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...   Erstellt am 17.10.2005 - 16:30Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


kurzgesichte auf basis eines songs von schandmaul.

Eine Waldmär

Mein Name ist Mergan, meines Zeichens Geschichtenerzähler und ich will Euch, meine verehrten Zuhörer, mit einer Geschichte erfreuen, die sich zugetragen hat, wie ich sie erzähle, Wort für Wort, so wahr ich hier stehe.
Auch Ihr dahinten in der Ecke, mit dem großen Bierkrug in der Hand braucht mich nicht so skeptisch anzusehen. Was Mergan erzählt, entspricht immer der Wahrheit, da könnt Ihr jeden fragen, der schon einmal eine Geschichte von mir gehört hat.
Nun, junge Dame, wenn eine so schöne Frau in meiner Gegenwart ist und willens ist sich vielleicht auch ein wenig zu ängstigen, will ich, mit Eurer geschätzten Erlaubnis, Herr Wirt, nun beginnen.
Die Geschichte, die ich Euch zu erzählen gedenke spielt nicht weit von hier. Ich denke jeder von ihnen kennt das kleine Dorf, draußen hinter dem Wald. Wie, Ihr nicht? Nun, mein Herr, dann werdet Ihr bald auch nicht mehr den Wunsch verspüren dort hin zu reisen, glaubt mir nur.
So lauschet denn meiner kleinen Waldmär

Es war an einem lauen Frühlingsabend, als der Vater, sein Name war Aldrak, er war Holzfäller, und sein Sohn Aldron am Rand des Waldes standen. Aldrak hatte seinen Stammhalter an diesem Abend mit hier her genommen um ihm etwas sehr wichtiges zu erzählen, denn um diesen Wald rankten sich schon von je her viele Geheimnisse und es wurden viele Geschichten erzählt.
Aldrak hob beschwörend die Hand und sah seinen Sohn eindringlich an. „Hör nur, Aldron! In diesem Wald herrscht das Böse, die pure Bosheit. Du darfst niemals hinein gehen, schon gar nicht bei Dunkelheit.“
Aldron, von je her ein gewitzter Bursche wusste wohl, dass sein Vater kein Feigling war. Wenn er also sagte, dass in diesem Wald böse Dinge vor sich gingen, dann musste es auch so sein. So schwor er denn: „Ich werde mich immer an deine Warnung erinnern, Vater. Ich schwöre, dass ich niemals in den Wald gehen werde.“
Aldrak nickte zufrieden und legte seinem Sohn den Arm um die Schulter. „Dann weiß ich, dass ich keine Angst um dich haben muss. Komm, lass uns heimgehen. Mutter wird mit dem Essen warten.“
Zufrieden mit der Welt führte der Holzfäller seinen Sohn also wieder nach Hause.

Lacht nicht so, edler Herr! Es ist, wie ich es sage, bei allem, was mir heilig ist. Sag Wirt, wie wäre es mit einem Bier, damit mir vom erzählen der Mund nicht trocken wird?
Nun wo war ich?

Es vergingen die Jahre und aus dem jungen Aldron wurde langsam ein Mann. Er war beliebt bei den jungen Damen im Dorf, wenn Ihr versteht was ich meine. Wie sein Vater auch war er Holzfäller geworden und er hatte ein geschicktes Händchen mit der Axt. Die Arbeit hatte seinen Körper nicht unberührt gelassen und durch die viele Zeit im freien war er braun gebrannt. Sein Haar war so schwarz wie die Federn eines Raben und seine Augen vom selben Braun wie das Holz der Eiche.
Nur eine Leidenschaft hegte Aldron noch, neben seinem Beruf und jungen Frauen, jeden Abend ging er auf eine kleine Wanderung, die ihn meist auch nah am Waldrand vorbei führte.

Ihr lacht so, schöne Dame. Gewiss ahnt Ihr schon wohin die Reise geht, nicht wahr? Nun wartet ab, was wirklich geschieht. Danach werden Euch die Ausflüge in die Wälder wahrlich nicht mehr so viel Freude bereiten, wie zuvor. Das schwöre ich Euch.

Auch an diesem Abend ging er wieder hinaus und wanderte den schmalen Pfad von der Hütte hinunter zum Waldrand um von dort aus den Weg zu dem kleinen Bach zu nehmen, der unweit des Hauses sachte dahin floss. Wie er noch so dahingeht und sich am Funkeln der Sterne erfreut, da weiß er plötzlich, dass er nicht mehr allein ist.
Aldron war bei weitem nichts ängstlich und darum schaute er sich um, um zu sehen, wer ihn da beobachtete. Und da sah er sie.
Am Waldrand stand sie, das schönste Mädchen, dass er je gesehen hatte. Aus dem Dorf konnte sie nicht sein, denn die Damen dort waren ihm so gut wie alle bekannt.

Einzig allein die alte Lisl, die mit ihren nun mehr dreißig Jahren noch keinen Mann hatte interessierte ihn freilich nicht, schließlich war sie groß genug, dass sie auch drei Frauen hätte sein können und dazu dumm wie ein Leib Brot.
Sag Väterchen, was schaust du so verdrießlich? Ich werde doch nicht aus versehen die Frau beschrieben haben, mit der du das Bett teilen musst. Nein? Dachte ich’s mir doch.
Lasst mich fortfahren.

Das Mädchen, welches er dort sah hatte strahlende Augen in denen sich das Mondlicht spiegelte wie in dem kleinen Bach, zu dem Aldron so gerne ging. Sie lächelte ihm zu und winkte.
Ach, was glaubt ihr wohl, edle Zuhörer, was er getan hat?
Ihr habt es erfasst.
Jede Warnung des Vaters und seinen Schwur vergessend ging Aldron zum Waldrand hinüber, um mit der Schönheit zu sprechen, die er dort sah. Sie lächelte wie die Sonne, als er zu ihr herüber kam und Adlron sah, dass ihr Haar von glänzend brauner Farbe und ihre Augen tiefschwarz wie der Himmel bei Nacht waren.
Um ihn war es sofort geschehen, wie Ihr Euch sicher denken könnt.
Auch sonst war die junge Dame schön anzusehen. Ein wundervoller Körper, hat man mir berichtet. Sie trug ein weites weißes Kleid und sah aus, wie ein Fleisch gewordener Engel.

Ihr wisst, wovon ich spreche, mein Herr. So wie Ihr grinst könnte man meinen, dass Ihr erst vor kurzem die Bekanntschaft einer solchen Damen gemacht habt. Ich persönlich bevorzuge ja Frauen, bei denen alles an der richtigen Stelle ist.
Sag, schönes Kind, bist du noch zu haben? Nicht? Wie schade….
Ich will nicht von Thema ab kommen.

Das Mädchen begann ein Gespräch mit unseren hübschen Holzfäller, natürlich ohne sich selbst vorzustellen, fragte sie: „Sag wie heißt du, Holzfäller? Ich beobachte dich schon eine ganze Weile.“ Ihre Stimme war hell wie der Klang einer silbernen Glocke.
Aldron nannte seinen Namen und wusste kaum, was er selbst zu der jungen Dame sagen sollte. Sie lachte ihn aus und er wurde rot bis über beide Ohren. „Du hast mich beobachtet?“, stammelte er nach einer Weile, als er seine Worte endlich wieder fand. „Oh ja“, antwortete sie fröhlich. „Ich lebe in diesem Wald, gemeinsam mit zwei Brüdern und einer kranken Mutter. Meine Brüder arbeiten am Tage als Holzfäller wie du und dein Vater und ich kümmere mich um Mutter. Wenn ich zum Wasser holen an den Bach gehe, sehe ich dich manchmal, wie du da sitzt und den Mond beobachtest.“
Natürlich war Aldron recht irritiert von diesen Worten, hatte doch sein Vater ihm damals erzählt, dass nur Böses in diesem Wald lebte. Oder war es ein anderer Wald gewesen? Er wusste es nicht mehr und eigentlich war es ihm auch egal.

Wie schnell doch ein schönes Frauenzimmer einem den Verstand verwirren kann. Die Herren stimmen mir da gewiss zu… Nicht? Sagt, sind Eure Frauen etwa anwesend, dass Ihr Euch nicht traut es zuzugeben? Nun, in diesem Fall habe ich nichts gesagt. Eure Männer sind natürlich die Tugend in Person, edle Damen. Hört gar nicht auf Mergans kleine Sticheleien. Ich versuche lediglich die Stimmung ein wenig zu lockern.

Das Gespräch der beiden ging lange weiter. Das Mädchen erzählte viel von ihrer kranken Mutter und Aldron hing an ihren Lippen. Schließlich begann sie mit etwas anderem, etwas, das Männer fast ebenso gerne hören, wie die Damen – Schmeichelei.
„Du arbeitest jeden Tag, nicht wahr?“
Aldron brachte nicht mehr, als ein Nicken zustande und ihm blieb beinahe die Luft weg, als sie dann auch noch seinen Arm nahm und mit der Hand die Muskeln nachzeichnete, die sich unter seiner Haut abzeichneten. „Das ist wirklich nicht zu übersehen. Ich hätte nichts dagegen dich öfter zu sehen…“ Ein weiterer aufreizender Augenaufschlag und um unseren jungen Helden war es restlos geschehen.
„Ich…“, stammelte er kindlich verlegen. „Ich hätte auch nichts dagegen dich wieder zu sehen, aber…“
Weiter kam er nicht, denn der Schrecken nahm seinen Lauf.

Und was für Schrecken. Man hat mir nur erzählt, was wohl mit Aldron geschehen war und ich war nicht selbst dabei. Sonst würde ich, mit Verlaub, auch nicht mehr hier stehen um Euch davon zu berichten, verehrte Zuhörer, aber ich habe mir trotzdem ein Bild machen können. Doch hört selbst.

Für nur einen kurzen Augenblick verdunkelte eine Wolke das Antlitz des Mondes und dann geschah das Unfassbare.
Ihr könnt Euch sicher vorstellen, dass Aldron inzwischen jede Orientierung verloren hatte, denn das schöne Mädchen hatte ihn mitten ins tiefste Unterholz geführt, so dass er sich hoffnungslos verlaufen hätte, selbst wenn er noch hätte fliehen können.
Die Augen des jungen Holzfällers weiteten sich vor Schreck, als er sah, was mit seiner neuen Bekanntschaft geschah. Langsam, ganz langsam nur, begann sie sich zu verändern. Auf ihrer Haut breitete sich Fell aus, Zoll um Zoll stetig weiter, bis nicht mehr das Mädchen, sondern eine furchtbare Höllenkreatur vor dem armen Aldron stand.

Ihr erbleicht, edle Dame. Ich hatte Euch doch angekündigt, dass meine Geschichte die zart besaiteten ängstigen wird.

Es war ein gar grausig anzusehendes Ungetüm. Graues, zottiges Fell bedeckte den ganzen Körper. Riesig ragte es vor Aldron auf und Geifer troff aus dem Maul, das mit dolchartigen Reißzähnen nahezu gespickt war. Die Augen glühten wie heiße Kohlen und mit messerscharfen Klauen grabschte es nach dem Holzfäller.
Dem war selbst der Schrei des Schreckens im Halse stecken geblieben. Er wich zitternd vor der Bestie zurück, bis er mit dem Rücken gegen einen Baum stieß und nach links und rechts kein Entkommen mehr war.
Drohend kam das Biest näher, fletschte die Zähne und knurrte einen so drohenden, grollenden Laut, dass er aus der Hölle selbst hätte kommen können. Mit einem markerschütternden Heulen stürzte es sich auf den Holzfäller und was dann mit ihm geschah mag nicht einmal ich Euch noch erzählen.
Wisset aber, dass ich zu jener Zeit in dem unglücklichen verfluchten Dorf weilte und, weil ich eine gute Geschichte witterte, mich der Suchmannschaft anschloss, die nach dem jungen Aldron Ausschau hielt.
Was wir fanden war furchtbar. Aldron lag dort, erschlagen, in einer getrockneten Lache aus seinem eigenen Blut. Seine Gliedmaßen waren fürchterlich verdreht, gebrochen, zersplittert, ja sogar abgerissen. Sein Hals war eine einzige riesige Bisswunde von Zähnen, wie sie noch nie ein Mensch gesehen hat. Es war grauenvoll, sage ich Euch. Er lag da und er starrte mich aus einem verbliebenen, leeren Auge an, das Haar schwarz vom trockenen Blut, die Kleider zerrissen.
Wir fanden Spuren von einem riesigen Tier, die kein Spurenleser erkennen konnte.
Ich verschwand bald aus der Stadt, doch hört:
Geht niemals in diesen Wald, versucht nicht mit ihm anzubiedern, denn als Strafe wird er Euer Leben fordern. Krieger, Ritter, Aristokrat: Niemand der den Wald betrat kam je zurück und so wird es bleiben.

So wahr ich hier stehe, so ist es geschehen. Ich war dabei. Ich stand neben der Leiche des Holzfällers und sah ihm in sein totes Gesicht. Kein Mensch, kein Tier, das Ihr kennt könnte ihn so zugerichtet haben.
Glaubt Mergan nur, denn was er erzählt ist immer wahr.
Wirt, solange Eure restlichen Gäste noch erschrocken und voll Ekel vor sich hin starren, könntest du mir noch ein Bier bringen und dann überlege ich mir, welche Geschichte ich Euch das nächste Mal erzähle.
Oh, Spielmann, mein alter Freund. Wo kommst du her? Warst du nicht erst kürzlich in diesem Dorf am Meer, wo der junge Fischer verschwand und ins Reich der Sirenen gezogen wurde? Warum singst du uns nicht ein Lied über den unglücklichen Aldron? Mein Dank, Freund Spielmann.

„Habt Ihr schon gehört, oder soll ich Euch sagen?
Im eigenen Blut lag der Knabe erschlagen!
Ob Krieger, ob Ritter, ob Aristokrat;
Es kehrt nie zurück, wer den Wald je betrat…“





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