten. Wenn man ihn darauf Ansprach kam nur die mürrische Antwort: „Ist mir doch egal, dass sehe ich dann wenn’s so weit ist!“ Er war auch der einzige gewesen, der den Verwandlungsunterricht abschlug. „Wenn es euch Spass macht da drin zu sitzen und nichts zu tun, macht doch. Ich hab besseres zu tun. Nur weil ihr den neuen Lehrer ärgern wollt, ihr seid doch manchmal echt nicht ganz dicht…“
Da lag wohl der Punkt. Es wäre ein zu großes Versäumnis gewesen diesen Lofyr nicht zu sehen und nicht von Anfang an zu versuchen ihn rauszuekeln. Langsam aber fragte sich Elin, ob es das wirklich noch brachte. Wenn sie die Wahl hätte, wie die andern beiden, hätte sie den Unterricht schon lange geschmissen und die zwei Stunden mit Seth verbracht. Es war mehr als nur langweilig und sie war es Leid der immer gut gelaunten Stimme des Professors zuhören zu müssen. Insofern war sie den beiden dankbar, dass sie das Fach noch nicht geschmissen hatten.
Eliniell freute sich schon, als die Glocke zum Ende der Stunde läutete, als ihr klar wurde, dass dies erst die erste von zwei Stunden gewesen sein musste. Denn niemand bewegte sich auf den Glockenklang außer Lea neben ihr, die es sich auf dem Stuhl bequemer machte, damit sie sich halbwegs aufs Pult legen konnte. Abermals entlockte sie Elin ein zynisches Lächeln, während sie es ihr gleichtat und ihren Stuhl gegen die Wand lehnte hinter sich. Nicht um sonst war der hinterste Platz beliebt.
„Mr Malfoy, Ms Potter und Ms Reedshall… darf ich auch Sie bitten aufzupassen?“ Eliniell öffnete ein Auge. Schliesslich schaute sie sich zu Lea um die genau so fragend drein blickte wie sie. Hatte er es wirklich getan? Hatte er sie wirklich das erste Mal zum Aufpassen aufgefordert? In der Tat schien es so. Leandra sah etwas verdutz drein, genauso wie Nearo, doch beide bewegten sich dazu, sich aufzusetzen und dem Lehrer etwas Gehör zu schenken. Wenn er sich schon die Mühe gab, dann konnten sie ja wieder etwas kreative… äh, natürlich konstruktive Kritik an seinem Unterricht geben.
„Wenn ich mir schon die Mühe gebe mit einer Klasse die Animagi genauer anzusehen, ja sogar mich bereit erkläre euch beizubringen wie ihr ein Animagi werdet, dann verlange ich auch dass ihr aufpasst. Ich lasse sonst viel durch, aber es war eine äußerst ärgerliche Angelegenheit überhaupt die Erlaubnis zu kriegen, also bitte…“
Lea machte mit der Hand einen Schnabel und tat so als würde sie damit dem Lehrer nach plappern. Sie stieß den blonden Jungen dabei an um ihn zum mitmachen zu bewegen und machte das so hart, dass er ihr mit dem Zauberstab über die Finger preschte. Elin konnte sich kaum halten vor Lachen und fing nur im Augenwinkel den bösen Blick des Lehrers auf, der nun mit dem Unterricht weiterfuhr. Wahrscheinlich war er zum Schluss gekommen dass drei schlafende Slytherins besser waren als drei nervende…
„Nun, ich bin sicher dass man euch das Wissen um Animagi schon seit Jahren einhämmert und dass ich es nicht wiederholen muss. Oder besteht der Bedarf?“
Elin verdreht die Augen und schaute zu Nearo hinüber, der es ihr gleicht tat. Lea war bereits wieder lautstark mit dem Kopf auf die Tischfläche geknallt um ihren Unmut kund zu tun. Niemand hob die Hand und wenn jemand das Bedürfnis gehabt hätte, schämte er sich wohl zu sehr um das zuzugeben. Was Eliniell betraf, so war sie sich sicher, dass sie alles, was es zu wissen gab, bereits wusste. Sie würde sich selber nicht als arrogant oder eingebildet bezeichnen, aber in der Beziehung war sie sich einfach sicher.
„Gut dann wollen wir mal beginnen.“
Nun hob die Brünette neben Elin flüchtig den Kopf und sah ihre Freundin fragend an, als wollte sie sagen: „Und was machen wir jetzt?“ Die Schwarzhaarige wusste, was Lea meinte. Die drei hatten sich schon seit geraumer Zeit selbst das Wissen um Animagi angeeignet und waren im Stande, sich zu verwandeln. Doch dies zugeben zu müssen, würde bedeuten, dass sie aufflogen und registriert wurden, ja sich sogar eine Busse einfingen und zwar eine saftige. Nearo verzog das Gesicht, als der Lehrer alle nach vorne bat, um zu üben und ihnen die Pulte unter den Händen wegliefen. (Professor Lofyr schien einen Hang zum albernen zu haben, die Tische hatten Beine bekommen und bewegten sich nun selber an die Wand und auch ihre Stühle begannen sich zu wehren unter ihren Hintern). Elinell zuckte mit den Schultern und stand auf um ihren Stuhl frei zu geben. Sie hatte es aufgegeben sich über die kichernden Ravenclaw-Mädchen zu nerven, die anscheinend alles lustig fanden was Professor Lofyr tat.
„Machen wir halt mit. Ich denke als registrierter Animagi bekannt zu sein, hat sicher auch seine Vorteile. Wir nehmen einfach ein anderes Tier, schliesslich wissen wir wie das geht, und wenn wir’s etwas hinziehen und uns dumm anstellen, fällt es nicht auf…“, flüsterte sie leise zu den beiden, als sie nach vorne gingen. Im ersten Augenblick hatte es auch sie geschockt. Doch die Vorteile, die sich hier ergaben, lagen klar auf der Hand. Nie-mand würde erwarten, dass sich ein Mensch in zwei Tiere verwandeln könne, noch weniger, wenn eines davon registriert war. Ein siegessicheres Lächeln legte sich auf ihre Lippen und sie hatte bereits entschieden welches Tier sie diesmal wählte. Eine Katze. Normalerweise war es so, dass man sich nicht wählen konnte, was man wurde. Man schaute einfach was dabei heraus kam. Doch Eliniell und ihre Freunde hatten einen Weg gefunden ihre Verwandlung zu lenken, was wohl aus dem Grund geschah, dass sich Lea einfach nicht damit abfinden konnte nicht zu wissen, was sie werden würde.
So verbrachten sie den Rest der Stunde damit, unter der Leitung des Professors zu lernen wie man ein Animagi wird.
„Ne echt. Der Prof hat doch nen Knall an der Schüssel. Er will einer ganzen Klasse beibringen, wie man zum Animagi wird. Der hat sie doch nicht mehr alle.“ Lea regte sich gerade göttlich über den Lehrer auf, wie sie es immer zu tun pflegte, wenn sie nach der Stunde das Klassenzimmer wechselten.
„Nun ja… Er gibt sich zumindest Mühe, ich meine, nicht jeder würde das wagen. Und schliesslich haben wirs auch geschafft, ohne Lehrer…“, warf Eliniell ein.
„Unterstützt du ihn etwa noch in der Sache?“ Ihre Freundin schaute sie entsetzt an, während Elin mit den Schulter zuckte.
„Du kannst nicht sagen, dass er der schlechteste Lehrer auf Hogwarts ist. Und das ganze bringt uns einen entscheidenden Vorteil, das weißt du genau…“, argumentierte sie weiter.
„Wird unsere El etwa bei dem Lieblingslehrer aller schwach?“, feixte Nearo grinsend und Elin zeigte ihm darauf hin eine böse Fratze.
„Ja, aber dennoch, er ist ein Lehrer.“ Natürlich wusste Lea, dass ihre Freundin Recht hatte und sie ging auch einig mit ihr. Es lag einfach irgendwo tief in ihr: Der Drang zu rebellieren, dem sie in jeglichen Situationen mit Freude nachging.
„Na ja… aber es war trotz allem zum kotzen langweilig.“ Schließlich hatte sich Eliniell doch noch durch gerungen und den Rest des Weges lästerten die zwei in voller Leidenschaft über Professor Lofyr. Nearo hatte sie bereits verlassen, Zaubertränke belegte er nicht und gönnte sich den Rest des Nachmittags wohl mit seinen Erfindungen.
Sie fanden Seth beim Eingang zu den Kerkern wo er schon auf sie wartete. Mit einem Grinsen auf dem Gesicht hörte er noch den letzten Lästereien der Mädchen zu und wandte sich dann an die beiden.
„Na, der Unterricht bei Mr. Lieblingslehrer der Schule scheint ja wirklich lustig zu sein.“, sagte er grinsend und meinte es auch so. Denn wenn die beiden was zu lästern hatten, so hatten sie meistens ihren Spaß daran, den Unterricht zu besuchen.
„Wie man’s nimmt. Immer wieder lustig... Der will tatsächlich die ganze Klasse zu Animagi machen.“, sagte Lea mit einem überlegenen Grinsen.
„Aber wir sind doch schon...“, fing Seth an, als ein Gryffindor an ihnen vorbei ging. Elin beantwortete den unausgesprochenen Widerspruch.
„Es ist nur ein Vorteil, wenn wir noch einmal als registrierte Animagi bekannt sind. Du verpasst was.“ Sie grinste ihn an und Seth hob eine Augenbraue.
„Ich glaube kaum, dass ich etwas verpasse, meine edle Ms Potter. Aber klingt einleuchtend.“
Wie üblich?
Die beiden restlichen Stunden Zaubertränke gingen schnell vorbei. Sie waren alle drei nicht schlecht in Zaubertränken und hatten keine Probleme mitzukommen. Außerdem war Seth der Liebling der Lehrerin, was es ihnen nur leichter machte. Sie hatte eine amüsante Stunde und kamen scherzend zurück in den Gemeinschaftsraum, wo Nearo schon auf sie wartete.
Doch er sah wenig glücklich aus. Er schaute sie ernst aus dem grünen Sessel hinaus an und schien am liebsten ein trauriges Gesicht ziehen zu wollen. Vor ihm auf dem Tisch lag ein aufgerissener Briefumschlag, doch ein Brief schien nirgends zu sein. Eliniell empfand diesen Umstand als recht seltsam. Flüchtig blickte sie sich im Gemeinschaftsraum um. Sechst und Siebtklässler waren die einzigen Anwesenden.
„Was ist los Nearo?“, fragte Lea und ging zu ihrem Freund hin. Zögernd setzte sie sich auf die Lehne des Stuhls und strich ihm zaghaft über den Rücken. Doch er antwortete ihr nicht gleich.
„Nearo?“ Sanft fasste er schließlich ihre Hand und zog sie auf seinen Schoss. Doch immer noch schwieg er und macht ein unbestimmtes Gesicht. Elin traute dem Spiel nicht und sah zu Seth hinüber. Dieser hatte eine Augenbraue kritisch gehoben und sah sie fragend an. Als Lea ihm tröstend den Kopf an seine Schulter gelegt hatte, schlich sich jedoch ein schelmisches Grinsen auf sein Gesicht und er zwinkerte den beiden Freunden zu.
Im nächsten Augenblick sprang Lea schreiend auf und ließ einen Schwall von Fluchwörtern auf den blonden Jungen niederprasseln. Doch die drei Freunde konnten sich trotz allem kaum mehr halten vor Lachen. Nearo hatte vermeintlich seine Hände an ihre Hüften gelegt und sie zu kitzeln begonnen. Seth und Elin, die schon geahnt hatten was kommt, hatten belächelnd den Kopf geschüttelt. Doch als die kreischende und fluchende Lea aufgesprungen war, war auch ihre Zurückhaltung dahin und sie lachten laut. Zwischenfälle solcher Art gab es mehr als einen in der Situation. Nearo machte sich einen Spott daraus Leuten dinge vorzugaukeln und ihnen Streiche zu spielen die lange nicht alle für lustig empfanden. Sein schwarzer Humor hatte eine tiefe Ader und traf nicht nur Leute die gegen ihn spielten, sondern auch schon mal die eigenen Freunde.
Wieso Lea diesmal so heftig reagiert hatte wurde den Beiden erst klar als sie das Metallstück in Nearos Hand erkannten. Er hatte sich nicht bloss gekitzelt. Das Ding war eine seiner Erfindungen die bei der Berührung eine Verkrampfung der Muskeln zufolge hatte. Nichts arges, doch es schien als wäre das Ding jetzt fertig.
„Haha… sehr witzig!“, Lea schrie Nearo und den Rest an. Doch sie schafften es nur mit Müh und Not nicht mehr zu lachen. Seth wischte sich gerade die Tränen aus den Augenwinkeln und riss sich zusammen, doch als Lea ihn anfunkelte, da lachte er wieder los.
„Ich hab mir verdammt noch mal Sorgen gemacht. Irgendwann glaub ich es dir nicht mehr. Da kannst du auf Knien kriechen und betteln, um Hilfe flehen und weinen und dann werde ich Lachen! Irgendwann ist einfach zu viel und du, Nearo Malfoy, hast die Grenze eindeutig überschritten!“, schnauzte sie ihn an und drehte sich wutentbrannt um. Ihr Haar hinter sich schwingend stolzierte sie davon und eine knallende Tür ließ vermuten, dass sie sich gerade im Mädchenschlafsaal eingeschlossen hatte. Elin meinte eine Träne in Leas Augen erblickt zu haben. Waren sie wirklich zu weit gegangen? Die Freunde blickten vom einen zum andern und schauten sich fragend an. Schließlich sprang Nearo auf und rannte zum Schlafsaal.
„Lea… Mach auf… bitte. Du weißt dass es nur Spaß war.“, flehte er vor ihrer Tür wie so manches Mal. „Bitte Lea… Ich will es wieder gut machen…“
„Du kannst es nicht wieder gut machen!“ kreischte es hysterisch durch die Holztür und das Beben in ihrer Stimme sagte Elin, dass sie Recht hatte. Lea weinte. „Du bist zu weit gegangen!“
„Bitte Lea... Leandra… mach die Tür auf…“
„Nein… Verschwinde!“ Unmerklich zuckte Nearo zusammen. Elin schaute zu Seth der mit den Schultern zuckte.
„Das musste ja kommen…“, flüsterte er Eliniell zu. Sie sah in zweifelnd an. Nie hätte sie erwartet, dass es Lea so heftig so mitnehmen würde. Zwar wusste sie, dass Nearos ständige Albereien sie nervten und auch niederschlugen, doch dass es so weit kommen würde... Ihre Freundin brauchte sie jetzt wohl. Sie schüttelte sachte den Kopf.
„Lea…“ Der arme Nearo wusste nicht mehr, was sagen sollte. Es war nicht ernst gemeint gewesen und er hatte Lea auch wie üblich nicht verletzen wollen. Dass es ihm Leid tat wusste jeder im Raum. Irgendwo in einer Ecke vernahm Elin ein gackerndes Lachen. Thamora Twin, Nearos Exfreundin. Eliniell gab sich damit zufrieden, ihr das Maul mit ihren eigenen Haaren zu stopfen durch einen schlichten Zauber, bevor sie die Treppe hinaufrannte zu Nearo.
„Das wirst du noch bereuen!“, hörte sie eine Stimme von unten, doch darum kümmerte sie sich im Moment redlich wenig.
„Nearo geh runter. Ich red mit ihr, okay?“, sagte sie leise zu ihm.
„Aber…“ Seine Augen blickten sie traurig an.
„Ich fürchte, du hast sie nun wirklich einmal zu viel auf den Arm genommen, nachdem du ihr versprochen hast es nicht mehr zu tun.“ Sanft legte Elin ihm die Hand auf die Schulter. „Hey, wir wissen alle, dass du es nicht böse meinst. Und Lea weiß das auch. Sie kriegt sich schon wieder ein.“
Nearo schluckte einmal leer und ging dann bereitwillig, aber nieder geschlagen zu Seth hinunter. Eliniell selbst wandte sich zur Tür um.
„Leandra Reedshall, mach die Tür auf oder ich tu es gewaltsam!“, sprach sie mit fester Stimme. Mit einem leisen Klicken schwang das Holzportal auf und Elin schloss es hinter sich wieder. Niemand war sonst im Schlafsaal, nur Lea lag auf dem Bett. Das Kissen hatte sie an sich gezogen und die dunkelgrünen Samtvorhänge nur einen Spalt breit geöffnet.
„Ich geh nicht zurück und entschuldige mich, vergiss es!“, fuhr sie ihre Freundin an, als diese den Vorhang zurückschlug und sich neben sie setzte.
„Wie lange bin ich deine Freundin?“, fragte sie kritisch und Lea sah sie fragend an. „Und du willst mir vorwerfen, dass ich dich hinunter schicke und du dich entschuldigst. Also bitte für was hältst du mich?“, fragte sie gespielt beleidigt. Damit schaffte sie doch noch Lea ein müdes Lächeln heraus zu locken.
„Tschuldigung…“, schniefte sie. Elin grinste ihre Freundin an. „Aber wieso kann er nicht einmal ernst bleiben. Wirklich, ich hab ja nichts gegen seine Scherze. Aber wenn mal wirklich was passiert und dann lach ich ihn aus, weil ich mein es wäre wieder so ein doofer Scherz…“
„Dann ist er selber Schuld. Vielleicht muss das mal passieren damit er merkt, was er falsch macht. Jetzt sei nicht so, Lea, so schlimm war das jetzt auch nicht.“
„Aber ich reg mich auf! Er hat versprochen, dass er es nicht mehr macht! Und wenn er denkt dass ich ihm einfach verzeihe, hat er sich geschnitten. Der soll sich ruhig mal ein wenig um mich bemühen.“ Gerade in dem Moment klopfte es an der Tür. Lea schaute argwöhnisch erst zur Tür und dann zu Elin. Doch Eliniell zuckte nur mit den Schultern, sie hatte keine Ahnung, wer das war. Sie stand auf und ging hin, um die Türe einen spaltweit zu öffnen. Nearo stand zusammen mit Seth davor.
„Können wir reinkommen, oder werden wir gleich verflucht?“, fragte er grinsend und Eliniell ließ die beiden eintreten.
„Ich frage mich wirklich ob ich dich nicht besser verfluchen sollte.“ Das Gift sprühte nur so in Leas Stimme, als sie ihren Freund ansprach und Elin verbiss sich ein Lächeln, als Seth an ihr vorbei ging.
„Meinst du, wir sollten sie einen Moment alleine lassen?“ fragte er grinsend.
„Nein…“, erklang Elins Stimme bestimmt. „Ich will mir das nicht entgehen lassen und außerdem verflucht sie ihn sonst wirklich noch.“, gab sie feixend zurück.
„Darum geht es jetzt doch gar nicht.“, ertönte Nearos Stimme hinter ihnen. „Lofyr war vorhin unten…“
„Was?“, fragten beide wie aus einem Mund.
„Wie kommt der überhaupt dazu in unser Haus zu kommen? Und was wollte er?“ Argwöhnisch sah Lea die Jungen an, als wollte sie ihnen nicht glauben.
„Na, wie wohl. Er ist Lehrer. Er kommt schon zu einem Passwort, wenn er dass will.“, antwortete Seth ohne auf ihren Argwohn zu hören. „Er will mit euch reden, weil ihr im Unterricht anscheinend aufgefallen seid.“
„Das ist ja nichts Neues. Aber deswegen muss er uns ja nicht extra rufen…“, wandte Elin misstrauisch ein. Die Sache passte ihr nicht. Dass Lea ihn seit dem ersten Schultag triezte und genauso ihre böse Ader an ihm ausließ wie an jedem Lehrer, war kein Geheimnis. Doch das war bestimmt nicht der Grund für diese Order. Lea schien ihren Zorn auf Nearo ganz vergessen zu haben und als er sich neben sie setzte strich sie ihm Gedanken verloren übers Bein.
„Lea…“
„Hmm…“ Elin sah ihr Freundin an. Hatte sie tatsächlich einfach so mit Nearo geredet? Ohne ihm ihre Meinung zu sagen? War sie so in Gedanken versunken? Nun gut, geredet konnte man dazu wohl kaum sagen.
„Es tut mir wirklich Leid wegen vorhin…“ Sie wollte gerade etwas sagen als sie sich daran erinnerte, doch Nearo legte ihr sanft den Finger auf den Mund. Elin stiess Seth in die Rippen und flüsterte ihm leise zu, dass es JETZT an der Zeit wäre zu gehen. Er nickte und sie gingen hinaus.
„Ich wollte dich zum wieder gut…“ Mehr hörten sie nicht mehr, denn Seth schloss rasch die Tür hinter ihnen. Er grinste Elin an, doch sie lief schon die Treppe hinunter.
„Was wollte Lofyr genau?“, hakte sie nochmals nach.
„Hab ich doch schon gesagt, El. Er sagte das, was Nearo erzählt hat und ist dann wieder verschwunden.“ Er sah sie genervt an. „Musst du immer alles zwei Mal hören bis du es glaubst?“ Elin konnte auf die Bemerkung hin nicht anders als zu Lachen. Sie ging verführerisch auf ihn zu und legte eine Hand an seine Wange.
„Oh Verzeih mir, Liebster. Ich wollte dich nicht nerven…“
Mittlerweile hatte er sich auf den Stuhl gesetzt und Eliniell macht sich das zu nutze, indem sie sich nun auf seinen Schoss setzte. Sie war mit Seth befreundet seit sie nach Hogwarts gekommen war, doch nun bemerkte sie etwas, dass sie nicht erwartet hätte. Sie spürte wie seine Wangen heiß wurden und in ihrer Position fiel es auch nicht schwer zu erfühlen, was sich weiter unten an ihm regte. Ungläubig starrte sie ihn an. Der verführerische Blick wich einer verblüfft gehobenen Augenbraue. Seth jedoch entwand sich ihrer Hand und starrte mit hochrotem Kopf weg. Unwillkürlich stand Elin wieder auf.
„Tut mir Leid, das wollte ich nicht…“, sagte sie und ließ sich auf einen Sessel plumpsen. Sie war schon mit so manchem Jungen dieser Schule gegangen. Schon in der dritten Klasse hatte es angefangen – zuvor hatte sie alle Anträge einfach abblitzen lassen.
Doch Seth war immer ihr bester Freund gewesen, mit dem sie sich immer genial verstanden hatte. War das etwa einfach eine Reaktion auf ihre aufdringliche Art gewesen? Elin war eine begehrte Schönheit an dieser Schule. Ihre kohlrabenschwarzen Haare reichten ihr bis an die Taille und sahen aus wie seidige Fäden. Ihre Augen glühten wie Smaragde, so grün waren sie und ihre Haut zart, in einer genauso zarten, blassen Farbe. Sie wusste welche Wirkung sie hatte, doch sie hätte nie erwartet, dass es auch bei Seth so war.
„Du…“ Elin sah, dass Seth nach Worten rang, doch schliesslich schwieg er verzweifelt. Er sah sie nicht an, sondern schaute stur zur Seite. War ja klar. Seth war seit zwei Wochen wieder vergeben, denn Elin war nicht die einzige Schönheit. Der Junge, der so beschämt vor ihr im Sessel saß hatte genauso schwarzes Haar wie sie. Es war halblang und sah nicht aus als wäre es gekämmt. Er hatte starke Gesichtszüge die ihm Männlichkeit verliehen und so dunkle Augen als wären sie vollkommen Schwarz. Außerdem hatte er eine hübsche Statur.
Es kam nicht selten vor dass Seth Phyton vergeben war. Ja eigentlich war es Dauerzustand mit gewissen, rasch folgenden Pausen darin. Bei dem Gedanken musste Elin sich ein Grinsen verkneifen, doch Seth schien, dass nicht ganz so lustig zu finden wie sie. Doch bei dem Anflug ihres Lächelns blickte er sie wenigstens wieder an.
„Was gibst du mir, damit ich Dayla nichts davon sage?“, fragte sie frech und ihre Augen leuchteten fies.
„Du bist unmöglich, Elin!“, sagte Seth, doch er sah die Lage wohl als für gerettet an, denn nun begann er zu lachen. „Sag doch, was du willst!“, meinte er und zuckte mit der Augenbraue.
Elin brach in Lachen aus und Seth tat es ihr gleich. Alles schien wieder im Lot zu sein.
Freundinnen und andere Angriffsflächen
Da der Professor es unterlassen hatte ihnen auch nur andeutungsweise zu sagen, wann genau sie nachsitzen mussten, zogen sie es natürlich erst einmal vor abzuwarten. Zu warten bis schließlich der Verwandlungslehrer selbst darauf kam sie abermals aufzufordern. Was konnten sie denn schon dafür, wenn er es versäumte ihnen eine Zeit zu nennen, geschweige denn einen Ort? Somit gestalteten sich auch die folgenden Tage, ja gar die folgende Woche wie gehabt. Bis auf ein paar kleine Details, die einem oberflächlichen Betrachter nicht aufgefallen wären.
So hatte sich Nearo tatsächlich zusammengenommen und unterließ jegliche Art von Streichen gegenüber seiner Freundin. Eliniell fiel auch noch etwas anderes auf. Sie wusste nicht, was Nearo ihr als Entschuldigung geboten hatte, doch es schien Leandra mehr als nur zufrieden zu stellen. So war ihr immer wieder vergönnt auf dem Gesicht ihrer Freundin ein zufriedenes, gar friedliches Lächeln zu finden. Ja, sie schien sogar völlig glücklich zu sein.
Dann war da noch die Sache mit Seth. Mehr als einmal ertappte sie sich dabei, wie sie ihn gedankenlos ansah. Manchmal merkte sie es gar nicht erst von selbst und es brauchte fremder Beihilfe, um sie aus ihrer Trance wieder in die Wirklichkeit zu holen. Wie zum Beispiel einer der sehr unsanften Rippenstöße von Lea.
Doch so sehr Elin sich auch zusammenreissen wollte, der besagte Nachmittag ließ sie nicht mehr los. Oberflächlich schien alles in bester Ordnung zu sein, doch in der Gedankenwelt der jungen Frau ging vieles vor. War es wirklich nur der Natur der Sache zu zuschreiben, dass sie außergewöhnlich hübsch war oder war da mehr?
‚Na, wieso sollte er sonst mit Dayla gehen?’, versuchte sie sich selbst zu einzureden. Doch selbst dass Seth seine Freundinnen so häufig wechselte wie andere ihre Unterwäsche und es nichts bedeutete, wenn er wieder mal mit einer ging, sagte das noch lange nichts. Diese Tatsache war allgemein bekannt. Gingen ihr manche der Mädchen nicht so ganz und gar gegen den Strich, hätte sie vielleicht noch Mitleid mit diesen naiven Weibern gehabt. Immer gaben sie sich der Hoffnung hin, dass der hübsche Slytherin sie doch tatsächlich liebte und sie nie verlassen würde. Doch die trostlosen Geschöpfen, die er sich manchmal zu Eigen machte, konnte Elin nur belächeln. Zusammen mit Leandra gab sie sich noch so manchen Lästereien über seine neusten Flammen hin. Selbst Nearo, der sich zu dem Ganzen eher auf Distanz hielt, musste sich manchmal dazu hinablassen mit ihnen zu spotten.
Somit war das Argument –wieso geht der dann mit der Schnepfe?– nicht gerade sehr stichhaltig. Gerade der Unterricht war für sie eine schwere Zeit, da er ihr genug Zeit zum überlegen gab. Zu häufig versuchte sie sich gar mit zuhören abzulenken. Meistens blieb es bei dem Versuch, da sie sich im Unterricht reichlich langweilte.
Das letzte Jahr war gesprengt mit langweiligen Repetitionen oder Verfeinerungen. Die Lehrer wollten ihnen eine gute Grundlage für die Prüfungen geben. Somit blieb ihr die Zeit zum Nachdenken unliebsam erhalten. Doch ein Zeitvertrieb blieb ihr in den Stunden vielfach erhalten. Jedenfalls in jeder Lektion, die sie mit den Gryffindors teilten. In dieser Klasse war ihr Cousin, Andrew Potter. Seit sie denken konnte war sie mit ihm verfeindet und dass die beiden in die verfeindeten Häuser gekommen waren, hatte die Beziehung nicht gerade gefördert. Seit kurzen hatte sie ein neues Opfer. So machte Andrew keinen Hehl daraus eine Freundin zu haben. Aus Elins Sicht ein grober Fehler. Das arme Mädchen war ebenfalls in dieser Klasse und hatte nun zu leiden.
Ein Stift fiel zu Boden und Mara kreischte auf. Gerade war ihr Buch zusammen geklappt und hatte ihre Finger dabei schmerzhaft eingequetscht. Das Mädchen rang mit den Tränen, wie Elin feststellte und sich dabei ein Lächeln abrang. Ein kluger Mensch hatte mal gesagte, dass Schadenfreude die schönste Freude sei und in dem Moment pflichtete sie ihm wahrlich zu. Ihr Blick wanderte zu dem Jungen neben ihr, dessen Haar braun - blond war. Schnulzig nahm Andrew die Hand seiner Liebsten, um sie zu trösten bevor er sich zu seiner Cousine umwandte. Ein böses Funkeln lag in seinen dunklen Augen und Elin erkannte den Zauberstab unter dem Pult. Schnell hatte sie den unausgesprochenen Fluch abgewehrt und dieser verpuffte in der Luft. Ein anmaßendes Grinsen lag auf ihrem Gesicht. Mit einem letzten überheblichen Grinsen in Richtung ihres Cousins steckte sie den Zauberstab weg. Der Lehrer hatte die Ausschreitungen sehr wohl bemerkt und beiden war klar, dass er es nicht länger dulden würde.
„Mr. Potter. Legen sie ihren Zauberstab beiseite. In Geschichte der Zauberei hat er nichts verloren.“, klang es streng von vorne und mit einem selbstgefälligen Lachen nahm Eliniell das betretene Gesicht ihres Verwandten war. Sie wandte sich mit gehobenem Selbstwertgefühl wieder ihrem Buch zu, dass nun doppelt so interessant schien.
„5 Punkte Abzug für Gryffindor und 5 weitere für Slytherin. Ms Potter, sollte ich sie noch einmal dabei erwischen in meinem Unterricht einen Streit anzetteln zu wollen mittels Magie oder ohne, bedeutet das Nachsitzen!“ Äußerlich rührte diese Aussage des Lehrers die junge Frau nur gelinde. Von dem Wortschwall, den sie ihm innerlich am liebsten an den Kopf geworfen hätte, jedoch würde nie jemand erfahren. Die Worte, die ihr nicht über die Lippen kamen, sprach Lea aus.
„Er wollte Elin gerade verfluchen und sie ziehen ihm läppische 5 Punkte ab? Ein Buch ist ja wohl nicht mit einem wirklichen Fluch zu vergleichen!“ Es machte keinen Sinn abzustreiten, dass Eliniell das Buch verhext hatte, doch allemal konnte man Andrew daran anprangern einen Schlimmeren Fluch gesprochen zu haben.
„Ms Reedshall. Einmal gilt die Strafe nicht ihnen, also sollten sie damit zufrieden sein! Ansonsten könnten sie auch noch unter ihrer Torheit leiden, sich in fremde Dinge einzumischen. Und wenn ich das sage, dann meine ich als Strafe nicht nur Punktabzug.“ Professor Deten hatte eine hervorstechende Hakennase und seine Antworten auf Leas böse Worte waren ebenso scharf und kantig wie seine Nase gebogen. Ihm zu zuhören war langweilig und äußerst uninteressant und dennoch hatte er den größten Teil der Klasse im Griff.
„Niederträchtiger Hurensohn…“ Leise murrte die Brünette vor sich hin.
„Sei froh, dass er dich nicht gehört hat.“, flüsterte Elin zu ihr hin, doch das Grinsen konnte sie sich nicht aus dem Gesicht streichen. Ihre Freundin wusste nichts Besseres darauf als eine böse Grimasse zu schneiden. Sie war kein Genie in Geschichte, aber musste in dem Fach unbedingt durchkommen. Mit diesem Motiv hatte der Lehrer sie in der Mangel und so schwieg Lea den Rest der Stunde. Elin jedoch gab sich nicht so leicht geschlagen. Kriegsführung konnte man nicht nur auf magischer Basis führen und Andrew Potter belegte aus gutem Grund die gleichen Fächer wie sie. Er hatte dasselbe Ziel. Ihn zu korrigieren und den Erfolg auszuschlagen, den er sich erhoffte, brachte ihr Genugtuung in Fülle. Denn sie wusste, wie sehr der Junge den Beruf des Aurors anstrebte und wie sehr er zu den Besten gehören wollte. Sie wusste, wie sehr es ihn grämte, wenn sie ihn darin schlug. So oft, wie er die Hand hob, konnte man meinen er wäre ein Ravenclaw.
Mittlerweile hatten sie fast das Ende der Stunde erreicht und Elin warf abermals Widerworte ein: „Wenn ich mich aber Recht entsinne, so sind die Beweise für ihren Tod nicht eindeutig. Und in manchen Quellen findet man hinreichende Hinweise, dass sie dabei nicht umgekommen ist, sondern erst reichlich später.“
„Nennen sie uns eine der Quellen.“, forderte der Lehrer, vielleicht mit dem Wunsch, dass sie sich nicht mehr entsann. Der Anflug eines Lächelns bildete sich auf ihrem Gesicht, sie entsann sich wirklich nicht mehr, welches Buch es doch gerade gewesen war. „ Ich bringe ihnen gerne ein Verzeichnis mit allen Büchern, die sich damit befassen, auch wenn ich denke, dass sie die Quellen bereits kennen. Nun ziehe ich das Mittagessen der Schule vor.“
Zu Elins Glück läutete die Glocke genau im rechten Augenblick und sie konnte mit ihren Büchern und Lea entschwinden. Dass der Lehrer ihr Angebot nicht vergessen würde, war ihr bewusst, doch zusätzliche Arbeit zog sie einer Niederlage vor.
„Diesmal hast du verloren, Elin!“ Die Stimme konnte nur dem Gryffindorliebling gehören. Mit einem süffisanten Lächeln drehte sie sich um.
„Oh nein, Andrew. Ich verliere nie, schon vergessen?“, fragte sie mit einem lieblichen Ton, der von Spott nur so getränkt war. Noch bevor er etwas erwidern konnte, drehte sie sich um und ging mit Lea in die große Halle. Ihr Magen knurrte und damit hatte sie genügend Grund den nichtsnutzigen Bodenlumpen für heute zu ignorieren.
In der Halle fanden sie Nearo vor, doch von Seth fehlte jede Spur, zumindest fürs Erste. Betreten stellte Eliniell fest, wie sehr sie ihn anscheinend kontrollierte. Er fehlte noch ab und zu einmal am anfang des Essens oder wenn sie sich trafen. Schliesslich konnte er seine Freundinnen ja nicht einfach so schnell mal verlassen. Da gehörte eine richtige Verabschiedung dazu. Trotz allem jedoch konnte sie es nicht lassen sich umzusehen.
„Wenn du unsern Lover Nummer eins suchst, schau zum Ravenclawtisch.“ In den Worten lag ein Ton, der vermuten ließ, dass Nearo der Umstand nicht beliebte, was den Verbleib Seths anging. Mit einem Nicken deutete er zum langen Tisch gleich ihnen gegenüber.
Natürlich. Elin hätte es wissen müssen. Seth saß bei seiner Dayla. Mit einem eher missgestimmten Gesicht wandte sie sich wieder den andern beiden zu. Schließlich raffte sie sich zu einem boshaften Grinsen durch.
„Ich frage mich manchmal nach welchen Kriterien er seine Frauen aussucht. Ich glaube fast, er wechselt zwischen Naivität und Dummheit ab, Hauptsache sie sieht gut aus.“ Mochte sein, dass die beiden den bitteren Unterton bemerkten, der in ihrer Stimme lag. Sie selbst zog es vor diesen als eine freundschaftliche Geste des Mitleids miss zu verstehen. Nearo mochte in der Beziehung genug Achtung und Gefühl haben, um sich einer Bemerkung zu ersparen, doch Lea war da weniger rücksichtsvoll.
„Du bist eifersüchtig?“ Es lag fast schon ein wenig Entsetzten in dieser Feststellung. Ihre unverblümte Art der Ehrlichkeit schätze Elin zwar, doch in dem Moment ging es ihr gewaltig gegen den Strich.
„Ja klar, wie jedes Mal wenn Seth wieder eine Neue hat.“, gab sie genervt zurück. „Das glaubst ja auch nur du. Ich muss mich nicht mit Seth Objekten der Begierde messen.“ Dem anbahnenden Streit ein Ende machen setzte sie sich an den Tisch und füllte ihren Teller.
„So leicht entkommst du mir nicht, El.“, kam leise die Drohung von Leas Seite, doch mehr sagte sie nicht, sondern setzte sich einfach nur neben sie.
Eine ganze Weile verging bis Seth sich endlich zu ihnen gesellte. Doch seine Miene schien nicht so erfreut, wie sich Elin vorgestellt hatte. Wieder war es Lea, deren Feinfühligkeit nicht so weit reichte, um sich eines Kommentars zu entsagen.
„Na macht deine Dayla Stress? Hat sie zu wenig Hirn?“ Für die letzte Aussage hätte sie Leandra verfluchen können, doch stattdessen hielt sie die Klappe. Nicht einmal lachen konnte sie darüber.
„Nein wohl eher zu viel! Thamora hat ihr gesteckt, ich hätte mit dir geflirtet, Elin.“ Oder etwas anderes, dachte sich Eliniell. Dass Seth dies nicht vor den Andern sagte war klar, doch, was Thamora gesagt hatte, war ebenso offensichtlich.
„Auf jeden Fall hat sie jetzt nachgeforscht und etwas zuviel rausbekommen.“ Diese Aussage entlocke Eliniell ein schadenfrohes Lachen. Seth nahm es ihr nicht übel, sondern blickte nur verdrossen drein.
„Und?“ hakte Lea nach.
„Was wohl… Schluss gemacht hat sie...“ Es war nicht Bitterkeit oder Enttäuschung in seiner Stimme, eher Gereiztheit und Ärger.
„Nimmt dich ja anscheinend nicht besonders mit, was?“ Seth blickte Nearo boshaft an, dann aber zuckte er mit den Schultern.
„Und jetzt?“
Elin lauschte dem Gespräch mit einer gewissen Belustigung, bis sie schließlich gleichfalls ihren Kommentar abgab.
„Ich frag mich nur, wann du aufhörst zu spielen. In Sachen Frauen bist du echt schlimmer als wenn es um deine Berufsplanung geht!“
„Ach jetzt hör auf. Und was geht euch das überhaupt an?“, schnauzte er. Nun hatte sie einen wunden Punkt getroffen und war seine Laune nicht sowieso schon am Boden, jetzt war sie es mit Sicherheit. Er ließ seinen Kopf in seine Hände sinken und mied die Blicke der anderen. Das war für die andere drei ein Zeichen, ihn erst mal in Ruhe zu lassen. Elin wandte sich wieder ihrem Essen zu, doch sie hatte eigentlich keinen Hunger mehr.
„Potter, Reedshall, Malfoy.“ Die vier wandten den Blick zu dem Besitzer Stimme um. Wie hätte es anders sein können, Lofyr stand da.
„Ich will sie heute Abend in meinem Büro sehen. Und da sie auf meine Bitte nicht eingegangen sind, werden sie auch gleich noch eine kleine Arbeit zusätzlich erledigen können.“ Seine Stimme klang schwer und so als würde es ihn grämen.
„Sie haben nicht gesagt, wann wir er scheinen sollen, was wollen sie uns vorwerfen?“ fragte Lea bissig. Aus müden Augen betrachtete sie der Lehrer. Schließlich aber antwortete er.
„Betrachten sie es als eine kleine Gesamtstrafe für all das, was sie sich bisher im Unterricht zuschulden kommen haben. Davon dürfte es genügend geben. Ich will sie um sieben bei mir sehen und zwar alle drei!“
Damit wandte er sich ab, bevor Leandra wieder zum Wort ansetzen konnte. Eliniell vermutete, dass er dies wohlweislich tat.
[Dieser Beitrag wurde am 09.05.2006 - 16:14 von BenjaminLofyr aktualisiert]
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