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| Ersteller | Thema » Beitrag als Abo bestellen |  | Spacetrucker57 unregistriert
| Erstellt am 16.06.2007 - 13:09 | |
Lautlos sackte der schwere Körper zu Boden.
Erschrocken sah sie auf: "Ist er......", doch ein warmendes Zischen bedeutete ihr, ruhig zu sein. Stattdessen flüsterte sie: "Ist er tot"?
"Nein, er schläft nur eine Weile". Der Alte bedeutete seinen Begleitern, ihm zu folgen und leise zu sein. Sie hatten ihr Ziel fast erreicht.
Vor einer der Türen blieb er stehen und überprüfte das Hängeschloß.
Irgendwo im Gang hallten Schritte wieder und er hob warnend die Hand. Doch die Drei blieben unbehelligt.
Mit leisem Knacken sprang das Schloß auf und der alte Mann zog die Tür auf.
Es war Eine der wenigen Zellen auf Wallinor und sie war nicht leer.
Isa schlüpfte an ihm vorbei und betrat den Kerker.
Schnell sah sie sich um und gewahrte die Frau, welche sich in eine Ecken gekauert und gegen die Wand gedrückt hatte. Sie atmete aufgeregt, als das Mädchen auf sie zutrat.
"Komm, schnell, wir haben wenig Zeit".
Doch Tessa schüttelte den Kopf und drückte sich noch enger an die Wand.
"Schnell, wir müssen weg". Isa forderte ungeduldig, doch wiederum war ein Kopfschütteln die Antwort.
"Sie werden dich töten und verbrennen". Das Mädchen kniete vor Tessa nieder und versuchte, deren Fesseln zu entfernen. Ein Stoß vor die Brust ließ sie nach hinten fallen.
"Was ist mit dir. Komm, wir werden dich retten".
Sie streckte die Hände nach der Gefangenen aus, doch deren Antwort ließ Isa schier verzweifeln.
"Nein, ich werde nicht mit Euch gehen.Gott hat mein Schicksal bestimmt und ich werde es tragen".
"Aber er hat Eure Liebe verraten und will dich töten lassen". Isa glaubte nicht, was sie da gerade hören mußte.
Langsam schüttelte Tessa den Kopf. "Mag es Euch auch so scheinen, so hat er mich doch niemals verraten. Unsere Liebe ist stärker als der Tod und ich liebe ihn von ganzem Herzen".
Unsäglicher Schmerz lag in ihren Augen.
"Aber..........."?
"Nein, Isabella, du wirst es nicht verstehen. Es ist lieb von Dir, mich retten zu wollen, doch wenn du es tust, so muß ich meine Liebe zu ihm verraten.
Geh....geh schnell. Ich danke Dir. Du hast ein reines Herz und eine gute Seele. Ich werde für Dich beten, doch ich werde Euch nicht begleiten".
Isa erstarrte für einen Moment. Hatten sie doch viel riskiert, um dieses arme Mädchen zu retten, so begriff sie nur langsam deren wahre Beweggründe.
Wehmut schnürte ihr das Herz zusammen und in einer jäher Gefühlswallung ging sie in die Knie und schlang Tessa die Arme um den Hals.
"Bitte, komm mit uns. Ich möchte nicht, daß du stirbst" flüsterte sie.
"Geh mit Gott, Isa, geh mit Gott und laß mich mein Schicksal ertragen". Isa spürte die Tränen der Frau und auch ihre Augen wurde feucht.
Sie nahm Tessa's Gesicht in beiden Händen und küsste ihre Stirn.
"Ich werde dich immer in meinen Gedanken behalten, tapfere Tessa".
Tessa's Körper versteifte sich und sie schob Isa sacht von sich.
"Ihr müßt gehen, die Wachablösung kommt bald. Lebe wohl, Isabella".
Mit diesen Worten schob die junge Frau Isa von sich.
Ein letzter verzweifelter Blick und eine stummen Frage in jungen Mädchenaugen. "Warum".
Doch niemand sollte je eine Antwort darauf geben .
Langsam regte sich der betäubte Wächter, doch die drei Gestalten entkamen unerkannt.
| Spacetrucker57 unregistriert
| Erstellt am 17.06.2007 - 14:12 | |
Der Tarenter saß noch eine Weile grübelnd und sah dem fröhlichen Treiben zu, derweil sich seine Gedanken schon wieder um die bevorstehende Mission drehten.
"Ich sollte mit König Lancelot einmal reden", dachte er. Vielleicht, daß Jener nicht abgeneigt war, ihm ein paar Mannen zur Verfügung zu stellen oder gar selbst mit auf einen neuerlichen Kreuzzug zu gehen, Lust hätte.
Gesagt, getan. Bohemund erhob sich und strebte der Burg zu, um Lancelot seine Aufwartung zu machen.
Er beschleunigte seine Schritte, denn er wollte nicht viel Zeit verlieren.
Gerade bog er um eine Hausecke, als er aus voller Wucht mit einer verhüllten Gestalt zusammenprallte.
Geistesgegenwärtig umfing er die schlanke Gestalt, um deren Sturz auf das harte Pflaster zu verhindern.
Der unterdrückte Schmerzensschrei gehörte offensichtlich zu einer weiblichen Person. Ihre Kapuze verrutschte und er blickte in das Antlitz einer blonden Frau.
"Vergebt mir meine Eile, Schönheit", stammelte er.
"Habt ihr euch weh getan"? Nur widerstrebend ließ er die Frau los, die ihn mit unverhohlenem Zorn anblickte.
"Könnt Ihr nicht aufpassen, Tölpel", entgegnete sie und richtete ihre Kleidung. Ein süßer, blumiger Duft hing in der Luft, der offensichtlich ihrem Haar entströmte.
"Vergebt mir meine Eile, Gnädigste".
Bohemund war offensichtlich verwirrt. "Mein Name ist Bohemund von Tarent".
Er verbeugte sich und fragte zögernd: "Seid Ihr in Ordnung, werte Jungfer..........."?
Die junge Maid ließ sich mit einer Antwort Zeit, während der Ritter ungeduldig hoffte, alsbald den Namen dieser Schönheit zu erfahren.
[Dieser Beitrag wurde am 17.06.2007 - 14:33 von Spacetrucker57 aktualisiert]
| WHISPER  Hohepriesterin
       

Status: Offline Registriert seit: 21.04.2005 Beiträge: 2710 Nachricht senden | Erstellt am 19.06.2007 - 09:48 | |
Gerrit streifte leicht die Kapuze ihres Umhangs zur Seite und blickte den Bruchteil einer Sekunde in die stahlblauen Augen Bohemunds. Fast schien sie geneigt, diesem Blick etwas abzugewinnen, sie zögerte , hatte schon eine Antwort auf den Lippen, doch : NEIN ! Keine Schwäche zeigen für einen Fremden ! Nie mehr in ihrem Leben würde sie sich einem Manne hingeben nach der brutalen Vergewaltigung durch Hagen.
(Die Spielchen zwischen ihr und Galahad waren die absolute Ausnahme und auf anderer Basis, da sich die Beiden volles Vertrauen schenkten)
Ihr Körper gehörte ihr, ihr allein.
Signatur Pazifisten sind wie Schafe, die glauben, der Wolf sei ein Vegetarier... | Spacetrucker57 unregistriert
| Erstellt am 22.06.2007 - 17:31 | |
Bohemund war enttäuscht. Obwohl ihn die Dame kurz und eingehend musterte, blieb ihr Mund verschlossen.
"Nun denn, Jungfer Unbekannt, vergebt mir, so Ihr könnt. Jedoch muß ich nun leider auf Eure Gegenwart verzichten. Gehabt Euch wohl und passt an den Häuserecken lieber etwas besser auf".
Es ärgerte ihn das die junge Frau ihren Namen nicht preisgegeben hatte und so fügte er noch patzig hinzu: "Vielleicht daß Ihr beim nächsten Mal nicht mit einem Eherenmann, sondern eher mit einem Wüstling zusammenstoßet. Es wäre schade um Euer hübsches Gesicht".
Er verneigte sich mit einer höflichen, jedoch knapp gehaltenen Verbeugung und wandte sich zum Gehen. "Eingebildetes Weibsstück", dachte er im Stillen. "Wer weiß, mit welchem verlausten Troß du hierhergekommen bist und welcher lüsterne Edelmann nun seine Hände über Dir hält".
Doch sein Unmut hielt nicht lange an und schon kreisten seine Gedanken wieder um wichtigere Dinge.
| Spacetrucker57 unregistriert
| Erstellt am 23.06.2007 - 13:34 | |
"Ich verstehe es trotzdem nicht", rief sie aufgebracht. "Er hat sie doch ganz offen verraten. Wie kann sie ihn dann trotzdem noch lieben"?
"Isa, beruhige dich". Lothar legte ihr beschwichtigend die Hand auf die Schulter. "Hast du nicht auch Deine Liebe zu Galahad verraten und er hat dich trotzdem immer noch geliebt"?
Das Mädchen hielt inne, wie unter einem Schlag verstummt. Tränen traten in ihre Augen, als sie leise erwiderte: "Das war doch etwas anderes".
"Nein, Isa, das war es nicht. Du bist feige davongelaufen, weil du Angst hattest. Du hast Galahad nie gefragt, wie er über den Verlust seines Kindes denkt. Damit hast du ihn enttäuscht und Eure Liebe verraten. Doch er hat Dir verziehen, so wie Tessa dem Inquisitor verzeiht. Sie wird für ihn sterben, ja. Doch sie wird ihn bis zum letzten Atemzug lieben. Das hat sie dir ins Gesicht gesagt".
Große, dunkel Augen sahen den alten Schwertmeister zweifelnd an.
"Aber sie ist doch noch so jung". Resignation lag in ihrer Stimme. "Sie hätte doch mit uns fortgehen können und niemand hätte sie gefunden".
"Du hast es versucht, Mädchen, weil du ein gutes Herz hast. Und du hast deine Antwort erhalten. Alles Andere liegt in Gottes Hand".
Müde striche sich Lothar über die Augen und sah Jondar bedauernd an. Dieser zuckte nur mit den Schultern und schaute alsdann wieder nachdenklich auf seinen Bierkrug.
Nach dem mißlungenen Befreiungsversuch waren sie wieder im Gasthof angekommen und warteten nun auf den Vierten im Bunde, Bohemund von Tarent. Doch dieser schien Wichtigeres zu tun zu haben, als den Abend in einer überfüllten Schänke zu verbringen.
| Savertin  Der Burgvogt (coAdmin)
        

Status: Offline Registriert seit: 18.04.2005 Beiträge: 4907 Nachricht senden | Erstellt am 21.07.2007 - 09:40 | |
Endlich hatte sich Galahad aus der Menschenmenge gekämpft und eilte in den Rosengarten. Er sah schemenhaft eine zarte Gestalt durch die wallenden Nebel. Galahad trat an sie heran, als sich Solivai umdrehte und sich beide schweigend in die Augen sahen. Schließlich war es die Baronin, die das Schweigen brach:"Ein wunderschönes Lied, mein lieber Galahad. Du weißt, wie man Damen schmeichelt."
Galahad erwiderte:"Nein Solivai, ich weiß, wie ich meiner Liebe schmeichele. Das ist ein feiner Unterschied. Ich hätte nie..."
Solivai küsste den Ritter, so dass er seinen Satz nicht mehr beenden konnte.
"Du weißt, was es bedeutet, dass ich Dir den Hof mache?" fragte er nach dem Kuß.
"Ja, ich weiß es. Du liebst mich." sagte sie einfach.
"Nein, ich meine ja, aber nicht nur das. Es wird offiziell, denn ich bin des Königs Sohn und Erbe." meinte Galahad etwas verwirrt.
"Das ist nichts Neues für mich. Ich liebe Dich, nicht Deine Titel, mein Galahad. Versprich mir, dass Du mich nicht wieder verlässt!"
"Genau das wollte ich ja sagen, als du mich..."
Und abermals schnitt sie ihm das Wort mit einem innigen Kuss ab. Gemeinsam blieben sie noch eine Weile im Rosengarten, ehe sie wieder dem Burghof zustrebten.
Signatur Homo homini lupus
(Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf) | Savertin  Der Burgvogt (coAdmin)
        

Status: Offline Registriert seit: 18.04.2005 Beiträge: 4907 Nachricht senden | Erstellt am 24.11.2007 - 15:54 | |
Als sie dort auf den König trafen, verkündeten sie ihr Vorhaben, alsbald zu heiraten. Lancelot konnte dies nur begrüßen, denn so konnte er seine ursprünglichen Pläne umsetzen und wieder nach Albernia zurück kehren. Doch war es nun noch nicht an der Zeit, es den beiden zu offenbaren. Vielmehr ließ er Wein kommen und gemeinsam stießen sie auf das Wohl der königlichen Familie an. Es wurde noch lange auf Burg Wallinor gefeiert.
In dieser Nacht suchte Bohemund von Tarent nach Gerrit doch konnte er sie nicht finden. Nach einigen Stunden der Suche, brach er sie enttäuscht ab und begab sich zurück ins Gasthaus.
Am nächsten Morgen waren viele schon sehr früh auf, denn dies sollte der Tag der Hinrichtung der letzten Verräter auf Wallinor sein. Gerrit war eine der ersten, die ihren Platz auf der Tribüne einnahm, damit der Tronjer ihr in die Augen sehen musste, wenn er starb. Sie hatte das Glück, das vielen seiner Opfer verwehrt blieb, da sie vor ihm starben. Sei es unmittelbar durch die Verbrechen, die er begangen hatte oder in Folge dieser.
Als kurz vor Mittag die Trommeln rührten, waren die Ränge gut gefüllt. Bernardo Gui selbst holte den ehemaligen Truchseß aus seinem Verließ. Noch immer war er trotzig und weigerte sich, die Beichte abzulegen. Als er jedoch auf einem Karren durch die Menge gefahren wurde und den Hass spürte, der ihm entgegenschlug, brach er zusammen. Seine feigen Lügen hatten ihn in diese Lage gebracht, die nun unabänderlich war.
Am Schaffott angekommen, ging alles sehr schnell: der Strick wurde ihm um den Hals gelegt und als Lancelot dem Henker zu nickte, fiel der Tronjer ins bodenlose und erstickte jämmerlich, wie ein Pferdedieb. Gerrit lächelte ihn an, dies war das letzte Bild, das Hagen sah. Er starb ohne Freunde, Trost und Hoffnung.
Nach kurzer Ruhe brandete Jubel auf, alle tanzten, denn nun sollte die große Turnei beginnen.
Galahad gewann abermals die Tjost, doch beim Schwertkampf unterlag er erneut. Den gewann Bohemund von Tarent. König Lancelot gab während der Siegerehrung die Vermählung seines Sohnes mit Solivai bekannt und so schloß sich der Kreis.
Was geschah mit...?
König Lancelot:
Er trat eine Woche später die Regierungsgeschäfte und den Titel des Königs von Wallinor an seinen Sohn Galahad ab und kehrte vergnügt nach Albernia zurück, wo er noch viele Jahre lang jagen konnte. Nach Wallinor kam er nur zur Geburt seines Enkels wieder, als ihm die dankbaren Wallinorer einen unvergeßlichen Empfang bescherten.
Galahad und Solivai:
Die beiden heirateten unmittelbar nach der Turnei und regierten viele Jahre das Reich Wallinor gemeinsam. Sie bekamen 5 Kinder und lebten glücklich, bis an ihr Ende zusammen. Ihre Regentschaft war von Frieden und Weisheit sowie einer großen Liebe zum Volk der Wallinorer geprägt.
Bernardo Gui:
Der Großinquisitor schaffte es, seine Liason mit Tessa verborgen zu halten. Er traute Galahad und Solivai und taufte auch noch deren Erstgeborenen. Dann wurde er nach Rom gerufen, denn der Papst war verstorben. Gui wurde dessen Nachfolger und wurde nach 11 Jahren im Pontifikat in Avignon vergiftet.
Gerrit:
Sie wurde alsbald die Gräfin von der Hohen Mark, heiratete einen jungen Adligen namens Jocelin und führte mit ihm ein unbeschwertes Leben.
Lothar:
Lothar blieb auf Wallinor und übernahm innerhalb eines Jahres das Gasthaus und die Wirtsstube vor Ort. Das "Brunhildenbräu" wurde über die Landesgrenzen hinaus berühmt. Er starb im hohen Alter von 90 Jahren am Schlaganfall.
Isa und Bohemund:
Es dauerte noch einige Zeit, bis die beiden zueinander gefunden hatten. Dennoch heirateten sie nach drei Jahren auf Wallinor, denn Bohemund war nach dem Turnier gut mit Galahad befreundet und wurde sein Waffenmeister. Diesem Posten zuliebe blieb er auf Wallinor und kehrte nicht nach Tarent zurück. Sein Lehen dort vermachte er Jondar als Brautgeschenk für seine Schwester Isa. Die Ehe der beiden blieb kinderlos, weshalb sie zwei Wallinorer Waisen adoptierten.
Hagen von Tronje:
Als er sein irdisches Leben verröchelte, trat er durch die ewigen Pforten der Hölle und erleidet seit dem die Qualen, die er Zeit seines Lebens anderen zugefügt hatte.
ENDE
[Dieser Beitrag wurde am 24.11.2007 - 15:57 von Savertin aktualisiert]
Signatur Homo homini lupus
(Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf) |
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