Wirbel 


Status: Offline Registriert seit: 09.07.2006 Beiträge: 222 Nachricht senden | Erstellt am 10.07.2006 - 19:22 |  |
Eine Nacht
Die Straße ist glatt, der Schnee türmt sich am Straßenrand, zusammengeschoben vom Winterdienst. Es ist dunkel, Schneeregen begleitet meine Fahrt. All das stört mich nicht, denn ich bin unterwegs zu einem Treffen mit ihm – endlich. Wochenlange Spannung wird erfüllt werden, so hoffe ich.
Nur im Unterbewusstsein nehme ich den Straßenverkehr wahr, zu sehr hänge ich meinen Gedanken nach. Eine wunderbare Stimme hat er am Telefon, eine Stimme, die mich bei jedem Gespräch in Unruhe versetzte. Endlich sollte ich den Mann kennen lernen, der sich mit mir schon zum Jahreswechsel verabreden wollte. Meine Freundin und ich hatten uns jedoch schon lange für diesen Abend verabredet.
Zugegeben, ich war auch zu sehr erschrocken über die schnelle Sympathie, die ich am Silvesterabend als ich ihn das erste Mal hörte, in mir spürte. Zeit wollte ich gewinnen, ich wusste selbst nicht wofür.
Endlich, die letzte rote Ampel auf der langen Hauptstraße, lässt mich noch einmal halten. Nur noch beseelt die letzten Meter, die zum Hotel führen, so schnell als möglich zu fahren, lassen die Zeit bis zum Umschalten der Ampel auf „Grün“ zur Ewigkeit werden. Wir freuten uns beide auf unser Treffen. Mehrmals sagten wir es uns beide.
Mein Auto verlasse ich recht taff, ich bin mir sicher, ich werde aus irgendeinem Fenster des Hauses, beobachtet. Über den Schnee hinweg steuere ich auf das Haus zu, lasse die Autoschlüssel in meine Handtasche fallen, vorbei an der nicht besetzten Rezeption, gehe ich die Treppe hinauf, klopfe an die Zimmertür mit der Nummer 4711.
Die Tür öffnet sich, vor mir steht er, Jörg. Ein strahlendes Lächeln im Gesicht, mein Blick in seine Augen – ja, sie sind blau - er schaut mich unverhohlen offen und taxierend an. Ich halte dem Blick stand, gehe auf ihn zu. Die Tür schließt sich hinter mir wie von selbst.
Seine Augen sie faszinieren mich. Ich bin nicht in der Lage irgendetwas zu sagen. Wie selbstverständlich nimmt er mich in seine Arme und küsst mich. Sein Kuss tut gut, meine vermeintliche Starre weicht einer Wärme, wie ich sie immer empfinde, wenn wir miteinander sprechen. Unsere Küsse werden intensiver, ich halte ihn fest, möchte ihn nicht mehr loslassen, und muss doch den Wintermantel ausziehen….“Du bist schön…“ höre ich. Wir schauen uns an, wir wissen, was schön ist. Die Nacht war kurz, viel zu kurz.
Auf dem Weg nach Hause, seine Zärtlichkeiten, seine Zuwendung ich vermisse sie jetzt schon, laufen mir die Tränen. Sein Lehrgang, hier in dieser Stadt wird noch einige Tage dauern. Ob Jörg weiß, dass ich auf seinen Anruf warte ..?
Viele Tage, viele Wochen warte ich auf einen Anruf, sehne ich mich nach seiner Stimme, nach einer Wiederholung dieser wunderbaren Stunden, vergeblich.
Ja...für Kritik bin ich offen. Wenn der Text hier nicht themenmäßig platziert ist, kann er auch verschoben werden.
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