Conny  Administrator
  

Status: Offline Registriert seit: 30.05.2004 Beiträge: 80 Nachricht senden | Erstellt am 18.11.2004 - 16:17 |  |
Dieser Artikel enstammt dieser Seite
Das Echte muss nicht immer das Notwendige sein Abraham Reichstadt, geboren am 5. Oktober 1937 in Zafed, war einmal ein Star. Vor fast vierzig Jahren feierte er als Abi Ofarim Erfolge mit seiner ersten Frau Esther als israelisches Easy Listening & Schlager Duo, das Europa und besonders auch Deutschland in Verzückung versetzte, zahllose Konzerte und hunderte von Fernsehsendung absolvierte. Heute steht Abraham Reichstadt zusammen mit dem Kieler Oldie-Trio Cinderella's Rockefellas auf dem Bühne des Legienhofs. An Furnierholztischen, aufgereiht wie zum Ehemaligentreffen im alten Klassenzimmer, sitzen die Gäste im gemischten Vierer und schauen still durch Tischblume und Getränkegläsern hindurch auf die kleine Bühne. Und die bietet im ersten Set noch nicht das Zusammenspiel von Cinderella's Rockefellas mit Abi Ofarim, sondern präsentiert das Kieler Trio mit dem eigenen Oldie-Programm. Die Stärke des Trios ist klar der Gesang. Die mehrstimmigen Arrangements von Klaus Härtel (Gitarre/Gesang), Hanni Härtel (Gesang) und Mike Käckel (Bass/Gesang) drehen sich auf ambitioniertem aber entspanntem Amateurniveau im Folkgewand um das immergrüne Liedgut zwischen Dithmarschen und Detroit. Das hat Charme, weil es nur auf die Songs und ihre ursprünglichen Ideen verweist und sie nicht beansprucht.
Erst in der Umbauphase macht sich so etwas wie Kommunikationsbedarf breit und es wird etwas lauter und lebendiger. Ein flüchtiger Blick auf die Tische erinnert glücklicherweise immer rechtzeitig an den Grund dieses Treffens. Abi Ofarim wird zurückkehren auf die Bühne und das klingt schon mächtig legendär, denn das hat er Jahrzehnte nicht getan.
Wer dann aber zum aufbrausenden Applaus die Bühne betritt ist Abraham Reichstadt in der viel zu engen Haut Abi Ofarims. Die kalte Wahrheit im überhitzten Legienhof macht die These anschaulich, dass das Echte nicht immer das Notwendige sein muss, wenn das Echte doch so selten schön ist. Gesanglich ein ungeübter und schieftöniger Interpret typischer Oldie-Evergreens, mit den eigenen Songs zwar sicher umgehend, allerdings ohne ihnen einen frischen Anstrich zu verpassen. Songs wie Mama, O Mama, Much too much oder natürlich In the morning of my life stimmen zwar Note für Note, wirken aber unglaublich entsaftet.
Abi Ofarim hat vor über 20 Jahren eine Autobiografie geschrieben – der Titel: "Der Preis der wilden Jahre". Man soll ja nicht zu böse werden, aber man fragt sich heute Abend schon, ob Abi noch nicht genug gezahlt hat. Sicher, der Abend funktioniert irgendwann, wenn auch spät, weil sich die Zuschauer dann doch auf die angebotene Zeitreise einlassen und beginnen, an den mäßigen Gitarristen und seine reichlich verwahrlosten Songs zu glauben. Tatsächlich aber ist dieser Mann auf der Bühne seinem eigenen Bild nicht mehr gewachsen und musikalisch scheint es vorstellbar, dass Abi Ofarim irgendwann nochmals in Abraham Reichstadt fahren könnte. Von Manuel Weber
Kieler Nachrichten vom 15.11.2004
Signatur Webmaster of www.esther-ofarim.de |
<Anna-Maria> unregistriert
| Erstellt am 24.11.2004 - 22:33 |  |
Hilfe, weiß nicht wie und wo ich gelandet bin, hört, pardon liest mich einer?
|