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<Minotaurus>
unregistriert

...   Erstellt am 09.12.2007 - 16:48Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Eine Hand voll Reis


Immer wieder hört und liest man – ganz bevorzugt zur Adventszeit - Berichte von diversen Organisationen wie Brot für die Welt, Unicef, Caritas, Adveniat, Misereor, Greenpeace, Welthungerhilfe, usw, usw.
In diesen Berichten wird oft beklagt, daß die armen Menschen in der dritten Welt oft nur eine Handvoll Reis am Tag zu essen hätten. Zugleich werden auf diesen Flyern Negerkindlein z.B. aus Biafra abgebildet, die mit dünnen Gliedmaßen, geschwollenen Hungerbäuchen und großen Augen um eine Geldspende betteln.
Wer könnte sich schon diesen anklagenden Blicken entziehen, wenn sie uns zeigen, daß sie pro Tag nur eine einzige Hand voll Reis zum Leben haben, während wir im Überfluß leben.
Im Hintergrund dieser Bilder sieht man dann oft einen gutgenährten Negerbischof, der darauf achtet, daß die Spenden in die richtigen Kanäle geleitet werden. Nur die breite Schärpe um den Bauch verhindert, daß er platzt.
Da ist dann oft von Nächstenliebe und sogar von der Liebe Gottes die Rede, die mich als bekennender Atheist nicht interessiert, aber auch nicht weiter stört.
Auch ein ausgefüllter Überweisungsträger und die Kontonummer der Pax Bank in Aachen ist gleich beigefügt. (Konto 122 122, Pax Bank Aachen eG, BLZ 370 901 93) Wie praktisch!
Ich wußte bisher gar nicht, daß die Negerkindlein eine eigene Bank haben.

Nun, auch ich habe des Öfteren schon Geldbeträge gespendet, um das Leid dieser armen Kinder und vor allem ihren Hunger zu lindern. Zwar leben wir auch nicht gerade in Saus und Braus, aber immerhin in einem reichen Land, in dem niemand hungern muß.
Abgesehen davon, daß der größte Teil dieser Spenden die Bedürftigen gar nicht erreicht, sondern in den Kanälen der diversen Hilfsorganisationen versickert, ist das Gewissen beruhigt und man geht wieder etwas leichter zur Tagesordnung über. Das Geld ist ja nicht weg, es hat nur jemand Anderer.
Außerdem kann man ja diese Spenden alle von der Steuer absetzten. Somit bezahle ich sie nicht alleine, sondern beteilige den Steuerzahler an meiner karitativen Ader, völlig egal ob er es will oder nicht.
Ein geniales System!


Eines Tages, es muß wohl wieder zur Adventszeit gewesen sein, flatterten an einem Samstagvormittag wieder diverse Bettelbriefe von verschiedenen Organisationen auf unseren Küchentisch. Und wie es der Zufall wollte, gab es an diesem Tage bei uns ein vegetarisches Reisgericht.
Meine Partnerin Sabine ist nämlich Lehrerin an der Fachakademie für Sozialpädagogik, aber überzeugte Vegetarierin und obendrein eine gute Köchin. Und ich habe kein Problem damit, nicht nur das Bett, sondern auch die Mahlzeiten mit ihr zu teilen, auch wenn ich eigentlich ein Fleischfresser bin. Völlig darauf verzichten möchte ich zwar nicht, aber ein- bis zweimal in der Woche ein Fleischgericht reicht mir. Mit diesem Kompromiß können wir beide gut leben.
Außerdem ist sie Raucherin, sie lebt also auch nicht gesünder als ich.

Jedenfalls hielt ich gerade so ein Prospekt in der Hand und sinnierte beim Sortieren der Post über die ungerechte Verteilung der weltweiten Ressourcen nach, während Sabine mit der Zubereitung der Mahlzeit beschäftigt war. Natürlich hatte sie mir über die Schulter gesehen, worüber ich so lange nachdachte und sie hatte den Werbeslogan gelesen.

"Hast Du mal darüber nachgedacht, wieviel eine Handvoll Reis überhaupt ist?", fragte sie mich beiläufig.

"Nun ja, eine Handvoll eben", antwortete ich. "Je nachdem, wie groß eben diese Hand ist", lächelte ich verschmitzt und betrachtete dabei lüstern ihre wohlgeformten, festen Brüste, die ca. anderthalb Greif maßen. Ihr dünnes Seidentop mit den Spaghettiträgern bot ja tiefe Einblicke und einen BH trug sie nur sehr selten. Die weiblichen Konturen waren also gut erkennbar.
"Ich kann mir aber nicht vorstellen, daß man davon wirklich satt werden kann", fügte ich mit einem etwas zweideutigen Schmunzeln hinzu, während mich bereits ein leichter Niesreiz in der Nase kitzelte.

Dazu muß ich sagen, daß ich es bereits vor längerer Zeit aufgegeben habe, mich mit dem Mysterium von weiblichen Konfektionsgrößen und BH-Größen wie 76 B, 87C, 98D, DD, usw. zu befassen. Irgendwann war ich einfach dazu übergegangen, die Größe der weiblichen Brüste einfach in der Maßeinheit "Greif" zu bemessen.
Ein Greif ist eben soviel, wie gerade mal in eine kräftige Männerhand paßt, so einfach ist das.
Der leichte Niesreiz hingegen stellt sich immer dann ein, wenn mich etwas erotisch stimuliert. Und Sabine hatte durchaus diese stimulierende Wirkung. Meistens jedenfalls.
Ein kluger Wissenschaftler Namens Jacobson hatte mal gemeint, es handle sich dabei um den "olfaktorischen Männertyp", ähnlich wie bei Hunden und Wölfen. Dabei sagte er noch was von Pheromonen und irgendwelchen Rezeptoren.
Keine Ahnung, was er damit gemeint hat, aber meiner Freundin gefällt das.

"Du alter Lustmolch!" meinte sie mit einem Schmunzeln, als sie meinen Blick bemerkte. "Du hast sogar dabei immer nur das Eine im Kopf, was?
Nein, mal ganz im Ernst: Das Menü, das ich gerade gekocht habe, entspricht ziemlich genau einer Handvoll Reis und zwar für uns beide. Zwar nehme ich zum Abmessen nicht meine Hand, sondern eine kleine Kaffeetasse, aber es dürfte so in etwa hinkommen.
Wenn Du magst, so können wir es gerne ausprobieren, halt einfach mal Deine Hand auf."


Mit diesen Worten griff sie zum Reisbeutel, schöpfte eine kleine Kaffeetasse voll Basmati-Reis heraus und füllte sie in meine geöffnete, hohle Hand. Sie paßte genau hinein und ich fragte mich dabei, woher sie wohl die exakte Größe meiner Hand wußte.
Auf meinen Einwand hin, daß dieser Reis ja noch nicht gekocht sei, entgegnete sie: "Schau doch mal genau auf Deinen Bettelbrief, ob der Reis dieser Negerkindlein bereits gekocht ist. In gekochtem Zustand können nämlich locker zwei Personen davon satt werden. Und einige Zutaten gibt es sogar in Afrika, denn der Reis fällt ja auch dort nicht einfach so vom Himmel, nicht einmal in der Sahelwüste."

Sie hatte natürlich recht – wie immer. Aber als emanzipierter Mann kann man das ja schließlich nicht so einfach zugeben, wo kämen wir denn da hin!
Nach einigem Hin und Her war ich immer noch nicht davon überzeugt, daß man auf die Dauer wirklich davon satt werden könne, also machte sie einen Vorschlag:

"Laß uns doch einfach mal ein kleines Experiment machen", meinte sie ganz spontan mit einem süßen Augenzwinkern.

Nun, ich liebe die Experimente mit Sabine, deshalb sagte ich ebenso spontan zu, ohne dabei großartig zu überlegen. Aber leider war ich ihr damit auf den Leim gegangen.

"Laß uns doch interessehalber einfach mal ausprobieren, ob wir es schaffen, uns mal ganze zwei Wochen nur von einer täglichen Handvoll Reis zu ernähren. Na, was meinst Du?"

Ich muß wohl ziemlich dumm aus der Wäsche geguckt haben, das bekannte Kitzeln in der Nase war jedenfalls schlagartig weg. Das war ja gar nichts in der Richtung, was ich mir vorgestellt hatte. Und das mir als Fleischfresser!

Aber es war gar nicht so schwer, wenn man diesen Reis mit einigen Bambussprossen, Ananas, grünen Bohnen oder Sojabohnen dekoriert. Einige Kräuter und Gewürze hinzu und man hat ein äußerst schmackhaftes Essen, das zum Schluß keinerlei Hungergefühl aufkommen läßt. Ob gekocht, gedünstet oder gebraten, scharf, süß oder sauer, als Auflauf in Weinblättern oder als Füllung in Gemüse. Reis schmeckt in allen Variationen. Sabine ist schon eine tolle Frau.

Gut, auf die Dauer war es vielleicht etwas eintönig, aber hungern mußte dabei keiner von uns beiden. Ganz im Gegenteil: Während in der ersten Woche noch alles brav aufgegessen wurde, wußten wir am Ende der zweiten Woche schon nicht mehr, was man mit dem übriggebliebenen Reis noch alles anstellen könnte. Ihr als Vegetarierin fiel es ja nicht so schwer, aber mir als Fleischfresser fehlte doch etwas.
Reispudding und Reismüsli waren die Alternativen am Morgen und am Abend und ganz heimlich hatte ich meiner kleinen Kathinka sogar schon so manchen Löffel Reis einfach unter das Katzenfutter gemischt.
Meine Kathinka zog zwar die Nase hoch und schaute mich fragend an, aber letztendlich fraß sie dann doch etwas widerwillig ihren Napf leer. Für den Rest der Woche war sie beleidigt.
Katzen sind ja so kluge Tiere. Hunde und Wölfe übrigens auch.
Jedenfalls war ich heilfroh, als diese zweite Woche endlich um war und am nächsten Sonntag ein saftiger Rinderbraten mit Kartoffelknödeln auf den Tisch kam. Sabine ist schon eine tolle Frau, aber ich glaube, das sagte ich bereits.

Seitdem habe ich eine etwas andere Einstellung zu diesem Thema, wenn - alle Jahre wieder - pünktlich zur Adventszeit bunte Bettelbriefchen mit hungrigen Negerkindlein auf meinen Schreibtisch flattern. Natürlich wieder mit dem Hinweis, daß sie nicht mehr als nur eine Handvoll Reis am Tag zu essen hätten.
So ein undankbares Volk! Unsere Soldaten in Stalingrad wären froh gewesen um eine so üppige Mahlzeit. Seitdem spende ich das Geld lieber der Kriegsgräberfürsorge.
Zwar bin ich mir ganz sicher, daß es auch dort nicht bei denen ankommt, die es brauchen würden, bzw. gebraucht hätten, aber das soziale Gewissen ist beruhigt. Das Winterhilfswerk gibt es ja nicht mehr.
Schade, denn in einer alten Schatulle meines Großvaters liegen noch einige Reichsmark, die hätte ich denen gerne gespendet.

Frohen Advent!




© 2007 by Minotaurus




wortundbild
unregistriert

...   Erstellt am 09.12.2007 - 17:12Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Mino, eins muss man dir lassen: interesasnt schreiben kannst du.
Aber den Unterschied zwischen einer Hand voll rohem Reis und einer Hand voll gekochtem Reis scheinst du nicht zu kennen!

Und dann wäre hier noch das Vorurteil "daß der größte Teil dieser Spenden die Bedürftigen gar nicht erreicht, sondern in den Kanälen der diversen Hilfsorganisationen versickert"

Lieas mal die Rechenschaftsberichte der seriösen Hilfsorganisationen und shcau nach, wie gering der Verwaltungskostenanteil ist.
zum Beispiel Misereor, um nur eines zu nennen:
http://www.misereor.de/en/ueberuns/rech … blick.html

Damit soll nicht behauptet werden, es gäbe nicht auch "Hilfswerke" die in erster Linie sich selbst helfen.
Aber alle so pauschal in einen Topf zu werfen ist mir dann doch zu einfach (um nicht zu sagen zuprimitiv).

Werner




<Minotaurus>
unregistriert

...   Erstellt am 09.12.2007 - 18:17Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


wortundbild schrieb

    Mino, eins muss man dir lassen: interesasnt schreiben kannst du.

Danke für die "Blumen!"

wortundbild schrieb
    Aber den Unterschied zwischen einer Hand voll rohem Reis und einer Hand voll gekochtem Reis scheinst du nicht zu kennen!

Lieber Werner,

Eines darfst Du mir sicher glauben: Nämlich, daß ich spätestens nach diesen zwei Wochen diesen Unterschied sehr gut kannte. Darauf kannst Du einen lassen! *grins*
Im Übrigen habe ich versucht, in meiner Geschichte genau diesen Unterschied zu vermitteln.

wortundbild schrieb
    Und dann wäre hier noch das Vorurteil ...

Schon klar, aber was wäre eine satirisch angehauchte Geschichte ohne eine Portion Vorurteile?
Kalter Kaffee!

wortundbild schrieb
    Lieas mal die Rechenschaftsberichte der seriösen Hilfsorganisationen und shcau nach, wie gering der Verwaltungskostenanteil ist.

Auch das ist mir klar. Würde ich so eine Organisation leiten, so könntest Du deinen Kopf darauf verwetten, daß dort nichts anderes in dem offiziellen Rechnungsbericht zu lesen wäre. Garantiert!
Dabei muß natürlich die Frage erlaubt sein, wer diese Berichte erstellt hat.
Apropo "Erstellt:" Dabei fällt mir ein bekannter Ausspruch von Sir Winston Churchill ein, aber lassen wir das ...

wortundbild schrieb
    Damit soll nicht behauptet werden, es gäbe nicht auch "Hilfswerke" die in erster Linie sich selbst helfen.
    Aber alle so pauschal in einen Topf zu werfen ist mir dann doch zu einfach (um nicht zu sagen zuprimitiv).

Genau das wollte ich damit zum Ausdruck bringen. Schade, daß es trotzdem so primitiv rübergekommen ist, es tut mir leid.
Entschuldige bitte, aber ich hatte dabei vermutlich die ständig feuchten Augen eines ehemaligen, abgehalfterten Schauspielers im Kopf, als ich diese kritische Kolumne schrieb. Auch er hat in erster Linie sich selbst geholfen.

Kritische Grüße vom Mino.




ART
unregistriert

...   Erstellt am 09.12.2007 - 19:05Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hallo Minotaurus,

sehr trefflich und kritisch hast du auch dieses Thema durchleuchtet, hinterfragt und provokant in Frage gestellt.

Eine Hand voll Reis passend zu diesem Thread

Nächstenliebe

herzlichst
ART




Mehiel
unregistriert

...   Erstellt am 10.12.2007 - 11:48Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Lass es uns ausprobieren eine Woche von nur einer handvoll Reis zu leben, schreibt Minotaurus.

Ein ähnliches Projekt hat es in der Fastenzeit gegeben.

Die evanglischen Kirchen hatten aufgerufen,während der Fastenzeit von dem Geld zu leben, das einem Hartz IV Empfänger zur Verfügung steht.

Es gab viele Menschen, die sich dem Aufruf anschlossen, weil sie wußten, in 6 Wochen ist alles vorbei.

Vielleicht hat diese Fastenzeit etwas im Bewusstsein dieser Familien geändert.

Wenn ja, warum sind sie nicht gemeinsam mit den Hartz IV Empfängern zu Protestmärschen gegangen?

Danke Minotaurus für "Eine Hand voll Reis"




<Minotaurus>
unregistriert

...   Erstellt am 11.12.2007 - 12:02Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Mehiel schrieb
    Die evanglischen Kirchen hatten aufgerufen,während der Fastenzeit von dem Geld zu leben, das einem Hartz IV Empfänger zur Verfügung steht.

    Es gab viele Menschen, die sich dem Aufruf anschlossen, weil sie wußten, in 6 Wochen ist alles vorbei.

    Vielleicht hat diese Fastenzeit etwas im Bewusstsein dieser Familien geändert.

Das glaube ich kaum, denn die Ratenzahlung für das neue Auto, sowie Steuer und Versicherung, die Stromrechnung und die größeren Einkäufe waren vermutlich bereits vorher erledigt.

Aber solche "Solidaritätsaktionen" sind (gerade in besseren Kreisen) immer wieder "todchick!"
Wie köstlich kann man sich doch später bei Gänsebraten (in meinem Fall war es Rinderbraten) und Rotkohl darüber unterhalten. Vielleicht ein kleines Gläschen Sekt dazu? Man gönnt sich ja sonst nix.
Und für eine nette Geschichte reicht´s allemal, nicht wahr?

Mehiel schrieb
    Wenn ja, warum sind sie nicht gemeinsam mit den Hartz IV Empfängern zu Protestmärschen gegangen?

Genau deshalb! Keine Zeit (Gänsebraten). Vermutlich wäre man dort sogar noch in die Bredouille gekommen, mit diesen Gestalten teilen zu müssen.
Undenkbar!

Mehiel schrieb
    Danke Minotaurus für "Eine Hand voll Reis"

Bitte, Bitte! Gern geschehen, es macht doch immer wieder Spaß, jemandem eine Freude zu bereiten.

Gönnerhafte Grüße vom Mino.




HollyvanMekeren 



...

Status: Offline
Registriert seit: 28.05.2007
Beiträge: 117
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...   Erstellt am 30.07.2009 - 11:25Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kleine Reisgeschichte
Ostasien hat zu Reis eine tiefere seelische Beziehung gebildet.

Ein chinesischer Dichter, Po-Chu-I (772-846), hat über dieses »Reisgefühl« ein Gedicht geschrieben, das in der Nachdichtung lautet: »Hoch auf den Bergen erkenne ich die Enge des menschlichen Daseins.
In die Ferne spähend fange ich an, die Kleinheit der irdischen Welt zu verstehen.
Ich wende mich ab und eile heim - zurück zu Hof und Markt, ein einzelnes Reiskorn, das fällt - in die große Scheuer.«

Es kostete seit jeher große Mühe, ein Reisfeld zu bebauen, so wurden schon die Kinder zur Achtung vor dem Reis erzogen, wie wir zur Achtung vor dem Brot.

Man sagt zum Beispiel Kindern, die ihren Reis nicht aufessen wollen, ihr künftiger Ehepartner würde für jedes in der Schüssel zurückgelassene Reiskorn eine Pockennarbe tragen.

Das muss in Ländern, in denen die Pocken eine gefürchtete Seuche waren, so wirksam gewesen sein wie in Europa die Drohung mit Hunnen und Tataren.

Wenn jemand in China eine Schale mit Reis umstößt, so bedeutet das Unglück, und wenn man jemanden tödlich beleidigen und ihm sein »Gesicht nehmen will«, schüttet man seine Eßschale mit Reis auf den Boden, nichts kann kränkender sein.

Eine solche Schale enthält als tägliche Nahrung übrigens nicht nur die berühmte Handvoll Reis, sondern immer auch eine Portion Gemüse, mag sie auch noch so winzig sein, und vielleicht sogar eine Portion Fleisch oder Fisch.

Nur bei äußerster Armut bleibt nichts als der blanke Reis.

Wer in Ostasien seine Stellung kündigt, »zerbricht die Reisschale«, und wie der Fisch mit seinen riesigen Schwärmen gilt der Reis als Symbol der Fruchtbarkeit und des Lebens.





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