mam Moderatorin a.D.
  

Status: Offline Registriert seit: 29.06.2006 Beiträge: 572 Nachricht senden | Erstellt am 24.07.2006 - 17:04 |  |
Eierverklappung
Kennen Sie Julklapp, auch Weihnachswichteln genannt?
Meine Freundinnen und ich unterhielten uns kurz nach Weihnachten über unsinnige Geschenke im Allgemeinen und Pralinen im Besonderen.
Jede von uns zählte die Sorten auf, die sie bekommen hatte, jedoch absolut nicht mochte. Bei mir waren es „Merci“, „Milka“ und eine klumpige Mischung aus Nüssen, Bitterschokolade und Kakao mit einem phantasievollen, jedoch unaussprechlichen Namen aus irgendeinem osteuropäischen Land versehen.
Todesmutig (oder bescheuert), wie wir waren, öffneten wir gemeinsam die Schachtel Prgrímagécz oder Géczmzik oder wie immer besagte Scheußlichkeit hieß.
Der Inhalt bestand nicht aus gewohnten wohl geformten Schokoladenstücken sondern aus einer klumpigen Masse und beim Betrachten derselben fiel mir sofort der Spruch ein „Vor Gebrauch bitte schütteln; nach Schütteln nicht mehr zu gebrauchen“.
Gitta: „Das Zeug muss in den Kühlschrank.“
Claudia: „Das Zeug muss in den Mülleimer.“
Ich: „Das Zeug muss wieder in den Osten.“
Conny: „Das Zeug muss zu Frau Merkel.“
Ich: „Du meinst, zu einem Ferkel. Frau Merkel können wir das nicht antun.“
Während die Schokoladenmasse im Tiefkühlfach langsam erstarrend der Dinge harrte, die noch auf sie zukommen sollten, hüpften unsere Gespräche von Julklapp zur Vogelgrippe und von dort aus weiter zu Frau Merkel, nicht ohne einen Zwischenstopp bei der Rentensteuer gemacht zu haben. Ja, in der Tat, wir sind gründliche Tratschweiber.
Eine Stunde später griffen 4 lange und wohlgeformte Fingernägel - Paare gleichzeitig in die erstarrte braune Masse und wir erkannten blitzartig, warum einige Osteuropäische Länder Hammer und Sichel zu ihrem Statussymbol ernannt haben. Diese Werkzeuge hätten wir jetzt gut brauchen können.
Gitta: „Da fehlt Zucker.“
Claudia: „Da fehlt Geschmack.“
Conny: „Da fehlt alles.“
Ich: „Da fehlt eine Briefmarke und ein Aufkleber ‚Zurück zum Absender’ “.
Nachdem diese Scheußlichkeit mit einem gezielten Tritt das Innere des Mülleimers besichtigen konnte, verfielen wir wieder dem Thema Julklapp.
Gitta: „Das könnten wir doch auch an Ostern machen.“
Claudia: „Aber nur unter uns Vier.“
Conny: „Es darf einen gewissen Preis nicht überschreiten.“
Ich: „Wir brauchen einen genialen Namen dafür. Einen, der noch nie da war.“
Osterklapp, Osterwichteln, Hasenwichteln, Eierwichteln, Hennenwichteln, Eierverklappung ...
Wir entschieden uns für „Eierverklappung“, eine Verballhornung aus den Worten Verklappung (aus damalig gegebenem politischen Anlass) und einem österlichem Begriff und minimierten die auszugebende Summe auf 5,- €. Es sollte ja um den Spaß gehen und nicht darum, Reichtümer auszugeben oder zu erwarten. Die Auslosung, wer wem etwas zu schenken hatte, sollte Claudias Mann übertragen werden, da er äußerst korrekt und vertrauensvoll ist. Eine Woche vor Ostern sollten wir die Überraschung per Post abgeschickt haben. Wer Pralinen oder Schokolade schenkt, fliegt aus unserem Weiberverein.
5,- € sind verdammt wenig, um etwas wirklich Schickes zu erwerben. Douglas konnte ich schon mal von vornherein ausschließen. Selbst Modeschmuck, der etwas hergeben sollte, kostete mindestens 10,- €.
Meine Tochter meinte, ich solle etwas basteln, häkeln oder stricken. Wie Bitte? Kann ein Elefant etwa fliegen?
Doch dann entdeckte ich so süße kleine Osterhäschen aus Muscheln gebastelt und eine süße Fensterkette mit Vogelnester und einen tollen Quietsche-Osterhasen. Ja, auch für den kleinen Geldbeutel ist etwas zu finden.
An Pfingsten saßen wir dann wieder zusammen und beratschlagten, was wir mit all diesem Krempel anfangen. 
Copyright by Marina Braun.
[Dieser Beitrag wurde am 04.10.2009 - 10:51 von mam aktualisiert]
Signatur Praesis ut prosis, non ut imperes (Stehe an der Spitze um zu dienen, nicht um zu herrschen) |