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Lacrima 
Ziemlich aktiver Myraner
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...   Erstellt am 23.05.2006 - 09:14Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


ein Anfang:



Dies sind einige Auszüge aus dem Reisebericht von Pirtin, einem Magiergesellen aus Garunia, der zum Kauf von Komponenten in die Eiswüste Manataos geschickt wurde


Die Ankunft steht bevor

Nach langer Reise kommen wir heute in Sho-Sholan an. Endlich. Das Handelsschiff, auf dem ich reiste, hatte zwei Tage zuvor einem Eisberg erst im letzten Augenblick ausweichen können und einige Schrammen am Bug davongetragen. Der Kapitän, der mich mitgenommen hatte, ist vertrauenswürdig und fähig, aber die Wasser an der Küste der Eiswüste sind dennoch sehr gefährlich. Der Wind hier ist so kalt und eisig! Wenn mein Meister mich nicht hierher befohlen hätte... aber er hatte ja recht, eine Reise in die Ferne, zum Kauf magischer Komponenten ist ein wichtiger Teil einer Magierausbildung. Wer weiß, welchen Zauber er mich als Belohnung lehren wird. Nun auf, in die große Stadt im Eis.

Erster Tag im Eis

Ein erster Rundgang durch die Straßen ist beeindruckend. Es gibt hier Menschen, Eisbären und Mischformen davon. Die Bärenartigen sehen sehr grimmig aus, aber scheinen soweit friedlich zu sein. Die Menschen tragen sehr dicke Pelzkleidung, und auch mein erster Weg führt in ein Kleidungsgeschäft, wo ich mir einen weiteren Umhang und Fellkleidung kaufe. Ein Schneesturm fegt durch die Stadt, vereist mein Gesicht. Es ist so bitterkalt, wie halten es die Menschen hier nur aus? Ich denke sehnsüchtig an den Sommer in Garunia und flüchte in ein Wirtshaus. Viele Gebäude sind ganz oder teilweise aus Eis, ich nehme natürlich eins, das aus Stein gebaut ist, wie es sich gehört. Es ist nicht billig hier, aber wenigstens gibt es zur Übernachtung eine kräftige warme Suppe dazu. Mein Gepäck (insbesondere die vielen Edelsteine, die darin versteckt sind) steht in einem Schrank, den man abschließen kann. Beruhigt schlafe ich ein.

Zweiter Tag im Eis

Die Kleidung, die ich mir hier gekauft habe, schützt tatsächlich deutlich besser, vor allem vor diesem schrecklichen Eiswüstenwind. Warm ist mir nicht, aber es ist immerhin erträglich. Also wage ich mich wieder hinaus in die Stadt, um endlich den Auftrag meines Meisters zu erfüllen: Magische Komponenten kaufen.
Doch ich werde gleich abgelenkt, denn heute ist der Himmel klar und mein Blick fällt auf die große Eispyramide, ein prachtvoller Bau aus grell funkelndem Eis. Ich halte darauf zu, will das prachtvolle Gebäude von innen sehen, doch die Wache am Eingang (übrigens die erste Wache, der ich in der Stadt begegne) lässt mich nicht ein. Der Bohror, so nennen sie den König hier, will nicht gestört werden. So schlendere ich weiter, entdecke einen kleinen Tempel Chnums, der hier als Gott der Bierbrauer verehrt wird. Ich gebe eine kleine Spende als Dank dafür, die Überfahrt überstanden zu haben. Mehr gibt es, wenn ich auch die Rückfahrt überstehe, denke ich bei mir und grinse unbewusst. Da schaut mich der Priester misstrauisch an, schnell lenke ich meine Schritte weiter.
Bald finde ich auch den Marktplatz. Mir fallen als erstes die vielen Kohlehändler auf, vermutlich das wichtigste Handelsgut bei diesen Temperaturen. Getreide gibt es reichlich, an den Säcken erkenne ich, dass es aus Garelda stammt, süße Heimat. Ich gehe vorbei an den Fischhändlern und sehe schon, wonach ich gesucht habe: Eine alte Frau, eher auf der bärigen Seite, mit weiß-grauem Fell und nur noch einem dieser spitzen Eckzähne, die auf einem kleinen Marktstand Kräuter anpreist. Ihre Auslage enthält nur die üblichen Heilkräuter, ich frage sie also direkt, ob sie Kryll-Wurzeln besorgen kann. Die Alte mustert mich, lächelt mich seltsam an, zieht mich zur Seite und flüstert mir zu, für 10000 Goldstücke könnte sie mir welche besorgen, und auf dem Markt könnte das sonst niemand außer ihr.
Ich bin schockiert, mein Meister will vier dieser Wurzeln, und soviel Geld hat er mir nicht mitgegeben. Hier sollten sie günstig zu bekommen sein, sagte er. Was tun? Ich verabschiede mich von der Alten, sage, ich müsste es mir noch mal überlegen. Tatsächlich gibt es am Markt keinen anderen Kräuterstand. Getrieben von der Furcht, einen Auftrag meines Meisters nicht erfüllen zu können, laufe ich durch die Gassen. Panik erfüllt mich, eine Träne rinnt aus meinem Auge und erstarrt noch am Auge sofort zu Eis, ein stechender Schmerz! Ich entferne das Eisbröckchen hektisch. Was für ein verfluchter Ort ist diese Eiswüste! Einer dieser so-gut-wie-Eisbären kommt zu mir, brummend. Hält er mich für verwundete Beute und will mich fressen? Wohl nicht, er sieht mich nur an. Er röhrt und knurrt etwas wie „In Eis nur harter Gur, weil harter Gur nicht Wasserauge!“ Er schiebt mich in eine Seitengasse, wo der Wind etwas weniger pfeift, brummt kurz, geht und lässt mich stehen.
„Bist du verletzt? Laßt mich mal nachsehen“, sagt nun eine andere Stimme neben mir. Ich sehe mich um, und erkenne sofort den Priester aus dem Chnum-Tempel. „Du bist der fröhliche Fremde von vorhin, richtig? Nein, deinem Auge ist nicht passiert, aber lauf nicht mit so weit aufgerissenen Augen herum, sonst wird das Eis sie sich nehmen. Fremden wird meist empfohlen, die Augen ein wenig zusammenzukneifen, das schützt, auch vor dem grellen Leuchten des Eises bei Sonne.“ Ich danke ihm und frage nach dem Eisbären. Der Priester, übrigens ganz normaler Mensch, lacht und sagt „Nein, niemand wird dich hier verletzen. Die Gurs sind sehr freundlich, aber nicht gesprächig. Ein Sprichwort bei denen heißt: Offener Mund ist verlorene Wärme. Mach dir nichts draus. Doch nun sprich, was führt dich nach Manatao? Kann ich dir helfen?“ Ich erzähle ihm, dass ich magische Komponenten suche und von der Alten am Markt. Wieder lacht der Priester: „Von der Summe würde sie selbst die Wurzel im Geschäft kaufen, die Strafe wegen Wuchers und unlizensierten Handels bezahlen und es bliebe noch genug übrig, um ihre Enkel in Luxus leben zu lassen. Nein, es gibt in Sho-Sholan ein Geschäft für magische Waren, dort wirst du mehr Glück haben. Geh diese Gasse entlang, dann links und weiter, bis du ein Haus mit einem kleineren Turm aus Eis siehst. Viel Erfolg!“. Zuhause nerven die Chnum-Priester manchmal, mit ihren Aufrufen zum Krieg gegen das Böse und ihrem Fanatismus, aber der hier ist wirklich nett. Vielleicht sollten die Chnum-Priester in Garelda mehr Bier trinken? Ich danke dem Gott mit einem kurzen Gebet dafür, ihn geschickt zu haben, und verspreche Buße für meine frechen Gedanken. Dann eile ich die Gasse entlang.
Es gibt mehrere Häuser aus Eis, die 2 Stockwerke haben, aber nach kurzer Suche entdecke ich am Rand der Stadt den Eisturm, leicht höher als die umgebenden Häuser und oben mit seltsamen Schlitzen. Davor steht ein kleiner Bau mit Grundmauern aus Stein und darauf Klötzen aus Eis. Neben der Tür hängt an einer Stange ein kleiner Kristall – oder ist es Eis? – der sanft grünlich leuchtet. Ganz klar, ein einfacher Lichtzauber, ein eher schwacher, den könnte ich auch schon. Andererseits, permanent auf einen Gegenstand gesprochen ist es vielleicht doch nicht so leicht... jedenfalls, hier bin ich richtig. Auf der Tür steht von oben bis unten in verschiedenen Schriften etwas geschrieben, die oberste Zeile kann ich lesen, die dritte ebenfalls, aber die anderen kenne ich nicht, man könnte einige auch für Kratzer halten. „Magiebedarf Totoro“ lautet die Inschrift. Erleichtert öffne ich die Tür und trete ein.
Drinnen sieht man Regale, teilweise aus Holz, teilweise aus Eisbalken geschnitten. Darauf liegen eine große Menge quaderförmig geschnittene Eisziegel, einige Flaschen und Behältnisse aus gebranntem Ton. Auf einem anderen Regal sind verschiedene Federn, und Fläschchen mit unbekanntem Inhalt. Auf einem Regal entdecke ich eine Drachenschuppe, ganz weiß, in einem Holzkistchen mit Holzwolle gefüllt. Ich gehe sofort hin und betrachte die Schuppe, sie ist fast wappenförmig, vollständig und glitzert trotz den dämmrigen Lichts im Raum. „Vom Eisdrachen“ erklärt ein Mann neben mir plötzlich. „Ein schönes Stück, noch ganz frisch. Mein Name ist Darge, was es für einen Magier in der Eiswüste zu wünschen gibt, hier könnt ihr es erwerben.“ „Kryll-Wurzeln“ fährt es aus mir heraus. Der Mann nickt, sagt „Natürlich haben wir Kryll-Wurzeln. Laßt mich Euch zeigen, welche Qualitätsware wir hier verkaufen, kommt!“ und führt mich eine Treppe aus Eis hinauf in den Turm. Je höher wir kommen, desto lauter pfeift der Wind, schon der Ton lässt mich frieren unter meinen vielen Hemden und Mänteln. Am oberen Rand der Treppe angekommen, will ich in den Raum treten, doch Darge hält mich zurück. Das Pfeifen des Windes ist sehr laut geworden, und er muß schreien, damit ich ihn verstehe. Er erklärt mir, dass hier oben die frischen Wurzeln in den Wind gehängt werden. Die Mauern dieses Raumes haben viele seltsame Schlitze, wie Schießscharten in Festungen, nur viel länger. An anderen Stellen sind die Mauern leicht nach vorne in das Zimmer versetzt und verschrägt. Durch sie kann der Wind fast ungehindert ziehen, aber der Schnee wird draußen gehalten, und hier, schon in wenigen Schritt Höhe über den anderen Häusern, zieht der Wind der Eiswüste mit enormer Kraft. Die Wurzeln sind nicht etwa zum Trocknen aufgehängt, sondern um eben diesen Wind in sich aufzusaugen. Die Wurzeln, die frisch dazugekommen sind, wehen im Wind und wackeln leicht, aber die schon reiferen vibrieren und zittern gewaltig. Darge lässt mich eine berühren, ich kann die konzentrierte Kraft des Eiswüstenwindes in dieser Wurzel spüren! Gleichzeitig fühlt sie sich aber trocken an, eine seltsame Kombination. Mein Meister hatte mich angewiesen, mir keine labbrige Wurzel andrehen zu lassen, diese hier ist voller Energie, genau was ich brauche.
Nach dieser Demonstration gehen wir schnell wieder nach unten und eine Frau bringt einen heißen Tee, bei dem wir beide uns wieder von der Kälte dort oben erholen. Dabei fällt mein Blick wieder auf die Eisbarren. Auf meine Frage, was darin sei, antwortet er: „Nichts! Eis an sich ist eine magische Komponente. Also kann man hier welches erwerben“. „Warum sollte ich hier Eis kaufen, es liegt genug herum!“ entgegnete ich abweisend. „Nicht so schönes wie dieses hier. Sehen sie sich das mal an. Fühlen sie die Qualität. Das ist Handwerkskunst!“ sagt er und drückt mir ein Stück in die Hand. „Das ist echtes Schlurkeis, wie es die Gurs nennen, dreiviertelhart, und mit ganz kleinen Luftbläschen durchsetzt, so dass der Eindruck entsteht, in dem Eis sei Nebel enthalten. Gleichzeitig aber klar. Dieses Eis ist gebrochen in den Gletschern von Kernora, in portionsgerechter Größe, erlesen von Eismeister Grh-Bar!“. „Das ist Händlergeschwätz. Dieses Eis ist so gut als Komponente zu gebrauchen wie jedes andere.“ Darge machte ein beleidigtes Gesicht. „Ich muß doch schon sehr bitten, ich kenne mich in der Materie aus und weiß, was ich anbiete. Aber vielleicht überzeugt es sie ja, wenn ich dazu sage, dass unsere Kunden dieses besonders wertvolle Eis kostenlos erhalten können.“ Von einem Händler so etwas zu hören, überrascht mich doch. „Gut, ich werde meinem Meister 5 dieser Barren mitbringen. Das Eiswüsteneis für die Magie geeignet ist, daran besteht ja kein Zweifel.“ Darge holt lächelnd 5 Barren aus einem Regal und legt sie auf einen Tisch aus Eis. „Ach übrigens, darf ich fragen, wie ihr heißt und wo ihr herkommt?“ Ich habe kaum geantwortet, da fährt er fort. „Ah, von jenseits des großen Meeres. Es soll dort sehr warm sein, habe ich gehört, im Sommer soll es nicht mal Feuchtschnee geben. Habt Ihr Euch schon Gedanken gemacht, wie ihr das Eis nach Hause transportieren könnt? Es darf ja nicht schmelzen unterwegs. Nein? Dafür bietet unser Haus diese Spezialverpackung an. Es ist ein Holzkasten, außen lederbespannt und silberbeschlagen, innen verstärkt mit Schneehasenfellen, in die Rigatarhaar eingewebt ist. Damit das Eis auch Zauberern zur Verfügung steht, die sich zu Experimenten auf Vulkanen aufhalten, ist die Kiste zudem von einem Eiselementar mit einem Kältesegen belegt worden. So lange diese Kiste geschlossen ist, bleibt das Eis frisch und verwendbar für jeden Zauberer, immer und überall.“ Sein Grinsen ist jetzt so breit geworden, dass ich erkenne, dass auch seine Eckzähne etwas zu lang sind. Ein wenig Eisbär steckt wohl auch in ihm. Ich sehe mir noch seine anderen Angebote an, ehe wir beginnen, über den Preis zu verhandeln.


Die Rückfahrt

Ich habe Glück, der gleiche Händler nimmt mich wieder mit nach Garunia, von wo aus ich zum Labor meines Meisters weiterreisen werde. Auch die Mannschaft hat es eilig, den Hafen wieder zu verlassen, man weiß nie, ob die See nicht doch zufriert. Der Schaden am Bug ist zwar nicht repariert, weil das Holz hier so teuer ist, aber das Schiff wird schon noch den Weg zurück schaffen.
In meinem Gepäck habe ich die Kryll-Wurzeln, die mein Meister bestellt hatte. Darge hat sie in spezielle Flaschen verpackt, damit die gespeicherte Essenz des Windes nicht entweicht, wie er sagte. Der Preis war angemessen, scheint wohl von der Händlergilde festgelegt zu sein. Der Meister wird sich auch sicher über das Eis freuen, fünf Blöcke in diesen Spezialkisten liegen in meinem Gepäck. Oder? Genaugenommen bin ich mir nicht mehr so sicher, ob es wirklich eine gute Idee war, soo viele Goldstücke zu bezahlen. Und was habe ich damit gekauft? Eis. In der Eiswüste. Dieser Darge ist doch ein verdammt guter Händler.




Lacrima 
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...   Erstellt am 23.05.2006 - 09:16Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Jahreswechsel in Scho-Scholan

Alle Arbeiten ruhten in Scho-Scholan und die Bevölkerung beschloss mit ausgelassenen Feiern das ausklingende Jahr, welches in den Weiten Karnicon allgemein als das Jahr der Gestirne bezeichnet wurde.
Zahlreiche Fressbuden verwandelten die eigentlich breiten Eisstraßen Scho-Scholans in enge, verwinkelte Gassen. Die Trinkhallen, auch sonst gut besucht, waren überreichlich gefüllt; viele trinklustige Gar, Gers oder Gors mussten gar auf die belebten Gehsteige ausweichen.
Allenthalben wurde dunkles, malziges Bier; tiefroter Glühwein oder Likören aus den Südlanden verkauft, verkostet und zum Teil ( nach etwas zu ausgiebigen Genuss derselben) wieder ausgespien. Die gesamte Einwohnerschaft der Hauptstadt Manataos schien sich auf den Straßen zu vergnügen. Kinder schrien nach Zuckerwerk und gerösteten Nüssen, die Erwachsenen füllten ihre Mägen mit Fisch und Robbenfleisch in mannigfaltiger Form ( gesotten, geröstet, gebraten, gefüllt, gesalzen, roh, sehr roh, blutig).
Auf dem Gelände um den Graben, welcher die Eispyramide von den Gebäuden der Altstadt abschirmte, hatte fahrendes Volk ihre „Attraktionen“ aufgebaut ( Karussell, Fischwerfen, Boxkämpfe mit dem „stärksten Gur der Welt“ usw.).
Eben hier versammelte sich, am letzten Tage der Ssaskat-Feierlichkeiten ein große Menschenmenge , welche neugierig auf das „Schauspiel“ wartete, das zwei, der seit einiger Zeit in der Stadt weilenden „Lichtboten“, angekündigt hatten.
Schließlich, kurz nach Anbruch der Dunkelheit, erreichte die Spannung ihren Höhepunkt. Langsam verstummte das Schreien und Gröhlen, das Summen abertausender Stimmen erlosch und wich einer gespannten Stille, als – endlich- die beiden „Lichtboten“ durch das große Tor den Vorplatz der Eispyramide betraten.
Der größere der beiden, namens Totoro, von dem es auf den Gassen hieß, er sei in seiner Heimat ein mächtiger Herrscher und Zauberer, schritt voran. Gewandet war er in einen mattschwarzen Umhang auf dem zahllose Funken und Lichter zu glimmen schienen. Sein prächtiger, sonderbarer Bartschmuck wirkte frisch gewachst und dessen Spitzen suchten steil nach oben stehend das Firmament.
Diesem folgte , einen Schritt zurück die kleinere, hagere Gestalt des fremden Aisher ( Dondra)-Dieners, der so großzügig den Bau eines großen Tempel zu Ehren des Donnerers unterstützen wollte, und von dem es hieß er spräche mit den Walen. Pantherados Roben waren von einem schlichten Grau, wie es sich für einen Priester des Herren der Stürme geziemte. Der Robe einziger Schmuck bestand aus den, an Schultern aufgesetzten Adlerfedern auf denen der Frost zu glitzern schien.
Die Arme weit gen Himmel gereckt hub Totoro zu einer Rede an das versammelte Volk an; und seine durchdringende, volltönende Stimme war noch in den letzten Reihen gut zu vernehmen. „ Höret und sehet, Volk von Scho-Scholan, wie das alte Jahr vergeht. Staunt und werdet Zeuge, wie die Boten des Aisher .....“


Dem folgten einige, fast nicht wahrnehmbare Bewegungen, welche den sorgfältig vorbereiteten Zauber Totoros freisetzten.
Ein erstauntes Aufstöhnen lief durch die Menge .Die Funken auf Totoros Mantel glommen auf, wurden heller und heller , und verbreiteten ein durchdringendes Leuchten. Dann lösten sich die einzelnen Lichter, umkreisten den reglos dastehenden Totoro. Dieser riss die Arme empor und gleich diesen rasten die Sternenfunken empor, weit, weit hinauf in den Himmel über Scho-Scholan, um dort ihren Reigen zu tanzen.
„Oh – Ahhh- Schaut nur !- Schöööön – Mama, Mama, guckt doch, wie das funkelt – das gibt es doch gar nicht , die Lichter tanzen doch tatsächlich den Quatrett-Schulun – welche Kunst .....“ Ja, die Einwohner Scho-Scholans sind begeistert. Sie bejubeln die Vorstellung Totoros; und manch einer rühmt die Macht der Fremden.
Jedoch, es sollte noch besser kommen. Kaum, dass sich die Menge an den ausgelassen tanzenden Sternen satt gesehen hatte donnerte ( natürlich) Pantherados sein „ Willkommen Dondra ! Sehet die Macht Aishers !“ in die Menge. Grelles, bläuliches Licht wand sich um seine Hände, sammelte sich in den Fingerspitzen und löste sich im einem gewaltigen Blitz, der hinauf, mitten unter Totoros trügerische Sterne fuhr. Ein ohrenbetäubender Donnerschlag ließ die Menge zusammenzucken. Fetzen von Rauch trieben durch die winterklare Luft, sammelten sich, entgegen allen Gesetzen der Natur, verbanden und verdichteten sich, um schließlich Gestalt anzunehmen.
Ehrfürchtiges Staunen lag nun über dem Platz. Wahrlich, Rauch und Wind waren zu einem riesigen, grau-weiß gefiederten Adler verschmolzen. Mit mächtigen, gemächlichen Flügelschlägen glitt dieser über der erregten Menge, aus der nun „ Heil Aisher – preistet den Donnerer -...“ und ähnliche Rufe erschollen.
Der Dondra-Adler zog, erst langsam, dann immer schneller werdende Kreise zwischen den funkelnden Sternen Totoros, und wo er diese mit seinen walgroßen Schwingen berührte, blieben diese auf wundersame Weise an seinem Gefieder haften.
Als die vollbracht war, umkreiste, der nun in aller Sternenpracht glitzernde Dondra-Adler ein letztes Mal die Eispyramide, um dann über den Dächern der Stadt zu verschwinden.
Das Publikum ist begeistert; nie zuvor, so sagt man, habe man vergleichbares in Scho-Scholan gesehen. Man rühmt allenthalben die Fremden als mächtige Magier und Priester, und ist fest davon überzeugt, dass mit den mittlerweile vielbesungenen „Lichtboten“ Glück und Frieden in Manatao Einzug halten werden




Lacrima 
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424 n.P. - Herbst - Pantherados

Über das Gleichgewicht

De Æquilibritas

Das Wesen des Gleichgewichts ist für den Aussenstehen nicht leicht zu erfassen, und wahrlich, auch nicht für den Eingeweihten. Gleichgewichte und Ungleichgewichte gibt es in vielerlei Hinsicht und diese definieren sich im Spannungsfeld ihrer Extreme.
Die wichtigsten Gegensätze, wollen wir in den nächsten Abschnitten näher beleuchten.

Lux et Obscurus
Hier ist zu beachten, dass es sich häufig mehr um eine Gruppenbeschreibung, denn um eine moralische Wertung handelt. Die Erfahrung hat gezeigt, dass sogenannte Lichtreiche Massaker anrichten und Dunkelreiche ihren Bewohnern vernünftige Lebensbedingungen bieten können [1]. Es gibt Menschen und Elfen, die grauenhafte Taten begehen, und Dämonen und Drachen, die sehr umgänglich sein können. [2] [3] [4]
Lichtreiche, versuchen ihre Macht zu mehren und den ihnen entsprechenden Lebensstil zu pflegen. Anhänger der Dunkelheit tun das in der Regel auch.
Allerdings sind die jeweiligen Gepflogenheiten nicht immer miteinander vereinbar. So ist die Tradition des Lebens, beispielsweise bei den Elfen, nicht kompatibel mit der massenhaften Umwandlung von Lebenden in Untote, wie es in Dunkelreichen häufiger vorkommt. Allein aufgrund derartiger zum Teil kulturell bedingter Interessenskonflikte kann man noch keine moralische Wertung abgeben.
Bedeutsam hierbei ist, dass es um den Kontrast geht. Das Licht kann ohne die Dunkelheit nicht existieren und umgekehrt, auch wenn das beiden Seiten nicht klar ist. Es geht dabei nicht um ein statisches Nebeneinander, die Waage kann durchaus einmal in die eine oder andere Richtung ausschlagen, aber ein vollständiger Sieg würde alles vernichten. Würde die Dunkelheit gewinnen, zerfleischten sich die Sieger untereinander und die ganze Welt würde in Flammen versinken. Würde das Licht gewinnen, gäbe es nichts mehr woran man es im Kontrast erkennen könnte und würde daher von innen zerbrechen, es würde sich einfach daraus eine neue Dunkelheit bilden. Dieser Einsicht ist das häufige Eingreifen Dondras zugunsten der Lichtseite geschuldet.

Benedictus et Malus
Die Unterteilung in Gut und Böse ist häufig standpunktabhängig. Vielfach definiert man sich selbst als gut und die anderen als böse, sobald sie den eigenen Interessen entgegenstehen.
Eine solch plumpe Ansicht ist einem Weisen sicher nicht angemessen.
Verliert sich also alle Bewertung von Handlungen im Beliebigen? Weit gefehlt.
Es geht vielmehr darum, standpunktunabhängige Kriterien zu verwenden und sich seiner eigenen Parteilichkeit bewusst zu werden.
Die Götter haben die Wesen geschaffen mit einem Hang zum Wohlgefühl. Es ist also anzunehmen, dass alle Kreaturen ein gewisses Recht haben, sich wohzufühlen. Dazu gehöhren körperliche Unversehrtheit ebenso wie geistige Freude.
Wenn ihnen dieses Recht verweigert wird, kann man das folgerichtig als Böse definieren. Die Förderung des Wohlbefindens, solange es nicht auf Kosten des Wohlbefindens eines anderen Wesens geht, ist also etwas Gutes.
Im grossen Masstab ist es also gut, wenn sich möglichst viele Wesen wohlfühlen. Dabei kommt man nicht um eine Wertung umhin. Wenn ein Mensch einen Salatkopf verzehrt, so steht dabei das Recht des Salatkopfes auf Leben gegen das Recht des Menschen auf Wohlbefinden und Nahrung.
Als taugliches Kriterium für eine entsprechende Wertung dient dabei die Glaubenskapazität (vgl. [5]). So hat ein Mensch deutlich mehr Möglichkeiten Persönlichkeit und Bewusstsein zu entwickeln und folgerichtig die Götter zu verehren als ein Salatkopf. Daher darf ein Mensch in angemessenem Massstab die Rechte des Salatkopfes verletzen. Obgleich das eine böse Tat ist, wiegt sie nicht so schwer. Ein Übermaß an Bösem verletzt die Rechte zu vieler Wesen, ein Übermaß an Gutem ebenso.
Nicht Lebendes wie Steine oder Untote beziehungsweise willenlose Wesen, haben, da sie weder Wohlbefinden noch Glaubenskapazität vorweisen können, logischerweise keine solchen Rechte.

Daraus ergibt sich ferner, dass es eine gute Tat ist, auch für das Wohlbefinden von intelligenten, bösen Wesen zu sorgen, insbesondere, um sie von ihrem Irrweg wegzuführen. Das bedeutet nicht zwangsweise, dass es auch eine weise Entscheidung ist. Das ist es vor allem dann nicht, wenn davon ausgegangen werden kann, dass das Böse zu tief verwurzelt ist, als dass diese Wesen gefahrlos geduldet werden können. Priester von Seth oder Kur-TulMak beispielsweise sollten in jedem Falle beseitigt werden, da bei ihnen jede Hoffnung auf Rettung vergebens ist. Dem einfachen Anhänger jedoch, der vielleicht sogar zur Anbetung gezwungen worden ist, kann man noch eine Chance geben. Zwischen Vergebung und Rache muss das richtige Maß gefunden werden.

Doch darf man auch die Unparteilichkeit nicht übertreiben. Es gibt durchaus Gelegenheiten, bei dem eine Trennung in Feind und Freund hilfreich und wünschenswert ist. Der Weise erkennt die richtigen Umstände im Gebet.


Chaos et Ordo
Viele Laien setzen das Böse mit dem Chaos gleich und Ordnung mit dem Guten. Nichts könnte weiter von der Realität entfernt sein!
Ordnung in Reinform bedeutet die Simplizität, das Festhalten an Regeln, Stabilität bis hin zur Erstarrung. Der Gegenpol ist nicht Unordnung! Diese ist lediglich eine unsinnige Ordnung.
Chaos hingegen ist das Schöpferische und Zerstörerische, wobei Letzteres ihm auch den schlechten Ruf eingebracht hat. Alles was neu ist, lehnt sich gegen die Ordnung auf, ist also chaotisch. Wenn es aber im Übermaß betrieben wird, kann es das Neue nicht zum Funktionieren bringen.
Dem Donnerer wird ein chaotisches Verhalten nachgesagt, doch nur aus einem unwissenden Kontext heraus. In Wirklichkeit versteht er es meisterhaft die Balance zwischen Stabilität und Veränderung zu halten. Gut gemeinte Erklärungen, auch wenn sie den Sprachgebrauch ordnungsliebender Zeitgenossen bemühen, können hier mehr verwirren als nutzen. [6]

Emotio et Ratio
Manch einer empfindet es als Tugend seine Gefühle jederzeit unter Kontrolle zu haben und immer verstandesgemäß zu handeln. Temperamentvolles Auftreten wird als chaotisch attributiert. Leicht erkennt der wahrlich Weise hier den Fehler.
Wer seinen Verstand nicht benutzen kann, braucht sich nicht wundern, wenn er dumme Entscheidungen trifft. Doch wer nur den Verstand benutzt verliert leicht das Ziel!
Wer niemals heißen Zorn gespürt hat oder quälende Angst hat auch niemals tiefes Mitleid oder reine Liebe empfunden.
Es gilt ebenfalls das richtige Gleichgewicht zu finden, was wohl die schwierigste Aufgabe von allen ist, da sie häufig unter Zeitdruck gelöst werden muss. Der beste und praktikabelste Weg, ist – wie immer - das Gebet zu Dondra. [7]





Literaturliste:

[1] Der ewige Sumpf, 293 nGvT, Bibiliothek Tha
[2] Nur ein thoter Wergol, V. K. L. U. MrKrrarr, 3291 vA, 1. Garun-Bibliothek
[3] Kleindämonenpflege im Terrarium, K. Alvar, 281 nGvT, Bibliothek Tha
[4] Greezoo der Drache, A. LlacLustre, 421 nA, Brigadebibl. Brisbackshire
[5] Heilige Steine, Niederschriften von Astralufix und Istrelafix, Datum unbek., Hain Xolan
[6] Aisher für geistig Herausgeforderte, P. Ratz, 419 n.P., Stadtbücherei Romantao
[7] Handbuch für Dondra Priester, Lailoken ab Gwendolau et. al, 424 n.P. Bibl. Buta Samui





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