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Lestrade ...
Alec MacDonald
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...   Erstellt am 18.10.2012 - 23:04Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


In der folgenden Geschichte habe ich den Namen des Erzählers mit meinem ersetzt, damit er sozusagen geschützt bleibt

Ein etwas anderes Weihnachtsfest
von Matthias Wieprecht

Der Wecker klingelte mich aus meinem tiefen Schlaf. Mit Verärgerung brachte ich ihn zum Schweigen, der nur seine Pflicht getan hatte. Am Abend zuvor war ich wieder einmal nur mit diesen schlaffördernden Tropfen eingeschlafen. Die Trennung von Marie und alles, was damit zu tun hatte, gingen mir immer noch ziemlich an die Nieren. Als ich das Schlafzimmerfenster öffnete, drang Kirchgengeläut herein und kalter, nach Winter duftender Wind. Weihnachtstag! Für einen kurzen Moment fühlte ich mich wieder wie ein kleines Kind, doch schon im nächsten vertrieb mir ein Gedanke die gute Laune. Selbst meine Schwester hatte mit ihrem Mann die Stadt verlassen, um einmal Urlaub zu nehmen. Ausgerechnet jetzt! So stand ich völlig allein in dieser Stadt am Weihnachtstag. Wohl oder übel musste ich – wie ich es immer tat – das Beste daraus machen. Wieder klingelte es, jetzt jedoch an der Tür, wo mir ein Postbote mit roten Backen und schütteren Haar, Ende Zwanzig, ein Telegramm überreichte. Er wunderte sich, das in unseren Tagen überhaupt welche noch versendet wurden und nuschelte Weihnachtsgrüße als er mich wieder verließ. In dem Telegramm stand nur ein Satz: „Bin in der Stadt“, gezeichnet mit den Buchstaben „S.H.“. Wer um alles in der Welt war „S.H.“? fragte ich mich. Zunächst ging ich alle weiblichen Möglichkeiten durch, denn obschon ich seit meiner Scheidung von Marie nur wenig mit Frauen zu tun haben wollte, begann ich mich nach all der Zeit doch wieder für das andere Geschlecht zu interessieren. Mir viel aber niemand ein. Weder kannte ich eine „Sandra“, noch eine „Susanne“ und auch keine „Samantha“. Unter den männlichen Bekannten suchte ich ebenso vergebens. Finde man einen männlichen Namen mit S am Anfang! Eine wahre Herausforderung. Nur „Silas“ fiel mir ein, mein zweiter Sohn, den ich mit Marie hatte und den ich am Tag zuvor – mit Robin, meinem zweiten Sohn – gesehen hatte. Sie waren jedoch viel zu jung und würden mir sicherlich kein Telegramm schicken, zumal die Kinder mit meiner Exfrau und ihrem neuen Partner, Herrn Guiotine, eine Landparty machen wollten. Gedankenverloren legte ich das Telegramm auf die Anrichte im Flur und trottete in die Küche um mir einen Kaffee zu kochen. Die Wohnung war kalt. Frierend schüttete ich das Pulver in den Filter und goss das Wasser in die Maschine, wie ich es jeden Tag zu tun pflegte. Danach schmiss ich im Badezimmer den Boiler an und verrichtete die Morgentoilette. Der Kaffee schmeckte wie immer nach nichts außergewöhnlichen und doch tat er irgendwie gut. Mein Kopf brummte ein wenig. Die Schlaftropfen, die mir dabei halfen, meine Einschlafstörungen zu besiegen, hatten ihre Nebenwirkungen. Was würde ich an diesem Tag tun? Am Liebsten wollte ich mir die Decke über den Kopf ziehen, aber ich wusste wie schlecht mir das tat. Die Wege waren noch trocken. Nicht einmal Eis war vom Wohnzimmerfenster aus auf den Wegen und Straßen zu entdecken. Also zog ich mir meine Jogginghose an und entsprechende Sweatshirts und so weiter, so das ich walken konnte. Ich lief eine Stunde vom Stadtrandgebiet in den Wald und wieder zurück. Als ich zurück kam, fand ich – eingeklemmt an meiner Tür – einen Zettel vor. Dort stand: „16:00 Uhr – Innenstadt – an der Hauptstraße – Keplerdenkmal!“ Der Vormittag zog sich langatmig dahin. Das Weihnachtsprogramm im Fernseher lies zu Wünschen übrig, DVD-“Konserven“ die mir jetzt gepasst hätten, fehlten mir. So nahm ich mir mein Notebook und surfte im Internet. Überrascht stellte ich auf einer Sozialnetz-Seite fest, das viele Menschen Weihnachten hassten. Man konnte dort sogar abstimmen, ob man es überflüssig findet und ob es abgeschafft werden sollte oder nicht. Ich überraschte mich selbst dabei, diese Frage in meinem innersten abzuwägen. Ich fand Weihnachten eigentlich stets als das große Fest im Jahr, das mir wirklich Freude machte. Es gehörte zweifelsfrei dazu. Die damit verbundenen Traditionen und das, was man als „Weihnachtsfreude“ bezeichnete, beschwingte mich normalerweise immer. So gesehen war ein Absetzen des Festes nichts, wofür ich mich aufrichtig erwärmen können würde. Gleichzeitig jedoch fehlte mir jede Weihnachtsfreude an diesem trüben, trüben Tag im Dezember. Rechzeitig schnürte ich meine Schuhe und ging nach draußen in Richtung Treffpunkt. Während ich wartete, zufällig vor einem Restaurant, sprach mich ein Kind an. Es war eine Mitschülerin von Silas. „Hallo!“ sagte sie. „Hallo!“ antwortete ich, gerührt von dem weihnachtlichen Glühen, das von ihrem kleinen Gesicht ausging. Ein Glühen, das von Vorfreude und innerer Liebe kündete. „Wie geht es dir? Bist du aufgeregt wegen Weihnachten?“ fragte ich es. Schon bald näherte sich seine Mutter. Eine blonde Frau, die durchgestylt aussah, blond und deren rote Wangen allein durch Schminke rot waren. Eisige Kälte ging von ihr aus, während sie mir einen Blick zuwarf als wäre ich ein Kinderschänder. Ich grüßte sie und als sie mich als Silas geschiedenen Vater erkannte wurde ihr Blick nicht weniger kalt. Ihren Augen war anzusehen, das sie mich als geschiedenen Vater in eine Schublade steckte, vielleicht mit diesem oder jenem Expartner ihrer Lebensgeschichte? Sie ging mit dem Kind, das sie fast vor sich hin schubste und mich weiter verstohlen und lieb anblickte, in ein Restaurant. So verschwand sie aus meinem Blick und aus meinen Gedanken.

Mir wurde kalt. Die Uhr zeigte mir an, das S.H. schon seit fünf Minuten hätte da sein müssen. Es war dunkel geworden. Einige Geschäfte der Stadt hatten noch geöffnet und die wenigen Menschen die noch herum liefen hatten es wirklich eilig, wollte noch in aller letzter Sekunde ein Geschenk finden. Merkwürdig fand ich, das die Ampel der Hauptstraße auf Dauer-Rot geschaltet war. Da sprach mich jemand hinter mir an. „Guten Abend, Wieprecht!“ Ich drehte mich um und fühlte mich, beim Anblick des Mannes, der mir gegenüberstand, für einen Moment wie hypnotisiert. Dann zweifelte ich an meinem Verstand und versuchte aus einem Schlaf aufzuwachen. Es half jedoch nichts: Vor mir stand Sherlock Holmes! In meiner Fantasie sah er immer so – oder sehr ähnlich – aus. „Wie? Woher? Was?“ stammelte ich. Holmes lachte herzlich. „Erinnern Sie sich an den Brief, den Sie vor ein paar Jahren verzweifelt an die Bakerstreet geschrieben haben?“ „Ja“, erwiderte ich, „das stimmt. Ich hatte gelesen, das es in London jemanden gibt, der solche Briefe sogar beantwortet! Aber da war mir klar, das Sie, das Sherlock Holmes, nur eine Legende ist, aber nicht wirklich existiert!“ „Nun, da muss ich Sie enttäuschen, Wieprecht. Ich existiere wirklich. Mein junges Alter scheint nur jung. Eine lange Geschichte. Für den Moment will ich nur sagen, dass ich H.G. Wells begegnete und seine unglaublich genialen Erfindungen in Bezug auf die Zeit als sehr inspirierend empfand. Eine hatte er sogar in Form eines Buchs getarnt. Wer in das Buch blickte, ohne an eine bestimmte Zeit zu denken, wurde in die Zeit geschleudert und kam irgendwo wieder heraus. Auf diese Weise verschwanden im Jahre 1898 gleich drei Personen! Zwei davon konnte ich wieder finden. Eine fehlt bis heute. Obwohl das Wort „heute“ in diesem Rahmen wieder sehr relativiert werden kann.“ „Und warum....?“ begann ich erneut, Licht in die Dunkelheit zu bringen. „Warum ich gerade zu Ihnen kam? Tatsächlich haben mich die Dinge, die ich während meiner Zeitreisen erlebte, weiser werden lassen. Ich bin dabei sämtliche Briefe zu beantworten, die mir die Menschen im Laufe der Zeit geschrieben haben. Zeit genug habe ich ja jetzt. Ihr Brief rührte mich an. Ich hätte Sie natürlich auch in der Zeit vor der Scheidung besuchen können, wie Sie es ursprünglich wollten, aber das hätte wenig genutzt. Ihre Scheidung war unausweichlich notwendig. Ich erforschte dies in verschiedenen parallelen Universen.“ In dem Moment hätte ich mir sagen müssen, dieser Mann, wie immer er wirklich hieß, müsste verrückt sein. Ich hätte mich ihm entziehen müssen, ich weiß das! Wer jedoch vor ihm gestanden hätte, so wie ich, der hätte keinen Zweifel daran gehabt, das dies Sherlock Holmes in Person war! Wortlos begannen wir, auf eine einladende Geste von Holmes, durch die Stadt zu spazieren. Nach einer Weile schnippte er mit einem Finger und verschwand in einem Tabakladen aus dem er mit einem in Geschenkpapier eingewickelten Objekt wieder herauskam. „Für Sie, Wieprecht. Frohe Weihnachten!“ sagte er. „Sie wissen, was es ist?“ „Eine Pfeife?“ fragte ich. „Richtig, Wieprecht. Warum sollte ich Ihnen auch etwas anderes schenken. Es ist eine Buyerepfeife, wie ich sie bevorzuge. Samt Tabak und allem, was sie benötigen, um sich regelmäßig ein wenig zu vergiften.“ Dazu lächelte er. „Ich habe gehört, es gibt einen Sherlock Holmes in ihrem TV, der es bevorzugt, sich Tabakpflaster aufzukleben!“ rief er empört und schüttelte sich in gespieltem Ekel. Weiter gingen wir in die Stadt. „Was halten Sie von einem Essen im Leroux?“ Das Leroux war ein hübsches Restaurant, das sich in seiner Inneneinrichtung an Gaston Leroux „Phantom der Oper“ anlehnte. Ich hatte es nie zuvor von innen gesehen und war begeistert. Wir saßen in einer hübschen Ecke, von der aus ich sogar den Weihnachtsbaum sehen konnte, der mit seinen elektrischen, flackernden Kerzen warmes Licht spendete. In einer anderen Ecke spielten zwei Musiker auf dem Klavier und der Violine sanfte, unaufdringliche Weihnachtsmusik. Mir fiel jetzt erst auf, wie hungrig ich war. Holmes bestellte für jeden eine Putenkeule mit Rotkohl und Kartoffeln, sowie einen guten Rotwein dazu. Während des Speisens wurde mir im Magen und auch im Herzen so recht wohl und ich erkannte genauer denn je zuvor, warum Speis und Trank Seele und Leib zusammen halten. Unser Gespräch war eher belanglos. Holmes vollführte ein paar kleine Kunststücke, indem er mir erklärte, warum jener Gast ebenso geschieden war wie ich, jene Oma mindestens vier Enkel hatte, die sie am selben Tag abermals besuchen würden und weshalb ein anderer Gast unter einer Blumenphobie litt. Höchst amüsant und unterhaltsam! Er erzählte dies, garniert mit zig guten Argumenten, so nebenbei als würde er über das Wetter sprechen. Mein Blick fiel auf den Violinisten. „Können sie es?“ fragte ich. Er antwortete, meinem Blick folgend, indem er aufsprang, dem Violinisten sein Instrument abspenstig machte und ein wunderbares, leidenschaftliches Zigeunerstück hinlegte. Die Ober waren über diesen Umstand so bestürzt wie entzückt. Niemand traute sich, seinem Spiel Abbruch zu tun. Am Ende applaudierte man und Holmes verbeugte sich. Als er dem Violinisten sein Instrument wiedergab, nahm er es ehrfürchtig an und verbeugte sich seinerseits. Ich hatte alles um mich herum vergessen und war ebenfalls begeistert. Draußen begann dicker Schnee vom Himmel zu fallen. Die Bürgersteige waren längst weiß. Wir entschlossen uns für einen weiteren Spaziergang in der klaren, abendlichen Winterluft. „Es ist schwierig für mich, eine neue Frau zu finden“, klagte ich. „Ich weiß ja, dass Sie das kaum verstehen werden...“ Da hob er beschwichtigend eine Hand. „Das war einmal so. Mittlerweile bin ich weiter gekommen, Wieprecht. Ich bin geläutert. Kein anderer Mensch, nein, soweit geht es nicht. Holmes und Frauen? Nein. Zu schnell könnte mich eine Frau von meinem mönchsgleichen Weg abbringen. Meine Mission ist klar und verbietet mir solcherlei Freud und Leid. Dennoch kann ich inzwischen sehr gut verstehen, was an einem Leben zu Zweit schönes sein kann.“ Ich war erstaunt, was er mir ansah. Er lachte schallend, kurz und heftig. „Denken Sie bitte an Watson! So ganz einsam wollte auch ich nicht sein. Was nun Sie angeht, so werde ich gerne wiederkommen. Wir werden dann durch die Stadt gehen und ich werde Ihnen mit meinen Fähigkeiten helfen eine Frau zu finden, die zu Ihnen passt. So wie jene.“ Er deutete auf eine sehr hübsche Frau, die mit einem Mann an ihrer Seit uns entgegenkam. „Aber sie hat einen Mann!“ raunte ich ihm zu. Er antwortete: „Ihr Bruder. Er besuchte sie aus Berlin, weil sie sich hier so einsam fühlte. Sie hat ein großes Interesse an Detektivgeschichten, hat ein sehr offenes Wesen und, ach, sprechen Sie sie an. Sie werden ja sehen!“ Mein Herz schlug mir bis zum Hals vor Aufregung als ich mich ihr näherte. „Entschuldigen Sie!“ Sie blieb stehen, auch der Mann an Ihrer Seite. Zunächst schien es mir geraten, den Mann anzusprechen. „Sie sind der Bruder der Dame?“ Er nickte erstaunt. Ich wandte mich ihr zu. „Dann will ich mich Ihnen vorstellen. ...“ Das Gespräch nahm seinen wunderbaren Lauf. Wir verabredeten uns für den nächsten Tag! Kaum konnte ich mein Glück fassen, als ich mich zu Holmes umwandte und dieser verschwunden war! Ich war etwas traurig über diesen Umstand und setzte mich auf ein Bank, die unter einem weit ausladenden Baum stand. Dort packte ich, im Gedenken an Holmes und diesen bemerkenswerten Weihnachtstag, meine Bruyerepfeife aus, stopfte und rauchte sie nachdenklich. So schlenderte ich heim. An meiner Tür fand ich wieder einen Zettel. „Entschuldigen Sie den schnellen Aufbruch. Ich bin jetzt so etwas wie ein Kenner der Zeitlinien. Wäre ich geblieben, hätte das für Sie etwas bedeuten können, was ich Ihnen nicht sagen darf, weil es sonst anders kommt. Ich wünsche Ihnen eine gute Weihnachtszeit und ein frohes, gesundes Leben! Immer dann, wenn Sie glauben, ich bin nicht in Ihrer Nähe, bin ich bestimmt da. Es war mir eine Ehre. Herzlichst, S.H.“

ENDE





Signatur
Also, wenn ich es gesehen hätte, würde ich es nicht glauben! (Ich)

IreneAdler ...
Mycroft Holmes
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Beiträge: 2503
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...   Erstellt am 19.10.2012 - 12:08Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Hihi, nette Idee





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"I am afraid that I rather give myself away when I explain. Results without causes are much more impressive."


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