Drehorgellui  User aus Leidenschaft
   

Status: Offline Registriert seit: 27.01.2006 Beiträge: 42 Nachricht senden | Erstellt am 12.03.2006 - 10:34 |  |
Heut mal ein Thema daß sicherlich so manchem von Euch auch schon mal über den Weg gelaufen ist !!
Daß in der Unterhaltungsbranche die Keyboardspieler die größte Gruppe ist und auch die, die in Bezug auf technisches meist an vorderster Front sind, ist ja wohl unbestritten.
Ich hatte vor ca. 2 Wochen eine Diskussion mit einem Keyboard-spieler. Inhalt des Streites......wer wohl hier, wenn bescheißt.
Da ich mich nicht als Musiker bezeichne, sondern als Unterhalter mit Instrumenten die jeder spielen kann, laß ich mich nicht als Betrüger oder "falschen Musiker" bezeichnen. Bei jedem Auftritt oder Termin, erkläre ich den Anwesenden daß ich auf selbstspielenden Instrumenten spiele und ich eigentlich nur daß zum klingen bringe, was andere gebaut haben. Nun erlaubte sich dieser Keyboardspieler den Satz...........was willst denn, Du kurbelst ja nur zur Show und wenn einer schon mit Midi-Files arbeitet !!!!!! Normalerweise hat sich bei mir dann jeder Diskussionsbedarf erledigt..............soviel Dummheit sollte man ungestraft lassen.
Aber dann kam der Hammer...........aufgrund meines 2jährigen Akkordeonunterrichtes bin ich sehr wohl in der Lage zu erkennen, ob jemand wirklich ein Keyboard spielt oder ob er............auch Midi Files benutzt........... und was glaubt ihr was der gespielt hat...............MIDI FILES.
Gespielt hat er auf einem Roland.......mit Diskettenlaufwerk.......... und auf meine süffisante Bemerkung hin, na was seh ich denn da........kam die Antwort.....das seien nur Disketten mit Begleitung !!. Hm dachte ich mir, nur Begleitung ?, aber warum spielt er dann mit beiden Händen ?, wo er doch die Begleitung dann nicht mehr spielen muß. Für mich war die Sache dann erledigt...............
Aber genauso läufts, 99% der Alleinunterhalter spielen mit Midi Files und können gar nicht oder überhaupt nur sehr wenig selbst spielen. Und dann wollen Sie sich ein Urteil über Midi gesteuerte Drehorgeln erlauben.
Gibt man bei Ebay den Begriff "Midi File", ein so bräuchte man 2 Tage um alles abzuarbeiten. Die Unterhaltungsbranche ist ohne Midis nicht mehr denkbar................... auch wenn es viele nicht zugeben wollen.
Ich persönlich habe damit kein Problem, da ich wie schon oben erwähnt.........kein Musiker bin....und wenn jemand will, ich jeden an die Kurbel lasse. Damit fahr ich ganz gut und wer trotzdem glaubt, daß er dumm daher reden muß.........dann soll er.
Oder was meint Ihr ?
Grüße vom Drehorgellui www.leierkasten.com
Signatur Musik die von Herzen kommt !!! Oberpfälzer Drehorgelorchester |
Orgelsmann  Power User
    

Status: Offline Registriert seit: 25.01.2006 Beiträge: 104 Nachricht senden | Erstellt am 12.03.2006 - 16:34 |  |
Was es nicht so alles gibt.
Mir hat man einmal vorgeworfen, Hofbauer-Spieler seien ja nur Knöpflesdrücker.
Meine Antwort: Ja richtig, aber ich habe Freude daran.
Eigentlich wollte ich sagen: Besser Knöpflesdrücker als Klopapier-Wickler.
Doch dann habe ich mich vor mir selbst geschämt ob solcher Gedanken.
Komponisten und Arrangeurte haben sich Mühe gemacht, ihre Werke einem großen Publikum zu Gehör zu bringen und wir sind eigentlich 'nur' Moderator. Der eine gut, der andere besser.
Und als ein Kollege einmal fragte, ob das, was ich spiele, auch Musik aus dem Hause meines Orgelherstellers sei, habe ich ihn gefragt, ob er denn auch Benzin aus dem Hause Mercedes fahre.
Kurz und gut, auch die Uroma mit einem Herzschrittmacher bleibt die gute alte Großmamma, oder nicht?
Gruß
Orgelsmann
Signatur Gemeinsam geht's besser!
Wer sich der Sonne zuwendet,
hat den Schatten hinter sich! |
Hans_Juergen_Erfurth  Administrator
    

Status: Offline Registriert seit: 13.11.2005 Beiträge: 83 Nachricht senden | Erstellt am 16.03.2006 - 21:05 |  |
Nun, jetzt muss ich auch noch meinen Senf zum Thema geben:
Ein langjähriger Orgeldreher, der sowohl eine selbstgebaute Hofbauer-Notenband- als auch eine elektronisch gesteuerte Hofbauer-Orgel hat, hat sich vor kurzem beim Spiel mit der Elektronikorgel als "Pumporgler" bezeichnet und steht auch zu dem Begriff. Auch er spielt diese Orgel sehr gern und ohne Minderwertigkeitsgefühle, warum auch? Die Orgeln hören sich fantastisch an. Wichtig ist, was aus den Orgelpfeifen (und natürlich nicht aus irgendwelchen Lautsprechern, die manche in Orgelattrappen mit Verstärkern einbauen) herauskommt und sowohl den Spieler als auch den Hörer erfreut.
Ein anderer Drehorgelspieler hat sich kürzlich begeistert über das Deleika-System geäußert, da er bei der Deleika-Elektronik bei entsprechender Einstellung die Geschwindigkeit der Musikwiedergabe durch die Kurbeldrehung bestimmen kann. Nur so könne er seine jeweilige Stimmung zum Ausdruck bringen und das entspricht der Notenband-Orgel, sagt er. Allerdings denke ich, dass nicht jede stimmungsabhängige Geschwindkeitsänderung grundsätzlich auf Wohlgefallen der Zuhörer treffen muss. Der jeweilige Arrangeur des Stücks hat sich ja auch etwas dabei gedacht, warum er es genau so gesetzt hat und nicht anders. Aber das hängt natürlich auch vom Lied und der Umgebung (z.B. auch bei Gesang) ab.
Auch ist bei manchem Kritiker und Nostalgiker (?) die strenge Beurteilung anderer Systeme nicht immer von Dauer. Ein überzeugter Notenband-Orgler, der die Zunft der elektronisch gesteuerten Orgler als "Elektriker" bezeichnet hat, erkennt plötzlich die Vorzüge von elektronisch gesteuerten Tanzbären!?!
Wir selbst haben Orgeln unterschiedlicher Bauart. Das geht von der mechanischen Walzenorgel über Notenband- bis hin zur rein elektronisch gesteuerten Orgel und finden alle ganz toll. Am flexibelsten sind für uns Orgeln, die sowohl mit Notenrollen als auch elektronisch gesteuert gespielt werden können, ganz nach Bedarf und Lust und Laune. Und wir setzen die Elektronik sehr gern ein, schon allein wegen der Vielfalt der mitgeführten Stücke. Bei Orchesterauftritten geht es wegen der notwendigen zentralen Steuerung sowieso kaum ohne Elektronik.
Wenn vor hundert Jahren beim Aufkommen der ersten Notenbandorgeln mit pneumatischer Steuerung der Systemstreit genauso verbissen geführt worden wäre wie von manchen Zeitgenossen heute, müssten wir alle noch mit den ursprünglichen Walzenorgeln mit ihrem beschränkten Liedrepertoire spielen. Und das fordern ja nicht einmal die kämpferischsten Traditionalisten - seltsam.
Schön wäre es, wenn auch in den Drehorgelkreisen die notwendige Toleranz und Offenheit für die jeweilige andere Technik selbstverständlich wäre, denn jede Orgel hat ihren Reiz und ist ein handwerkliches Meisterwerk. Und jeder Orgeldreher hat für sich hoffentlich die Orgel gewählt, die ihm am besten zusagt.
Hans-Jürgen
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