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Minotaurus ![]() Hausherr und Gastgeber ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() Status: Offline Registriert seit: 13.06.2006 Beiträge: 1550 Nachricht senden |
Immer wieder hört und liest man – ganz bevorzugt zur Adventszeit - Berichte von diversen Organisationen wie Brot für die Welt, Unicef, Caritas, Adveniat, Misereor, Greenpeace, Welthungerhilfe, usw, usw. In diesen Berichten wird oft beklagt, daß die armen Menschen in der dritten Welt oft nur eine Handvoll Reis am Tag zu essen hätten. Zugleich werden auf diesen Flyern Negerkindlein z.B. aus Biafra abgebildet, die mit dünnen Gliedmaßen, geschwollenen Hungerbäuchen und großen Augen um eine Geldspende betteln. Wer könnte sich schon diesen anklagenden Blicken entziehen, wenn sie uns zeigen, daß sie pro Tag nur eine einzige Hand voll Reis zum Leben haben, während wir im Überfluß leben. Im Hintergrund dieser Bilder sieht man dann oft einen gutgenährten Negerbischof, der darauf achtet, daß die Spenden in die richtigen Kanäle geleitet werden. Nur die breite Schärpe um den Bauch verhindert, daß er platzt. Da ist dann oft von Nächstenliebe und sogar von der Liebe Gottes die Rede, die mich als bekennender Atheist nicht interessiert, aber auch nicht weiter stört. Auch ein ausgefüllter Überweisungsträger und die Kontonummer der Pax Bank in Aachen ist gleich beigefügt. (Konto 122 122, Pax Bank Aachen eG, BLZ 370 901 93) Wie praktisch! Ich wußte bisher gar nicht, daß die Negerkindlein eine eigene Bank haben. Nun, auch ich habe des Öfteren schon Geldbeträge gespendet, um das Leid dieser armen Kinder und vor allem ihren Hunger zu lindern. Zwar leben wir auch nicht gerade in Saus und Braus, aber immerhin in einem reichen Land, in dem niemand hungern muß. Abgesehen davon, daß der größte Teil dieser Spenden die Bedürftigen gar nicht erreicht, sondern in den Kanälen der diversen Hilfsorganisationen versickert, ist das Gewissen beruhigt und man geht wieder etwas leichter zur Tagesordnung über. Das Geld ist ja nicht weg, es hat nur jemand Anderer. Außerdem kann man ja diese Spenden alle von der Steuer absetzten. Somit bezahle ich sie nicht alleine, sondern beteilige den Steuerzahler an meiner karitativen Ader, völlig egal ob er es will oder nicht. Ein geniales System! Eines Tages, es muß wohl wieder zur Adventszeit gewesen sein, flatterten an einem Samstagvormittag wieder diverse Bettelbriefe von verschiedenen Organisationen auf unseren Küchentisch. Und wie es der Zufall wollte, gab es an diesem Tage bei uns ein vegetarisches Reisgericht. Meine Partnerin Sabine ist nämlich Lehrerin an der Fachakademie für Sozialpädagogik, aber überzeugte Vegetarierin und obendrein eine gute Köchin. Und ich habe kein Problem damit, nicht nur das Bett, sondern auch die Mahlzeiten mit ihr zu teilen, auch wenn ich eigentlich ein Fleischfresser bin. Völlig darauf verzichten möchte ich zwar nicht, aber ein- bis zweimal in der Woche ein Fleischgericht reicht mir. Mit diesem Kompromiß können wir beide gut leben. Außerdem ist sie Raucherin, sie lebt also auch nicht gesünder als ich. Jedenfalls hielt ich gerade so ein Prospekt in der Hand und sinnierte beim Sortieren der Post über die ungerechte Verteilung der weltweiten Ressourcen nach, während Sabine mit der Zubereitung der Mahlzeit beschäftigt war. Natürlich hatte sie mir über die Schulter gesehen, worüber ich so lange nachdachte und sie hatte den Werbeslogan gelesen. "Hast Du mal darüber nachgedacht, wieviel eine Handvoll Reis überhaupt ist?", fragte sie mich beiläufig. "Nun ja, eine Handvoll eben", antwortete ich. "Je nachdem, wie groß eben diese Hand ist", lächelte ich verschmitzt und betrachtete dabei lüstern ihre wohlgeformten, festen Brüste, die ca. anderthalb Greif maßen. Ihr dünnes Seidentop mit den Spaghettiträgern bot ja tiefe Einblicke und einen BH trug sie nur sehr selten. Die Konturen waren also gut erkennbar. "Ich kann mir aber nicht vorstellen, daß man davon wirklich satt werden kann", fügte ich mit einem etwas zweideutigen Schmunzeln hinzu, während mich bereits ein leichter Niesreiz in der Nase kitzelte. Dazu muß ich sagen, daß ich es bereits vor längerer Zeit aufgegeben habe, mich mit dem Mysterium von weiblichen Konfektionsgrößen und BH-Größen wie 76 B, 87C, 98D, DD, usw. zu befassen. Irgendwann war ich einfach dazu übergegangen, die Größe der weiblichen Brüste einfach in der Maßeinheit "Greif" zu bemessen. Ein Greif ist eben soviel, wie gerade mal in eine kräftige Männerhand paßt, so einfach ist das. Der leichte Niesreiz hingegen stellt sich immer dann ein, wenn mich etwas erotisch stimuliert. Und Sabine hatte durchaus diese stimulierende Wirkung. Meistens jedenfalls. Ein kluger Wissenschaftler Namens Jacobson hatte mal gemeint, es handle sich dabei um den "olfaktorischen Männertyp", ähnlich wie bei Hunden und Wölfen. Dabei sagte er noch was von Pheromonen und irgendwelchen Rezeptoren. Keine Ahnung, was er damit gemeint hat, aber meiner Freundin gefällt das. "Du alter Lustmolch!" meinte sie mit einem Schmunzeln, als sie meinen Blick bemerkte. "Du hast sogar dabei immer nur das Eine im Kopf, was? Nein, mal ganz im Ernst: Das Menü, das ich gerade gekocht habe, entspricht ziemlich genau einer Handvoll Reis und zwar für uns beide. Zwar nehme ich zum Abmessen nicht meine Hand, sondern eine kleine Kaffeetasse, aber es dürfte so in etwa hinkommen. Wenn Du magst, so können wir es gerne ausprobieren, halt einfach mal Deine Hand auf." Mit diesen Worten griff sie zum Reisbeutel, schöpfte eine kleine Kaffeetasse voll Basmati-Reis heraus und füllte sie in meine geöffnete, hohle Hand. Sie paßte genau hinein und ich fragte mich dabei, woher sie wohl die exakte Größe meiner Hand wußte. Auf meinen Einwand hin, daß dieser Reis ja noch nicht gekocht sei, entgegnete sie: "Schau doch mal genau auf Deinen Bettelbrief, ob der Reis dieser Negerkindlein bereits gekocht ist. In gekochtem Zustand können nämlich locker zwei Personen davon satt werden. Und einige Zutaten gibt es sogar in Afrika, denn der Reis fällt ja auch dort nicht einfach so vom Himmel, nicht einmal in der Sahelwüste." Sie hatte natürlich recht – wie immer. Aber als emanzipierter Mann kann man das ja schließlich nicht so einfach zugeben, wo kämen wir denn da hin! Nach einigem Hin und Her war ich immer noch nicht davon überzeugt, daß man auf die Dauer wirklich davon satt werden könne, also machte sie einen Vorschlag: "Laß uns doch einfach mal ein kleines Experiment machen", meinte sie ganz spontan mit einem süßen Augenzwinkern. Nun, ich liebe die Experimente mit Sabine, deshalb sagte ich ebenso spontan zu, ohne dabei großartig zu überlegen. Aber leider war ich ihr damit auf den Leim gegangen. "Laß uns doch interessehalber einfach mal ausprobieren, ob wir es schaffen, uns mal ganze zwei Wochen nur von einer täglichen Handvoll Reis zu ernähren. Na, was meinst Du?" Ich muß wohl ziemlich dumm aus der Wäsche geguckt haben, das bekannte Kitzeln in der Nase war jedenfalls schlagartig weg. Das war ja gar nichts in der Richtung, was ich mir vorgestellt hatte. Und das mir als Fleischfresser! Aber es war gar nicht so schwer, wenn man diesen Reis mit einigen Bambussprossen, Ananas, grünen Bohnen oder Sojabohnen dekoriert. Einige Kräuter und Gewürze hinzu und man hat ein äußerst schmackhaftes Essen, das zum Schluß keinerlei Hungergefühl aufkommen läßt. Ob gekocht, gedünstet oder gebraten, scharf, süß oder sauer, als Auflauf in Weinblättern oder als Füllung in Gemüse. Reis schmeckt in allen Variationen. Sabine ist schon eine tolle Frau. Gut, auf die Dauer war es vielleicht etwas eintönig, aber hungern mußte dabei keiner von uns beiden. Ganz im Gegenteil: Während in der ersten Woche noch alles brav aufgegessen wurde, wußten wir am Ende der zweiten Woche schon nicht mehr, was man mit dem übriggebliebenen Reis noch alles anstellen könnte. Ihr als Vegetarierin fiel es ja nicht so schwer, aber mir als Fleischfresser fehlte doch etwas. Reispudding und Reismüsli waren die Alternativen am Morgen und am Abend und ganz heimlich hatte ich meiner kleinen Kathinka sogar schon so manchen Löffel Reis einfach unter das Katzenfutter gemischt. Meine Kathinka zog zwar die Nase hoch und schaute mich fragend an, aber letztendlich fraß sie dann doch etwas widerwillig ihren Napf leer. Für den Rest der Woche war sie beleidigt. Katzen sind ja so kluge Tiere. Hunde und Wölfe übrigens auch. Jedenfalls war ich heilfroh, als diese Woche endlich um war und am nächsten Sonntag ein saftiger Rinderbraten mit Kartoffelknödeln auf den Tisch kam. Sabine ist schon eine tolle Frau, aber ich glaube, das sagte ich bereits. Seitdem habe ich eine etwas andere Einstellung zu diesem Thema, wenn - alle Jahre wieder - pünktlich zur Adventszeit bunte Bettelbriefchen mit hungrigen Negerkindlein auf meinen Schreibtisch flattern. Natürlich wieder mit dem Hinweis, daß sie nicht mehr als nur eine Handvoll Reis am Tag zu essen hätten. So ein undankbares Volk! Unsere Soldaten in Stalingrad wären froh gewesen um eine so üppige Mahlzeit. Seitdem spende ich das Geld lieber der Kriegsgräberfürsorge. Zwar bin ich mir ganz sicher, daß es auch dort nicht bei denen ankommt, die es brauchen würden, bzw. gebraucht hätten, aber das soziale Gewissen ist beruhigt. Das Winterhilfswerk gibt es ja nicht mehr. Schade, denn in einer alten Schatulle meines Großvaters liegen noch einige Reichsmark, die hätte ich gerne gespendet. Frohen Advent! © 2007 by Minotaurus . [Dieser Beitrag wurde am 11.11.2007 - 15:41 von Minotaurus aktualisiert] Signatur ![]() Worte, Worte, nichts als Worte! Dazwischen manchmal ein Gedanke. (Marcel Reich-Ranicki) | |||
johnnyrebel ![]() Moderator a.D. ![]() ![]() Status: Offline Registriert seit: 12.09.2006 Beiträge: 242 Nachricht senden |
Naja, lieber Mino, Signatur Glaubt nicht, ihr hättet Millionen Feinde. Euer einziger Feind seid: ihr selbst... | |||
MrsRobinson ![]() Registriertes Mitglied ![]() Status: Offline Registriert seit: 11.11.2007 Beiträge: 4 Nachricht senden |
so kann man auch spenden Signatur "Jeder sieht, was Du scheinst. Nur wenige fühlen, wie Du bist" /Niccolo Machiavelli./ | |||
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