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...   Erstellt am 15.06.2006 - 02:00Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Ein unvergeßliches Wochenende

beim 4. großen Internationalen Guzzi-Treffen in Waldzell (OÖ)


Samstag, den 26. Juli 2003

Gleich in der Früh geht´s los:
Treffpunkt und Zeitpunkt zur Abfahrt war um 9:00 Uhr bei mir vor der Werkstatt vereinbart.
Matthias ruft um 8:10 Uhr an, daß er mit den drei anderen gerade beim ausgiebigen Frühstück sitzt. (wer Matthias kennt, der weiß, was das bedeutet!)
Anschließend möchte einer seiner Bekannten noch einen Einkaufsbummel bei ALDI machen, um sich mit dem Lebensnotwendigsten zu versorgen, was man auf einem Motorradtreffen eben so braucht.

WIE BITTE ???

Ein ausgedehntes Frühstück und ein Einkaufsbummel bei ALDI am SAMSTAGVORMITTAG ???

Mir schwant Schlimmes. Jedenfalls habe ich mir ganz fest vorgenommen, auf keinen Fall länger als eine Viertelstunde auf dieses Volk zu warten.

Wie schon richtig vermutet, hätte ich mir diese Viertelstunde auch ruhig schenken können, aber was tut man nicht alles, um den Anstand (und den Schein) zu wahren...
Jedenfalls bin ich nicht wirklich traurig darüber, alleine fahren zu müssen (dürfen) und auch die Reisegeschwindigkeit mit meiner „alten Lady“ (Moto Guzzi G5) selbst zu bestimmen. Nicht, daß es mich nach Raserei gelüstet hätte, aber ich möchte auch nicht glattweg unterwegs umfallen.

Bereits anderthalb Stunden später und nach einem (etwas unfreiwilligen) Tankstopp in Ried komme ich nach gemächlicher Fahrt in Waldzell an. (beide Benzinfilter nach langer Standzeit verstopft)

Bemerkenswert für Waldzell ist übrigens die hervorragende Ausschilderung, nach der selbst der blödeste Fahrer aus allen Richtungen schnurstracks nach Waldzell geleitet wird.
Von den vielen zusätzlichen Wegweisern anläßlich des großen Guzzi- Events möchte ich erst gar nicht reden.

Für das Treffen ist wie jedes Jahr der Platz vor der Grundschule vorgesehen mit Toilettenbenutzung derselben, sowie Benutzung von Turnhalle und geschlossenem Freibad. (Lob an den Veranstalter!)

Bei der Ankunft gibt es angenehmerweise kein großes Hallo, ekelhafte Umarmungen, Begrüßungen mit Handschlag, Hupen, Trompetensignalen und sonstigem Spektakel, wie man es von anderen Motorradtreffen gewohnt ist. Auch mit vielen Handzetteln mit Rahmenprogramm, tausend Show´s, einem Animateur und nervtötender lauter Rockmusik wird man hier nicht rundherum zugeschüttet.
Da ja jeder Guzzifahrer lesen kann, hängt an der Bude des Veranstalters ein kleiner Zettel, auf dem das Event in allen Einzelheiten malerisch beschrieben steht und im Hintergrund hört man das Wimmern von „Herzilein“ und ähnlichen Top- Songs der Alpenrepublik.

Jaja, die Österreicher, die haben eben den Bogen raus!

Es waren sogar bereits einige Motorradfahrer vor mir eingetroffen und wir beschäftigen uns zunächst mal mit dem Aufbau der Zelte auf der angrenzenden Wiese, die vom Eigentümer extra für diesen Zweck frisch gemäht und gut gedüngt wurde. (Lob an den Veranstalter!)

Anschließend genieße ich erst mal die sehr ruhige Atmosphäre, in der dieses Treffen stattfindet.
Kein Animateur im Lautsprecherwagen, der einem ständig lautstark erklärt, was als nächstes zu tun sei und was als nächstes auf dem Programm stehe, kein blödsinniges Benzingequatsche mit anderen Bikern über Leistungssteigerungen, Tuning- Chips, verschlissene Reifen und Motoren, kaputte Regler und Anlasser, Fahrwerksprobleme, Ersatzteilprobleme, die maximale Breite des derzeit erhältlichen Reifens, die dazu erforderlichen Schwingen- Umbauten, anschließende TÜV- Probleme und deren Umgehung, illegale Anbauten und den derzeitigen heißen Bräuten der jeweiligen Piloten.

Auch keine besoffenen Outlaws in abenteuerlichen Klamotten, verschlissenen Jacken, Stiefelmessern und mit der Bierflasche in der Hand, die jeden gleich anstänkern und lautstark herumgröhlen, bis sie irgendwo an Ort und Stelle vollgepisst ihren bewußtlosen Rausch ausschlafen.

Nur kultivierte und ruhige Gespräche bei einem Becher „Almdudler“ über die Anzahl der verschlissenen Tachowellen, Gasseile und Kupplungsseile.

Und das leise Wimmern von „Herzilein“ aus dem Lautsprecher.

Irgendwann aber reicht es mir und ich begebe mich mangels anderer annehmbarer Speisegelegenheit in den kleinen Ort, um mir eine Wirtschaft zu suchen, wo man einigermaßen gut zu Mittag essen kann.

Eigentlich wollte ich ja damit auf das Eintreffen meiner „Mitfahrer“ warten, aber ich habe jetzt Hunger und es ist leider nicht abzusehen, wann diese endlich eintreffen werden.

Ich habe mir gerade ein schattiges Plätzchen in einem Biergarten an der Straße ausgesucht, als ich diese (über 3 ½ Std. nach der geplanten Abfahrt) gemächlich vorbeituckern sehe. Stehenbleiben und fragen ist bei dieser Eile nicht drin, aber zumindest wird die Hand zum Gruße erhoben.
Es kommt aber auch keiner von ihnen zu mir in den Biergarten nach.
Obwohl es inzwischen lange nach Mittag ist, hat anscheinend niemand von ihnen Hunger.
Kein Wunder bei dem Frühstück!

Also esse ich alleine ein Wiener Schnitzel, wobei mir noch ein ehemaliger Harley- Fahrer mit seiner strohblonden Tussie aus Graz Gesellschaft leistet.
Er hat sich nach diversen „kleineren“ Instandsetzungsarbeiten an seiner Harley endlich dazu durchgerungen, sich auch eine Moto Guzzi California zuzulegen.

Nicht etwa aus schierem Enthusiasmus oder gar aus Überzeugung, sondern weil auf die Dauer durch den leicht erhöhten Reparaturbedarf seiner US- Lady sein kleines Hobby einfach nicht mehr zu finanzieren war. Er ist ja schließlich auch nur Normalverdiener.

Beide mosern etwas darüber, daß angeblich „überhaupt nichts los“ sei in diesem Kaff, dabei hat er sicher völlig übersehen, daß sowohl die gesamte Feuerwehr, als auch der örtliche Trachtenverein in ihren schmucken Uniformen und Trachten bereits den ganzen Vormittag eifrig mit dem Aufbau des Volksfestes auf der Hauptstraße beschäftigt sind. Und sogar die ganze Dorfjugend ist daran beteiligt.

So ein Banause!

Der Gesprächsstoff mit dem „Newcomer“ und seiner Tussie ist auch nicht gerade ergiebig, und so begebe ich mich wieder zurück auf den Platz der vielen Guzzi´s.

Von meinen Bekannten erfahre ich, daß sie trotz Einkaufsbummels bei ALDI am Samstagvormittag! bereits um 9:15 Uhr bei mir vor dem Haus gestanden hätten, aber niemand mehr anwesend war.
NA, SO WAS !!!

Auf der Herfahrt über Passau haben sie allerdings noch einen ganz kleinen Umweg so in Richtung zur ungarischen Grenze gemacht, bis Matthias, der „Roadcaptain“ gemerkt hat, daß wohl etwas nicht ganz stimmen könne ???
Und so ist es eben ein bißchen später geworden. Naja, er war ja auch erst dreimal hier!

Auf ein richtiges Mittagessen hat jetzt niemand mehr so richtig Bock und so mancher verdrückt am Bratwurststand des Veranstalters mal eben so eine lauwarme Wurst mit einem lauwarmen Bier dazu.
Na, also! Es muß doch wirklich niemand verhungern oder verdursten auf diesem Treffen.

Apropos Veranstalter: Der Ginzinger, seines Zeichens größter Guzzi- Händler in ganz Ried hat es diesmal nicht für nötig befunden, höchstpersönlich selbst zu erscheinen und auch sein Verkaufsleiter und Werkstattchef, der bereits die letzten 3 Treffen gemanagt hat, ist nirgendwo zu sehen.
Stattdessen huscht ein dickes, schwitzendes Etwas herum, der ganz aufgelöst versucht, etwas Ordnung in dieses - für ihn totale - Chaos zu bringen.

Etwas wehmütig erinnere ich mich an das erste „internationale“ Guzzi- Treffen vor 3 Jahren, als der Ginzinger noch einige seiner Vorführmaschinen präsentiert hat, die man auch mal kurz ausprobieren oder wenigstens probesitzen konnte.
Ich denke an die geführte Ausfahrt unter Gendarmerieschutz zur Therme nach Geinberg, wo wir mit knapp 60 Teilnehmern vor Regen beinahe auf der Terrasse des Kurhotels ersoffen wären und ich mit ca. 75 km! Anfahrt sogar einen Preis für die längste Auslandsanfahrt erhalten habe. Hihihihihi!

Ich hab natürlich den Veranstalter gebeten, mir gleich Bescheid zu geben, falls im nächsten Jahr nochmal ein Treffen stattfindet. Mit meiner Anwesenheit machen wir es dann wieder „International“.

Beim letzten Guzzi- Treffen dagegen war ich derjenige, der vorzeitig abgereist ist, weil ich nur Streß mit meiner damaligen Tussie hatte.
Weiber und Motorräder gehen eben nun mal nicht zusammen! (alte chinesische Weisheit)

Diesesmal geht die (geführte) Ausfahrt langsam über einige Dörfer am - landschaftlich sehr schönen - Hausruck zu einem etwas vergammelten und halb verfallenen Gartencafè mit Bar im Freien, wo es Schmalzbrote und Freibier gibt.
Kompliment! Ich muß schon sagen, der Veranstalter hat sich da wirklich nicht lumpen lassen.
Begleitet werden wir dabei von etlichen BMW- Piloten der alpenrepublikanischen Gendarmerie, die extra für uns alle Kreuzungen und Einmündungen absperren, damit uns jaaa nichts passiert.
So stelle ich mir das mal vor, wenn ich meine alten Tage in einem Altersheim verbringe und am Sonntag eine kleine Seniorenausfahrt mit Motorrädern (oder Rollstühlen) organisiert wird.
Echt toll !

Ich habe mal mitgezählt: Es sind genau 61 Moto- Guzzi´s und 19 markenfremde Motorräder (natürlich incl. der Polizisten) anwesend, obwohl das dicke schwitzende Etwas stock und steif behauptet, bei der Einschreibung bereits über 120 Teilnehmer gezählt zu haben? Naja, egal...

Einige Ducati´s haben sich auch eingefunden, aber die gehören ja ebenso wie die Laverda´s, Benelli´s und MV- Agusta´s auch schon zur großen Familie der „richtigen“ Motorräder.

Der Höhepunkt dieses Ausfluges ist zweifelsfrei eine gelungene Wet- Catch- Show, in der zwei etwas mehr angetrunkene Teilnehmer (wahrscheinlich Harley- Piloten) sich in voller Montur in einem schlammigen Dorftümpel vergnügen. Es ist ja auch brütend heiß!
Einer der beiden verliert dabei seinen Zündschlüssel, der anschließend von beiden Beteiligten eifrig im knöchelhohen Schlamm des Tümpels gesucht wird. Na, viel Erfolg dabei!
Gefunden wird dieser natürlich nie, aber jedenfalls stehen fast alle um die beiden pitschnassen und schlammigen Typen herum und klatschen begeistert Beifall.

Das ist doch gleich etwas ganz anderes als diese albernen und langweiligen Stiptease- und Tabledance- Shows, mit denen auf herkömmlichen Motorradtreffen versucht wird, die Blicke und die Aufmerksamkeit der Besucher zu fesseln, oder?

Inzwischen ist auch Andy, ein weiterer von meinen Spezl´s mit seinem Guzzi- Gespann aufgetaucht.
Er hat sich ebenfalls etwas verspätet und ebenfalls das gut ausgeschilderte Waldzell nicht sofort gefunden, aber er war klug genug, nicht ganz so weit durchzufahren, bis ihn die ungarischen Zöllner angehalten hätten.
Auf dem fast verlassenen „Festplatz“ angekommen hat er einen stockbesoffenen und sprachlosen Kawa- Piloten aufgegabelt und in seinen Seitenwagen verfrachtet. Der hat ihn dann dahin gelotst, „wo alle anderen hingefahren sind“, also zu uns in das alte Waldcafè.
Zumindest hat er ihm aber nicht in den neuen Beiwagen gekotzt.

In leicht angesäuseltem Zustand durch das viele Freibier, aber immer noch unter Gendarmerie- Begleitung fahren wir zum Festplatz zurück, wo das Programm vorerst mal zu Ende ist.

Die meisten Teilnehmer sitzen wieder bei ihrem Becher „Almdudler“, einige ganz Unentwegte sogar bei einem kleinen kühlen Pils, eine Cassette spielt „Herzilein“ und Co. Und rundherum flammen wieder angeregte Gespräche über Tachowellen, Kupplungsseile und Gasseile auf.

Unter echten und langjährigen Guzzifahrern gibt es ja leider nicht allzuviel anderen Gesprächsstoff, weil an diesen Dingern eigentlich kaum einer so richtig herumschraubt und (vielleicht auch deswegen) praktisch nie etwas kaputtgeht. Dies ist leider (oder gottseidank?) der Nachteil dieser Szene.

Abends gehen wir noch mal in den Ort zum Abendessen. Der geschäftstüchtige Wirt - ein Verwandter des Veranstalters - hat extra zum Treffen seine Speisekarte umgeschrieben und bietet z.B. neben diversen anderen Moto- Guzzi- Schmankerln auch einen opulenten Moto Guzzi California- Spieß an. (G5 am Spieß hat er leider nicht)
Dieser wird zwar sicher außerhalb der „Guzzi- Saison“ als normaler Grillspieß um ca. 50% preiswerter angeboten, aber er schmeckt wirklich hervorragend und auch ein großer Esser wird gut satt davon.

Das Bier ist auch ganz Okay, obwohl es natürlich aus Österreich stammt, der Wein aus der kleinen Alpenrepublik ist seit dem letzten großen Glykol- Skandal auch wieder ganz Prima.
Nur mit den verdammten Schillingen können sie uns leider nicht mehr bescheißen, seit wir alle den Euro haben.
Blöd gelaufen!

Auf dem Platz der vielen Guzzi´s wird anschließend ein Amateurfilm über das Treffen des letzten Jahres auf einer Leinwand gezeigt. Etwas langatmig in den Einstellungen vielleicht, aber obwohl der Kameramann immer nur eine bestimmte fesche rotblonde Dame (Elke Ginzinger) im Sucher hatte, erkennt sich auch der eine oder andere anwesende Teilnehmer darauf wieder und ist zutiefst gerührt. Na also!

Auf der Ladefläche eines Anhängers hat sich inzwischen eine 5köpfige Country & Western- Band eingefunden, die wider Erwarten saugute Countrymusik und irische Folklore zum Besten geben.
Unterbrochen wird dies nur von der Preisverleihung für die üblichen „Höchstleistungen“ wie z.B. längste Anfahrt, größter Club, ältester Teilnehmer, schönste Guzzi usw, usw.

Wieder keine Tittenshow mit fetten Weibern, keine Stiptese- und Tabledance- Show, wieder keine krachende Rockmusik aus ohrenbetäubendem Überschall- Lautsprechern, keine halbnackten Girlies und solche, die sich nach Jahrzehnten immer noch dafür halten. (Brrrr!)

Keine Krämer mit Lederbändern, Messern, falschem, billigem Silberschmuck und sonstigem Schund. Wieder keine Massenschlägerei, die von der Polizei mit Wasserwerfern aufgelöst werden muß, keine Hasch- Orgie, keine Schaumparty mit kreischenden Groupies. Keine besoffenen und zugekifften Bierleichen, über die man überall stolpert, wenn man nicht höllisch aufpaßt. Und auch kein stinkender „Burn- Out“ eines Besoffenen um Mitternacht, der auf der Bühne mit Vollgas seine „Hoyakawazuki“ verheizt bis die Fetzen fliegen und nach dem tosenden Beifall der ebenfalls stockbesoffenen Zuschauer am nächsten Tag mit fürchterlichem Brummschädel, leerer Tasche und langem Gesicht per Anhalter nach Hause trampt.

Für meinen Spezl Andy ist dies alles noch sehr Ungewohnt. Er war bisher immer nur auf „richtigen“ Motorradtreffen.
Zaghaft bemängelt er ebenfalls die - seiner Meinung nach - ungenügende Ausschilderung und Organisation, das fehlende „Event“, usw., aber man muß ihm das nicht nachtragen. - er ist eben auch ein Harley- Pilot und bewegte sich bisher nur in diesen Kreisen.

Nebenbei bemerke ich aber, daß er doch heimlich auf die nackten (und gepiercten) Bauchnabel der kleinen Teenies in Badelatschen schielt, die ganz sicher noch nie auf einem Harley- Treffen waren.
Die Guzzi´s auf diesem Treffen sind für die bereits das Nonplusultra, was sie jemals gesehen haben.
Naja, man kann eben nicht alles haben, oder?

Nach Mitternacht tut sich nicht mehr viel. Die meisten haben sich in ihr Zelt oder in die Turnhalle zur Ruhe begeben und schnarchen bereits im Konzert. Nur einige Kinder des kleinen Ortes sitzen noch am Lagerfeuer, für das sich sonst eh niemand interessiert hat.

Am nächsten Morgen ist Andy einer der ersten, die ihre Sachen packen und abreisen, noch bevor ich ihn zu Gesicht bekomme. Ob es ihm vielleicht doch zu langweilig war?

Nach einem Frühstück beim Wirt im Ort mache ich noch die Aufstellung zur Parade mit, die zur anschließenden Motorradweihe führt.
Die Weihe selbst mache ich nicht mit. Ich lasse mir doch nicht von einem Pfarrer, der selbst Honda- Pilot ist und niemals selbst eine Guzzi gefahren hat, meine „alte Lady“ mit Weihwasser naßspritzen!
Ich bin doch nicht Wahnsinnig! Außerdem interessiert mich als überzeugter Atheist die sogenannte „heilige“ Kirche und deren Zeremonienmeister wirklich nicht die Bohne.

Auf dem Platz hat sich inzwischen durch die Abreise der meisten Teilnehmer bereits gähnende Leere breitgemacht. Die Warsteiner Bierinsel (und den köstlichen Almdudler) hat man uns auch entzogen und zum Volksfest an die Hauptstraße in den Ort gebracht.

Bei diesem tollen Wetter möchte ich noch gerne ganz spontan beim Frühstück eine kleine Rundfahrt organisieren, aber da niemand sonst eine Rundfahrt z.B. in das Salzburger Land und zum Hallstätter See mitmacht, fahre ich eben auch wieder alleine nach Hause.
Der Vorschlag war vielleicht auch etwas zu spontan?

Diesmal lasse ich meine „alte Lady“ etwas flotter schnurren und in einer Stunde bin ich schon dada, obwohl ich ausschließlich kleine Landstraßen fahre.
Die beiden Benzinfilter sind noch immer verstopft und sie hüstelt schon wieder etwas, obwohl der Tank noch halbvoll ist. Da ich heute eh nix besseres mehr zu tun habe, beseitige ich das Problem sofort mit 2 neuen Filtern.

Es hat trotz offensichtlicher Organisationsmängel und Besonderheiten der Szene Spaß gemacht und im nächsten Jahr bin ich wahrscheinlich wieder dabei, es sei denn, es findet am selben Wochenende irgendwo ein Harley- Treffen statt.

Dort werde ich dann wahrscheinlich auch Andy wiederfinden?

Als einziger Guzzifahrer ein bißchen herumzulästern würde sicher einen Höllenspaß machen in der elitären Harley- Szene. Was sich wohl daraus entwickeln würde?

Ich darf gar nicht an die köstliche Story denken, die ich dann von einem „richtigen“ Motorradtreffen mitbringen würde. Das Wasser läuft mir schon jetzt im Mund zusammen...

Eine Harley allerdings möchte ich selbst nicht fahren, obwohl sie mir optisch und akustisch auch ganz gut gefällt.
Schließlich möchte ich nach einer längeren Ausfahrt auch wieder ohne größere Panne mit heiler Maschine, sauberen Fingern und vor allen Dingen ohne Hilfe des ADAC (oder des ÖAMTC) nach Hause kommen. Auch möchte ich anschließend keine Reparatur- Orgie veranstalten.
Ich bin doch nicht blöd!

Mit einer Fahrleistung von inzwischen knapp 200.000 km in 23 Jahren auf meiner Guzzi wäre ich mit so einem Mist ganz sicher nicht froh geworden.


Trotz allem:
MOTO GUZZI IST EBEN DOCH DIE BESSERE WAHL !!!




© Copyright 2003 by Minotaurus






Nachtrag:

Eigentlich wollte ich ja mit diesem Bericht ursprünglich nur eine boshafte Parodie auf den Veranstalter und auf die Guzzi- Szene im allgemeinen verfassen mit der Kernaussage, daß eine Guzzi trotz allem das Beste ist und ihn anschließend nach Waldzell schicken.
Im Verlauf dieses Berichtes konnte ich es mir jedoch nicht verkneifen, dabei auch noch einige kleine „Boshaftigkeiten unter Freunden“ loszuwerden, sowie auch auf alle anderen „Randgruppen“ wie z.B. Motorradfahrer im allgemeinen, Guzzifahrer und Harleyfahrer im besonderen, Japan- Piloten, die heilige Kirche, die Österreicher, Händler, Wirte, Kiffer, Säufer, Frauen, Blondinen, Popmusik und die Polizei einige Seitenhiebe auszuteilen.

Der Sturm der Entrüstung, den ich dafür von allen Seiten geerntet habe, zeigt mir, daß ich damit anscheinend wirklich einen Volltreffer mitten ins Schwarze gelandet haben muß.
Anscheinend habe ich wirklich alle gut getroffen und auch niemanden ausgelassen?
Es kamen sogar entrüstete Proteste von Personen, die ich in diesem Bericht gar nicht angesprochen hatte:
Ein Harleyfahrer Namens „Fischi“ z.B., der sich anscheinend völlig (auch optisch) mit meiner Darstellung des klassischen Harley- Drivers identifizieren konnte, war ganz aus dem Häuschen und hat mir gleich (in Abwesenheit) eine Abreibung angekündigt. Schöööön!!
„Polf“, ein anderer Harley- Pilot war durch den Bericht schlichtweg tief gekränkt.
Seltsam: Gehört er doch zu denjenigen, die selber immer in vorderster Front mit dabei sind, wenn es über andere etwas zu lästern gibt,
Offiziell fand er ihn allerdings nur „sehr ungut“ und „völlig überzogen“.
Auch mein Spezl Matthias spricht seitdem kein Wort mehr mit mir.
Kein Wunder: Ihn hat es ja von allen eigentlich am „schlimmsten“ erwischt.

Um ihn tut es mir auch als einzigen etwas leid, denn er kann sich leider schlecht dagegen wehren.
Aber ich hoffe, auch er wird es ohne seelischen Schaden überleben.

Seltsam: Immer wenn es über andere (mich selbst dabei eingeschlossen) etwas zu lästern gibt, sind alle ganz Feuer und Flamme und einer versucht dabei den anderen zu übertrumpfen.
Aber kaum paßt der Schuh einem selbst, sieht es plötzlich völlig anders aus und alle sind tief gekränkt.

Manchmal habe ich wirklich den Eindruck, als wäre ich der einzige, der durch die kleinen „Boshaftigkeiten unter Freunden“ nicht gleich tief gekränkt wäre.

Ich schreibe dann als „Vergeltung“ eben einen Artikel. (z.B.: „Der Westen“ , die „Händlergeschichte“, die „Öko-Freaks“) und andere kleine Gemeinheiten.





Signatur

Worte, Worte, nichts als Worte! Dazwischen manchmal ein Gedanke.
(Marcel Reich-Ranicki)


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