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lindebox
unregistriert

...   Erstellt am 15.12.2009 - 21:42Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Das einsame Licht am Straßenrand

Im Winter, bei zeitig einbrechender Dunkelheit, ist es deutlicher am Straßenrand zu sehen. An einem Baum ist eine Kerze befestigt, die hinter dem rötlichen Windschutzglas Tag und Nacht brennt. In Augenhöhe, wenn man im Auto sitzt, irritierte es mich vor einiger Zeit, weil es auch das Rücklicht von einem Fahrzeug hätte sein können und auch wieder nicht, weil nichts weiter zu sehen ist. Es leuchtet nun schon wochenlang, sicher wird die Kerze immer wieder erneuert. Bei Tage sieht man nur ein schlichtes Holzkreuz. Ein Mensch ist hier zu Tode gekommen.
Was dort genau geschehen ist, weiß ich nicht und interessiert mich nur am Rande, weil täglich Menschen zu Tode kommen und auch ich werde da hinkommen. Hoffentlich nicht unter gleichen Umständen. Ob jemand dann für mich solch einen Zauber veranstaltet? Stören kann es mich ja nicht mehr, aber andere Menschen könnten im Zweifelsfall darüber grübeln, - warum eine Grabstelle auf dem Friedhof nicht ausreichen könnte.
Das stille Gedenken, selbst noch nach Jahren, mag ehrsam sein und Sache der Beteiligten.
Fährt man über Ländergrenzen, sieht man hin und wieder auch solche Erscheinungen, sogar vereinzelt Grabsteine an den Fernverkehrsstraßen im Kaukasus. Wenn so viel Kult betrieben wird, auch bei anderen Völkern, dann gibt es doch viele Gemeinsamkeiten, die sich nur unterschiedlich ausdrücken.
Bis hier mag sein, dass meine Worte langweilen, deshalb setze ich jetzt mal noch etwas drauf. Die Familien, wo Soldaten in Afghanistan, oder anderswo ums Leben kamen, die sollte ihr Lichtlein (natürlich in aller Demut) vor dem Bundestag anbringen. Es dürfte, seit ein par Jahren schon ein Lichtermeer entstehen und es werden immer mehr Menschen, die dann eventuell beginnen darüber nachzudenken. Denen dann im wahrsten Sinne des Wortes ein Licht aufgehen könnte.
Obwohl nicht unmittelbar vergleichbar, kommen mir Gedanken, wenn ich die zahlreichen, großflächigen Schmierereien an Häusern, Mauern, Zugwaggons, Dächern Straßen uam., sehe. Woran wollen uns diese Schmutzfinken erinnern? Weil alles im Leben einen Sinn hat, muss es doch auch eine Erklärung dafür geben. Dieses zwanghafte Verhalten, alles zu bekrakeln, Fensterscheiben zerkratzen, Sitzplätze mit Farbstiften zu verunzieren, - das soll doch sicher etwas mitteilen.
Es beginnt mit Bleistift und Papier und wird wahrscheinlich noch mit wohlwollenden Worten unterstützt. In der Schulzeit werden Zeichen und Monogramms auf den Schuleinrichtungen, den Möbeln hinterlassen. Sie besagen doch sicher nur: Ich war hier. Ein Herz an einem Baum bedeutet sicher dasselbe. Sogar, als der Reichstag von der Roten Armee gestürmt wurde, hinterließen viele ihre Zeichen an Wänden und Säulen. In einer sehr schönen Tropfsteinhöhle bei Dlahanaki (Kaukasus) durfte ich an exponierter Stelle zur Kenntnis nehmen, dass Aljoscha hier war und sogar das Jahr, als dieses weltbewegende Ereignis stattgefunden hat. Nun stelle ich mir vor, ob ich es verhindern kann, dass ich, wenn ich es mal schaffen sollte, auf den Eiffelturm in Paris zu kommen, nicht auch in den Anstrich "lindebox.de" reinzukratzen.
Mein Hund Tarzan schnuppert täglich auch sehr konzentriert immer an denselben Stellen und setzt dann seine Marke exakt darauf. Diese Art des Informationsaustausch wird wohl den Schmierereien am nächsten kommen.
Wenn es kostenpflichtig wäre, dann würden weniger Gedenkstellen errichtet. Jedes Hinweisschild auf Aktionen, Verkaufseinrichtungen, Betriebe muss genehmigt sein und kostet für einen befristeten Zeitraum Geld. Es wird dann wohl nicht mehr lange dauern, bis die Kommune, oder zumindest die Straßenmeisterei sich eine neue Einkommquelle erschließt. Immerhin haben sie bei der Pflege des Straßenrands Mehrarbeit durch entsprechend vorsichtiges Herangehen.
Aus einem Radiokommentar erfuhr ich, dass es bald ein Buch geben wird, wo alle (?) Gedenkstellen erfasst und beschrieben werden. Es dürfte eine Riesenaufgabe sein, die schon bei der Fertigstellung unvollständig sein muss, weil in der Zwischenzeit schon viel mehr Stellen sein dürften.




Minotaurus
unregistriert

...   Erstellt am 16.12.2009 - 02:49Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Über Sinn oder Unsinn von solchen "Denkmälern am Straßenrand" kann man sicher geteilter Meinung sein. Als sicher aber gilt, daß der Mensch zu jeder Zeit und in jeder Kultur irgendeinen Bezugspunkt zu seinen nahestehenden Verstorbenen gesucht hat. Ob das der Ort seines Todes, der Ort seiner Bestattung oder irgend ein anderer Ort ist, das ist völlig nebensächlich. Wichtig ist eigentlich nur, daß dieser Ort einen ganz persönlichen Bezug zum Verstorbenen oder Verunglückten hat.

Die Idee mit den Gedenkkerzen vor dem Bundestag hat durchaus etwas für sich, kann aber im besten Fall nur ein politisches Signal an die Verantwortlichen dieses unsinnigen Krieges sein, der eigentlich gar keiner sein darf. Einen persönlichen Bezug zu einem im Krieg gefallenen Sohn oder Freund würde ich dort nicht finden und ob sich die sogenannten "Verantwortlichen" im deutschen Kriegsministerium (das natürlich nicht so heißen darf) viel darum scheren würden, das wage ich zu bezweifeln. Der nächste Truppentransport zur Unterstützung unserer "Verbündeten im weltweiten Kolonialkrieg des 21. Jahrhunderts" würde genauso abgenickt wie alle anderen zuvor.
Trotzdem: Schaden würde es ganz sicher nicht! Immerhin leisten wir uns Denkmäler und Lichterketten für alle möglichen Todesfälle, warum also nicht auch für unsere toten Söhne und Freunde, die in Uniform ihr Leben für die neue Kolonialmacht EUSA (oder EUDSSR?) geben mußten.
Ob ihren überlebenden Kameraden dieser Unsinn überhaupt bewußt ist? Ich weiß es nicht.

Erst vor wenigen Wochen hatte ich anläßlich einer Militärausstellung (natürlich mit angehängter Image- und Personalwerbung für die Bundeswehr) in meiner näheren Region die Gelegenheit, mich mit einigen Offizieren und Unteroffizieren (alle Berufs- und Zeitsoldaten) meines ehemaligen Bataillons zu unterhalten. Sie kamen gerade aus Afghanistan (Region Kundus) zurück und man merkte es ihnen an, daß sie diesen Kriegseinsatz eher als ein Abenteuer für große Jungs ansahen. Für viele von ihnen stand der nächste Einsatztermin in Afghanistan bereits fest. Was hier ablief, das konnte man eher in die Kategorie "Heimaturlaub von der Front" mit anschließender "Heldenverehrung" einordnen und genau so gaben sie sich auch in der Öffentlichkeit.

Natürlich waren diese Kiddies allesamt viel zu jung, um ehemalige Kameraden von mir sein zu können. Der größte Teil von ihnen war damals noch gar nicht geboren und bairische Mundart suchte man hier vergeblich. Nur breites Sächsisch und andere ostdeutsche Mundarten konnte man vernehmen. Ganz spontan ging mir dabei der Begriff der "Unterschichten-Armee" durch den Kopf, aber diese Assoziation nur am Rande.

Überwiegend war diese Truppe natürlich von Schülern und halbwüchsigen Burschen umgeben, welche diese Gelegenheit gerne nutzen wollten, um einmal in einem richtigen Panzer zu sitzen und dort mit der Kanone und der Zieleinrichtung herumzuspielen. Warum auch nicht, mir hatte das als Zwölfjähriger ebenso viel Spaß gemacht wie den 10-13jährigen Kiddies von heute. Daran hat sich (trotz 68iger Erziehung zu pazifistischen Gutmenschen) bis heute nicht sehr viel geändert.

Begleitet wurde diese Ausstellung von Erklärungen über technische Details von modernen Waffensystemen und über die beruflichen Aufstiegsmöglichkeiten als Zeitsoldat bei der Bundeswehr.
Ich hörte mir diese Geschwafel eine Weile an und als ich (zusammen mit einigen, in etwa gleichaltrigen "Ehemaligen") begann, kritische Fragen zu stellen, wurde sofort abgeblockt und auf "militärische Schweigepflicht" verwiesen. Nicht aber, ohne vorher noch einen ängstlich/prüfenden Blick auf den Oberstleutnant (das war der Typ mit dem vielen Eichenlaub auf den Schulterklappen) geworfen zu haben.

Aber auch dessen Laub wird einmal welk werden, dessen bin ich mir ganz sicher. Aber wenn er Glück hat, dann wird er den nächsten Kriegseinsatz vielleicht in der Schreibstube überleben, während seine Untergebenen in Zinksärgen nach Deutschland zurückkehren.
Wenn nicht, dann können wir ihm immer noch eine Kerze vor dem Kriegsministerium spendieren. Der nächste Held wartet bereits auf seinen Einsatzbefehl zur "Verteidigung seines Vaterlandes" am Hindukusch oder sonst irgendwo in der Welt.

Das ist der Lauf der Welt. Wollen wir ihn verändern?
Wahrscheinlich eher nicht.

Mit müden Gedanken zur späten Nacht
vom Mino.




cato
unregistriert

...   Erstellt am 17.12.2009 - 08:15Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


"Die Idee mit den Gedenkkerzen vor dem Bundestag hat durchaus etwas für sich, kann aber im besten Fall nur ein politisches Signal an die Verantwortlichen dieses unsinnigen Krieges sein, der eigentlich gar keiner sein darf. Einen persönlichen Bezug zu einem im Krieg gefallenen Sohn oder Freund würde ich dort nicht finden und ob sich die sogenannten "Verantwortlichen" im deutschen Kriegsministerium (das natürlich nicht so heißen darf) viel darum scheren würden, das wage ich zu bezweifeln. Der nächste Truppentransport zur Unterstützung unserer "Verbündeten im weltweiten Kolonialkrieg des 21. Jahrhunderts" würde genauso abgenickt wie alle anderen zuvor." Minotaurus
Das ist doch mal eine schöne Einschätzung der Handlanger unserer Mächtigen. Fehlt nur noch die Begründung: Profit und zwar soviel wie nur möglich.
Gruß cato





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