CarpeNoctem 

Status: Offline Registriert seit: 19.02.2007 Beiträge: 530 Nachricht senden | Erstellt am 09.09.2007 - 16:30 |  |
Unter Wasser, das Eintauchen in einer andere Welt. Da gehört der Mensch nicht hin.
Ein kurzer Blick durch einen Spalt ist eine unglaubliche Erfahrung, mancher macht sie jetzt beim Schwimmen an den Ferienküsten.
Alles was ich brauche ist Schnorchel, Taucherbrille und den Mut, mit dem Kopf unter Wasser zu gehen.
Eintauchen, abtauchen in die Stille, in das Alleinsein. Auf einmal ist alles wie weggewischt, der Lärm des Strandlebens, Vogelschreie, Wellenschlag.
Stille ist, wiegendes Dahingleiten und Farben und Formen, Pflanzen und Tiere in lauter unerwarteten Spielarten und Bewegungen. Bizarre Felsstücke und Klippen, verkrustet, überwachsen, Inseln von Tang und Seegras, das sich sanft neigt und wieder aufrichtet wie Kornfelder unter einem mächtigen Sommerwind.
Dazwischen Hunderte von Fischen, die den Fremdling neugierig und zum Greifen nah umkreisen, im Schwarm zielstrebig vorübergleiten, wie ein geheimnisvolles Ballett Figuren bilden und auflösen, ebenso rätselhaft wie regelmäßig. Alles vollkommen still trotz manchmal gluckernder Wasserschläge, sanft und ruhig im Auf und Ab der Wellen.
Ich bin nur Gast hier unter Wasser. Das Mundstück aus Plastik, das andere Atmen erinnern daran; und doch möchte ich so lange wie möglich die Gastfreundschaft nutzen und bleiben.
Von der Oberfläche aus ist das Meer dunkel, seine Tiefe unheimlich, die Ahnung von unsichtbaren Fischen ist beängstigend untergetaucht gehört man mit dazu.
Das Auge, nicht gestört von Geräusch und heftiger Bewegung, verweilt auf der stetig und lebendig wechselnden Szenerie submariner Gebilde, und der Körper überlässt sich gern diesem Anflug von Schwerelosigkeit.
Dann hebe ich den Kopf. Schlagartig bricht die Menschenwelt wieder herein.
Salz brennt auf den Lippen, in den Ohren dröhnt die Brandung, überlagert von den Schreien der Kinder, die sich am Ufer vergnügen.
Für einige Augenblicke bin ich sehr weit fort gewesen, jenseits einer hauchdünnen Schattengrenze.
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