Eliane 

Status: Offline Registriert seit: 12.07.2007 Beiträge: 321 Nachricht senden | Erstellt am 22.03.2009 - 09:46 |  |
Als Elda Pucci (55), Chefärztin im städtischen Kinderkrankenhaus von Palermo, als erste Frau Italiens 1982 zur Bürgermeisterin einer Großstadt gewählt wurde, meinten die Gegner ihrer Partei, der Democrazia Cristiana, sie würden ein leichtes Spiel mit der zierlichen, warmherzigen Dottoressa haben.
Aber schon ihre ersten öffentiichen Erklärungen zeigten, daß die unverheiratete Tochter einer großbürgerllchen toskanischen
Gelehrtenfamilie ihr schweres Amt energisch anpackte. Sie sagte: "Ich werde mich für die absolute Achtung der Gesetze und für die Schwachen und Schutzlosen einsetzen
Diese Wahl Elda Puccis war bezeichnend für den Wandel der Sitten - auch im Süden Italiens.
Auch die »donna del sud« also, die Frau aus dem Süden, holt langsam auf.
Sie kann aktiv in der menschlichen, kulturellen und sozialen Wirklichkeit des Landes tätig werden. Diese Evolution lässt sich übrigens selbst innerhalb der Mafia-Struktur feststellen.
Heute findet man auch Frauen, die als Manager innerhalb der Mafia wirken und Milliarden schmutzigen Geldes verwalten, genauso wie es Männer tun.
Bisher hatte die Frau innerhalb der Mafia nur eine passive Rolle; man verlangte von ihr, dass sie sich an die Schweigepflicht - die »omertä« - halte. Heute ist sie eine aktive »ma-fiosa« geworden.
Die Frauenemanzipation schreitet also auf allen Ebenen vorwärts, auch im Verbrechermilieu. Aber eine nebensächliche Rolle innerhalb der italienischen Familie hat die Frau, gegen allen Anschein, nie gespielt, besonders in süditalienischen Familien nicht.
Die Frau stand stets im Mittelpunkt der Familie - die wesentlichen Beschlüsse hat stets sie, die Mamma, gefasst. Sie hatte nur eine Regel zu beachten und wollte sie auch beachten: nach außen hin durfte man es nicht sehen; er, der Mann, hatte den Eindruck des Herrschers, des Mächtigen, zu erwecken.
Unsere Großmütter konnten es sich leisten, zumal sie genau wussten, wie die Dinge in Wirklichkeit standen, d. h., dass sie die ungekrönten Königinnen waren.
Das ist auch mit ein Grund für die langsamere Entwicklung der Frauenemanzipation im Süden; also nicht nur, weil der Mangel an sozialen Einrichtungen die Frau mehr ans Haus bindet und ihr die Berufstätigkeit erschwert, sondern auch, weil die Frau in der süditalienischen Familie eine Stellung einnimmt.
Und nun hatte Palermo seinen »sindaco di ferro« - seinen eisernen Bürgermeister, wie Elda Pucci vom Volk genannt wurde.
Und die Palermitaner erinnern gern daran, dass die Chefärztin Elda Pucci nicht davor zurückschreckte, einen männlichen Kollegen und fünf Kolleginnen bei der Staatsanwaltschaft von Palermo anzuzeigen.
Laut Elda Pucci hatten diese es unterlassen, drei Neugeborenen, die in der pädiatrischen Klinik lagen, die erforderliche Hilfe zu leisten. »Niemandem sei es erlaubt, einen Fehler zu begehen«, erklärte Elda Pucci mit ihrer zarten Stimme.
Wer einen Fehler macht, muß auch dafür büßen. Die Übel einer Stadt kuriert man nur auf eine Weise, meinte Elda Pucci entschlossen: indem man die Stadt mit sauberen Händen verwaltet.
1984 musste Elda Pucci auf Druck der Mafia ihr Amt aufgeben.
Auch nach der Amtsaufgabe kämpfte sie weiter, obwohl die Mafia auf ihr Ferienhaus 1985 einen Sprengstoffanschlag verübte.
Wie eine Frau gegen die Mafia kämpft
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