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Hildebrandt
unregistriert

...   Erstellt am 21.01.2007 - 18:03Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Ich habe lange überlegt, ob ich mich zu dem Thema "Organspende" äußere.
Es war der Beitrag von Opal und auch ein Satz von edlervon, der mich bewog, nun doch etwas zu erzählen. Wie würde ich mich, die/der gegen Organspenden ist, entscheiden, wenn es mein Kind ist, dass ein Organ braucht, um weiterzuleben.

..........................



1992 wurde unsere 12 jährige Tochter Steffi bei einem Verkehrsunfall tödlich verletzt.
Die Diagnose "schwerstes Schädelhirntrauma" stand schon an der Unfallstelle fest. Sie wurde nach Großhadern geflogen, nach dem sie erst an der Unfallstelle, später im Rettungshubschrauber, mit Elektroschocks mehrfach wiederbelebt wurde.

Mein Mann und ich trafen erst in de Klinik ein, als Steffi bereits auf der Intensivstation lag. Sie wurde beatmet.

Für uns sah es aus, als sie schläft.
Sie war warm, aus einer Gesichtswunde tröpfelte Blut, an ihrem Bett hing ein Urinbeutel. Die Ärzte auf der Intensivstation machten uns wenig Hoffnung. Sie versuchten, mit Medikamenten das Hirn zum Abschwellen zu bringen, sahen aber keinerlei Perspektive für ein menschenwürdiges Leben.

Wir haben die nächsten Stunden an Steffis Bett verbracht und auf ein Wunder gehofft. Während dieser Zeit veränderte sich der Zustand nicht.

Blut wurde regelmäßig abgenommen und die Geräte kontrolliert.

Nur beim EEG mussten wir das Zimmer verlassen, keine Erschütterung sollte die Aufzeichnung beeinflussen.

Nach dieser Untersuchung kam der Arzt, mit dem wir anfangs gesprochen hatten, und sagte uns, Steffi sei nun tot. Und ich höre es noch wie heute, als er sagte: „ Sie ist jetzt auch sauber!!“
Das ist die Fachsprache, gemeint ist, frei von Medikamentenrückständen.
Im gleichen Atemzug mit der grausamen Botschaft, unser Kind sei tot, sagte er, wir sollten uns nun überlegen, ob wir Steffi zur Organspende freigeben: Herz oder Leber oder Nieren, eventuell Knorpelmasse würden dann entnommen.

Ich war fassungslos, konnte keinen klaren Gedanken fassen, bekam einen Weinkrampf, fühlte nur noch körperlichen Schmerz, Ausgeliefertsein und Angst. Mein Mann und ich hatte doch gerade erst die Stunden am Bett unseres todkranken Kindes durchlitten und nun, sollten wir entscheiden ob sie ausgeschlachtet wird?
Der Arzt sprach inständig auf uns ein,
dass ein anderes Kind sterben müsse, wenn wir nicht zustimmen würden.

Das war zuviel, viel zuviel und heute sage ich, es war ungeheuerlich, wie unsere Situation ausgenutzt wurde.
Wir sollten für das Leben eines anderen Menschen verantwortlich gemacht werden.

- Fortsetzung folgt,sobald ich wieder in der Lage bin. Bitte setzt unter meine Geschichte keine Kommentare.




Hildebrandt
unregistriert

...   Erstellt am 22.01.2007 - 13:30Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden 


Schuldgefühle haben wir bis heute, weil wir uns von unserer Tochter abwandten, die noch warm war, lebendig aussah und wie ein lebender Patient behandelt wurde.

Wir haben aufgegeben, weil der Arzt sagte : „Ihre Tochter ist tot.“
Wir musste es gegen unser eigenes Empfinden glauben. Wir mussten den Aussagen des Arztes glauben und ihm Vertrauen. Und wir vertrauten ihm.


Wir gaben ein Organ unserer Tochter zur Transplantation frei, um kein Menschenleben auf dem Gewissen zu haben.

Vor der Beerdigung wollten wir Abschied nehmen von unserem Kind.
Es war das grausamste, was sich Eltern vorstellen können.
Unsere Tochter war ein ausgeschlachtetes Auto. Aufgebahrt mit Kanülen in ihren Händen. Bis zur Kinnspitze hatte man sie aufgeschnitten, mit großen Stichen zugenäht, sodass alles bis tief in den Ausschnitt des Totenhemdes zu sehen war.
Wir hatten einem Organ zugestimmt, nun hatten sie vor nichts Halt gemacht.
Sogar die Augen fehlten. Grausam, uns starrten tiefe Höhlen an.

Jetzt war sie "richtig" tot, sah auch aus wie eine Tote: war kalt, ohne Atem, leblos.

Als ich unsere Tochter da liegen sah, und wurde mir ganz deutlich bewusst, in welchem Zustand wir unser Kind im Krankenhaus zurückgelassen und den Medizinern anvertraut hatten.

Wir hatten den Ärzten unser Kind anvertraut, das aussah wie lebend, das warm war und behandelt wurde wie ein Lebender. Mein Schrei hallte durch die ganze Klinik.

Was haben wir zugelassen? Was hatte man unserer Tochter alles zugefügt, als sie noch warm, lebendig da lag und auf ihren Weg in den Tod schwebte?

Wie ein Schlag traf mich die Erkenntnis, dass man uns in eine Richtung manipuliert hatten, die wir aus unserem Empfinden heraus gar nicht wollten

Es war ein Albtraum, der uns bis heute immer wieder heimsucht.

Es gab und gibt bis heute auch Niemanden, der uns da herausholte, weil alle wussten, dass wir tatsächlich einen warmen lebenden Menschen verlassen haben und keinen kalten Toten.

Unsere Gedanken finden an manchen Tagen keine Ruhe. Fragen ohne Antworten: Mit welchem Trauma wurden sie in den Tod geschickt?
Es ist oft nicht zum Aushalten!
Immer noch finden wir keinen Weg aus der Schuld, die wir empfinden.


Liebe Freunde,
ich weiß, wie betroffen euch meine Geschichte macht. Ich spüre, dass ihr mich trösten und Mut zu sprechen möchte.
Bitte euch, auch dieses Mal nichts zu antworten.

herzlichst
Heidrun





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