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Alaiya 
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...   Erstellt am 03.12.2007 - 20:25Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


So, dann poste ich mal meine aktuelle Geschi, wo ich im Moment auch dran arbeite ^^"

Geht um japanische Mythologie ^^




Die Prophezeihung

Eikyû, ewiges, gesegnetes Land,
dem einst die Götter Schutz gewährten
und ihm vier Wächter schickten:

Hoch im Norden, wacht Genbu,
alt und weise, Herrscher der Reptilien;
Am See im Süden, ist Suzaku als Wächter gewählt,
der ewige, unsterblich flammende Vogel;
Seiryuu, klügster und schönster der Drachen,
du wurdest zum Wächter des Osten ernannt;
Zuletzt Byakko, der über den Westen wacht,
starker, weißer Tiger, Verteidiger des Reiches.

Euch schickten einst die Götter
Um über Eikyuu zu wachen.
Doch nun sind eure Mühen vergeblich geworden,
denn Eikyuu, was ihr schützen sollte,
es existiert nicht mehr,
seit die Wellen es spalteten.

Und die Zeit vergeht,
die vier Reiche vergasen ihre gemeinsame Vergangenheit,
schon lange herrscht Krieg,
und der Berg des Schicksal,
auf welchem einst die Götter wohnten,
er wurde schon seit hunderten von Jahren
nicht mehr gesehen.

Nun ziehen dunkle Wolken auf
Über dem ewigen Land.
Ein Krieg, größer als jeder andere
Wird entfacht werden.
Doch die Gegner,
sie werden keine Menschen sein.

Eikyû, deine Hoffnung ist klein,
doch es werden Krieger kommen,
fünf Krieger, mit der Macht
die Schatten zu erleuchten.

Erster, Kind des Mondes,
Freundin der Geister.
Zweiter, Kind der Wörter,
Wächter der Magie.
Dritter, Kind des Schnees,
Kriegerin für Gerechtigkeit.
Vierter, Kind der Wolken,
König der Tiere.
Fünfter und letzter,
Kind der Wunder,
das im Herz ein Geheimnis trägt.

Fünf Krieger, fünf Mächte,
eine Hoffnung für unser Land.






Kapitel 01: Fremde aus dem Osten


Ein alter Tempel, mitten im Wald des südlichen Reiches Honou. Es war nur ein sehr kleiner Tempel, viel mehr ein Schrein, zu dem eine mit Moos und Ranken überwachsene Treppe führte. Auch das Dach war schon zerfallen und von Pflanzen überwuchert, ebenso die beiden Fuchsstaturen, zu beiden Seiten des Schreines. Auch das rot des Torii vor dem Schrein verschwand zum größten Teil unter dem dunklen Grün der Kletterpflanzen.
Trotzdem waren im Schrein zwei Räucherstäbchen angesteckt und eine junge Frau kniete dort. Sie war nicht viel älter als zwanzig und hatte rotbraunes Haar – ungewöhnlich für diese Provinz – welches ihr bis zu den Schultern ging. Die Hände hatte sie gefaltet, die Augen geschlossen. Ihr kurzer, dunkelgrüner Kimono, bedeckte kaum ihre ganzen Oberschenkel, während sie dort kniete und zu ihrer Göttin betete. An den Hand- und Fußgelenken, sowie auch um ihren Hals langen bestickte, schwarze Lederbänder, an denen kleine Glöckchen befestigt waren. Drei am Halsband und jeweils zwei an den Fuß- und nur eine an jedem Armband.
Der verfallene Schrein, in dem sie kniete, war der Göttin Inari geweiht; der Göttin der Fruchtbarkeit, des Reises und nicht zuletzt die Göttin der der Füchse.
Es herrschte Stille im Wald, so als wollten dieser und seine Geschöpfe die Frau nicht beim beten stören. Denn auch wenn man nichts hören konnte, so sprach diese, aber auf eine andere Weise, als Menschen sie kennen.
Doch da wehte auf einmal ein Wind durch den Wald und ließ die Blätter rauschen, auch wenn die Tiere weiterhin schwiegen.
Nun erschien ein kleiner, halbdurchsichtiger Wicht hinter der Frau, die aus ihrem Gebet aufgeschreckt war.
Sie verbeugte sich noch einmal vor dem Schrein, bevor sie zu dem Wicht – einem Waldgeist – umdrehte. „Was ist, mein kleiner Freund?“, fragte sie mit heller Stimme. „Weshalb unterbrichst du mich bei meinem Gespräch, mit der Göttin?“
Die Antwort des Geistes war ein Klicken und Klacken und Klacken und Klicken, das nur Geschöpfe des Waldes verstehen konnten.
„Fremde sagst du?“, fragte die Frau nun und stand auf. Natürlich war auch diese Antwort nur ein Klicken, doch die Frau verstand. „Hier im Wald? Sie wollen zum Dorf?“
Der Waldgeist nickte, oder tat besser gesagt das, was für ihn ein Nicken war.
„Danke, mein kleiner Freund“, sagte sie Frau nun und berührte ihn am Kopf, woraufhin er ein Stück zurückging und einfach verschwand.
Kurz verharrte die Frau noch am Schrein, doch dann ging sie leicht in die Knie und sprang – landete oben auf dem Torii. Dort sah sie zum Blätterdach hinauf, durch welches schwach das rote Licht der untergehenden Sonne viel, während nun die Tiere im Wald wieder begannen zu schreien.
Genau so plötzlich, wie das letzte Mal, bewegte sich die Frau nun wieder und sprang – barfuss wie sie war – in das Geäst des nächsten Baumes, welches, obwohl sehr dünn, ihr Gewicht hielt. Spätestens nun viel auch auf, dass die Glocken an ihrem Körper kein Geräusch von sich gaben, selbst, wenn sie sich bewegten, und es ließ ahnen, dass sie keine normale Frau war.
Von Ast zu Ast, später über dem Boden rennend, immer bergab vom Hügel, auf dem der Schrein war hinab, gelangte sie schließlich zu einem kleinen Dorf. Der Name des Dorfes war Hayashimura und es war tatsächlich schon fast armselig klein. Es bestand aus vielleicht zehn oder fünfzehn aus Holz errichteten Häusern, von denen eines – das größte – ein weiterer Schrein zur Ehrung der Götter war. Dieser Schrein barg auch das Geheimnis des Dorfes und war am nordöstlichen Ende des Dorfes, etwas distanziert von den anderen Häusern errichtet worden. Denn auch wenn das Dorf noch so klein war, so war dieses Dorf wichtig für das Südliche Reich, und genau deshalb wusste selbst in Honou selbst kaum jemand von seiner Existenz.
Die Frau aber lief zu einem anderen Gebäude, im Westen des Dorfes. Dort angekommen, schlüpfte sie in ihre Sandalen, welche auf dem Rundgang, der das Haus umrahmte, standen.
„Kannushi-sama!“, rief sie, als sie in das Gebäude kam.
„Tsuki-san...“ murmelte der alte Mann, der an der mit Steinen befestigten Feuerstelle in der Mitte des großen Raumes, saß. Bei ihm saß eine ebenfall alte Frau, welche nun auch zu der jüngeren aufsah.
Der Mann war mit dem traditionellen Gewand der Shinshoku gekleidet war, während die Frau einen Chihaya – das traditionelle Miko-Gewand – trug.
„Junge Tsuki“, sprach diese Frau nun das Mädchen an. „Du bist ja ganz aufgeregt, Kleines. Ist etwas passiert?“
Tsuki, die junge Frau, musste erst einmal zu Atem kommen, da sie den ganzen Weg rennend zurückgelegt hatte, was selbst für ein Wesen wie sie anstrengend war. „Fremde...“, keuchte sie dann. „Die Geister des Waldes haben mir von Fremden erzählt, die im Wald umherstreifen. Sie sagten auch, dass diese auf der Suche nach unserem Dorf, nach unserem Heiligtum seien. Zumindest haben sie davon geredet.“
„Nun beruhige dich erst einmal, Mädchen“, sagte der alte Mann, der Priester des Dorfes, woraufhin sie sich auf den Boden fallen ließ.
„Bist du dir sicher, dass sich unsere kleinen Freunde nicht geirrt haben?“, fragte er nun weiter, während die alte Frau Tsuki eine Tasse Tee reichte, die diese in einem Zug leerte. „Es sind seit über einem Jahr keine Fremden mehr im Dorf gewesen. Und jene waren Händler, aus dem Westen unseres Reiches gewesen.“
„Die Geister irren sich nicht, dass wisst ihr, Kannushi-sama!“, meinte sie mit einem beleidigten Ton in der Stimme und blitzte ihn mit ihren goldenen Augen an. „Und der Wald hat mir das selbe erzählt. Ich glaube nicht einmal, dass diese Fremden aus unserem Reich sind.“
Der Alte rieb sich am Kinn und dachte nach. „Und ich dachte, Namida sei schon lange vergessen...“, murmelte er.
„Ich weiß es nicht“, sagte Tsuki. „Aber es scheint, dass dem nicht so sei.“
Daraufhin herrschte eine Weile schweigen, während das Feuer in der Mitte des Raumes tanzende Schatten an die Wände warf. Draußen hatte sich bereits das dunkle Tuch der Nacht über das Dorf gelegt.
Das Schweigen wurde unterbrochen, als auf einmal ein Ball, der aus grünblauem Feuer zu bestehen schien, ins Zimmer geschwebt kam und sich mit einem Poff in einen kleinen Jungen mit schwarzem Haar und einem blauen, mit grünen Blumen verzierten Kimono verwandelte. „Mika-sama, Kannushi-sama! Kitsune-han!“ rief er ganz außer sich mit einer hohen Piepsstimme.
„Tohon-chan“, erwiderte die junge Frau überrascht, worauf der Kannushi hinter ihr die Miene verzog, weil die Frau jeden der Zashiki-Warashi beim Namen nannte.
„Fremde!“, schrie der kleine Geisterjunge außer sich. „Sie töten! Am Schrein! Sie haben die Wächter getötet!“ Damit fiel er der Jungen Frau zitternd in die Arme.
Diese sah nun zum Priester auf. „Ich habe es euch gesagt.“ Damit erhob sie sich, den Hausgeist auf dem Arm. „Beeilt euch, haltet die anderen Bewohner vom Schrein fern“, befahl sie den Alten. „Ich kümmere mich darum.“ Und schon rannte sie aus dem Haus, warf die Sandalen von ihren Füßen und sprang wieder barfuss auf das Dach des nächsten Gebäudes, wo sie kurz stehen blieb und auf Tohon heruntersah. „Klettere auf meinen Rücken. Du und deine Freunde, ihr werdet mir helfen, die Fremden gefangen zu nehmen. Wie viele sind es?“
„Zwei, Kitsune-han“, piepste der Junge niedergeschlagen und kletterte auf ihre rechte Schulter.
Tsuki nickte und sprang auf das nächste Gebäude, und dann wieder auf das nächste, immer weiter Richtung Schrein. Schließlich musste sie das letzte Stück, die Strecke, die den Schrein von den anderen Häusern trennte, am Boden zurücklegen.
Die junge Frau konnte nun auch die Geräusche hören, die die Fremden machten. Sie stießen Sachen im Schrein um, schienen ihn verwüsten zu wollen.
Kurz bevor Tsuki ihr Ziel erreicht hatte, sprang sie wieder und landete auf dem Torii vor dem Schrein. „Eindringlinge!“, rief sie mit einer Stimme, viel lauter als man je erwartet hätte, worauf der Krach im Innern des Schreines verstummte. „Kommt heraus!“, forderte sie dann von den Fremden.
Da erschien an der Tür des Schreines ein junger Mann, Mitte zwanzig und sah zu ihr hinauf. Um den Arm hatte er eine Kette gewickelt.
„Namida...“, murmelte Tsuki und sah ihn an. Er war ein Ninja, ohne Frage, er handelte im Auftrag von irgendwem und nicht aus eigenem Antrieb. Trotzdem durfte er nicht das Heiligtum berühren und den Tempel verwüsten. „Dein Partner soll sich auch zeigen!“ rief sie.
Nun geschah eine Weile nichts, bevor sich ein Mädchen mit sehr hellem Haar zeigte. Ebenfalls ungewöhnlich. Sie trugen beide die übliche, kurze Kleidung der Ninja und hochgebundene Lederschuhe, mit weichen Solen.
Der junge Mann hatte – soweit man erkennen konnte – dunkles, mittellanges Haar, zu einem kurzen, abstehenden Zopf gebunden. Seine Kleidung war dunkelgrün und an seinem Gürtel hing ein einziges kurzes Katana, während am Gürtel des ungewöhnlichen, schneeweißen Kampfanzug des Mädchen gleich ein langes Katana, ein Dolch und mehrere Wurfwaffen hingen. Das, obwohl sie wesentlich jünger als der Mann zu sein schien. Nicht älter als fünfzehn oder sechzehn, was Tsuki verwunderte.
„Was wollt ihr von uns?“, fragte die junge Frau nun, obwohl Namida, die um den Arm des Mannes gewickelt war, diese Frage beantwortete: Sie waren geschickt worden um das Heiligtum zu stehlen!
Genauso beantwortete der Mann die Frage auch, indes er den Arm mit der Kette empor hob. „Nichts, was wir nicht schon haben!“ rief er.
„Legt Namida zurück in den Schrein!“, befahl die junge Frau. „Dann lass ich euch, trotz eures Verbrechens, dass Dorf verlassen.“ Dabei sah sie wütend auf die beiden hinunter.
„Und wenn nicht?“ erwiderte das Ninjamädchen. „Ihr seid doch nichts als dumme Bauern!“ (Bei diesen Worten verengten sich Tsukis Augen zu Schlitzen.) „Außerdem hieße die heilige Namida zurück zu lassen, auch unseren Auftrag zu vermasseln.“ Damit warf das Mädchen eine der Fackeln, die am Eingang des Tempels brannten um, woraufhin das trockene Holz sofort Feuer fing.
„Wie ihr wollt...“, flüsterte Tsuki, schloss die Augen und drückte ihre Handinnenflächen gegeneinander. Sie spürte, dass die beiden Alten bereits einen magischen Kreis um den Schrein erschaffen hatten, der verhinderte, dass irgendein Mensch rein oder raus kam.
Nun begannen die Glöckchen and ihren Bändern sich zu bewegen und ein leises Leuten von sich zu geben. Dann sprang sie hoch, drehte sich ein paar Mal in der Luft, wobei das Leuten der Glöckchen anschwoll, und blieb schließlich mit ausgebreiteten Armen in der Luft schweben. „Tohon, Yumi, Sei, Miya!“ rief sie noch während des Sprungs und öffnete die nun leuchtenden Augen, als sie schwebte. „Zashiki-Warashi, ich rufe euch!“ Und während Tohon von ihrer Schulter sprang, erschienen um die junge Frau herum drei weitere Flammenbälle, die sich wie vorher schon Tohon mit einem Poff in drei Kinder verwandelten; zwei Mädchen und noch ein Junge, der den selben Kimono trug, wie Tohon. Die Kimonos der Mädchen, waren ebenfalls fast identisch mit denen der Jungen, nur das die Farben Blau und Grün vertauscht waren.
„Hausgeister...“, murmelte der Mann. „Sie kann Geister beschwören...“
„Lass uns verschwinden, Fukuro“, forderte ihn seine Partnerin auf und sprang schon selbst von der erhöhten Fläche des Schreines. Doch sie hatte sich keine zehn Schritt von diesem entfernt, als sie von einer unsichtbaren Wand zurück geschleudert wurde und hart auf dem Boden aufkam. „Was ist das?!“ rief sie erschrocken.
„Ein magischer Kreis“, antwortete der Mann, aber viel zu leise, als dass sie es hätte verstehen können. „Hier kommt niemand rein oder raus, bevor er aufgelöst wird.“
Währenddessen brannte schon der größte Teil des Gebäudes, doch der Ninja blieb ungerührt auf dem hölzernen Boden stehen und legte die Hände zu einem Handzeichen zusammen und schloss ebenfalls die Augen. „Kiéyo!“, rief er dann und war auf einmal nicht mehr zu sehen.
Nun landeten Tsuki und die Geisterkinder auf dem brennenden Boden des Schreines.
„Tohon und Miya“, sprach die Frau zwei der Geister an. „Kümmert ihr euch um das Mädchen. Sei und Yumi, ihr werdet mir mit dem Mann helfen. Er beherrscht Magie.“
„Aber der Schrein...“, begann das eine Geistermädchen – Yumi. „Sollen wir ihn einfach brennen lassen?“
Tsuki schwieg kurz. „Es ist schon zu spät um den Schrein zu retten.“
Auch die vier Geister schwiegen, bis sie einen Entschluss fassten. „Na gut!“ riefen sie dann, wie aus einem Mund. „Sie werden bereuen, dass sie unseren schönen Schrein vernichtet haben!“ Mit diesen Worten verwandelten sich Tohon und Miya wieder in die blaugrünen Flammenbälle und folgten dem Ninjamädchen.
Dieses hatte derweil einige Male versucht an derselbe Stelle durch den magischen Kreis zu kommen, jedoch vergeblich. Nun lief sie mit gezogenem Schwert um das brennende Gebäude herum, im verzweifelten Versuch zu entkommen.
Plötzlich ließ eine schrille Stimme sie zusammen zucken: „Da ist sie!“, klang Tohons Piepsstimme aus einem der Flammenbälle, die gradewegs auf sie zugeschwebt kamen.
Das Mädchen schrie auf. Oh, wie sie doch Geister hasste!
Sofort hatte sie das Schwert vor sich erhoben, als ob dieses eine wirkungsvolle Waffe gegen Geister gewesen wäre.
„Du hast unseren schönen Schrein zum Brennen gebracht!“, ertönte eine Mädchenstimme aus dem anderen Feuerball, bevor die beiden Hausgeister ihre Kindergestalt annahmen.
„Ihr... Ihr seid nur Zashiki-Warashi...“, hauchte das Mädchen mit unsicherer Stimme. „Ihr... Ihr könnt nicht kämpfen. Ihr könnt mir nichts tun!“ Doch bei ihren Worten verriet ihr Zittern, dass sie nicht so wirklich an das, was sie sagte, glaubte.
Da war Tohon auf einmal auf ihrer Schulter mit dem Kopf neben ihrem Ohr und kicherte. „Hast du Angst vor uns?“, fragte er, scheinbar ohne bemerkt zu haben, dass sie ihren Dolch gezogen hatte.
„Nein!“ kreischte sie und stach zu, doch der Junge verschwand nur mit einem weiteren Poff.
Nun zitterte das Mädchen nur noch mehr, wich zurück und ließ das Schwert fallen. Sie wäre noch weiter zurück gewichen, stand aber nun mit dem Rücken gegen die Wand des magischen Kreises.
In dem Moment stürzte der vordere Teil des Schreindaches unter einem Funkenregen ein.
„Dafür wirst zu bezahlen!“ rief Miya und erschien auf einmal sechsfach vor ihr.
„Lasst mich in Ruhe!“, schrie die Ninja und schloss die Augen, während sie nach ihren Wurfmessen tastete. Als sie diese in der Hand hatte, öffnete sie die Augen und warf die Messer gen der Abbilder des Geistermädchens, doch auch diese lösten sich poffend auf und die Ninja sah sich verwirrt und zitternd um.
„Suchst du etwa mich?“, fragte eine Stimme über ihr und als sie noch oben sah, schwebte dort die Zashiki-Warashi.
Da ging die Ninja weiter zitternd in die Knie und hielt schützend die Arme über sich. „Bitte, bitte, verschone mich!“ flehte sie, doch in dem Moment erschien Tohon hinter ihr.
„Hi no Kusari!“, rief er und im nächsten Moment fesselten Schnüre aus blauem Feuer das Ninjamädchen und machten es kampfunfähig.
Zur selben Zeit stand Tsuki seelenruhig in der Mitte der Flammen, welche den Schrein nun fast gänzlich bedeckten, ohne auch nur das kleinste Anzeichen von Bewegung zu zeigen. Nur die Glöckchen gaben ein leises, aber beständiges Bimmeln von sich.
„Glaubst du, du kannst dich einfach verstecken?“, fragte sie, während die Geisterkinder neben ihr schwebten.
Da erschien er plötzlich hinter ihr und warf Wurfsterne, die er in einer ledernen Tasche an seinem Gürtel aufbewahrt hatte, durch den Schleier der Flammen in die Richtung der Frau und der Geister. Doch keine der Waffen traf ein Ziel, denn während die Geister einfach verschwanden, sprang Tsuki empor, drehte sich in der Luft und landete vor ihm.
„Willst du es wirklich mit mir aufnehmen?“, fragte sie und ging noch einen Schritt auf ihn zu.
Er grinste nur. „Unterschätz mich nicht, was auch immer du bist“, sagte er und machte drei Handzeichen schnell hintereinander. „Bai-ni su!“, rief er dabei und auf einmal stand er in vier Abbildern, von denen nur eines echt war, um sie herum.
Tsuki jedoch gab sich nicht besonders beeindruckt. „Den Trick beherrschen Geister auch.“
„Ach ja?“ Vier Ninja zogen gleichzeitig ihr Schwert, hoben es ebenfall zeitgleich und schlugen zu. Aber die Frau wich nur einem der Schläge aus, während die anderen drei durch sie hindurchgingen ohne Schaden zu verursachen.
„Verdammt!“, fluchte der Mann und machte ein paar Schritte zurück, derweil seine Abbilder verblassten.
Nun fuhr Tsuki herum und versetzte ihm einen Tritt, dass er rückwärts gegen eine brennende Säule des Schreines flog, welche daraufhin zusammenbrach.
Er machte grade noch rechtzeitig ein Handzeichen zum Schutz, bevor ein Teil des brennenden Daches auf ihn fiel. Während er sich aus dem Schutt freikämpfte, erschienen die beiden Geisterkinder hinter ihm. Sei links und Yumi rechts hinter ihm.
Gerade als er wieder stand, streckten sie die jeweils mittlere Hand vor und berührten ihn zwischen den Schultern. „Körperstarre!“, riefen sie und da wurde der Mann nach vorne geschleudert und kam erst jenseits des Schreines auf dem Boden auf.
Verzweifelt versuchte er sich zu bewegen, doch sein Körper gehorchte ihm nicht, und so blieb er bäuchlings vor dem weiter brennenden Holzbau liegen, bis Tsukis nackte Füße in seinem Blickfeld erschienen.
Er blitzte sie wütend an, doch sie kniete sich nur neben ihm und nahm ihm die Kette Namida ab.
„Du kannst froh sein, dass wie euch nicht getötet haben, wie ihr es mich den Wächtern getan habt“, sagte sie verächtlich.
Dann machte sie eine Bewegung mit den Armen und mit einem Leuten der Glöckchen verschwand der von den Alten geschaffenen magische Kreis.


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Begriffserklärung


Zashiki-Warashi
- Hausgeister, sie beschützen die Häuser und ihre Besitzer, spielen diesen aber auf Streiche. Sie werden meistens als kleine Kinder dargestellt.





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Sakura ...
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...   Erstellt am 03.12.2007 - 20:30Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


ich kann es bald schon gar net mehr sagen, deinen geschichten sind echt der hamma, als ob du gar nichts anderes machen würdest, respekt ^^





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DAS DEINE WÜNSCHE

WAHR WERDEN

Alaiya 
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...   Erstellt am 05.12.2007 - 16:45Zum Seitenanfang Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen


Kapitel 02: Die Fuchsfrau

„Wisst ihr überhaupt, was ihr gemacht habt?“, rügte der alte Kannushi die beiden Fremden, die nun mit magisch verstärkten Schnüren gefesselt in seinem Haus saßen.
Tsuki hatte mittlerweile die Körperstarre des Mannes aufgehoben. Dafür war dieser aber nun an seine Partnerin gefesselt und blickte finster drein, während das Mädchen mit allen Mitteln versuchte sich zu befreien und vor sich hin fluchte und schimpfte.
Nun erkannte Tsuki auch, was sie vorhin am Tempel nur erahnen konnte: Das Haar des Mädchens war nicht nur sehr hell, sondern gänzlich weiß. Auch ihre Haut war furchtbar blass, so dass man sie für einen Albino gehalten hätte, hätte sie nicht strahlendblaue Augen gehabt. In denselben Farben – weiß und hellblau – war auch ihr Kimono gehalten.
Der Mann hingegen hatte schwarzes Haar, so wie es im ganzen ehemaligen Eikyû üblich war, und leicht bräunliche Haut. Sein Gewand war dunkelgrau und nicht oliv oder dunkelgrün, wie Tsuki zuerst gedacht hatte. Seine linke Wange blutete, da er sie sich beim Sturz aufgeschürft hatte.
Sie selbst saß am Feuer und trank Tee, während die vier Geisterkinder wieder in irgendwelche Ecken des Dorfes verschwunden waren.
Nun griff der Kannushi nach Namida, was eigentlich nur die Bezeichnung für das Amulett und nicht für die ganze Kette war, und hielt sie direkt vor das Gesicht des Mannes. „Wisst ihr überhaupt, was das hier ist?“, fragte er ihn wütend.
„Gerüchte gehört...“, gab der Mann, welcher eine recht tiefe Stimme hatte, zurück.
„Das ist Namida, die Träne des Phönix“, fuhr der Alte ihn an ohne auf die Antwort zu achten. „Ihr habt doch keine Ahnung von ihrer Macht oder ihrem Wert für unser Reich!“ Seine stimme quoll bei den Worten regelrecht vor Empörung über.
„Das interessiert und aber gar nicht, Großväterchen“, schnauzte das Mädchen. „Wir sollten sie nur stehlen!“
„Für wen?“, fragte nun die Miko und sah sie mit bohrendem Blick an.
Das Mädchen zog eine Grimasse und sah demonstrativ in eine andere Richtung. „Geheim!“
Nun stand Tsuki auf und ging zu ihnen hinüber. Dann kniete sie sich vor sie und musterte sie. Als das Mädchen das bemerkte wand sie sich, als könnte sie so dem Blick der Frau entkommen.
„Wer und woher seid ihr?“ fragte Tsuki sie dann langsam und mit leicht bedrohlicher Stimme.
„Das geht dich auch nichts an, Geisterweib“, kreischte das Mädchen, dabei versuchte sie jedoch Tsuki nicht anzusehen. „Anstatt uns auszufragen könntet ihr uns lieber losbinden! Sonst...“
Tsuki zog die Augenbrauen hoch. „Ja, sonst was?“
Die Angst nun ganz vergessen, funkelte das Mädchen sie nun wütend an, bis der Mann sie (so gut er gefesselt dazu fähig war) mit dem Ellenbogen stieß. Schon drehte sie den Kopf, um ihn ebenfalls anzuschnauzen, doch er kam ihr zuvor: „Yuki, beruhige dich!“, sagte er beschwichtigend. „Wir haben verloren, wenn du so weiter machst, bringst du uns noch um unseren Kopf.“
Wieder wollte sie etwas erwidern, hielt aber inne, als er sich Tsuki zuwandte. „Mein Name ist Mekura Fukuro und Yuki ist meine Schwester“, sagte er dann ruhig.
„Schwester?“, fragte Tsuki nun nach, da die beiden nicht die geringste Ähnlichkeit miteinander hatten.
„Halbschwester“, meinte der Mann, Fukuro, daraufhin. „Wir kommen beide aus dem Dorf Kakureba von der Insel Namishui. Sie gehört zum östlichen Reich Shimakuni“, erzählte er weiter. „Auf der ganzen Insel leben nur Nin...“ Er brach ab. „Angehörige unseres Clans“, verbesserte er sich. „Das heißt... lebten.“ Nun senkte er den Blick.
Tsuki sah auf. „Lebten?“, fragte sie und sah ihn an, doch er wich ihrem Blick aus.
„Wer hat euch den Auftrag gegeben Namida zu stehlen?“, wiederholte Tsuki nun die Frage der Miko, erhielt aber keine Antwort.
Da legte die Alte die Hand auf ihre Schulter. „Lass sie“, meinte die Miko mit sanfter Stimme. „Es ist sehr spät. Wir sollten uns zur Ruhe legen. Die beiden bleiben hier, sie werden nichts anrichten können, solange sie gefesselt sind.“
„Wollen Sie uns etwa...“ begann das Mädchen – Yuki – wieder, wurde aber erneut von ihrem Bruder zum Schweigen gebracht.
Tsuki nickte, stand auf und verließ das Haus, um sich draußen die Schuhe auszuziehen und auf das Dach des Priesterhauses zu springen.
Seufzend sah die alte Miko ihr hinterher. Die junge Frau würde draußen schlafen, wie sie es so oft tat. Es war ein komisches Mädchen, welches drei Jahre zuvor in ihr Dorf gekommen war. Aber was wusste eine einfache Miko schon über Wesen, wie Tsuki es war?
Diese lag mittlerweile rücklings auf dem Dach des Hauses – die Arme hinter dem Kopf verschränkt – und sah zum sternenklaren Himmel hinauf.
Es war eine helle Nacht, denn der Mond war fast voll. Nächste Nacht würde Vollmond sein.
Ihre Göttin schien Recht gehabt zu haben. Es schien etwas auf sie zuzukommen... Eine Bedrohung. Schon seit einigen Tagen, vielleicht sogar Wochen spürte sie eine immer stärker werdende Macht im Norden. Doch die Macht war nicht jeden Tag gleich stark. Zwar schien sie eigentlich stärker zu werden, doch gab es auch Tage, an denen sie abnahm.
Was wohl passieren würde? Ihre Göttin hatte ihr prophezeit, dass sie, Tsuki, Hayashimura schon bald verlassen würde.
Da riss einer der Geisterflammenbälle sie aus ihren Gedanken, als dieser über ihrem Gesicht schwebte.
„Kitsune-han!“, tönte Tohons Stimme daraus hervor.
„Tohon...“, seufzte Tsuki. „Was ist denn?“
Wieder poffte es, als der Geisterjunge seine Kindergestalt annahm und sich neben sie auf das Dach legte.
„Kitsune-han“, begann er noch einmal. „Was wird jetzt aus unserem Heiligtum? Was passiert mit Namida?“
„Was sollte denn damit passieren?“, fragte sie junge Frau und drehte den Kopf zur Seite, um ihn anzusehen. Er war ein Geist, ein Zashiki-Warashi – Geister die die Häuser schützen, doch in dieser Gestalt sah er nicht anders ausm, als ein normaler kleiner Junge von fünf oder sechs Jahren.
„Der Tempel zu ihrem Schutz ist verbrannt“, meinte Tohon. „Sie Siegel sollten es gegen Oni, böse Yokai und Yurei schützen. Aber gegen Menschen waren sie machtlos. Und sie sollten ihre Aura, die Aura Namidas abschirmen.“
„Ich weiß was du meinst“, erwiderte sie und sah wieder zum Himmel. „Es ist so, als würde man alles, was magiefühlig ist, hierher rufen.“
Tohon nickte und gab ein zustimmendes Geräusch von sich. „Außerdem sind mir die beiden nicht geheuer...“, meinte er dann leise.
„Aber sie sind nur Menschen“, meinte Tsuki kichernd. „Sie werden nichts mehr tun, vertrau mir.“
„Sie wollten Namida stehlen!“, empörte sich Tohon und setzte sich auf, um sie anzusehen. „Außerdem beherrscht der Mann Magie, dass hast du selbst gesagt, Kitsune-han.“
„Ja, das tut er“, murmelte sie. „Sei leise, Kannushi und Miko-sama schlafen.“ Sie schloss für einen Moment die Augen nur um im nächsten wieder zum Himmel zu sehen. „Aber sie wollten Namida nicht für sich stehlen. Sie hatten nur einen Auftrag, nicht mehr und nicht weniger. Auch wenn etwas komisch ist...“
Tohon sah sie mit einer Mischung aus Furcht und Neugier an. „Was denn, Kitsune-han?“
Eine Weile schwieg Tsuki noch, ehe sie antwortete: „Nun... Ninja, wie sie es sind... Normal haben sie, wenn sie einen Auftrag ausführen...“ Sie atmete tief ein. „Eine Giftkapsel zwischen den Zähnen, die sie schlucken, sollten sie gefangen werden. Damit niemand irgendwelche Geheimnisse von ihnen erfahren kann.“
„Sie bringen sich selber um?“ fragte Tohon und sah sie entsetzt an.
„Ja, um ihren Clan zu schützen“, antwortete Tsuki und kraulte ihn am Kopf.
„Menschen sind dumm...“ murmelte der Hausgeist und legte sich wieder neben die Frau, um sich an sie zu kuscheln. „So einfach ihr Leben zu verspielen, wenn sie sterben können...“
Daraufhin legte sie den Arm um ihn. „Ja, das sind sie manchmal...“, murmelte sie.
Danach schwiegen sie.

Als sich Tsuki am nächsten Tag wieder im Hause des Priesters sehen ließ, war es bereits Mittag. Nicht, das sie so lange geschlafen hätte – gewiss nicht – aber sie war bereits am Schrein im Wald gewesen, um ihrer Göttin von den Geschehnisse der letzten Nacht zu berichten und um eine Zeit lang nicht von Menschen umgeben zu sein und nachdenken zu können.
Nun schien die Sonne prall auf Hayashimura hinunter, während der Duft von gekochtem Reis zwischen den Häusern schwebte, wie ein unsichtbarer Nebel.
Als sie nun die Veranda des im Pagodenstil gebauten Hauses betrat und ihre Sandalen anzog, war Yuki die erste, die aufsah, allerdings nicht besonders erfreut. Sie und ihr Halbbruder saßen in derselben Ecke wie am Vorabend und waren noch immer gefesselt.
„Miko-sama“, sprach Tsuki nun die Alte an, derweil der alte Priester wohl nicht im Haus zu sein schien. „Ich bin wieder da.“
„Ah, Tsuki-chan“, begrüßte sie die alte Frau und drehte sich zu ihr um. „Du hast dich seit gestern Abend nicht blicken lassen“, stellte sie dann fest.
„Ja“, bestätigte Tsuki nur ohne ein weiteres Kommentar.
Die Miko seufzte. „Du warst sich im Wald.“ Dabei brauchte sie keine Antwort von der jungen Frau, um das zu wissen. „Nun, der Reis ist noch warm, nimm dir wenn du willst.“ Sie gab ihr Schüssel und Stäbchen.
Zum Dank nickte die junge Frau, ehe sie begann sich Reis aus dem großen Topf in ihr Schällchen zu füllen. „Itadakimasu!“, rief sie mit zusammengepressten Händen und begann dann zu essen. Doch es dauerte nicht lange, bis sie zu den beiden Ninja hinüberblickte, denn Yuki sah mit sehnsüchtigen Blick auf den großen Topf, in dem der Reis war, während Fukuro versuchte seinen Blick genau von diesem abzuwenden, was ihm fast gelang.
„Miko-sama, sagt mal“, begann Tsuki sah zur Alten hinüber. „Habt ihr den beiden heute etwas zu essen gegeben?“
Zur Antwort schüttelte die Alte den Kopf. „Nein. Wir wollten sie nicht losbinden und füttern lassen wollten sie sich nicht“, sagte sie dann.
Tsuki seufzte. „Binde sie los“, forderte sie dann die Alte auf. „Oder willst du sie verhungern lassen?“ Daraufhin lagen drei Augenpaare auf Tsuki. Alle drei waren verwundert.
„Glaubst du wirklich, dass das so eine gute Idee ist?“, fragte die Miko schließlich. „Was, wenn sie erneut versuchen Namida zu stehlen. Die Träne ist jetzt ohne Schutz.“
„Die beiden haben Hunger und ich denke, dass ich ganz gut auf sie aufpassen kann. Wenn sie erneut versuchen Namida zu stehlen, werde ich sie wieder davon abhalten“, meinte die junge Frau leichthin und wartete. Als die Miko zögerte, stellte sie ihre Schüssel hin, legte die Stäbchen auf den Rand des Schälchens und ging selbst zu den Geschwistern hinüber um sie loszubinden.
Als die Schnüre lose am Boden lagen, sah der Mann sie fassungslos an. „Warum...“, begann er doch Tsuki wandte sich ab um zu ihrem Schälchen Reis zurück zu kehren.
„Ihr solltet etwas essen“, meinte sie, da die beiden sich nicht rührten, und zeigte auf zwei weitere Schälchen, welche die Miko hingestellt hatte.
Noch immer zögerlich knieten sich Fukuro und Yuki hin und füllten sich Reis in die Schalen, bemüht, dabei nicht allzu hastig zu wirken. Auch essen taten sie betont ruhig, obwohl ihnen augenscheinlich die Mägen knurrten.
Derweil hatte Tsuki bereits ihre Schale geleert und machte keine Anstalten sich noch etwas aufzufüllen. Stattdessen blieb sie den beiden Geschwistern gegenüber knien und sah ihnen zu.
Yuki verlor schließlich als Erste die Beherrschung und begann den Reis in sich hinein zu schlingen, während Fukuro noch immer betont langsam die Stäbchen zum Mund führte, was Tsuki lächeln ließ.
„Hast du keinen Hunger?“, fragte sie ihn grinsend.
Er senkte den Blick, um den ihrem auszuweichen und schluckte merklich, bevor er das Schlingen seiner Schwester nachtat.
Beide füllten sich so lange nach, bis der ganze Topf geleert war, was von der Miko missmutig aufgenommen wurde, da die Reisfelder Hayashimuras klein waren, verglichen mit denen anderer Dörfer, und sie sich so entweder von Früchten und Essbaren aus dem Wald ernähren mussten, wenn der Reis einmal aufgebraucht war, oder einer aus dem Dorf musste sich aufmachen und in einer der Städte jenseits des Waldes neuen Reis einkaufen.
Als auch die Geschwister ihre Schalen auf den Boden gestellt hatten, begann der Mann Tsuki zu mustern. „Ich wüsste zu gern, was Ihr seid“, sagte er schließlich.
„Tja“, machte Tsuki mit geschlossenen Augen. „So schnell wirst du es aber nicht erfahren.“, meinte sie dann. „Aber was meinen Namen angeht, kannst du mich Tsuki oder Kitsune nennen, ganz wie es dir beliebt. Das gilt auch für deine Schwester. Nur bitte sprecht mich nicht mit ‚Sie’ an.“ Damit öffnete sie die Augen und lächelte die beiden an.
Daraufhin herrschte eine ganze Weile gedrücktes Schweigen im Raum.
Yuki war die Frau unheimlich, nachdem sie gesehen hatte, wozu sie fähig war. Sie fürchtete sich vor Geistern und somit auch vor dieser komischen Frau, die selbst etwas Ähnliches wie ein Geist zu sein schien.
Fukuro hingegen interessierte viel mehr Tsukis wahres Wesen, denn ihm war bewusst, dass sie weit mehr als ein Mensch war. Er war mehr Magier als Ninja, so dass ihn alles, was nicht menschlich war. Noch etwas, was ihn von seiner Halbschwester unterschied. Sie hatten tatsächlich nicht viel gemeinsam. Ihm war es ein totales Rätsel, wie sie vor allen mögliches Geisterwesen Angst haben konnte, obwohl sie selbst nur zur Hälfte ein Mensch war.
„Tsuki-san“, begann er schließlich, woraufhin diese ihn wieder direkt in die Augen sah.
„Was ist?“, erwiderte sie.
Er zögerte als er ihre Augen sah. „Ich... Wir...“, stotterte er und schluckte. „Unsere Sachen, also die Taschen mit dem was wir mit uns führten, sie liegen noch im Wald.“ Er wich ihrem Blick aus. „Ich weiß, es erscheint rüde, nachdem wir das Dorf überfallen haben. Wir sollten Euch... Dir dankbar sein, dass du uns nicht getötet hast und so gut behandelst.“ Während er sprach beugte er sich soweit vor, dass seine Stirn den Boden berührte. „Aber ich würde dich trotzdem bitten, uns die Erlaubnis zu geben...“
Tsuki unterbrach ihn. „Deine Schwester bleibt hier und ich begleite dich“, meinte sie. „Ich weiß nicht was es ist, aber es scheint dir wichtig zu sein. Es geht nicht um eure anderen Sachen, sondern um etwas Bestimmtes.“
Da richtete er sich wieder auf und sah sie an. „Ihr... Du hast Recht“, meinte er dann und nickte. „Ich bin mit deinen Bedingungen einverstanden.“
Auch Tsuki nickte und stand auf. „Wir sollten gleich aufbrechen. Der Nachmittag ist bereits angebrochen und nachts kann der Wald trügerisch sein.“
Die Miko sah sie ebenso an, wie die Geschwister. „Bist du dir sicher, dass du das richtige tust?“, meinte sie, nachdem sie die ganze Zeit geschwiegen hatte.
Tsuki nickte. „Glaub mir, ich weiß was ich tue, Miko-sama.“
Daraufhin schwieg die Alte und sah sie grübelnd an.
„Pass auf das Mädchen auf“, forderte Tsuki sie dann auf, bevor sie sich an Fukuro wandte. „Lass uns gehen.“
„In Ordnung“, meinte er langsam. „Was ist eigentlich mit unseren Waffen?“, fragte er dann.
„Die sind an einem sicheren Ort“, grinste Tsuki. „Und weder du, noch deine Schwester werden sie so schnell wieder sehen.“
Er seufzte, folgte ihr aber dann, als sie barfuss das Haus verließ. Erst jetzt viel ihm auf, dass sie draußen keine Schuhe trug und ihre Füße trotzdem nicht rau wirkten.
Schließlich hatten sie Hayashimura verlassen und betraten den Wald, beschleunigte Tsuki ihren Schritt, so dass es ihm schwer viel, mit ihr mitzuhalten, obwohl er damit gerechnet hatte schneller als sie zu sein, da er größer war und somit längere Beine hatte.
„Warte, Tsuki-san“, keuchte er, woraufhin sie stehen blieb. „Sollte ich nicht besser vorangehen?“, fragte er. „Ich meine, ihr könnt nicht wissen wo wir die Taschen versteckt haben.“ Er musterte sie. „Oder?“, setzte er dann unsicher hinzu.
„Doch, ich weiß es“, meinte sie und kicherte. „Beziehungsweise, der Wald weiß es und er hat es mir verraten.“ Sie grinste wieder.
Daraufhin schwieg er und folgte ihr so gut er konnte, da sie tatsächlich die richtige Richtung eingeschlagen hatte, auch wenn er sich das kaum erklären konnte. Sie musste ein Wesen des Waldes sein – nur was, fragte er sich immer und immer wieder. Sie konnte Geister rufen und mit dem Wald reden. Magie beherrschte sie auch. Also was konnte sie sein?
Die Zeit verging viel zu schnell oder die Sonne hatte heute beschlossen eher als sonst unterzugehen, denn das Zwielicht des Waldes war noch undurchschaubarer und dunkler als am Tag, als die dort ankamen, wo die beiden Geschwister am Tag zuvor die Taschen unter einem Laubhaufen versteckt hatten. Dabei hätte Fukuro schwören können, dass sie viel weniger Zeit gebraucht hatten, als sie von dort zum Dorf liefen, und da waren sie nicht gerannt.
Trotzdem: Der Himmel über dem Blätterdach war in den roten Ton der untergehenden Sonne getaucht.
„Was ist denn nun das wichtige, was du holen wolltest?“, fragte Tsuki, als sie das Laub beiseite schob.
Fukuro antwortete nicht, sondern öffnete eine der aus dunklem Stoff genähten Taschen und wühlte darin, was die Frau geduldig abwartete. Schließlich zog er ein geknotetes Stoffbändchen aus der Tasche hervor. Es war aus weißen, blauen und schwarzen Faden gemacht und in der Mitte war ein Amulett mit einem eingearbeiteten Stein befestigt.
„Ein Siegelamulett?“, fragte Tsuki.
Er nickte bedächtig, sagte aber nichts.
„Für wen?“, setzte Tsuki dann hinzu. „Ich meine, es gehört jemanden... Sein Zauber ist für eine bestimmte Person, für eine Yuki On...“ Sie brach ab. „Deine Schwester.“
„Ja“, seufzte er und sah sie hilflos an. „Sie ist die Tochter von unserem Vater und einer Yuki Onna. Wenn sie das Band länger nicht trägt, verliert sie jegliche Kontrolle über sich...“
„Warum hat sie es überhaupt abgelegt?“, fragte die junge Frau.
„Das tut sie immer, wenn wir Aufträge ausführen“, meinte er. „Zwar hält das Amulett ihr Wesen unter Kontrolle, jedoch nimmt es ihr auch einen Teil ihrer körperlichen Kraft.“
Auch Tsuki seufzte, bevor eisernes Schweigen zwischen den beiden herrschte.
Schließlich erhob die Frau doch wieder die Stimme um erneut sie selbe Frage wie am Abend zuvor zu stellen: „Wer hat euch den Auftrag geben Namida zu stehlen?“
Er sah sie an und zögerte. „Der... Der Namishui zerstört hat... Ein Oni namens...“ Doch den Satz konnte er nicht zu ende führen, als plötzlich ein Wind aufkam und Tsuki zusammenfahren ließ.
„Runter!“, rief sie und warf ihn zu Boden, als eine Art Schockwelle über sie hinweg fegte und den Baum vor den sie standen einfach fällte, so dass sie erneut zur Seite springen mussten um diesem auszuweichen.
Tsuki sah auf. Ein Mann, vom Äußeren her nicht älter als dreißig, mit roten Augen und Krallen an Stelle von Händen und Füßen stand auf dem Ast eines nahe gelegenen Baumes und sah auf sie herunter. Auf seiner Stirn war ein kleines Horn zu erkennen, welches ihn als einen Oni offenbarte.
Er holte erneut mit dem linken Arm aus und sandte eine weitere Schockwelle in ihre Richtung aus. Doch dieses Mal reagierten beide rechtzeitig:
Der Ninja machte ein Handzeichen zum Schutz, was ein Schild um sie herum entstehen ließ, während Tsukis Glöckchen zu läuten anfingen und das Schild verstärkten, so dass die Schockwelle daran abprallte, ihre Richtung änderte und direkt auf den Oni zuflog, der ihr mit einem Sprung in die Höhe auswich.
Er trug eine dünne Rüstung, welche jedoch nur den Brustkorb schützte. Die Kleidung war anders als die, die Tsuki bisher gesehen hatte. Es war keine Kleidung, die normal auf Eikyû getragen wurde. Die Haare des Mannes waren schwarz und lang, während eine große Brandtnarbe seine linke Gesichtshälfte zierte.
„Wo ist deine dumme Schwester?“, rief der Mann nun mit Donnerstimme.
Fukuro wandte nur den Blick ab und begann zu zittern. Das war der Oni, der ihre Insel vernichtet hatte und nur Yuki aufgrund ihres Blutes verschonte. Und Yuki war es, die ihn, Fukuro, gerettet hatte. Alle anderen waren Tod und er würde es auch bald sein.
„Wo ist die Yuki Onna?“, wiederholte der Oni nun seine Frage.
Tsukis Blick wanderte zwischen den beiden Männern hin und her. Sie hatte schon verstanden, was es mit dem Oni auf sich hatte. Kurz überlegte sie, dann trat sie aus dem Schild heraus. „Sie ist nicht hier, wie du siehst!“, rief sie und ging auf den Dämon zu.
„Was mischt du dich ein, Weib?“, erwiderte dieser verächtlich, bevor er sich wieder Fukuro zuwandte. „Und die heilige Namida hast du auch nicht bei dir“, meinte er dann. „Es war dumm, dich am Leben zu lassen.“
Eine neue Schockwelle, doch dieses Mal kam sie nicht einmal bis zum Schild, denn Tsuki streckte die Hand vor und lenkte nur mit einer Bewegung die Welle um, so dass die das Ende zwei weiterer Bäume bedeutete.
„Misch dich nicht ein, Weib!“, kreischte der Oni nun empört, doch Tsuki blieb ruhig: „Du willst doch kämpfen, oder?“
Der Oni erwiderte nichts, musterte die Frau nur. „Und?“
„Kämpf mit mir!“, rief Tsuki und sprang in die Luft.
Nun sah auch Fukuro auf und folgte dem Flug der Frau mit dem Blick. Keine der weiteren vom Dämon ausgesandten Wellen traf sie und langsam – bildete er sich das etwa nur ein? – fing ein silberner Schein an ihren Körper zu umgeben. Als würde dieser den Schein des blasen Mondes, der am noch immer rötlichen Himmel stand, reflektieren. Dann begann sich auf einmal ihr Haar ins silberne zu verfärben und ihr Körper wurde seltsam in die Länge gezogen. Der Schimmer nahm ihren Körper immer mehr in sich auf und schien ihn zu verändern. Während sich die Beine verkürzten, wurden die Arme länger und bekamen eine andere Form. Der Kopf wurde in die Länge gezogen, zwei Tier Ohren waren in den Konturen zu erkennen. Auch der Bau des Rumpfes kam dem eines Tieres, vielleicht dem eines Wolfes oder eines großen Fuchses, näher und schließlich bestätigten Neun buschige Schwänze, dass es der Körper eines Fuchses war, den Tsuki nun besaß.
Als die Verwandlung abgeschlossen war, landete sie auf allen Vieren auf dem Boden. Es war ein schöner Fuchs, mit weichen silbernen Fell und golden strahlenden Augen, die neben den Glöckchen, die zwar größer, aber trotzdem noch vorhanden waren, das einzige waren, was noch an die junge Frau erinnerte.
Nun wusste Fukuro endlich was sie war. „Kitsune...“, hauchte er, als ihm aufging wie blind er gewesen war. „Eine Fuchsfrau!“

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Begriffserklärungen

Kitsune: wörtlich Fuchs, hier Fuchsfrau, eine der in Japan bekanntesten Fabelfiguren. Es handelt sich hierbei um Füchse, die sich in schöne Frauen verwandeln und zum Teil Männer heiraten und mit ihnen Kinder bekommen. Der Mann darf jedoch (eigentlich) nicht heraus finden, was sie ist, sonst verschwindet sie.

Yuki Onna: Schneefrau, eine Geisterwesen, was in der Gestalt einer Schönen Frau auftaucht und Wanderer in die Schneestürme hinauslockt. Werden meistens als böse dargestellt.

Yurei: Geister (teils bösartig, Yuki Onna werden zu ihnen gezählt)

Yokai: Geister und Fabelwesen (auch Monster, zu ihnen werden aber auch Kitsune, Kappa u.ä. gezählt)

Oni: Japanische Dämonen. Vor dem dem 15. Jh. weitestgehend als gut dargestellt, treten sie nach dieser Wende in Legenden meistens als böse auf. Sie sind durch ein Horn auf der Stirn gekennzeichnet.





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