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...   Erstellt am 23.04.2006 - 02:40Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


immer wieder findet man in zeitungen, bedienungsanleitung und sonstiger lektüre seltsame stilblüten. auch funk und fernsehen bieten solche.
sehr amüsant ist, wenn jemand meint, fremdwörter benutzen zu müssen, ohne da genauer bescheid zu wissen. der hintergrund: man will sich gebildeter und weltmännischer (muss ich da jetzt auch "weltfrauischer" schreiben?) geben, als man (frau) ist.

ein beispiel aus ferner vergangenheit, aus der kindheit des schreibers dieses
(und: es ist nichts hinzugefügt oder erfunden!):

es gab da ein kleines geschäft für sämereien, gemüse und auch etwas obst.
zwar kauften wir oftmals im "konsum" ein (damals so eine art supermarkt-vorläufer, eine mischung aus laden-bedienung und selbstbedienung an regalen), dieser miniladen jenseits der heiligenstädter straße, im halb-souterrain gelegen, jedoch bot, sofern die vorräte reichten, eine bessere qualität bei vielen produkten. und das zu nur minimal höheren preisen.

ich war also wieder mal mit meinem "zeger" (einkaufs-netz) in dem - wenn's hoch kommt - vielleicht knapp 20 m² großen geschäft, stand hinter drei, vier hausfrauen aus dem gemeindebau, die warteten, dranzukommen. links und rechts waren kisten mit obst, gemüse, samen, honig, auch ein paar kleinen blumentöpfen gestapelt, auch draußen, neben der türe, war ware ausgestellt.

die kundinnen vor mir warteten geduldig, wollten sie doch auch, sobald sie ihre bestellung aufgaben, selbst ein wenig dem plausche mit dem tandler huldigen. die wartezeit vertrieben sie sich mit tratsch untereinander. ich wusste, das wird dauern. war es ja auch gewöhnt. nie regte sich jemand auf dort, nie drängelte wer.

doch dieser tag war anders. plötzlich betrat ein bunt bemaltes etwas (eine deutlich überschminkte, "aufgetakelte" blondine - wie eine kopie aus einem revue-magazin der späteren 50er-jahre) den laden, verweilte, sich umsehend und parfumwolken schleudernd, einige sekunden in der türe, wippte und wackelte dann schnurstracks an den wartenden, inzwischen verstummten und gaffenden, frauen vorbei nach vorn zum ladenbesitzer.
alle waren derart perplex, dass sich niemand aufregte.
auch der gemüse-mann schaute nur groß.
weil sie so vor ihm stand, fühlte er sich zu einem "bitte?" gezwungen.
die "tussn" (diese bezeichnung erlernte ich erst minuten später) darauf:
"i hätt gern ... - a halbes pfund mandaräus" -- "häää?" -- "mandaräus! die da! a halbes pfund!"

der gemüsetandler nahm einige der gezeigten früchte (mandarinen), legte sie auf die waage. "is's so recht?" -- "naaa! a hoiwes pfund howi gsogt!" er überlegte, gab einige dazu, sah sie an. "naa! weniga!" er nahm welche weg. "is's so recht?"
schließlich war sie zufrieden, zahlte, wackelte mit einem "adjööö" ab.

nur - kaum war sie draußen, wurde dieses erlebnis von den anwesenden damen haarklein zerpflückt. "glaubt woi, si is wos bessa's, de tussn!" -- "a so a ruabn, a gfäulte! glaubt mit ian französisch kaun s' do eindruck schindn!" -- "a so a gfraßt, so a schiachs!" (diese meinung schien der tandler allerdings nicht so ganz zu teilen ...) "drängt se do aafoch viere!" -- "woarum haum s de viere lossn, hea ...? - de warat jo noch uns und nochn buam drau kumma eascht!" gingen sie plötzlich auch auf den mann los. offenbar war ihnen trotz allem staunen und gaffens nicht so ganz entgangen, wie er diese "dame" angesehen hatte ...

warum sie versuchte, mandarinen als "mandaräus", also nicht sehr gekonnt französisch zu bestellen, oder ob sie wirklich meinte, die müssten so ausgesprochen werden, habe ich nie verstanden, auch, warum sie, die doch eindeutig wienerin war, ein halbes pfund verlangte, anstelle des viertel kilos.

jedenfalls wird mir diese szene mein leben lang in erinnerung bleiben und - sobald ich die dazugehörigen gesichter und offenstehenden münder denke - immer wieder für ein schmunzeln sorgen...





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nau hawedere ... o.0


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